Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/resident-evil-7-biohazard-im-test-einfach-der-horror-1701-125770.html    Veröffentlicht: 24.01.2017 14:02    Kurz-URL: https://glm.io/125770

Resident Evil 7 Biohazard im Test

Einfach der Horror!

Keine Gegnervielfalt, kaum Waffen, keine Superfähigkeiten. Aber trotzdem verdammt spannend. Mit Resident Evil 7 legt Capcom einen überzeugenden Serienneustart hin, der sogar vollwertig mit Playstation VR spielbar ist. Nur ganz selten wird das Horrorhaus zur Schießbude - wir erklären das im Test.

Drei Jahre! Ganze drei Jahre sind vergangen, seitdem Mia verschwunden ist. Und plötzlich bekommen wir ein Lebenszeichen von unserer damaligen Freundin. Klare Sache: Natürlich fahren wir dorthin, wo sie sein soll. In ein verlassenes Anwesen mitten in den Sümpfen von Louisiana. Wir sind in diesem Fall die Hauptfigur von Resident Evil 7 Biohazard. Und als dieser Held schleichen wir uns direkt nach dem Start auf das Gelände. Im echten Leben hätten wir diesen Mut sicher nicht. Gleich am Eingang stolpern wir über Knochen und müssen unter gruselig arrangierten Tierkadavern durchkrabbeln. Zum Glück können Computerspiele noch keine Gerüche simulieren! Aber wenn wir das neue Resi möglichst echt erleben möchten - und über entsprechend starke Nerven verfügen - können wir es auch mit Playstation VR spielen, was die Sache noch spürbar intensiver macht. Dazu kommen wir aber noch…

Erstmal ganz grundlegend: Mit früheren Serienteilen hat das neueste Abenteuer fast nichts zu tun, Einsteiger benötigen also keinerlei Vorkenntnisse. Sie können sich in der Ich-Perspektive ganz auf die Suche nach Mia einlassen. Über ihr Schicksal verraten wir hier nichts, aber natürlich ist das Ganze keine simple Abholaktion. Dummerweise machen wir recht schnell Bekanntschaft mit den Eignern des Anwesens. Gemeint ist die Familie Baker, insbesondere ein gewisser Jack und seine Frau Marguerite.

Die beiden sind streng genommen keine ganz üblen Gastgeber - aber natürlich nur aus morbid-schwarzhumoriger Sicht. Jedenfalls ist die Familie Baker unser mit Abstand gefährlichster Feind in dem Spiel. Dazu kommen nur noch wenige weitere Gegner, über die wir hier aber ebenfalls nicht allzu viel sagen möchten.

Resident Evil 7 ist eines dieser Spiele, in denen es nicht sehr viele Begegnungen oder gar Kämpfe mit Feinden gibt. Stattdessen schleichen wir so leise und vorsichtig wie möglich durch die Gänge des Anwesens, suchen in Schränken, Truhen und sonstigen Verstecken nach hilfreichen Gegenständen und hoffen, dass uns niemand in den Rücken fällt oder anderweitig überrascht. Das ist meist extrem spannend - aber nicht immer.

Zumindest uns ist es so ergangen, dass wir Anhand von Anzeichen - unter anderem Geräusche - rasch gemerkt haben, ob gerade Gefahr in Verzug ist. Oder ob wir zumindest die nächsten paar Minuten relativ unbehelligt durch das halblinear angelegte Haus gehen können. Halblinear heißt hier: Im Großen und Ganzen ist unser Weg mitsamt der Handlung fest vorgegeben, nur selten erlebten wir kleinere Freiheiten etwa bei der Reihenfolge, in der wir Zimmer absuchen.

Ab und zu müssen wir in gut gemachten, auch in den niedrigeren Schwierigkeitsgraden nicht ganz einfachen, Auseinandersetzungen mit Axt, Messer oder Pistole um unser Leben kämpfen. Dabei geht es weniger darum, möglichst schnell und fest zuzuschlagen oder zu schießen. Sondern zumindest teilweise eher darum, die richtige Vorgehensweise zu finden. Außerdem müssen wir Gegenstände suchen und sie im simplen, aber völlig ausreichenden Inventar kombinieren, etwa um an Gegenstände zu gelangen, mit denen eine blockierte Tür überwunden werden kann.

VR, Verfügbarkeit und Fazit

Ein gelungenes, ziemlich ungewöhnliches dramaturgisches Element sind interaktive Videosequenzen. Die starten wir, indem wie eine Kassette direkt im Spiel in einen VHS-Rekorder schieben. Dann schauen wir aber keinen Film, sondern spielen - leicht verzerrt und mit Grisselgrafik - die Ereignisse aus dem Video nach. Wenn wir dort sterben, machen wir wie im sonstigen Spiel am letzten Speicherpunkt weiter. Diese Checkpoints sind sehr gut und fair gesetzt. Zusätzlich können wir in Saverooms auch manuell den jeweiligen Stand absichern.

Entwickler und Publisher Capcom gibt für die Kampagne eine Spielzeit von neun bis dreizehn Stunden an - für unser Gefühl ist eher die niedrigere Stundenzahl zutreffend. Für den VR-Modus ist die offizielle Zeitangabe zwei bis drei Stunden länger, was wir wiederum bestätigen können. Im vollwertigen VR-Modus von Resident Evil 7 steuern wir die Bewegungen per Gamepad, das Headtracking - also ein Blick zur Seite - erfolgt natürlich über die Playstation VR. Im VR-Modus erfolgen Bewegungen stufenweise, außerdem geht es relativ langsam und gemächlich zu - nur ganz selten ist uns minimal übel geworden.

Manchmal hat das durchaus praktische Vorteile, etwa wenn wir mit einem Beugen des Kopfes vorsichtig um eine Ecke schauen können, ob dort schon die Familie Baker lauert. An sich ist VR-Resi aber ebenso anstrengend wie intensiv. Wir finden, dass es noch mal mehr Überwindung kostet, eine Tür zu öffnen, wenn wir uns so unmittelbar in der fremden (VR-) Welt befinden.

Die Umgebungen und die Grafik wirken zwar auf den ersten Blick etwas farbarm und unspektakulär, aber letztlich gibt es dann eben doch sehr viele Details und erstklassige Lichteffekte zu bestaunen - mit dem Headset auf dem Kopf wirken diese noch mal interessanter als auf dem flachen Monitor.

Resident Evil 7 Biohazard ist für Xbox One und Playstation 4 für je rund 60 Euro und für Windows-PC für rund 50 Euro erhältlich. Wer bei Microsoft im Windows Store oder auf Xbox Live kauft, bekommt im Rahmen von Play Anywhere gleichzeitig die Xbox- und die PC-Fassung - Resi 7 ist damit das erste Programm eines Drittherstellers, für das dieses Angebot auch gilt. Neben Playstation VR werden übrigens keine weiteren Headsets wie etwa Oculus Rift oder HTC Vive unterstützt. Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, das englische Original liegt aber allen Versionen bei.

Für alle Plattformen gibt es eine spielbare Demo namens Beginning Hour; die für die PC-Version ist auf Steam zu finden. Hierzulande veröffentlicht Capcom eine ungeschnittene Version mit einer USK-Altersfreigabe ab 18 Jahre.

Fazit

Es braucht keine Zombiehorden und keine riesigen Waffenkammern: Resident Evil 7 bringt mit erstaunlich einfachen, aber gekonnt eingesetzten Mitteln den ganz großen Horror auf den Bildschirm. Hier sorgt schon das Öffnen einer Tür dafür, dass Angstschweiß ausbricht. Wenn die Eigner des Baker-Anwesens in die Nähe kommen, macht sich sogar so etwas wie Panik breit.

Selbst die Handlung ist mit wenigen, aber wirkungsvollen Andeutungen toll erzählt - und hat uns mehr berührt als so manch aufwendig mit Zwischensequenzen angereichertes Epos. Ein kleiner Geniestreich sind die interaktiven Videofilme, die für Abwechslung sorgen, ohne dass der Fokus auf die Hauptfigur verlorengeht.

Capcom hat richtig entschieden, sowohl im Standard- als auch im VR-Modus auf die Ich-Perspektive zu setzen. Besonders für Besitzer einer Playstation VR ist das Spiel eine Offenbarung: Der erste vollwertige Titel für das Headset spielt sich damit zwar anstrengend, aber sehr überzeugend. Auch die technische Umsetzung inklusive Steuerung ist gelungen.

Kleinere Probleme gibt es nur, wenn das Spiel zu stark auf hintergründige Spannung setzt und uns minutenlang eigentlich harmlose Gänge und Zimmer absuchen lässt. Haben wir ein Gespür dafür entwickelt, dass dort keine Gefahr droht, bricht die Immersion und das Horrorhaus fühlt sich an wie ein entvölkerter Demolevel. Sehr oft kommt das zum Glück nicht vor. Dafür wird es gegen Ende etwas zu actionlastig, weil sich der ein oder andere Kampf übermäßig in die Länge zieht.

Trotzdem: Unterm Strich ist Teil 7 das beste Resident Evil seit langem. Es ist nicht nur ein Meilenstein für die Serie, sondern für das ganze Genre. Wer halbwegs starke Nerven hat, sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.  (ps)


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