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Der große Ultra-HD-Blu-ray-Test (Teil 2)

4K-Hardware ist nichts für Anfänger

Lohnt sich die teure Hardware für den Ultra-HD-Betrieb samt HDR? Im zweiten Teil unseres großen UHD-Blu-ray-Tests geht es um die Abspielgeräte, die Zukunft und eine Auswahl von Fernsehern. Bei dem Aufbau kann der Anwender viel falsch machen und die günstige Xbox One S nervt mit Bugs.

Neue Hardware ist nötig, um die Ultra-High-Definition-Blu-ray-Disc abzuspielen. Und die ist teuer. Ein 4K-Fernseher und der passende Blu-ray-Player müssen angeschafft werden und beides erfordert eine Perfektion, die nicht immer gegeben ist. Auch bei der Verkabelung ist mehr zu beachten, als bei manchem PC-Setup. Insgesamt handelt es sich noch um ein riesiges Patchwork-System - nicht nur bei den Filmen, wie wir im ersten Teil dieses Artikels feststellten. Mit anderen Worten: Trotz hoher Kosten kann der Heimkino-Fan einiges falsch machen. Macht er alles richtig, sollte er am Ende zumindest theoretisch mit einem fantastischen Bild belohnt werden. Das kann allerdings ins Geld gehen.

Wir haben drei Fernsehgeräte und drei Player in allen möglichen Kombinationen in der Praxis getestet und uns auch ein wenig mit dem 4K-Streaming beschäftig. Unsere hohen Erwartungen haben die Geräte im Wert von ein paar tausend Euro leider nur teilweise erfüllt. Überraschenderweise weisen zahlreiche Probleme darauf hin, dass die ganze Industrie immer noch nicht so weit ist - seien es der HDMI-Standard, nicht ganz stabile Zuspieler oder Fernseher, die prinzipbedingt Schwierigkeiten haben, 10-Bit pro Farbkanal im unteren Helligkeitsbereich korrekt darzustellen.

55 Zoll ist die ideale 4K-TV-Größe

Unsere Fernsehgeräte sind jeweils 55 Zoll groß. Durch das geringere Gewicht und kleinere Diagonalen ist das Hantieren mit mehreren dieser Fernsehriesen einfacher als bei der 65-Zoll-Klasse - wenn auch immer noch nicht einfach. Die Geräte kosten 1.500 bis 2.500 Euro, Hersteller haben genug Marge für ordentliche Ausstattung und Qualität. Unterhalb dieser 55 Zoll wird es mit der Qualität schwierig, denn dort sind auch Billigheimer angesiedelt. Für die wenigsten Hersteller lohnt es sich, ein High-End-Gerät im 40-Zoll-Bereich anzubieten, wenn der Käufer im Elektronikmarkt ein Modell für weniger als ein Drittel des Preises sieht. Insbesondere bei Preisen um die 300 Euro neigen Hersteller dazu, sich gegenseitig zu unterbieten - und das zu Lasten der Qualität.

Freilich bilden unsere Fernseher nicht das komplette Spektrum ab, allein aus logistischen Gründen. Sie sollen als Beispiel für das zu Erwartende verstanden werden, nicht als Empfehlung. Wer einen guten Fernseher sucht, der informiert sich besser im Detail und liest Testberichte oder schaut sich sein Modell im abgedunkelten Heimkino-Demoraum seines Händlers an.

Unsere drei Ultra-HD-Zuspieler hingegen decken den Markt ab, sieht man von Sparvarianten ab. Viel Auswahl gibt es bei den Abspielgeräten noch nicht. Wir wollen diesbezüglich auch einen Blick auf die Zukunft werden: Welche Player kommen noch, welche Probleme sind zu erwarten? Denn die Ultra-HD-Blu-ray ist leider noch nicht fertig entwickelt.

Doch bevor wir dazu kommen, müssen wir erst einmal die Fernseher aufbauen.

Die Fernseher und Blu-ray-Player im Überblick

Allen Fernsehgeräten gemein sind die HDR-Fähigkeit, die Annahme von besserer Farbkodierung und hohe Helligkeit. Zusätzlich können sie bei passendem Zuspieler Ultra-HD-Videos abspielen. Da alle Geräte auch Smart-TVs sind, geht das gegebenenfalls per App, was wir uns später anschauen.

Bei Fernsehern der 55-Zoll-Klasse gibt es mehr Unterscheidungsmerkmale und dazu gehören auch die für uns wichtigen Punkte HDR und 4K. Prinzipiell würden sich auch kleinere Fernseher gut dafür eignen, man muss dann nur etwas näher davor sitzen. Leicht zu handhaben sind die 55-Zoll-Geräte leider nicht. Sie sind nicht zuletzt aufgrund der für HDR wichtigen starken Beleuchtung schwer.

Zwei Personen braucht es immer, um ein Gerät aufzustellen, wenn man keinen Panel-Bruch riskieren möchte. Leichter hantiert es sich mit Curved-Displays, hier sind zwar auch zwei Personen nötig, doch der Standfuß fällt bei unserem Modell erstaunlich simpel aus, da das Panel selbst schon für Kippstabilität sorgt. Gerade Panels brauchen schwere, separat zu montierende, Standfüße mit teils äußerst widerstandsfähigen Schrauben.

Getestet haben wir Sonys Edge-Lighting-System Bravia XD93, LGs OLED-Fernseher 55B6D (selbstleuchtend) und Samsungs Curved-Display KS7590 (Edge). Wir werden nur bestimmte Aspekte der Geräte betrachten. Uns interessieren weder Anschlüsse noch die eingebauten Tuner. Auch Upscaling-Funktionen und Spieletauglichkeit sind für uns nicht relevant. Wir konzentrieren uns auf UHD-BD-relevante Ergebnisse wie Darstellungsqualität und Aushandlung mit Zuspielern. Eine Kaufempfehlung sollen die Geräte nicht sein. Wir gehen nur am Rande auf die allgemeinen Fähigkeiten und das für manche Nutzer wichtige Design ein.

Es gibt nur eine geringe Abspielgeräte-Auswahl

Die Auswahl an Blu-ray-Playern ist momentan noch eine große Enttäuschung: Auch ein Dreivierteljahr nach dem Start der UHD-Blu-ray-Disc gibt es nur einige wenige Abspielgeräte. Von denen sind wiederum einige nicht verfügbar, einige sind nur Abwandlungen anderer Geräte. Panasonics Sparmodell UB700 ignorieren wir zugunsten eines hochwertigeren Modells. Oppos UDP-203 stand uns noch nicht zur Verfügung und wird derzeit in den USA verkauft. Und die unter der Marke Philips verkauften UHD-BD-Player sind aufgrund des regional beschränkten Verkaufs ebenfalls keine Option, wenngleich sie tatsächlich existieren. Philips' UHD-Player sind eigentlich japanische Geräte von Funai, die in den USA verkauft werden.

Wir testen also nur die hierzulande gut verfügbaren Player von Panasonic (UB900) und Samsungs UBD-K8500 sowie die Microsoft Xbox One S, die alle als potenziell günstige Einstiegsgeräte geeignet sind. Diese Zuspieler unterscheiden sich in einigen Punkten erheblich voneinander. Es gibt aber auch überraschende Gemeinsamkeiten.

Wenn das Betriebssystem die Ultra-HD-Fähigkeiten nicht ausreizt

Wirklich seltsam ist der Umstand, dass keiner der getesteten Abspieler ein 4K-Menü hat. Die genaue Auflösung lässt sich nicht herausfinden, aber es sieht so aus, als würden die Menü-Elemente auf 1080p/2k gerendert und dann billig hochskaliert. Der Anwender sieht allerhand Treppen in Buchstaben wie dem A, V oder R und wundert sich über das unscharfe Bild und ebenso unscharfe Logos. Gerade bei der Schrift fällt der Unterschied zwischen 2K und 4K dramatisch auf. Auch von der hohen Bitrate ist nichts zu sehen. Nicht einmal die Xbox One S zeigt überall schöne Farbverläufe. Wir wissen allerdings nicht, ob das zu sehende Color Banding als Stilmittel nicht durchaus Absicht ist. Jedenfalls gelingt es keinem der Hersteller, dem Anwender auf dem ersten Blick zu zeigen, was eigentlich 4K bedeutet und wie gut ein Bild eigentlich sein könnte.

Derart schlechte Menüs sind wir allerdings gewöhnt. Wer die 720p-Menüs der Xbox 360 kennt oder wenige Jahre alte Yamaha-Verstärker, die gefühlt ein VGA-Menü auf 1080p rendern, der wundert sich über nichts mehr. Wir sind enttäuscht über die Missachtung solcher Details in diesem High-End-Marktsegment. Wer mehrere hundert Euro für einen Heimkinobaustein bezahlt, der darf durchaus erwarten, dass das Hintergrundbild 3.840 x 2.160 Pixel bietet - und das mit so vielen Farben wie möglich. Wir befürchten, dass das aber noch Jahre dauern wird, bis es soweit ist.

Doch schauen wir uns die Abspieler zunächst im Detail an, denn perfekt ist keines der Geräte.

Samsung UBD-K8500: Günstiger Einstieg, aber nichts fürs Hifi-Rack

Wer einen UHD-Player haben will, der möchte möglichst unkompliziert Filme abspielen. Schublade auf, Film rein und los gehts. Das funktioniert bei allen getesteten Abspielgeräten. Die Geräte unterscheiden sich daher nicht unbedingt durch Stärken, sondern eher durch Schwächen, denn an vielen Stellen gibt es noch Optimierungsbedarf.

Zu den günstigen UHD-BD-Playern gehört derzeit Samsungs UBD-K8500, der ein für Samsung typisches Curved-Design hat. Als Hifi-Baustein eignet sich der Player deshalb nicht. Im Gegenzug ist das Design sehr kompakt. Der K8500 kann als Einzelgerät gut aufgestellt werden und das Gerät passt auch ganz gut unter Samsungs Fernseher.

Die Ausstattung ist aber nichts Besonderes. Ein Display fehlt dem Gerät beispielsweise. Der größte Nachteil dabei ist der Umstand, dass der UBD-K8500 die anderen Geräte nicht ersetzen kann. Als CD- oder BDPA/PABD/HFPA-Player muss der Fernseher angeschaltet bleiben. Wer das wichtig findet, stört sich schnell an dieser Schwäche des Abspielers, da der Anwender nicht sieht, an welcher Stelle die Disc gerade abgespielt wird. Das stört mitunter auch beim Filme ansehen. Bei der Zielgruppe der Heimkinofans ist ein Display eigentlich Pflicht - nicht jeder mag Informationen als Overlay über dem Film.

Erfühlbare Tasten und zwei HDMI-Ausgänge

Sehr gut gefällt uns, dass sich die Tasten an der Oberseite mit ein wenig Übung klar erfühlen lassen, obwohl es keine mechanischen Taster sind, sondern Sensortasten. Zwar ist die Anzahl der Tasten gering, aber die wichtigsten sind vorhanden. Es zeigt sich allerdings: Für das Abspielen von Musik ist das Gerät kaum geeignet. Etwas lästig finden wir, dass der Zugriff aufs Einstellungsmenü nur bei geschlossener Lade möglich ist. Das sollte sich aber mit einem Softwareupdate beheben lassen. Dazu kommt die nicht besonders gut reagierende Fernbedienung. Gerade die Eingabe eines komplexen WLAN-Passworts ist damit eine Qual.

Deutlich besser gefällt uns hinsichtlich der Anschlüsse Samsungs K8500. Neben Ethernet und Dual-Band-WLAN hat dieses Gerät einen zweiten HDMI-Ausgang für Audiosignale. Wer keinen 4K-A/V-Receiver hat, kann bedenkenlos zugreifen und muss sich nicht auf HDMI-ARC-Einschränkungen einlassen. Zusätzlich gibt es noch einen S/PDIF-Ausgang.

Viel Energiebedarf im Ruhemodus

Samsungs Player ist in unserem Testfeld zumindest beim Abspielen sparsam. Im Ruhemodus haben wir bereits 21 Watt gemessen. Das steigert sich bei der Blu-ray auf 24 Watt. Interessanterweise ändert sich das bei Samsung nicht beim UHD-Betrieb. Auch hier liegt die elektrische Leistungsaufnahme bei 24 Watt. Das lässt darauf schließen, dass Samsung sich nicht besonders viel Mühe beim Energiedesign gegeben hat. Wir wollen das allerdings auch nicht überbewerten, da ein angeschaltetes Abspielgerät in der Regel tatsächlich benutzt wird.

Sehr gut gefallen uns die mechanischen Eigenschaften, auch wenn diese stark vom Betriebssystem abhängig sind. Der Player ist das schnellste Gerät. Die Lade ist trotz Frontloader-Mechanismus nach drei Sekunden draußen und ein Film nach 25 Sekunden abspielbereit. So schnell ist leider kein anderes Gerät.

Aufgrund des derzeit geringen Preises ist das Abspielgerät durchaus für den Anfang gut geeignet. Es gab kaum Auffälligkeiten und keine Aushandlungsprobleme, das Gerät ist stabil und vor allem fix in der Bedienung, was man vom Panasonic-Player leider nicht sagen kann.

Panasonic UB900: Guter Player mit Problemen in der Dunkelheit

Panasonics High-End-Player für um die 600 Euro braucht deutlich länger. Bis die Lade geöffnet ist, vergehen stolze 15 Sekunden. Bis der Film gestartet ist, sind es insgesamt 45 Sekunden - ein bisschen viel für ein einfaches Abspielgerät. Schneller geht das nur mit dem erweiterten Standby-Modus. Dann wird der Hifi-Baustein nicht jedes Mal gebootet. In diesem Modus werden jedoch 8 Watt verheizt. Wir raten dringend davon ab, diese Funktion zu verwenden. Selbst wer jeden Abend einen Film schaut, der wird den Abspieler 21 Stunden mit 8 Watt beheizen, nur damit ein paar Sekunden gespart werden. Das ist unnötig unökologisch und muss zum Glück nicht aktiviert werden.

Panasonic erreicht dafür den mit Abstand besten Wert bei der Leistungsaufnahme. Im Ruhemodus benötigt der UB900 gerade einmal 11 Watt. Das ist erstaunlich nahe an dem, was Blu-ray-Player benötigen. Im Blu-ray-Modus steigt die Leistungsaufnahme auf immer noch sehr gute 15 Watt. Die UHD-BD benötigt 16,5 Watt.

Wie Samsung arbeitet auch Panasonic mit einem Frontlademechanismus, der elegant in dem sehr hochwertigen Gehäuse versteckt ist. Nicht nachvollziehen können wir die Sparsamkeit bei den Tasten. Von außen zugänglich sind nur zwei Sensortasten ohne Rückmeldung oder die Möglichkeit, sie zu erfühlen. Gerade bei dunklen Filmabenden haben wir dutzende Male entnervt auf den Tastenbereich gehämmert, ohne dass etwas passierte. Manchmal lag das am Bootvorgang oder wir trafen die Taste nicht. Aber auch mit Licht konnten wir die Tasten nicht immer aktivieren, da das Betriebssystem nicht so recht reagieren wollte. Dazu kamen zugegebenermaßen seltene Abstürze des Players oder längere Bootphasen, wenn wir den Player einfach vom Strom getrennt hatten. Dass ein sauberes Herunterfahren besser ist, ist klar, die Probleme hätten wir bei Hifi-Bausteinen dennoch nicht erwartet.

Deutlich besser als bei Samsungs Player ist die umfangreiche Fernbedienung von Panasonic. Sie reagiert sehr schnell und erleichtert auch Passworteingaben.

Schick fürs Hifi-Rack

Insgesamt gefällt uns Panasonics Player besser als Samsungs. Er passt ins Hifi-Rack, ist hochwertig und die Entwickler haben auf viele Details geachtet. Das gilt auch für die Menüführung. Während Samsung auf bunte Symbole setzt, gibt es bei Panasonic sehr ausführliche Einstellungen samt Erklärungen. Die könnten zwar noch besser sein, aber Panasonic ist diesbezüglich trotzdem derzeit die Referenz. Das gilt auch für die Statistiken im Overlay. Bitrate und ausgehandelte HDMI-Funktionen sind klar erkennbar. Bei Aushandlungsproblemen oder auch Konfigurationen ist das ungemein hilfreich. Anwender erkennen dann sofort, wenn sie Fehler bei den Fernsehereinstellungen gemacht haben. Hintergrundwissen ist allerdings nötig, um die Informationen zu verstehen.

Vorbildlich sind die Anschlussmöglichkeiten. Ethernet und Dual-Band-WLAN sind verbaut. Bei Letzterem gibt Panasonic schön viele Details zur WLAN-Konfiguration inklusive Kanalbandbreite preis. Dafür patzt Panasonic beim Umgang mit Controller-basierten WLAN-Systemen und flutet das Display mit SSIDs. Gut ist auch die Audio-Ausstattung. Dank eigener Audioausgänge kann auch altes High-End-Hifi-Equipment weiter verwendet werden, das HDMI nicht kennt. Einen zweiten HDMI-Out gibt es für alte A/V-Receiver natürlich auch.

Diese eigentlich wichtige Funktion fehlt unserer Abspieler-Alternative, der Xbox One S.

Xbox One S: Wenn sie nicht so laut wäre, wäre sie eine gute Zwischenlösung

Auf den ersten Blick erscheint die Xbox One S als hervorragende Alternative zu den dedizierten UHD-BD-Playern. Sie ist für weit unter 300 Euro zu haben und zugleich eine fähige HDR-Spielekonsole. Was will man mehr? Schon für das HDR-Gaming kann sich das Upgrade von der Xbox One auf eine Xbox One S lohnen. Rein von der Ausgabe her unterscheidet sich die Xbox One S nicht von der Konkurrenz. Die 4K-Discs werden ohne Makel abgespielt. Der Teufel steckt aber im Detail: Der Konsole fehlt es nicht nur an typischen Hifi-Funktionen, sie hat auch noch Fehler und stört beim ruhigen Videoabend.

Das liegt an den Geräuschen der internen Festplatte. Zwar gehört sie als 2,5-Zoll-Festplatte zu dem, was man messtechnisch als leise einstufen würde. In einer ruhigen heimischen Umgebung erscheint ihr dauerhaftes Gluckern beim Videoabend dennoch subjektiv zu laut. Denn diese Festplatte ist bei einem Film mit hohem Dynamikumfang beim Ton bei leisen Stellen das einzige, was der Anwender hört. Und das stört.

Allenfalls bei einem Dauer-Action-Kracher könnte der Filmgucker sie ignorieren. Eigentlich müsste die Festplatte im Blu-ray-Betrieb nur abgeschaltet werden. Doch so weit haben die Entwickler bei Microsoft nicht gedacht. Und das gilt für viele Eigenschaften der Konsole.

Microsoft kennt immer noch keine Steuerung per HDMI

Ein weiteres Ärgernis ist der Umstand, dass Microsoft HDMI-CEC nicht implementiert hat. Normalerweise ließe sich damit per Fernseherfernbedienung ohne große Konfiguration der Film pausieren und durch die Menüs navigieren. Nicht so bei der Xbox One S. Es braucht also eine zweite Fernbedienung. In der Regel ist das der Xbox-Controller. Doch der schaltet sich während des Films zum Stromsparen aus. Kurz aufs stille Örtchen gehen und den Film pausieren? Dazu muss erst einmal das Joypad neu verbunden werden und das nervt. Immerhin gibt es noch eine optionale Fernbedienung, die wir aber nicht getestet haben. Es ist für uns nicht verständlich, warum Microsoft noch immer nicht HDMI Control unterstützt. Sony kann das schließlich seit der Playstation 3.

Dazu kommen noch andere kleine Probleme, die in die Kategorie Bugs fallen. Wer die Xbox startet, den Film einlegt und den Fernseher nicht über den Infrarotsender (IR Blaster) der Konsole startet, der verpasst die HDMI-HDR-Aushandlungsphase und bekommt nur ein 4K-SDR-Bild. Die herunterladbare Standard-Blu-ray-Player-Software beherrscht keine nachträgliche Aushandlung. Die Lösung ist einfach: Der Blu-ray-Player - nicht die Konsole - muss neu gestartet werden. Dass eine genaue Startreihenfolge beachtet werden muss, ist nervig.

Problematisch ist zudem, dass die Software öfter abstürzt. Beim Discwechsel mit mehreren Filmen für einen A-B-Vergleich konnten wir reproduzierbar die Software zum Absturz bringen. Immerhin reagierte Windows 10 noch auf die Eingaben, so dass die Software beendet werden konnte.

Ein weiteres Problem ist das Fehlen des zweiten HDMI-Ausgangs. Nicht jeder hat einen 4K-fähigen A/V-Receiver, weswegen ein zweiter Ausgang eigentlich notwendig ist. Das Problem lässt sich mit HDMI-ARC oder S/PDIF aber halbwegs ausgleichen. Wer nur eine 5.1-Anlage hat, sollte damit auskommen und muss nur auf die richtige Konfiguration achten, damit das Signal auch korrekt zum Verstärker geschickt wird. Die Konfiguration ist etwas verwirrend und es fehlt eine Hilfestellung. Nicht jedem Anwender ist bewusst, dass er 5.1-Sound nicht mit der Einstellung 5.1 (unkomprimiert) bekommt. Bitstream Out ist die korrekte Auswahl, wenn man per HDMI ARC über den Fernseher 5.1-Sound leiten möchte. Es sei denn, der Fernseher selbst ist anders angeschlossen.

Vorbildlich ist dafür, dass die Konsole erkennt, was der Fernseher kann. Das wird clever in den Einstellungsdialogen angezeigt - erheblich besser als bei Panasonic und Samsung.

Die sonstige Anschlussausstattung ist Standard: Ethernet gibt es per RJ45-Buchse oder per Dual-Band-WLAN. Da gibt es nichts auszusetzen.

Die Xbox One S braucht viel Energie

Etwas unangenehm, aber im Bereich der Erwartung, ist die Leistungsaufnahme. Das PC-ähnliche System braucht mindestens 30 Watt im Ruhemodus. Für die Blu-ray sind es 32 Watt. Das Dekodieren einer UHD-BD kostet 39 Watt. Zum Vergleich: Während des Spielens von Gears of War 4 (digitale Version, HDR) liegt die Leistungsaufnahme bei 67 Watt. Die Konsole steht also nicht unter Volllast. Hoch ist der Bedarf an Energie dennoch.

Unangenehm fällt zudem auf, dass die Konsole recht lange zum Starten braucht. Das Betriebssystem ist nach 45 Sekunden geladen. Wer schnell ist, bekommt nach weiteren 20 Sekunden den Film abspielbereit präsentiert. Den Lademechanismus haben wir nicht gemessen, da es sich um ein Slot-in-Laufwerk handelt. Das fungiert zudem als Anschalter der Konsole. Wer will, kann also einfach die Disc einschieben und startet damit den Kinoabend, was wir praktisch finden.

Insgesamt ist die Xbox One S als Hifi-Equipment aber nicht zu gebrauchen. Wir sehen sie klar als brauchbare Zwischenlösung. Als dauerhaftes Abspielgerät nervt die Konsole zu sehr mit ihren Geräuschen und anderen Kleinigkeiten. Wer ohnehin eine Xbox One S kaufen will, sei es für HDR-Gaming oder weil die Konsole noch nicht im Haushalt steht, bekommt ein schönes Spielegerät und kann den Kauf eines richtigen UHD-BD-Players aufschieben.

Dass sie sich als Zwischenlösung eignet, macht die Konsole allerdings zu einer Empfehlung, denn eine Übergangslösung zu finden, könnte momentan ein kluger Schritt sein: Es ist durchaus möglich, dass bald neue Abspielgeräte gebraucht werden. Das liegt daran, dass beim Thema HDR noch nicht alles festgelegt ist. Die Industrie stört sich nämlich am sogenannten statischen HDR. Doch dynamisches HDR kommt erst noch - und noch ist ungewiss, ob sich dynamisches HDR lohnt und welches der Formate sich denn nun tatsächlich durchsetzen wird.

Nichts für Anfänger oder warum HDMI und Dolby Vision der Entwicklung nicht förderlich sind

Wer sich heute einen UHD-BD-Player kauft, der muss durchaus damit rechnen, dass dieser in ein paar Monaten nicht mehr Stand der Technik ist. Die jetzigen Geräte beherrschen nach derzeitigem Stand HDMI 2.0 und HDR10 (statisches HDR). Doch die Hinweise mehren sich, dass da noch mehr kommt: dynamisches HDR in Form von Dolby Vision oder HLG. Auch ein weiteres Format, das HDMI 2.1 verlangt, ist denkbar, denn erst HDMI 2.1 standardisiert dynamische HDR-Metadaten. Doch was bedeutet all dies?

Dolby Vision soll dynamische Metadaten für HDR unterstützen, das heißt, je Szene kann bestimmt werden, wo der dynamische Bereich liegen soll, der bei HDR10 nur einmal festgesetzt wird. Bei Filmen, die mit sehr unterschiedlichen Themen arbeiten, sollte das Vorteile bringen und könnte das Zögern mancher Filmstudios erklären. Ein Beispiel dafür wäre Pixars Inside Out, ein Film, den wir in Dolby Vision schon gesehen haben. Ob die Unterschiede zwischen dynamischem und statischem HDR wirklich groß sind, sei dahingestellt. Uns fehlt einfach der Vergleich. Doch gerade Inside Out arbeitet in der Handlung mit zwei völlig unterschiedlichen Welten, die einer sehr unterschiedlichen Farblogik folgen. Wenn es einen Film gibt, der den Unterschied zwischen dynamischem und statischem HDR deutlich zeigt, dann vermutlich dieser. Doch den Film von Pixar kann man sich als Dolby-Vision-Variante bisher nur im Kino anschauen.

Erste Dolby-Vision-Filme kommen bald

Erste Filme mit dynamischem HDR sollen aber bald erscheinen. Allerdings nicht von Disney oder Pixar. Auf Nachfrage sagte uns Dolby, dass die ersten Filme "Anfang 2017" erscheinen sollen und zwar von Lionsgate, Universal und Warner Brothers. Welche das sind und ob diese dann erst einmal in den USA erscheinen, bleibt unklar und den Partnern überlassen. Wann genau die Filme kommen, ist ebenfalls noch nicht bekannt, obwohl Anfang 2017 ja bereits erreicht ist. Die Kommunikation der 4K-UHD-Branche ist nicht die beste, wie sich hier zeigt. Die Mastering-Tools sind laut Dolby allerdings alle bereit. Sowohl Scenarist als auch die Authoring-Werkzeuge von Sony DADC beherrschen das Erstellen eines Base-Layers für die HDR10-Kompatibilität und den Dolby Vision Enhancement Layer mit 12 Bit, was dann im Laufe des Weges zusammengefügt wird.

Dolby-Vision-kompatible Abspielgeräte kündigen sich bereits an. So sollen die neuen Geräte von Oppo und LG Dolby Vision beherrschen, wenn auch nur per Softwareupdate. Beim Kauf eines derzeit verfügbaren Abspielgeräts hinterlässt das kein gutes Gefühl, denn die Hardwarebasis ist für Dolby Vision einfach nicht geeignet, wie uns Dolby auf Nachfrage sagte. Eine Ausnahme wären in der Theorie die Xbox One S und ein PC-basiertes Media Center mit der neuen PowerDVD-Version. Durch die leistungsfähige Hardware lässt sich Dolby Vision in Software implementieren. Es gibt aber keine Ankündigungen dazu, weder zu PowerDVD noch zur Xbox.

Eine Dolby-Vision-Alternative kommt auch noch

Weiterhin sieht es derzeit danach aus, als müsste der Anwender sich zwischen Dolby Vision und dem konkurrierenden HLG der Fernsehanstalt BBC entscheiden. Letzteres wird zwar von mehr Partnern unterstützt, allen voran Samsung, doch auch hier gibt es noch Unklarheiten. Selbst auf Nachfrage konnte sich beispielsweise Samsung nicht zu mehr als einem Bekenntnis durchringen, dass alle 2017er-Fernsehgeräte HDR10 und HLG unterstützen. Details zu HLG? Fehlanzeige. Auffallend ist allerdings, dass Samsungs UBD-K8500 offenbar nicht zu den HLG-kompatiblen Geräten gehört. Was uns noch mehr verwundert, ist, dass dynamische Metadaten erst mit HDMI 2.1 standardisiert werden, das auch neue Kabel bringt. Geräte gibt es aber noch nicht. Dolby wird allerdings für Dolby Vision bei vorhandenem HDMI 2.1-Equipment die Metadaten dann nicht mehr proprietär übertragen. Sollte eines der Geräte nicht HDMI 2.1 unterstützen, werden die Metadaten getunnelt, da das parallel passiert.

Die UHD-4K-2K-Upscaled-HDR-10-Dolby-Vision-Situation ist offenbar noch nicht kompliziert genug und eine Einladung für Industrieteilnehmer, da noch ein wenig mehr Chaos zu stiften. Und das, obwohl es schon bei unserem Setup reichlich Probleme gibt. HDMI ist nämlich nichts für Anfänger.

HDMI ist nicht einfach zu konfigurieren

Das Verkabeln des Heimkinos war schon immer recht kompliziert. Dutzende Kabel, dutzende Standards. Die schönen Scart-Stecker, bei denen man nicht unbedingt weiß, ob nun gerade S-Video - nicht zu verwechseln mit S-VHS -, FBAS oder RGB übertragen wird. Verstärker, die mit Komponenten oder S-Video-Signalen arbeiten, aber kein RGB via SCART verstehen. Und Audio-Kabelsalat für den Surround-Sound, wenn es analog sein musste.

All das ist mit HDMI weitgehend Geschichte. Die Steuerung zwischen Geräten ermöglicht HDMI-CEC. Wer seinen Zuspieler nur per HDMI an den Fernseher und nicht an den Verstärker anschließt, kann per HDMI-ARC trotzdem Raumklang an den Verstärker schicken. Und dank eines einheitlichen Steckers funktioniert in der Theorie alles problemlos. In der Praxis könnte das schön sein, wäre da nicht die Aushandlung - ein nicht zu unterschätzendes Problem. Beim Digitalen gilt nämlich: Entweder es gibt eine Verbindung oder es gibt keine. Ein verrauschtes Bild wegen eines schlechten Kabels gibt es eigentlich nicht.

Bildstörungen gibt es mitunter noch

Doch wir erlebten bei unseren Experimenten, dass nicht alles Plug and Play ist. In seltenen Fällen gelang es uns, Bildstörungen zu erzeugen. Dann gab es lustige Farbspiele oder ein Teil des Bildes fiel aus. Das sind noch vergleichsweise klar erkennbare Fehler. Wenn aber etwa die HDR-Aushandlung misslingt, wie beim bereits erwähnten Xbox-One-Bug, dann erkennt das der Anwender nicht unbedingt. Denn der erste Teil dieses Tests zeigte schon: Manche angebliche HDR-Discs sind gar keine - und dann fällt die fehlende HDR-Aushandlung auch nicht auf. Und gerade hier hatten wir nicht nur mit der Xbox One Probleme. Zwischenzeitlich wollte LGs OLED-Fernseher auch keine HDR-Aushandlung mit der Playstation 4 durchführen. Warum nicht, wissen wir bis heute nicht, später ging es nämlich. Ähnlich verwirrt haben uns Aushandlungsprobleme zwischen der Xbox One S und Sonys XD93-Fernseher. Die konnten wir nicht lösen, sie zeigten uns dafür allerdings ein Phänomen, das wir nicht erwartet haben. Auf der Seite der näheren Betrachtung des XD93 gehen wir darauf ein, dass ein UHD-BD-Bild durchaus heller per SDR übertragen wird als ein BD-Bild per SDR.

Das Debugging fällt dem Anwender dabei besonders schwer. Wir standen so manches Mal hilflos vor unserem Gerätepark und wussten nicht so recht, was zu tun war. Fehlerhilfe in den Menüs? Gibt es nicht. Weder Fernseher noch Abspieler zeigen immer ausreichend Informationen an. Ein paar Testbilder wären schön. Es braucht also einige Erfahrung.

Die ist auch nötig, wenn mal gar kein Bild zustande kommt, was uns ein paar Mal passierte. Weder Abspieler noch Fernseher gaben Informationen, warum dies der Fall war. Nach ein paar Experimenten war die Ursache aber klar: Unsere Brennenstuhl-Steckdosenleiste störte ein HDMI-Kabel so stark, dass nichts mehr durchkam. Wir dachten eigentlich, dass diese Leisten besser geschirmt wären als der übliche Baumarkt-Schrott. Allerdings sind anscheinend auch die Ansprüche an 4K höher. Bei 2K-Verbindungen gab es mit der Leiste keine Probleme und das Problem zeigte sich auch nur zwischen Panasonic (Zuspieler) und Samsung (Fernseher). Wir haben diese Eigenart nicht vollständig analysiert und wollen dies nur als mögliche Fehlerquelle mitgeben. Im Zweifel separiert der Anwender lieber Strom- und Video-Leitungen.

HDMI muss einfacher werden

Das ist in unseren Augen ein viel zu hoher technischer Anspruch an den Anwender, der einfach nur zusammenstecken möchte. Ähnlich geht es dann nämlich mit dem Ton per HDMI weiter. Wer keinen modernen A/V-Receiver hat, eine Geräteklasse, die eigentlich locker zehn Jahre hält, der schließt seinen UHD-BD-Abspieler lieber nicht dort an, sonst gibt es nur 2K-Signale, freilich ohne HDR, aber dafür mit vollem Surround. Die Alternative ist der Anschluss direkt an den Fernseher und die Tonweiterleitung von diesem an den Verstärker per HDMI-ARC. Aber auch das ist nicht unkompliziert, denn die Einstellungen, die zu beachten sind, sind vielfältig. Zusätzlich liefern auch hier nicht alle Geräte in der Kette vernünftige Statusmeldungen, jedes Gerät muss die korrekten Einstellungen haben. Die Automatikmodi helfen zum Glück meist. Doch das Einrichten eines Heimkinos kann ohne technisches Wissen durchaus fehlschlagen. Ein zweiter HDMI-Ausgang, nur für Audio, umgeht die Probleme natürlich und dadurch auch die 5.1-Beschränkungen, die HDMI-ARC unterliegen.

Dazu kommt, dass der Anwender mit Fachbegriffen bombardiert wird, von denen sich einige von Hersteller zu Hersteller unterscheiden. Was bei einem Hersteller etwa PCM heißt, heißt beim anderen Uncompressed. Was LG Simplink nennt, heißt bei Sony Braviasync oder auch HDMI Device Link und bei Yamaha HDMI Control. Gemeint ist hier immer HDMI-CEC. Das Einrichten eines Heimkinos kann so gut und gerne einen Tag kosten, je nach Kenntnisstand des Anwenders.

Vieles von diesem Ärger umgeht der Anwender, wenn er eben nicht auf die UHD-BD setzt, sondern stattdessen das Streamingangebot nutzt.

Ein Blick auf Netflix als 4K-Alternative per Stream

Eine Alternative zu den Discs ist das Streaming. Oberflächlich betrachtet könnte man das so sagen. Doch die Auswahl ist freilich wie bei den 4K-Discs nicht perfekt. Trotzdem sagen nicht wenige Nutzer der UHD-BD-Disc den Tod voraus, da es Streaming gibt. Dabei vergessen allerdings viele, dass nicht jeder in Deutschland wie wir einen 200-MBit-Anschluss hat. 50 MBit/s sollte man mindestens haben, um Reserven zu besitzen. Und das ist derzeit eher etwas für urbanisierte Gebiete. Abhängigkeiten zum Peering könnten den Nutzern den Filmgenuss auch verderben. Wir hatten diesbezüglich aber nur wenige Probleme. Es gab zwei Ausfälle, bei denen wir nicht genau wussten, was passiert ist.

Wer aber eine gute Leitung und einen Provider mit ordentlichem Peering hat, der sollte Streaming durchaus als hervorragende Ergänzung für wenig Geld sehen. Die Auswahl ist gerade bei Serien gut. Wir haben uns kurz das Netflix-Angebot angeschaut. Die Suche nach 4K-HDR-Material funktionierte zwar manchmal nicht so recht, aber wer sich mit der Thematik beschäftigt, der findet schnell ein Angebot.

Im Unterschied zu den Discs ist uns dabei aufgefallen, dass Netflix anscheinend kein Material als 4K verkauft, das nicht auch 4K ist. Es war zugegebenermaßen nur eine Stichprobe aus House of Cards, Marco Polo und ein paar Marvel-Serien. Doch die Bildqualität war jeweils wie zu erwarten gut. Mangels vergleichbaren Materials auf Disc gab es aber keine Möglichkeit für A/B-Vergleiche.

So oder so: Das Programm lohnt sich. Insbesondere Marco Polo gefiel uns hinsichtlich der Auflösung und im Bereich HDR. Bei den Marvel-Serien herrschte ein Mix aus stark körnigem Material, ohne erkennbare Vorteile der hohen Auflösung. Das ist vergleichbar mit der DC-UHD-BD mit Superman und Batman. Es gibt aber auch Marvel-Serien mit sehr schönen HDR-Effekten in Nachtszenen bei klarem Material. Stilistisch unterscheiden sich die Serien durchaus.

Dolby Vision gibt es schon

Theoretisch kann sich der Nutzer per Netflix auch schon Dolby-Vision-Inhalte anschauen. Wir haben das allerdings verpatzt, da wir Netzflix zwar auf einem Dolby-Vision-Gerät anschauten, allerdings die App des Zuspielers dafür nicht vorbereitet war. Wir hätten die Fernseher-App nutzen müssen, um dynamisches HDR und 12 Bit pro Farbkanal zu genießen. Viel Auswahl gibt es ohnehin nicht. Laut Dolby sind es etwas mehr als 100 Stunden Material, die entsprechend aufbereitet wurden. Eine vernünftige 4K-HDR-Dolby-Vision-Rubrizierung fehlt.

Wer UHD-BD-Equipment hat, der kann und sollte sich auch das Streaming anschauen. Die Mehrkosten für ein oder zwei Abonnements sind gering im Vergleich zu den Kosten für die Hardware. Einschränkend ist nur, dass das Bild zumindest bei Netflix mitunter in schlechter Qualität startet. Das ist aber eine Anbietermacke und dauert nur ein paar Sekunden. Netflix zieht einen schnellen Start vor, statt erst einmal gute Qualität zu puffern. Notwendig wäre das bei schnellen Leitungen nicht.

Insgesamt verwundert die Situation: Netflix und andere Streaminganbieter können Serien in 4K HDR liefern. Im Laden findet der Serienfan dagegen nur konventionelle Blu-rays oder schlimmstenfalls DVDs, weil sich einige Studios von der Blu-ray zurückzogen. Dafür sind im Laden sehr viel mehr Filme zu finden, als bei Streaming-Anbietern. Netflix hat sich allerdings beispielsweise schon sehr früh bewusst dafür entschieden, 4K-Inhalte zu produzieren. Es konnte damit vorzeitig ein Verkaufsargument bieten, das der Blu-ray, aber auch traditionellen Fernsehsendern fehlte.

Wir sehen Netflix oder andere vergleichbare Dienste nicht als Alternative, sondern als sehr gute Ergänzung zur UHD-BD. Die größten Anschaffungskosten sind beim Kauf von Hardware für die 4K-Blu-ray ohnehin getätigt worden. Das gilt aber nur für diejenigen, die nicht auf dem Land wohnen und einen schnellen und zuverlässigen Internetzugang haben. Das für Netzanbieter typische "bis zu" bei den Geschwindigkeitsangaben kann durchaus zu einem Problem werden.

Ob Netflix nun auf dem Fernseher läuft oder auf einem anderen Player, ist eine Frage der Heimausstattung. Wer 7.1-Sound haben möchte, sollte lieber einen eigenen Player verwenden, verzichtet dann aber derzeit in der Regel auf Dolby Vision. Alle anderen nutzen den Fernseher. Der Anwender spart sich die HDR/4K-Aushandlung und auch etwas Energie, denn der Fernseher und dessen Betriebssystem laufen ohnehin.

Warum es bei Fernsehgeräten nicht nur auf die Helligkeit ankommt

Fernseher sind mittlerweile mehr als nur reine Anzeigegeräte. Alle unsere Geräte arbeiten mit einem ausgefeilten Betriebssystem und unterstützen Apps. Die Bedienung erleichtert das enorm. Auf die Systeme selbst gehen wir in diesem Test aber nicht weiter ein und verweisen auf unseren großen Smart-TV-Betriebssystemvergleich. Es sei nur erwähnt, dass Sony trotz Android TV noch viel von seinem alten Bravia-Bedienungskonzept beibehalten hat. Wer also vorher einen Fernseher der W6-9-Serie hatte, fühlt sich auf Anhieb wohl. Auch Samsungs Tizen-Fernseher ist bei der Bedienung den ersten Smart-TVs des Herstellers sehr ähnlich. Nur WebOS von LG ist bedienungstechnisch ein kompletter Neuanfang, der bei unserem Testgerät allerdings schon die Versionsnummer 3.0 trägt.

In der 1.500-Euro-Klasse kann man nicht mehr umfangreiche Anschlüsse erwarten

Allen Fernsehern gemein ist der Umstand, dass trotz der Größe doch ziemlich an den Anschlüssen gespart wird. Die Entwickler gehen fest davon aus, dass der Anwender einen A/V-Receiver hat und zumindest in unseren Szenarien geht es nicht ohne. Da wollen PS3, PS4, Xbox One, Xbox 360, Wii U, Blu-ray-Player, ein US-Blu-ray-Player, Apple TV, Fire TV und die Playstation Vita TV angeschlossen werden. Das ist zugegeben ziemlich viel. Allerdings zeigt sich, dass es nicht schaden kann, auf ein paar HDMI-Eingänge mehr zu achten, denn irgendwann ist auch der A/V-Receiver an seinem Limit.

Nebenbei verifizierten wir dabei einen länger gehegten Verdacht, dass es ein HDMI-CEC-Limit gibt. Mehr als vier Geräte ließen sich beim LG-Fernseher nicht anmelden. Selbiges gilt für einen alten Sony W9.

Die Bildzerstörungsalgorithmen von Sony, LG und Samsung

Bei allen Fernsehgeräten wird versucht, mit brachialen Mitteln das Bild soweit zu optimieren, dass es schön flüssig ist und auch die Schaltschwächen der Pixel ausgleicht. Ein Plasma-verwöhnter Kollege traute jedenfalls seinen Augen nicht, als er die Bilder im "optimierten" Modus sah. Das ist oft eine Standardeinstellung und fällt insbesondere bei 4K extrem negativ auf. Bei genauerer Betrachtung können wir schwer nachvollziehen, was diese Modi in den High-End-Fernsehern zu suchen haben. Besonders krass fiel uns dabei die Eingangsszene von The Divergent auf. Die vielen Schwenks, in Verbindung mit zahlreichen weitgehend statisch bleibenden Details, sorgen für enorme Bewegungsartefakte etwa zwischen den Buchstaben der als Overlay eingebundenen Schauspielernamen. Bei The Revenant fällt um sich schnell bewegende Charaktere ein Heiligenschein aus Artefakten auf und bei The Martian sahen wir verdoppelte Kanten bei Kamerafahrten. Das macht jeder Fernseher mehr oder weniger ausgeprägt und unser Tipp ist: Alle Bildoptimierungen abschalten. Ja, das Bild ruckelt digital nun einmal bei 24 Bildern. Aber das sieht man bei Schwenks auch im Kino. Lieber ein ruckelndes Bild, als Artefakte durch die Bildoptimierung des Fernsehgeräts.

HDR braucht keine enorme Helligkeit, um Spaß zu machen

Nach unseren Tests sind wir von der ursprünglichen Annahme abgekommen, dass für HDR ein Fernseher besonders hell sein muss. Besonders hell war in den Standardeinstellungen nämlich gar kein Fernseher. 500 cd/qm in der Spitze haben wir aber durchaus gemessen, was abends schon nervig ist. Das entspricht der Helligkeit moderner Smartphones oder besserer Notebooks. Worauf es aber ankommt, nämlich auf den Unterschied zwischen hell und dunkel und die trotzdem noch feine und sichtbare Aufteilung dazwischen, das gelingt allen drei Fernsehern sichtbar, wenn auch in unterschiedlich guter Ausprägung.

Jetzt gehen wir auf ausgewählte Ergebnisse ein und auch auf Unterschiede zwischen OLED-Display und LED-basiertem LCD - sowohl bei HDR, dem allgemeinen Bild, als auch der Leistungsaufnahme, bei der wir überraschende Messwerte feststellen konnten. Zudem: Wer einmal das Schwarz eines OLED-Fernsehers gesehen hat, der sieht fortan nur noch eine Welt aus Grauwerten um sich herum. Doch unser erstes Muster ist auch extrem teuer.

LGs B6D mit perfektem Schwarz

Rund 2.300 Euro kostet LGs 55B6D mit OLED-Panel. Ein stolzer Preis, doch wer einmal die Schwarzwerte eines solchen Panels gesehen hat, der will davon nicht mehr weg. Beim dunklen Filmabend ist nichts mehr grau, wenn es der Filmemacher nicht so will. Das Weltall, der Nachhimmel, die Balken: Alles ist tiefschwarz - außer bei The Divergent mit dem Schummel-HDR-Modus, wie im ersten Teil dieses Tests besprochen.

Wer sich einen OLED-Bildschirm anschafft, sollte trotzdem eines bedenken, was uns in einigen Wochen auffiel: Viele Filmemacher wie auch Spieleentwickler gehen anscheinend nicht davon aus, dass es echtes Schwarz gibt. Das zugespielte Material ist also durchaus dafür ausgelegt, dass die Grauwerte des Monitors das Bild sozusagen korrigieren. Für einige alten Filme und Spiele bedeutet das, dass der Zuschauer im Dunkeln tappt. Das ist uns bei HDR-Filmen übrigens nie aufgefallen. Einzig das HDR-Spiel Infamous: First Light (PS4) nervte uns auf dem OLED-Fernseher durch die völlig übertriebene Schattenwelt. Wir hatten den Eindruck, dass die Entwickler nicht wussten, dass man mit HDR auch Schwarz in mehreren Abstufungen darstellen kann. Wir wollen das derzeit aber nicht überbewerten. Noch fehlt uns die Langzeiterfahrung mit OLED-Fernsehern.

Alles in allem gefällt uns das OLED-Bild mit Abstand am besten. So ein schönes, nicht per Local Dimming erschummeltes Schwarz sieht man sonst nirgends. Und das fällt nicht nur beim Filmabend, sondern auch tagsüber auf. Der Unterschied zu LC-Displays ist so groß, dass manch ein Nutzer OLED-SDR mit LCD-HDR verwechseln könnte. Mit OLED macht in der Regel auch altes Filmmaterial mehr Spaß.

Schöne Bedienung, aber auch ein paar Macken

Ausstattungstechnisch gefällt uns der Fernseher recht gut. Es ist das einzige Modell mit Dolby-Vision-Unterstützung. Wir vermissen allerdings einen Scart-Eingang für RGB-Signale. Alte Konsolen lassen sich nicht mehr anschließen. Dank WebOS 3.0 und der Nintendo-Wii-ähnlichen Bedienung ist der Fernseher sehr schnell eingerichtet und arbeitet meist zuverlässig. Selbst komplexe Passwörter sind kein Problem. Zudem braucht die Fernbedienung keine Sichtverbindung. In frühen Firmware-Phasen hatten wir allerdings noch einige HDR-Probleme, die oft nur mit einem Panel-Neustart zu lösen waren. Der Fernseher meldet das zwar, es nervt aber ein wenig. Neue Firmware gibt es immer noch ab und an und seit Anfang 2017 würden wir den Fernseher als stabil einstufen. Ein paar zusätzliche Statusmeldungen zu dem, was das Panel eigentlich macht, würden aber nicht schaden - wobei die vorhandenen Hilfestellungen zu Einstellungen durchaus vorbildlich sind.

Wie es sich gehört, bietet LGs Fernseher Dual-Band-WLAN. Die HDMI-CEC-Unterstützung gefällt uns allerdings nicht. Für viele Aufgaben braucht der Anwender weiter die Fernbedienung und in Verbindung mit einem Yamaha BD-A1020 ließ sich ein Film nicht immer neu starten. LG setzt ein wenig darauf, dass die Blu-ray-Menüs sehr gut ausgebaut sind. Dann ist die Bedienung weniger problematisch.

HDR kann die elektrische Leistungsaufnahme senken

Wir haben bei allen Fernsehern sowohl die Leuchtdichte (The Martian, Minute 21:55 am Solar-Panel) gemessen, als auch in verschiedenen Situationen die elektrische Leistungsaufnahme grob vermessen. Die Spitzenposition nahm dabei LGs OLED-Fernseher ein. Bei der Lichtmessung am blendenden Solar-Panel erreichte das Gerät im HDR-Modus 500 Candela pro Quadratmeter bei einem satten Schwarz. Der Vergleich mit der Blu-ray ergab an derselben Stelle nur 240 Candela pro Quadratmeter, was freilich nicht mehr ganz so gut aussieht, da der Blendeffekt fehlt. Beides ist abends recht hell. LG verzichtet in den Standardeinstellungen auf eine Hintergrundbeleuchtungsanpassung weitgehend, die lässt sich aber nachträglich aktivieren, wenn das Panel abends zu sehr blendet.

Durch die Fähigkeit der OLEDs, sich praktisch auszuschalten sind beim LG-Fernseher sehr hohe Schwankungen zu erwarten. The Divergent braucht in den ersten Szenen zwischen 70 und 170 Watt mit der Tendenz, im oberen Bereich zu bleiben, was an dem erschummelten HDR liegt. Die Anfangsszenen vom Spiel Gears of War 4, die sehr dunkel sind, lassen die Leistungsaufnahme zwischen 60 und 84 Watt pendeln. Hier zeigt sich, dass ein OLED-Panel ziemlich stromsparend sein kann. Zum Vergleich: Im Xbox-Menü benötigt das Panel 127 Watt.

Ein paar Überraschungen gab es bei weiteren Filmmessungen mit Star Trek: Beyond. Die ersten Minuten per HDR schwankten zwischen 60 und 163 Watt mit der Tendenz, im unteren Bereich zu bleiben. Bei der Blu-ray sah das anders aus. Dort maßen wir beim Skydance-Logo (brennende Sonne im Weltall) stolze 213 Watt. Wir vermuten, dass die Schwarzwerte per SDR nicht präzise genug übertragen werden und deswegen die hohe Leistungsaufnahme erreicht wird. Kein anderer Fernseher zeigte dieses Phänomen. In anderen Szenen sanken die Werte deutlich unter 100 Watt, schwankten aber weiterhin stark.

Samsung KS7590 - Curved hat durchaus Vorteile

Wenn uns eines am Samsung KS7590 beim Auspacken gefiel, dann der Umstand, dass der Fernseher gekrümmt ist. Wir stellten nämlich fest, dass Curved-Fernseher eine Grundstabilität beim Stand haben. Dementsprechend einfach war die Montage und die Standfüße sind lächerlich leicht. Wir würden dennoch von Curved-Geräten abraten; abgeschaltet fällt eine verzerrende Spiegelung auf und beim Filmgucken sehen wir keine Vorteile. Wir halten den gekrümmten Bildschirm für unnötig und haben den Eindruck, dass der Hype um diese Bauform wieder abflaut.

Das Bild des Fernsehgeräts ist weniger gut als das des OLED. Die LED-Hintergrundbeleuchtung ist sehr oft in schwarzen Szenen sichtbar, insbesondere wenn es darum geht, helle Details auf dunklem Grund darzustellen. Wer allerdings mittig vor dem Fernseher sitzt, hat wenig Probleme zu erwarten. Das Local Dimming funktioniert ganz gut - trotz Edge-Lighting; die Hintergrundbeleuchtung kommt von der Kante und wird per Lichtleiter hinter die Kristalle gebracht. Es ist nur von der Seite sehr stark zu sehen. Ohne Local Dimming, bei dem die Hintergrundbeleuchtung für Blöcke reduziert wird, um Schwarz zu imitieren, geht es mit LCD-Technik leider nicht. HDR ist trotz der fehlenden Schwarzwerte erkennbar. Der bessere Dynamikumfang ist auch auf dem Samsung-Panel hervorragend zu sehen. Der Preis des Geräts liegt bei um die 1.400 Euro, ist also 900 Euro geringer als der des LG-Geräts in gleicher Größe. Das ist ein erhebliches Sparpotenzial bei immer noch gutem Bild.

Auch Samsungs Fernseher beherrscht Dual-Band-WLAN. Firmware-Probleme hatten wir hier nicht. Für HDR-Modi muss aber auch dieses Gerät ab und an neugestartet werden. Die Fernbedienung ist sehr angenehm bei der Bedienung und vor allem reaktionsschnell - wichtig für das Eintippen von Texten und Passwörtern. Wie bei LG gibt es trotz des hohen Preises bei Samsung keine Scart-Buchse mehr. Die vier HDMI-Eingänge sind zudem in einer Breakout-Box untergebracht; am Fernseher war anscheinend kein Platz mehr.

Wir sehen das etwas kritisch, da die Box proprietär ist. Sollte das separate Element mal Ausfallen oder beim Umzug verloren gehen, dürfte der Ersatz nach ein paar Jahren schwierig werden. Sehr gut gefällt uns beim Samsung-Modell die Soundausgabe. Die beiden anderen Fernseher patzen hier und klingen sogar schlechter als ein Macbook Pro. Weder Sony noch LG ist es gelungen, das große Volumen für vernünftigen Klang zu nutzen. Bei Samsungs Fernseher kann die Hifi-Anlage auch durchaus mal ausgeschaltet bleiben.

Interessant ist, dass Samsung über EDID-Informationen per HDMI die Xbox One S erkannte und ansteuern konnte, wie uns Samsung auf Nachfrage bestätigte. Das passierte während der Einrichtung ohne eine bewusste Aktion von uns. Wohlgemerkt ist die Xbox One S nicht HDMI-CEC-fähig. Uns gefällt diese Autoerkennung ganz gut. Sie zeigt, dass die Entwickler sich genauer mit der Problematik der Fernsteuerung beschäftigt haben. Man muss sich an das Verhalten der Konsole im Zusammenspiel mit dem Fernseher aber etwas gewöhnen.

In den Standardeinstellungen, bei denen wir es beließen, war der Fernseher eher dunkel, aber die Unterschiede waren auch hier stark erkennbar. Bei der The-Martian-Szene maßen wir 300 Candela/qm im HDR-Modus auf dem Solar-Panel und 120 Candela im SDR-Modus. Wie bei LG sind auch hier große Unterschiede zu erkennen und HDR macht richtig Spaß. Die starke Drosselung des Lichtsystems in diesen Einstellungen sehen wir eher als gute Eigenschaft an, da dadurch die Schwarzwerte nicht zu sehr von der sehr starken Hintergrundbeleuchtung in Mitleidenschaft gezogen werden. Für den Filmabend ist das besser. Im Unterschied zum LG-Fernseher lässt sich die Helligkeit beim Samsung-Modell nicht einfach aufdrehen, ohne die Bildqualität zu verschlechtern. Die folgenden Strommessungen sind deswegen auch nicht mit den OLED-Werten zu vergleichen.

Beim Schummel-HDR von The Divergent kann Samsung offenbar nicht Local Dimming aktivieren und auch bei Gears of War 4 gelang das nicht, wenn man auf die Strommessung schaut. Wir maßen 135 Watt mit minimalen Schwankungen. Interessanterweise kam der Xbox-Bildschirm mit 70 Watt nur auf die Hälfte. Das Panel dunkelt also ab.

Dynamisch wurde die Leistungsaufnahme erst bei Star Trek: Beyond im HDR-Modus mit 50 bis 170 Watt. Helle Szenen lagen in der Tendenz bei 135 Watt. Schaut sich der Anwender die Blu-ray an und der Fernseher arbeitet im SDR-Modus, gibt es diese Schwankungen nicht mehr. Die Leistungsaufnahme sinkt auf 70 Watt mit geringen Schwankungen. Auch bei Samsung zeigt sich also, dass die zusätzlichen HDR-Informationen zu einer Veränderung der Leistungsaufnahme führen. Während bei LGs OLED-Gerät nicht pauschal gesagt werden kann, was mehr Energie benötigt, lässt sich beim Samsung-Gerät aber klar sagen, dass HDR zu einer Erhöhung der Leistungsaufnahme führt.

Sony XD93 mit Local-Dimming-Schwächen und Schlussfolgerungen zu den unterschiedlichen TV-Techniken

Sonys XD93 gefällt uns vor allem bei der Bedienung. Beim 1.500 Euro teuren Gerät lässt sich schön viel einstellen und im Unterschied zur Konkurrenz übertreibt es Sony auch nicht mit den Bildoptimierungen. Abschalten sollte der Anwender dennoch viele von ihnen. Das Einstellen des Fernsehers erfordert einige Erfahrung, da einige Begriffe vielen Nutzern nicht bekannt sein dürften. Wer vorher schon einen Sony-Fernseher hatte, der kennt das. Sony könnte sich diesbezüglich durchaus etwas von LG abgucken. Das Ganze läuft allerdings leider mittlerweile auf dem erstaunlich ruckelnden Android TV, was uns dann wieder nicht mehr so gut gefällt.

Wie bei den anderen Modellen ist auch hier Dual-Band-WLAN integriert. Die Infrarot-Fernbedienung reagiert allerdings nicht sonderlich flott. Die Passworteingabe nervt ein wenig. Das gilt dann natürlich auch für die Suche in Apps.

Anschlussseitig bietet Sony als einziger Kandidat auch einen Scart-Eingang. Damit steht dem Anschluss alter Konsolen nichts im Weg, insbesondere da Sony auch bei der Auswahl der Seitenverhältnisse vorbildlich ist. Sony setzt beim XD93 leider sehr stark auf Design. Das Panel musste oben unbedingt so flach wie möglich sein, es gibt also wenig Raum für das Verteilen des Hintergrundlichts. Dabei setzt auch dieses Gerät auf Edge Lighting, allerdings mit einem sehr schlechten Ergebnis. Das fiel uns zunächst beim Bildschirmschoner des Samsung-Zuspielers auf, der ein kleines Samsung-Logo vor schwarzem Grund bewegte. Während der OLED-Fernseher das mit Bravour schaffte und Samsungs Curved-Display zwar noch sichtbare, aber immerhin doch akzeptable Local-Dimming-Probleme zeigte, war bei Sony die Local-Dimming-Schummelei sehr stark zu sehen. Rund um das Logo gab es einen Heiligenschein, der etwa ein Sechstel des Panels einnahm. Der Rest war halbwegs schwarz. Das macht sich leider auch bei Filmen bemerkbar, wenn es große Hell- und Dunkel-Unterschiede gibt. Sonys Fernseher ist kein Gerät für bunte, kontrastreiche Science-Fiction-Filme.

Auffallend ist zudem, dass die HDR-Wechsel recht viel Zeit kosten. Dafür fiel der Fernseher im Unterschied zu LG und Samsung nicht durch lästige Neustarts auf. Unerwartete Probleme hatten wir jedoch mit der HDR-Aushandlung mit der Xbox One S. Dabei bemerkten wir allerdings auch eine interessante Eigenart. Auch wenn die HDR-Aushandlung schief geht, wird das Bild einer HDR-Disc vom Fernseher anders interpretiert. Wir maßen beispielsweise in der The-Martian-Szene 400 Candela/qm auf dem Solar Panel mit der Xbox One S und einer UHD-Disc. Zum Vergleich: Im HDR-Modus sind es sonst 350 cd/qm und im SDR-Modus von der Blu-ray 170 cd/qm. Offenbar werden auch ohne HDR zusätzliche Informationen übertragen und der Fernseher will das ausgleichen. Es zeigt sich aber, dass Helligkeit allein nicht ausreicht. Das UHD-Bild im SDR-Modus sieht erheblich schlechter aus als das UHD-Bild im HDR-Modus.

Die Strommessungen sind auch hier wieder nicht vergleichbar. Es zeigt sich, dass Local Dimming bei Sony andere Auswirkungen hat als bei Samsung. Bei The Divergent konnte der Algorithmus anscheinend oft die Hintergrundbeleuchtung dimmen. Trotz Schummel-HDR schwankte die Leistungsaufnahme zwischen 60 und 150 Watt. Gears of War 4 konnten wir wegen der Aushandlungsproblematik nicht im HDR-Modus messen. Das Interface der Konsole braucht 130 Watt.

Sonys Fernseher kann sehr geringe Leistungsaufnahmen zeigen, wie der Betrieb mit der UHD-BD von Star Trek: Beyond zeigt. Zwischen 50 und 170 Watt maßen wir. Im Blu-ray-Modus und ohne HDR sind es zwischen 42 und 160 Watt. Damit zeigt Sonys Fernseher, dass die Auswirkungen von HDR zwar das Bild deutlich verbessern können - und das, obwohl das Local Dimming kein gutes Bild abliefert -, aber die Leistungsaufnahme deswegen nicht deutlich steigen muss.

Drei Fernseher und die Schlüsse daraus

Die Messergebnisse der drei Fernseher zeigen, dass unsere Eingangsvermutung, dass HDR automatisch zu einer höheren Stromrechnung führt, so pauschal nicht übernommen werden kann. Es kommt sowohl auf den Fernseher als auch auf das zuspielende Material an. Letzteres kann dank HDR sogar zu einer geringeren Leistungsaufnahme führen. Auch die pauschale Einstufung, was mehr Energie benötigt - OLED oder LCD-LED -, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es hängt stark von den eigenen Filmvorlieben ab. Der Science-Fiction- und Horror-Fan im Format 2,35:1 wird nach unseren Messungen per OLED ökologischer fernsehen. Der Dokumentarfilm- und Sportveranstaltungs-Gucker im Format 1,78:1 spart mehr Strom mit der LCD-Technik. Die Energielabel, die der Handel aufstellt, berücksichtigen so etwas natürlich nicht und sind eine starke Vereinfachung der Problematik, die allerdings Vorurteile fördern.

Bei den Fernsehern selbst wollen wir noch einmal betonen, dass diese nicht vollständig getestet wurden sondern vor allem im Bezug auf HDR ihr Können zeigen sollten und wir eine gewisse Auswahl benötigten, um im Bezug auf 4K und HDR verwertbare Ergebnisse und gegebenenfalls Unterschiede erkennen zu können. Dabei zeigte sich, dass HDR bei allen Geräten klar sichtbar ist. Preislich zeigen die LCD-Fernseher deutlich die Vorteile der Technik, wenngleich Sonys Local-Dimming-Problematik und ein gewisser Grauschleier gerade bei Science Fiction stört. Das beste Bild bietet aber eindeutig LGs OLED-Fernseher. Wer einmal schwarzes Schwarz gesehen hat, der möchte das nicht mehr missen. Deutlich über 2.000 Euro für das Gerät sind allerdings sehr schmerzhaft für die Geldbörse. Zudem ist die OLED-Technik noch am Anfang und Sony wie auch Panasonic wollen bald ebenfalls mit solchen Panels in den Handel kommen.

Die Auswahl an Fernsehgeräten zeigt leider auch, dass HDMI, HDR, 4K und andere noch lange nicht als stabile Infrastruktur eingestuft werden können. Einzig Samsung war weitestgehend unproblematisch, sieht man von dem Problem mit der Steckdosenleiste ab.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Fernseher Samsung KS7590, LG OLED B6D und Sony XD93 sind schon länger im Handel gut verfügbar. Preislich liegen die LCD-Fernseher bei etwa 1.500 Euro, das OLED-System kostet 800 Euro mehr. Die Xbox One S und die beiden dedizierten Abspielgeräte Panasonic UB900 und Samsung UBD-8500 sind ebenfalls schon lange auf dem Markt. Samsungs Player und die Xbox gibt es für teils deutlich unter 300 Euro. Der Panasonic-Player liegt im Handel bei etwa 600 Euro. Im Laufe des Jahres sind UHD-BD-Player von LG, Sony und Oppo zu erwarten. Zudem rechnen wir mit aktualisierten Geräten von Samsung und Panasonic. Die klassischen Hifi-Hersteller wie Denon, Marantz und Yamaha halten sich noch zurück.

Die Ultra-HD-Blu-ray ist derweil bereits gut verfügbar. Mehr als 100 Titel stehen in dem Format bereit, allerdings mit einigen regionalen Schwächen. Manche hierzulande auf Blu-ray erschienenen Filme gibt es als UHD-BD nur in den USA. Wer des Englischen mächtig ist, kann seine Filmauswahl so noch einmal deutlich vergrößern.

Fazit

Die Ultra-HD Blu-ray Disc kann viel Spaß machen - immer vorausgesetzt, der Filmfan findet das richtige Filmmaterial dafür. Der Anwender kann aber auch viel falsch machen. Schon bei der Verkabelung kann es zu Problemen kommen, weil mancher Fernseher sich nicht so gut mit dem Player versteht. Uns ärgerte dabei vor allem die Zufälligkeit der Probleme. Die ganze Infrastruktur rund um die HDMI-Verbindungen ist noch nicht fertig.

Genau deswegen macht uns die Zukunftsfähigkeit Sorgen. Dynamisches HDR kann keines unserer aktuell verfügbaren Abspielgeräte im Test, obwohl die Discs in Kürze erscheinen sollen. Nur einer unserer Fernseher beherrscht immerhin Dolby Vision, allerdings nicht das Konkurrenzformat HLG. Es lässt sich aber mangels Discs noch nicht sagen, ob sich dynamisches HDR in Form von Dolby Vision oder HLG wirklich lohnt im Vergleich zum statischen HDR10.

Die Kombination aus richtiger Software und beliebiger Hardware macht aber Spaß. HDR und 4K lassen sich auf Fernsehern sehr leicht erkennen und sehen sehr gut aus. Unterschiede zwischen den Geräten gibt es zwar, aber der Unterschied zwischen HDR und SDR ist in jedem Fall erkennbar und lohnenswert. Und das gilt auch für die Auflösung, wobei es hier allerdings stärker auf das Material ankommt. Wenn dieses dem Anwender viel Zeit zur Betrachtung lässt, wirkt das 4K-Bild fantastisch. In schnellen Actionszenen verschwindet der Vorteil aber durch die Bewegungsunschärfe. In jedem Falle ist mit der vorhandenen Hardware ein deutlicher Qualitätssprung erkennbar. Der ist aber nicht so stark wie der Wechsel zwischen SD und Full HD und nur mit der richtigen Software lohnenswert.

Es bleibt aber das ungute Gefühl, dass der Nutzer sich auf allerhand Zwischenlösungen einlässt. Keines der Abspielgeräte ist zukunftstauglich. In einem Jahr kann die Situation schon anders aussehen und es wäre sehr ärgerlich, wenn nach Jahren der Diskussion und Standardisierung schon wieder eine Neuanschaffung notwendig würde. Auf Nummer sicher gehen kann der Anwender derzeit leider nicht. Mindestens den Kauf eines neuen A/V-Receivers würden wir in jedem Fall hinauszögern. Das ist das Gerät, das tendenziell am längsten hält, und die Soundproblematik lässt sich gut umgehen.

Wer viel Spaß an Filmen hat, der kann aber schon aufrüsten und hoffen, dass dynamisches HDR nicht so fantastisch ist, wie es die Hersteller versprechen. Wer etwas zukunftsfähig sein möchte, kann darauf achten, einen Fernseher zu kaufen, der Dolby-Vision- oder HLG-tauglich ist - und hoffen, dass er damit die richtige Entscheidung trifft. Eine klare Tendenz gibt es nämlich nicht. Beim Abspieler würden wir derzeit von teuren Geräten abraten und auf eine Zwischenlösung setzen: entweder die lärmende Xbox One S oder den mittlerweile günstigen Samsung-Player. Panasonics UB900 ist zwar an sich das beste Gerät, aber leider zu teuer für eine fragwürdige Zukunft. So oder so: Nach der Anschaffung kann der Nutzer ein schöneres Bild genießen, zum Teil durch die 4K-Auflösung, meist aber vor allem aufgrund von HDR.

Es sei aber auch angemerkt, dass mit dem High-End-Equipment Nachteile entstehen, wie wir schon im ersten Teil des 4K-UHD-Blu-ray-Tests feststellten. Je besser der Fernseher und je besser das zuspielende Material, desto besser sind Fehler in Filmen und Serien zu entdecken. Schlechte Kameraarbeit oder mangelhafte Optiken werden omnipräsent. Das Personal, das Stunts übernimmt, wird noch deutlicher erkennbar und CGI-Effekte mit herumfliegenden Autos passen mitunter noch weniger in das Bild, was insbesondere moderne Filme betrifft.  (ase)


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