Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/intel-core-i3-7350k-im-test-teurer-prozessor-fuer-uebertakter-1701-125714.html    Veröffentlicht: 26.01.2017 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/125714

Intel Core i3-7350K im Test

Teurer Prozessor für Übertakter

Intel bringt erstmals einen Core i3 mit offenem Multiplikator für Overclocker auf den Markt - dabei ist der Takt so schon sehr hoch. Trotz nur zwei Kernen schlägt der 7350K die meisten Quadcores, für den gleichen Preis gibt es aber sinnvollere Kaby-Lake-Chips.

Neben dem Core i7-7700K als Topmodell der Kaby-Lake-Generation hat Intel weitere Prozessoren veröffentlicht - diverse i7 und i5 über einige i3 bis hin zu den Pentium und Celeron. Mit am interessantesten fanden wir den Core i3-7350K, der eine Besonderheit ist: Mit einem Takt von hohen 4,2 GHz zieht er mit dem Core i7-7700K gleich und weist ebenfalls ein K-Suffix auf. Das signalisiert einen offenen Multiplikator, denn der 7350K ist der erste übertaktbare i3 - per Baseclock klappt das ja nicht mehr. Gleich zwei gute Gründe also, sich den Chip anzuschauen.

Der Core i3-7350K ist ein nativer Dualcore, wie auch durch die geringere Anzahl an SMD-Bauteilen auf der Package-Rückseite ersichtlich wird. Wie bei den Core i3 üblich, ist Hyperthreading aktiviert - Intels Implementierung von SMT für zwei Threads pro Kern. Die beiden takten mit 4,2 GHz - einen Turbo wie bei den i5 oder i7 gibt es nicht. Durch die hohe Frequenz sortiert Intel den 7350K in die 60-Watt-TDP-Klasse ein, die anderen i3 sind auf 51 Watt spezifiziert.

Von der Sockel-1151-Plattform her gibt es keine Neuerung, auch der 7350K kann über zwei Speicherkanäle auf DDR4-2400 zugreifen, wenn ein Modul pro Kanal (DPC, DIMM per channel) verwendet wird. ECC fehlt wie bei quasi allen Kaby-Lake-Chips für das Consumer-Segment, bei Skylake wurde die Fehlerkorrektur abseits der Xeons noch unterstützt. Dafür beherrscht der 7350K unter anderem AVX 2.0 und weist die vollen 4 MByte an Last-Level-Cache auf, denn einige kleinere i3 müssen sich mit 3 MByte begnügen.

Da Intel den Core i3-7350K mit einem offenen Multiplikator ausliefert, haben wir den Chip übertaktet - und waren etwas enttäuscht. Unser Testmuster erreicht bei 1,41 Volt eine Frequenz von 4,8 GHz für die Kerne und den Uncore, wobei Letzterer ohne manuelle Anpassung nur bis auf 4,5 GHz skaliert. Die Spannung ist zwar ziemlich hoch, mit einem guten CPU-Kühler wie dem Noctua NH-U14S bleibt die Temperatur aber mit Prime95-Last unter 80 Grad Celsius.

Generell sind die Dualcores kühler als die Quadcores, zumal sie relativ betrachtet mehr Fläche pro abzuführendem Watt aufweisen. Wir haben versucht, den Core i3-7350K auf 5 GHz zu treiben, haben aber offenbar kein Exemplar erwischt, das diese Frequenz stabil mitmacht. Selbst mit satten 1,48 Volt stürzte der Chip beim Video-Transcoding regelmäßig ab, obwohl die Temperatur unkritisch war.

Wir haben den 7350K daher einzig mit Übertaktung auf 4,8 GHz durch den Benchmark-Parcours geschickt. Dort erreicht er schon ohne Overclocking das Niveau eines Sandy-Bride-Quadcores von 2011.

In Benchmarks auf 2500K-Level

Als Testsystem verwenden wir für die Sockel-1151-Chips ein MSI Z270 SLI Plus, für das einzelne LGA-1155-Modell ein MSI B75A-G43 und als AMD-Plattform kommt ein MSI 970A SLI Krait Edition zum Einsatz. Jeder Prozessor bekommt 16 GByte Arbeitsspeicher im Dualchannel zur Seite gestellt, der jeweils mit dem vom Hersteller maximal spezifizierten DDR3-/DDDR4-Takt läuft. Bei der Grafikkarte setzen wir auf eine Geforce GTX 1080 in der Founders Edition, alle Anwendungen und Windows 10 x64 liegen auf Crucial-SSDs.

Über alle Benchmarks hinweg erreicht der Core i3-7350K in etwa Parität zum Core i5-2500K. Das ist ein Vierkerner ohne Hyperthreading, der Anfang 2011 als Teil der Sandy-Bridge-Familie veröffentlicht wurde und bis heute eine große Verbreitung aufweist. Dank 4,2 GHz und vielen kleinen Steigerungen der Leistung pro Takt (IPC) überholt der 7350K den 2500K gar in einigen Fällen - dann, wenn Singlethreading gefragt ist. Umgekehrt sind der größere Cache und die vier Kerne des 2500K bei parallelisierten Anwendungen von Vorteil, etwa bei 7-Zip oder bei Spielen wie The Elder Scrolls Online.

Für einen Dualcore ist der 7350K extrem stark und spätestens mit Übertaktung lässt er dann auch den 2500K durchweg hinter sich. Anders ausgedrückt kann Intel durch SMT, Architekturverbesserungen und 1 GHz mehr Takt zwei physische Kerne mehr wettmachen. Allerdings kostet der i3 knapp 200 Euro und damit fast so viel wie der Core i5-7500. Der Kaby-Lake-Quadcore ist bis auf seltene Singlethread-Ausnahmen der schnellere Prozessor, daran ändert auch Overclocking nichts. Erschwerend kommt hinzu, dass Intel für den neuen Pentium G4560 mit Hyperthreading grob ein Drittel des Preises des 7350K aufruft, der Pentium aber nicht viel langsamer ist.


Wo der Core i3-7350K den Core i5-2500K nicht allzu weit hinter sich lässt, ist die Leistungsaufnahme. Obwohl der neue Chip in einem 14-nm-FinFET-Verfahren gefertigt wird, der alte Sandy-Bridge-Quadcore aber im planaren 32-nm-Prozess, fällt die Differenz gering aus. In diesem Kontext sei erwähnt, dass das verwendete MSI B75A-G43 definitiv ein sparsames LGA-1155-Board ist. Im Vergleich zum Core i5-7500 ist der übertaktete Core i3-7350K arg ineffizient: Der i5 benötigt weniger Energie bei mehr Leistung.

Angesichts des Preises und der Geschwindigkeit dürfte das Resümee zum Core i3-7350K schon an dieser Stelle eindeutig sein - das Fazit folgt auf der nächsten Seite.

Verfügbarkeit und Fazit

Intel verkauft den Core i3-7350K zu einem Listenpreis von 168 US-Dollar und damit etwas weniger als ein Core i5-7500, den der Hersteller für 192 US-Dollar führt. Noch ist der 7350K im Handel nur sporadisch verfügbar, das soll sich aber in den kommenden Wochen ändern. Erste Onlineshops rufen 190 Euro für die Tray-Version ohne Kühler auf, was wir angesichts der 205 Euro für einen Core i5-7500 (ebenfalls tray) schlicht als zu teuer empfinden.

Fazit

Wenn wir es gewollt positiv formulieren möchten: Der Core i3-7350K ist der bisher schnellste Dualcore-Prozessor, der es mit so populären Quadcores wie dem Core i5-2500K aufnehmen kann. Obendrein benötigt der Chip vergleichsweise wenig Energie und verfügt über einen offenen Multiplikator für Overclocking. Einzig die von uns nicht stabil erreichten 5 GHz trüben das Bild.

Und wenn wir es gewollt negativ formulieren möchten: Der Core i3-7350K ist ein überteuertes Spaßmodell, das kaum ein Mensch ernsthaft braucht. Außer der Chip wird in HW-Bot mit anderen Modellen seiner Art für Weltrekorde eingesetzt oder er wird vorrangig für Singlethread-lastige Software wie Spiele von gestern verwendet. In diesem Fall gibt es aber mit dem Pentium G4560 ein Modell, das 70 Euro kostet und kaum langsamer ist.

Nun die gemäßigte Variante: Für einen alltäglichen Software-Mix, wie er bei den meisten Nutzern vorkommt, ist ein Zweikerner nicht mehr zu empfehlen. Wer 200 Euro ausgeben möchte, sollte zum Core i5-7500 greifen oder noch ein paar Wochen warten, was AMD mit den Ryzen-Chips abliefert.  (ms)


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