Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/illegales-streaming-kinox-to-nutzt-gleichen-google-trick-wie-porno-hoster-1701-125697.html    Veröffentlicht: 20.01.2017 09:29    Kurz-URL: https://glm.io/125697

Illegales Streaming

Kinox.to nutzt gleichen Google-Trick wie Porno-Hoster

Auch das in Deutschland beliebte Streamingportal Kinox.to nutzt für die illegale Verbreitung von Spielfilmen und Serien offenbar die kostenlosen Hostingdienste von Google. Zuvor hatte sich eine Pornoproduktionsfirma öffentlich über diese Methode beschwert.

Das nach wie vor in Deutschland sehr beliebte Streamingportal Kinox.to nutzt zur illegalen Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke offenbar auch die Hostingdienste von Google zum Speichern der eigentlichen Videodateien. Darauf hat uns ein Leser hingewiesen, nachdem wir darüber berichtet hatten, dass sich der aus Kalifornien stammende Pornoanbieter Dreamroom Productions über diese Methode beschwert hatte.

Wir konnten nachvollziehen, dass einige der auf Kinox.to gesammelten Filme über Links zum Streaming bereitstehen, die über die Domain "Googlevideo.com" verbreitet werden. In den vollständigen URLs taucht dabei unter anderem der Paramater "source=webdrive" auf, was wiederum darauf hindeutet, dass der Dienst Google Drive zum Speichern und zum illegalen Verbreiten der Videoinhalte verwendet wird.

Obwohl der damalige Chef des Portals Kinox.to unter anderem wegen der "gewerblichen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke" im Dezember 2015 zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden ist, ist das Portal weiter online verfügbar. Zum Zeitpunkt des Prozesses waren zwei weitere mutmaßliche Betreiber des Portals per Haftbefehl gesucht worden. Der Angeklagte Arvid O. sagte zudem, eine weitere Person habe sich im Laufe der Zeit in sein Projekt Kinox.to hineingedrängt und die Kontrolle übernommen.

Rechtsverletzung an Google vorbei

Eine ähnliche Vorgehensweise wie jene von Kinox.to wird auch von einer Vielzahl anderer Plattformen zum illegalen Streaming von Film- und Fernsehproduktionen genutzt. Bisher ist dabei aber üblicherweise darauf verzichtet worden, die Videodateien bei großen und bekannten Diensten wie Youtube oder eben Google selbst zu hosten, da diese Firmen meist automatische Filtersysteme verwenden, um die illegale Verbreitung urheberrechtlich geschützten Materials schnell zu erkennen und zu unterbinden.

Für Youtube geschieht dies etwa über die sogenannte Content-ID. Offenbar gelingt es den Betreibern der illegalen Portale allerdings, derartige Filter zu umgehen oder zumindest nicht direkt aufzufallen. Auch Malware wird so verbreitet. Angesichts der schieren Menge an Daten, die Anbieter wie Google hosten, erscheint es tatsächlich als sehr schwierige Aufgabe, sämtliche Inhalte auf mögliche Rechtsverletzungen hin zu untersuchen. Für die Betreiber der illegalen Inhalte ergibt sich daraus der Vorteil, das Gratishosting nutzen zu können und damit Kosten einzusparen.

Wir haben Google gebeten, zu dem Sachverhalt Stellung zu nehmen, aber noch keine Antwort erhalten.  (sg)


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