Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/traffic-shaping-vodafones-kabelnetz-soll-an-backbone-erweiterung-sparen-1701-125572.html    Veröffentlicht: 13.01.2017 16:23    Kurz-URL: https://glm.io/125572

Traffic Shaping

Vodafones Kabelnetz soll an Backbone-Erweiterung sparen

Vodafone soll nach internen Informationen eines Beschäftigten dringend nötige Erweiterungen der Kapazität am Backbone aufschieben. Das und ein geplanter Stellenabbau ärgert den Mitarbeiter. Vodafone widerspricht.

Laut internen Informationen ist das TV-Kabelnetz von Vodafone stark überlastet und der Ausbau wird verzögert. Ein Beschäftigter, der den angekündigten Stellenabbau kritisiert, hat Golem.de drei interne Schreiben weitergeleitet und berichtet Interna aus der Technik: "Der Kabel-Deutschland-Backbone ist gerade abends einfach nur ausgelastet über dem Limit, weswegen vor ein oder zwei Wochen auch wieder das Shaping aktiviert wurde. Zusätzlich wurden sämtliche Projekte zur zeitnahen Kapazitätserweiterung des Backbones auf Eis gelegt oder derart zusammengestrichen, dass sie nur noch auf dem Papier existieren." Shaping bezieht sich auf Traffic Shaping.

Traffic-Shaping soll dafür sorgen, dass die verfügbare Datenrate möglichst effizient eingesetzt wird, ist aber grundsätzlich eine Form der Datenratenbegrenzung.

Vodafone-Sprecher Dirk Ellenbeck sagte Golem.de auf Anfrage: "Wie alle Netzbetreiber sorgen auch wir bei eventuellen Lastsituationen mit einem gezielten, anonymisierten Traffic-Management dafür, dass Bandbreiten gleichmäßig für die Kunden verteilt werden." Vodafone sehe, dass die Datennutzung extrem schnell wachse. Daher könne es lokal auch in den Netzen von Vodafone gelegentlich vor allem in den Abendstunden zu Lastsituationen kommen.

Die Aussagen des Vodafone-Mitarbeiters könne er nicht bestätigen. "Weder ist unser Backbone am Limit noch haben wir einen Ausbau gestoppt. Im Gegenteil: Wir erweitern unsere Netze permanent. Und sorgen sowohl im Mobilfunk und Festnetz fortwährend für neue Geschwindigkeiten für immer mehr Kunden."

Der Vodafone-Mitarbeiter hatte Golem.de authentische Schreiben von Vodafone-Chefs Hannes Ametsreiter, Technik-Geschäftsführer Eric Kuisch und dem Gesamtbetriebsrat zum geplanten Stellenabbau zugesandt.

Betriebsrat kritisiert Stellenabbau

Darin berichtet Kuisch, dass Vodafone "vor allem in der IT in den vergangenen Jahren viel Know-how verloren hat. Seit dem vergangenen Geschäftsjahr begegnen wir dem durch ein massives Insourcing von Kernkompetenzen."

In dem Schreiben von Ametsreiter ist ausdrücklich die Rede davon, "auch Arbeitsplätze zu reduzieren." Der Gesamtbetriebsrat gehe von einem "signifikanten Personalabbau" aus.

Noch in dieser Woche habe man der Presse entnehmen können, dass das "Datengeschäft brummt", die Deutsche Telekom überholt werden solle und das Netz weiter ausgebaut werden müsse. Die Erfolgsformel sei laut Betriebsrat dabei offenbar: "Wachstum durch weitere Kosteneinsparungen und Personalabbau. Bei uns scheint Kostenreduzierung der einzige Plan zu sein." Damit sei bei Mitarbeitern und Kunden die Grenze der Belastung und Zumutbarkeit überschritten.  (asa)


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