Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/us-wahl-us-geheimdienste-warnten-trump-vor-erpressung-durch-russland-1701-125513.html    Veröffentlicht: 11.01.2017 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/125513

US-Wahl

US-Geheimdienste warnten Trump vor Erpressung durch Russland

Ist der künftige US-Präsident erpressbar? US-Geheimdienste sollen Donald Trump genau davor gewarnt haben. Die Debatte um die Geheimdienstberichte nimmt damit an Schärfe zu.

Die Chefs der verschiedenen US-Geheimdienste haben den angehenden US-Präsidenten Donald Trump und den derzeitigen Amtsinhaber Barack Obama einem Bericht von CNN zufolge davor gewarnt, dass russische Geheimdienste möglicherweise über belastendes Material gegen Trump verfügen würden, mit dem Trump erpressbar sei.

Die Warnung wurde nach Angaben von CNN in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit der Vorstellung der geheimen Version eines Berichts über angebliche russische Einflussnahme auf die Wahl präsentiert. Es soll sich dabei um eine zweiseitige Zusammenfassung handeln. Unabhängig bestätigen lässt sich das nicht.

Konkret soll es um belastende Informationen über Trumps Geschäftstätigkeit in Russland gehen. Bis heute hat Trump keine detaillierten Informationen über seine Finanzen, wie etwa die Steuererklärung, veröffentlicht, wie es in den USA seit vielen Jahrzehnten eigentlich bereits im Wahlkampf üblich ist.

Buzzfeed veröffentlicht Volltext

Einem von Buzzfeed veröffentlichten, bislang unverifizierten Bericht zufolge sollen die russischen Dienste auch Informationen und Videoaufnahmen über "sexuelle Perversionen" Trumps besitzen. Der Bericht wurde im Sommer im Rahmen einer Gegnerbeobachtung (Opposition Research) von einem ehemaligen britischen Geheimdienstmitarbeiter angefertigt. Ob dieser Bericht auch Grundlage der Information Trumps durch die Geheimdienste war, ist nicht bekannt.

Der gestern veröffentlichte Bericht zirkuliert offenbar seit längerem in Washington. Die Journalistin und Russlandexpertin Julia Ioffe fragte, welchen Journalisten der Bericht ebenfalls zur Berichterstattung angeboten worden sei. Sie habe sich im Herbst gegen eine Berichterstattung entschieden, weil sie die Anschuldigungen nicht unabhängig habe verifizieren können.

Wie glaubwürdig sind die Informationen?

Problematischer könnte für Trump allerdings ein anderer Vorwurf werden, sollte er sich bewahrheiten: Sein Anwalt Michael Cohen soll sich in Prag mit Vertretern des Kreml getroffen haben, um Informationen auszutauschen. Das Magazin Newsweek schreibt unter Verweis auf Quellen im estnischen Geheimdienst, dass es ein Treffen zwischen einem Mitarbeiter von Trump und einem Putin-treuen Mitglied des russischen Parlaments in Osteuropa gegeben haben soll. Cohen bestreitet den Vorwurf, er sei nie in Tschechien gewesen. Auch ein Sprecher des Kreml bestritt die Anschuldigungen in einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax.

Die Anschuldigungen gegen Russland durch die US-Regierung haben in der Politik und auch in der Hackerszene für Kontroversen gesorgt. Wikileaks bestreitet nach wie vor, dass die von dem Portal veröffentlichten Mails bei einem Hack entwendet wurden. Man habe die "Schlussfolgerung" gezogen, dass die Mails von einem Insider geleakt wurden. Wie man zu dieser Schlussfolgerung kommt, sagt Wikileaks aber nicht.

Ein "politischer Bericht"?

Auch über den Inhalt des US-Regierungsberichts über das Wahl-Hacking wurde viel diskutiert. Wikileaks-Gründer Julian Assange sprach von einem politischen Bericht, der keine Beweise enthalte. Das behauptet die US-Regierung indes gar nicht. Am Anfang des Berichts heißt es: "Die Geheimdienst-Community kann so gut wie nie öffentlich in vollem Umfang über ihre Erkenntnisse informieren und die genaue Grundlage für ihre Einschätzungen offenlegen, da die Veröffentlichung solcher Informationen Quellen oder Vorgehensweisen verraten würde und so die Möglichkeit nehmen würde, auch künftig Informationen zu erheben."

Die in dem Bericht enthaltenen Einschätzungen seien alle durch als geheim eingestufte Informationen belegt. Die öffentliche, nicht eingestufte Version des Berichts enthalte aber "keine als geheim eingestuften Informationen und könne diese auch nicht enthalten." Experten wie der ehemalige GCHQ-Mitarbeiter Matt Tait, der auch unter @pwnallthethings twittert, sagte, die präzise Sprache und die im Anhang veröffentlichten Indikatoren zur Bewertung der Einschätzungen deuteten auf eine solide Informationslage hin.

Der Informatiker Daniel Miessler hat einen lesenswerten Beitrag zum Umgang mit den Informationen der US-Regierung verfasst. Man könne der US-Regierung natürlich in vielen Fragen nicht vertrauen, außerdem hätten auch die USA und vor allem die CIA eine lange Geschichte der Einflussnahme auf Wahlen im Ausland. Fraglich sei nur, ob man auf Grund dieser Tatsache den US-Behörden weniger Glauben schenken wolle als dem russischen Propagandasystem.  (hg)


Verwandte Artikel:
Wahlbeeinflussung: Russischer Präsident Putin will Verdächtige nicht ausliefern   
(05.03.2018, https://glm.io/133147 )
Ein Jahr Trump: Der Cheerleader der deregulierten Wirtschaft   
(19.01.2018, https://glm.io/132248 )
Georgia: Wählerdaten vor Analyse von Server gelöscht   
(27.10.2017, https://glm.io/130858 )
Wahlmanipulationen: Putin bestreitet Hackerangriffe auf staatlicher Ebene   
(02.06.2017, https://glm.io/128182 )
Executive Order: Trump fordert viele Cybersecurity-Berichte an   
(12.05.2017, https://glm.io/127798 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/