Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/e-ticket-deutschland-schafft-die-papierfahrscheine-ab-1701-125444.html    Veröffentlicht: 06.01.2017 17:21    Kurz-URL: https://glm.io/125444

E-Ticket

Deutschland schafft die Papierfahrscheine ab

Bundesweit sollen Chipkarten oder Handytickets nutzbar sein: Für das E-Ticket werden 16 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium bereitgestellt. Bis 2019 soll es deutschlandweite digitale Mobilitätsplattformen geben und wohl auch bundesweite Bewegungsprofile der Fahrgäste.

Bundesminister Alexander Dobrindt will deutschlandweit E-Tickets durchsetzen. Das gab das Bundesverkehrsministerium am 6. Januar 2017 bekannt. "Das Bundesverkehrsministerium fördert die digitale Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) mit einem eigenen Programm. Heute ist der Startschuss für zwölf Verbundprojekte gefallen. Im Zeitraum Januar 2017 bis September 2018 werden sie mit insgesamt 16 Millionen Euro gefördert."

Dobrindt: "Wir müssen die Digitalisierung und die Vernetzung in diesem Bereich voranbringen. Dazu brauchen wir deutschlandweit nutzbare Mobilitätsplattformen, die überregional und länderübergreifend Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von E-Tickets ermöglichen."

Keine Insellösungen mehr

Insellösungen, die gar nicht mehr oder nur zu hohen Kosten vernetzbar seien, sollten vermieden werden. Bis zum Jahr 2019 sollten Fahrkarten aus Papier für Busse und Bahnen in nahezu allen deutschen Städten überflüssig werden und durch elektronische Chipkarten oder Handytickets ersetzt sein, berichteten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dabei spielt auch die deutschlandweite elektronische Ticketkontrolle eine große Rolle.

Bundesweite Bewegungsprofile der Fahrgäste?

In der Praxis sei eine Vernetzung für einen verbundübergreifenden ÖPV mit anderen Mobilitätsdienstleistungen nur ansatzweise vorzufinden. Da die Zuständigkeiten auf mehrere staatliche Ebenen verteilt seien, die Länder und Kommunen für die Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) verantwortlich sind und insbesondere im Fernverkehr private Anbieter eingebunden sind, lägen die notwendigen Daten beziehungsweise Informationen häufig nur regional vor.

Sie seien wegen verschiedener herstellerspezifischer Lösungen oder trotz der Verwendung von Standards oft nicht ohne weiteres austauschbar beziehungsweise miteinander kompatibel. So sei es noch ein weiter Weg von den früheren autarken Systemen einzelner Verkehrsträger über integrierte Verbundverkehre mit durchgängiger Fahrplaninformation, einheitlichem Tarif und einfachem Fahrscheinerwerb hin zu deutschlandweiten digitalen Mobilitätsplattformen.

Bei einem solchen System spielt der Datenschutz eine zentrale Rolle: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden für den Einsatz der VBB-Fahrcard kritisiert. Erst hatte die BVG behauptet, es sei technisch unmöglich, Bewegungsprofile zu erstellen. Später musste sie die Aussage zurücknehmen - der Missstand wurde erst vom Fahrgastverband IGEB berichtet und durch Recherchen von Golem.de vertieft: Tatsächlich war die Möglichkeit des Erstellens von Bewegungsprofilen von Anfang an vorgesehen.  (asa)


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