Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazon-alexa-im-auto-im-kinderzimmer-und-im-kuehlschrank-1701-125438.html    Veröffentlicht: 09.01.2017 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/125438

Amazon

Alexa im Auto, im Kinderzimmer und im Kühlschrank

Alexa überall: Sehr überraschend sind viele neue Alexa-Geräte auf der Elektronikmesse CES vorgestellt worden. Keines davon stammt von Amazon - Autofirmen, Smartphone- und Kühlschrankhersteller haben sich für den digitalen Assistenten entschieden.

Die Überraschung ist Amazon zweifelsohne gelungen. Das Unternehmen war zwar nicht mit eigenen Neuheiten auf der CES vertreten, aber auf der Elektronikmesse in Las Vegas wurden etliche neue Produkte mit Amazons digitalem Assistenten vorgestellt: Alexa war in aller Munde. Der digitale Assistent wird derzeit vor allem in Amazons smarten Echo-Lautsprechern eingesetzt, in den USA gibt es nun aber auch erste Alexa-fähige Lautsprecher, die nicht von Amazon stammen.

Amazon hat in den vergangenen Monaten sehr erfolgreich nach Partnern gesucht, die dabei helfen, Alexa auf immer mehr Geräten verfügbar zu machen. Neben den klassischen smarten Lautsprechern gehören Kühlschränke und Autos oder Roboter dazu. Auch einer der großen Smartphone-Hersteller wird sein aktuelles Topmodell mit Alexa bestücken. All das geschieht zunächst nur in den USA, aber die Entwicklung wird langfristig auch nach Deutschland übergreifen. Derzeit läuft hier aber noch der Alexa-Vorabtest.

US-Version des Mate 9 läuft mit Alexa

Eine für Amazon wichtige Partnerschaft hat Amazon mit Huawei geschlossen, das Alexa für seine Smartphones lizenziert hat. Das Anfang November 2016 vorgestellte Mate 9 kommt in den USA erst diesen Monat auf den Markt und wird gleich mit Alexa erscheinen, wie The Verge berichtet. Es ist das erste Smartphone mit Alexa-Steuerung. In anderen Regionen sollen Mate-9-Besitzer die Alexa-Fähigkeit mit einem Firmware-Update erhalten. Einen Termin für Deutschland gibt es noch nicht.

Die Grundfunktionen der vorgestellten Neuerungen sind identisch, aber es gibt so manche Besonderheit. Generell soll Alexa Fragen des täglichen Lebens beantworten und helfen, den Alltag zu meistern. Mit digitalen Assistenten kann auch Smart-Home-Equipment mit der Sprache gesteuert werden.

Alexa im Auto

Als erste Autohersteller haben Ford und VW eine Alexa-Integration vorgestellt. Anders als etwa bei den Echo-Geräten wird Alexa nicht per Sprachbefehl aktiviert, sondern der Fahrer startet den Assistenten mit einem Knopfdruck am Lenkrad. Dann kann er mit der Sprache Musik oder Hörbücher abspielen oder sich zu einem Restaurant in der Nähe navigieren lassen.

Die Alexa-Integration erfolgt in zwei Phasen und ist erstmal nur für die USA geplant. Noch in diesem Monat soll es möglich werden, ein Ford-Auto von einem Alexa-fähigen Gerät wie etwa Echo zu steuern, dazu muss das Auto mit Ford Sync 3 versehen sein. Vom Haus kann etwa das Auto in der Garage per Zuruf verriegelt oder die Reichweite eines Elektroautos abgerufen werden. Elektroautos können auch aus der Ferne angelassen werden. Derzeit wird das System noch von Ford-Mitarbeitern erprobt.

Der zweite Ausbauschritt ist für Sommer 2017 geplant. Dann wandert Alexa direkt ins Auto, von dort kann dann Smart-Home-Equipment vom Auto aus gesteuert werden. So kann etwa auf Zuruf die Heizung im Haus eingeschaltet werden, wenn der Fahrer auf dem Heimweg ist. Vom Auto aus kann das Garagentor mit der Sprache geöffnet werden und noch vor dem Aussteigen kann der Fahrer etwa das Licht im Hauskorridor einschalten. VW hat seine Alexa-Integration zwar auf der CES vorgestellt, aber keinen Zeitplan bekanntgegeben, ab wann Kunden darauf zugreifen werden.

Die Schwerpunktnutzung von Alexa ist eigentlich in den eigenen vier Wänden und in diese Richtung geht es auch bei den Anbietern von Kühlschränken.

Alexa im Kühlschrank

Einen Kühlschrank mit Alexa-Anbindung hat LG vorgestellt. Dieser läuft mit dem hauseigenen Betriebssystem WebOS und kann mittels Alexa auch mit der Sprache bedient werden. Der Side-by-Side-Kühlschrank hat in der einen Tür einen 29 Zoll großen Touchscreen, der zur Steuerung der WebOS-Funktionen dient. Mittels Alexa sind die üblichen Funktionen gegeben und der Kühlschrank selbst soll sich damit auch einstellen lassen. Außerdem können mittels Alexa Lebensmittel bei Amazon bestellt werden; wenn der Nutzer etwa bemerkt, dass die Milch alle ist, kann er sie mit einem Zuruf nachbestellen.

Im Kühlschrankbereich befindet sich eine Kamera, so dass der Kühlschrankinhalt auch ohne Öffnen der Tür zu sehen ist, indem das Kamerabild auf dem Display erscheint. Damit das funktioniert, dürfen Lebensmittel aber nicht zu sehr gestapelt und hintereinandergelegt werden. Für einen Mehrpersonenhaushalt dürfte das nicht praktikabel sein, so dass oftmals doch die Tür geöffnet werden muss, um sich über den Inhalt zu informieren.

Wann und zu welchem Preis LG den WebOS-Alexa-Kühlschrank auf den Markt bringen wird, ist noch nicht bekannt.

Roboter mit Alexa

LG hat mit Airbot zudem einen Flughafenroboter vorgestellt, der mit Alexa läuft, damit Nutzer mit ihm sprechen und sich unterhalten können. Außerdem wurden erste Fire-TV-Fernseher vorgestellt, die ebenfalls mit Alexa bestückt sind. In den USA sind die Fire-TV-Geräte von Amazon generell seit langem Alexa-fähig.

Mit Smart Assistant hat Lenovo einen direkten Echo-Konkurrenten präsentiert. Aber auch der kleinere Linkplay hat einen smarten Lautsprecher mit Alexa-Unterstützung gezeigt. Wer sich also für einen Alexa-fähigen Lautsprecher interessiert, erhält demnächst mehr Auswahl - zumindest in den USA.

Mattel Aristotle setzt zusätzlich auf Cortana

Auch der Spielzeughersteller Mattel zeigt eine Echo-Variante, die sich vor allem an Kinder richtet und Eltern auch als Überwachungsinstrument dienen soll. Es soll so etwas wie ein digitales Kindermädchen sein. Dafür gibt es eine Kamera, um einen Blick ins Kinderzimmer zu werfen. Aus der Ferne können Eltern dann auch Funktionen des Lautsprechers aktivieren. Außerdem kann das in Aristotle enthaltene Mikrofon als Babyfon genutzt werden. Aber auch abseits dessen macht Mattel einiges anders als bei üblichen smarten Lautsprechern.

Der Mattel-Lautsprecher greift nämlich nicht nur auf Alexa, sondern auch auf Microsofts digitalen Assistenten Cortana zurück. Mit der Kombination beider Assistenten sollen die Einsatzmöglichkeiten erhöht werden. Mattel verspricht, dass Aristotle anders als die Echo-Lautsprecher darauf achtet, wer spricht. Wenn ein Kind den Lautsprecher bedient, sind einige Funktionen blockiert, die erst freigeschaltet werden, wenn der Lautsprecher die Stimme eines Erwachsenen vernimmt. Auch Kleinkinder-Gebrabbel soll das System erkennen können.

Der Mattel-Lautsprecher soll darauf spezialisiert sein, für Kinder passende Inhalte abzuspielen, also Kinderlieder, Hörspiele und Ähnliches. Das ist für smarte Lautsprecher üblich, aber die Wiedergabe von Hörspielen ist bisher nicht besonders komfortabel gelöst. Auch typische Kinderfragen können digitale Assistenten oftmals nicht beantworten, hier wird Mattel gegensteuern, berichtet Fast Company. Es bleibt abzuwarten, ob die Mattel-Lösung hier deutlich besser abschneidet.

Als weitere Besonderheit hat der Lautsprecher ein Nachtlicht, damit Kinder nicht in völliger Dunkelheit schlafen müssen. Das Mattel-System soll im Sommer 2017 für etwa 300 US-Dollar auf den US-Markt kommen, berichtet auch Bloomberg.

Mit dieser neuen Entwicklung erhält der Markt digitaler Assistenten überraschend einen deutlichen Schub.

Ausblick

Die Steuerung mit der Sprache wird im Alltag immer bedeutender. Die Vorstellung der vielen, verschiedenen Alexa-fähigen Geräte macht das sehr deutlich und Amazon ist damit ein großer Coup gelungen. Der erst kürzlich gestartete Assistant von Google wirkt derzeit abgeschlagen und es hat den Eindruck, dass Google dieser Entwicklung erst einmal nichts entgegenzusetzen hat.

Denn die sehr unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten schaffen eine breitere Basis. Hier spielt Amazon seinen Vorsprung mit den Echo-Lautsprechern gegenüber Google aus, das erst kürzlich mit solchen Geräten den Markt betreten hat. Während viele Funktionen im Google-Lautsprecher noch nicht funktionieren, können die Amazon-Geräte mit Skills noch um weitere Funktionen erweitert werden.

Durch eine intensive Zusammenarbeit mit den verschiedensten Herstellern steigert Amazon die Marktmacht von Alexa. Der bisherige Ansatz von Google ist das genaue Gegenteil, es will seinen Assistant anderen Smartphone-Herstellern nicht zur Verfügung stellen und setzt darauf, dass sich Käufer wegen Assistant für den Kauf eines Pixel-Smartphones entscheiden. Bisher gibt es kein Indiz dafür, dass diese Taktik aufgeht.

Indem Alexa-Technik in möglichst vielen unterschiedlichen Geräten eingesetzt wird, beschleunigt sich die Entwicklung dahin, dass die Stimme künftig immer stärker für die Benutzung von Geräten verwendet wird. Vor allem im Auto und zu Hause gewöhnt man sich auch schnell an die Sprachsteuerung. Dann kann das durchaus praktisch sein.

Deutschland hinkt hinterher

In Deutschland entwickelt sich der Markt gerade erst, und vor allem Alexa wird derzeit in einer Art Testbetrieb zur Verfügung gestellt. Die deutsche Version von Alexa arbeitet noch nicht auf dem Niveau der US-Version. Daher gibt es die Echo-Geräte weiterhin nur mit einer Einladung. Wann die Echo-Lautsprecher in Deutschland für die Allgemeinheit verfügbar sein werden, ist nicht bekannt.

Hauptkonkurrent von Amazon ist derzeit Google, das mit Home ein vergleichbares Produkt für die Echo-Geräte anbietet. Im Frühjahr dieses Jahres soll Home auch in Deutschland verkauft werden, spätestens dann wird auch hierzulande mehr Bewegung in den neuen Markt kommen. Im deutschen Markt wird dann entscheidend sein, wie weit sich Alexa bis dahin entwickelt hat und wie gut sich Assistant auf Deutsch macht.  (ip)


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