Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/der-grosse-ultra-hd-blu-ray-test-teil-1-4k-filme-verzeihen-keine-fehler-1701-125435.html    Veröffentlicht: 24.01.2017 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/125435

Der große Ultra-HD-Blu-ray-Test (Teil 1)

4K-Filme verzeihen keine Fehler

Lohnt sich die Ultra-HD-Blu-ray-Disc fürs Heimkino? Dieser Frage sind wir anhand von drei Fernsehern, drei Playern und sieben Filmen nachgegangen. Wir haben dabei Betrug, Abstürze, hohe Leistungsaufnahmen, Verbindungsprobleme und wunderschöne Bilder entdeckt. Zunächst konzentrieren wir uns auf die Filme und HEVC alias H.265.

Nach anfänglichem Chaos ist die Ultra-High-Definition-Blu-ray-Disc über ein Dreivierteljahr nach dem Marktstart gut verfügbar, wenn auch mit gehöriger Verspätung. Es ist also Zeit, das Potenzial der Filme auf den Scheiben und die Fähigkeiten der Abspielgeräte ausführlich zu testen. Die hohe Auflösung, der deutlich verbesserte Dynamik-Umfang (High Dynamic Range, HDR) und viel mehr Bits je Farbe versprechen ein Bild-Erlebnis wie in einem High-End-Kino mit Laserprojektor, von denen es in Europa aber nur sehr wenige gibt - etwa als Imax- oder Dolby-Vision-Lichtspielhaus.

So richtig einfach ist der Umgang mit HDR aber nicht. Der Nutzer kann leider sehr viel falsch machen, sowohl bei der Hardware samt Verkabelung als auch bei der Software in Form von Filmen.

Ohne Grundkenntnis ist die Wahrscheinlichkeit hoch, ein ärgerliches Erlebnis zu haben, sei es durch den falschen Film oder schlicht durch schwer kontrollierbare Zufälle bei der HDMI-Aushandlung - wehe dem, der eine schlechte Steckdosenleiste hat. Aufgrund der Komplexität des Themas beschäftigen wir uns im ersten Artikel überwiegend mit der Software und dem damit verbundenen erhofften fantastischen Bild und Problemen, auf die wir überraschend gestoßen sind. Der Hardware widmen wir uns in einem weiteren Artikel.

Der Test ist als Fortsetzung unserer HDR-Berichterstattung zu sehen. Eine grundsätzliche Einführung bietet der Artikel 'Wir brauchen bessere Pixel'. Den Spielebereich haben wir in unserem HDR-Gaming-Artikel 'In den Farbtopf gefallen' betrachtet und einen Ausblick auf die Codec-Zukunft jenseits der UHD-Blu-ray gibt unser großer Artikel zum VP9-Nachfolger AV1. Die Lektüre kann hilfreich sein, ist aber für das Verständnis dieses Tests nicht unbedingt notwendig.

Wir halten uns hierbei begrifflich an das, was in der Industrie üblich ist, und nutzen sowohl 4K als auch Ultra-HD als Begriffe. Tatsächlich wird die Ultra-HD-Blu-ray-Disc mit einem 4K-Logo auch als 4K-Disc vermarktet und die Fernsehgerätehersteller nutzen seit jeher lieber das griffige 4K-Logo als Ultra-HD. Letzteres wird manchmal sogar aktiv vermieden. Selbst das HDMI-Forum spricht fast nur noch von K-Formaten in HDMI 2.1. Gemeint ist in diesem Test immer eine Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln. Andere 4K-Formate ignorieren wir bewusst.

Fernseher, Abspielgeräte und Software in Kombination

Für das 4K-Erlebnis braucht es verschiedene Komponenten. Im zweiten Teil betrachten wir im Detail unsere drei Fernseher, die hier nur der Vollständigkeit halber schon einmal genannt werden. Wir haben uns drei Referenzgeräte zuschicken lassen, die alle HDR unterstützen: Sonys Edge-Lighting-System Bravia XD93, LGs OLED 55B6V (selbstleuchtend) und Samsungs KS7590 (Edge). Die Fernseher sollten vor allem zeigen, was prinzipiell möglich ist, was allerdings nicht jedem Typ gleich gut gelang.

Bei den Abspielgeräten alias UHD-BD-Playern haben wir auch auf drei Modelle zugreifen können, die nach derzeitigem Stand im Prinzip den Markt abdecken, sieht man von abgespeckten Varianten oder Importen ab. Der UB900 von Panasonic kommt in Hi-Fi-Bauform auf den Markt. Ein typisch kurviges Design hat Samsungs UBD-K8500, und für den Einstieg bietet sich Microsofts Xbox One S an.

Was jetzt noch fehlt, ist die Software. Hier haben wir auf sieben UHD-BDs zurückgegriffen. Als Importbeispiel dient der Film The Divergent, den wir aus den USA mitgebracht haben. Mit The Martian steht ein aktueller Sci-Fi-Film zur Verfügung. Batman vs. Superman dient als Beispiel für einen analog gedrehten düsteren Film, und mit Star Trek Beyond haben wir einen Film ausgewählt, der aufgrund der vielen Effekte ein extremes Spektakel sein sollte. Auch Deadpool und Luc Bessons Lucy fallen darunter. Zuletzt haben wir uns The Revenant angesehen, einen Film, der nicht effektgeladen ist und etwas mehr Natur zeigt.

Auf die Inhalte der Filme gehen wir nicht näher ein. Sie werden aber ausführlich auf Auflösung und HDR-Effekte hin bewertet, denn gerade das ist bei der UHD-BD wichtig.

HDR ist toll, die Auflösung nicht immer

Bei 4K-HDR-Discs geht es in erster Linie um drei Dinge, die seit der Blu-ray optimiert wurden: die erheblich gesteigerte Auflösung, die Unterschiede zwischen dunkel und hell (High Dynamic Range) und die Darstellung der Farben. Unsere Discs arbeiten alle mit einer Farbunterabtastung von 4:2:0 und 10 Bit pro Farbkanal. Sprich statt der deutlich sichtbaren 256 Stufen pro Farbe gibt es derer mit der neuen Disc nun 1.024. Die Details zum Codec besprechen wir später auf Seite 7, während wir uns hier dem Bildeindruck in der Praxis anhand einiger Beispiele widmen, bevor wir zu den Filmen selbst kommen.

Was uns dabei gleich zu Beginn auffiel: Das Auge muss erstmal lernen, dass ein Film noch besser aussehen kann. Zu Zeiten der VHS war die Laserdisc die Offenbarung schlechthin. Würde das noch besser gehen? Ja, wie die DVD zeigte, die damals ein unglaubliches Bild ermöglichte, das kaum zu verbessern schien. Auch das stellte sich mit dem Aufkommen der HD-DVD und der Blu-ray als falsch heraus.

Es ging immer noch besser, aber jedes Mal gab es auch eine Gewöhnungsphase, während derer das neue Material mitunter nachteilig wirkte. Die Sichtbarkeit einzelner Bartstoppeln auf der Blu-ray-Darstellung wurde kritisiert. Und die Falten! Und der Schweiß! Die schöne idealisierte, weichgezeichnete DVD-Welt der Reichen und Schönen wich einer realistischen Darstellung, die erst später mit entsprechender Schminktechnik etwas ausgeglichen wurde und dann dem Hollywood-Ideal wieder entsprach.

Das Bild ist (ver-)störend gut

Ähnlich ist das Problem der UHD-Blu-ray in Verbindung mit einem qualitativ hochwertigen Fernseher. Man sieht jeden verdammten Fehler im Bild! Das war unser Gefühl nach ein paar Stunden mit den neuen Discs. Sei es bei der Kamerabedienung, wo die Schärfe nicht korrekt gesetzt wird, bei der Kompression oder auch den Bildmanipulationen der Fernseher, derer es definitiv zu viele gibt.

Auf der anderen Seite: Mit der richtigen Disc ist das Bild fantastisch, wunderschön und im wahrsten Sinne des Wortes blendend. Gerade bei HDR kommt es aber nicht gezwungenermaßen auf die absolute Helligkeit an. Der Effekt wird vor allem durch den Unterschied zwischen hell und dunkel sichtbar, und da kann das Bild so realistisch sein wie eine sonnendurchflutete Stadtszenerie, die mit bloßem Auge betrachtet wird. Naja, fast, denn weder die Discs noch die Fernseher kommen bei der Darstellung auch nur in die Nähe der Realität. Aber im Vergleich zur Blu-ray sind die Bilder ein enormer Fortschritt, sobald man sich von der Idee gelöst hat, die Blu-ray sei ja eigentlich schon gut. Es ist schlicht Gewohnheit.

Der 4K-HDR-Disc-Vorteil 1: die Auflösung

Insbesondere die hohe Auflösung nimmt der Zuschauer eher unterbewusst wahr. Sie zeigt sich durch ungewohnte Unschärfe, weil die Auswirkungen der Blendeneinstellungen deutlicher werden. Während auf der Blu-ray drei Charaktere hintereinander positioniert in einer Linie Richtung Horizont auf derselben Schärfeebene liegen können, sieht der Zuschauer bei 4K-Material nur den mittleren Charakter scharf, die anderen beiden Charaktere sind eine Schärfeebene dahinter und davor. Das ist tatsächlich ein Extrembeispiel, allerdings eines, das uns beim Schauen von diversen Filmen und Serien aufgefallen ist. Und das durchaus bei Szenen mit kleiner Blende. Zusammen mit den enormen Unterschieden zwischen Schwarz und Weiß ist das insgesamt ein großer Vorteil der neuen Blu-ray.

Das setzt natürlich enorm gute Kameraarbeit voraus, die nicht immer gegeben ist. Wenn die Kameraführung die Schärfe bei Bewegungen nicht korrekt nachführt, dann nützt die hohe Auflösung nichts. Das merkt man schon bei der Blu-ray. Eines der Extrembeispiele ist der erste Star-Trek-Reboot-Film von J. J. Abrams. Dort gibt es einige Nahaufnahmen in Dialogen, bei denen der Schärfepunkt hinter den Ohren liegt. In solchen Situationen nützt einem weder die 4K- noch eine 2K-Auflösung etwas. Sie macht nur den Fehler der Kameraführung deutlicher. Allenfalls der DVD-Nutzer würde diesen Fehler nicht entdecken.

Der 4K-HDR-Disc-Vorteil 2: die Farben

Die für das untrainierte Auge am schwersten zu entdeckende Neuerung ist die große Farbtiefe von 10 Bit, also 1.024 Stufen pro Farbe statt der bisher gewohnten 256 Stufen. Das ist immer noch ziemlich wenig, wenn man ein Extrembeispiel nimmt und über die Breite des Fernsehers einen Farbverlauf darstellen will. In der Praxis kommt das aber zwar sehr selten vor, vor allem in sichtbarer Form, aber es gibt dieses sogenannte Color Banding durchaus, etwa bei Sonnenuntergängen, wenn die Farbverläufe eigentlich sehr fein sein müssten. So eine Szenerie, die bestimmte Farben nur in Nuancen anzeigt, ist für die Blu-ray nur schwer darstellbar. Doch in der Regel haben wir Color Banding als normal akzeptiert, so wie es bei Spielen auch immer noch sichtbar ist. Es fällt einfach nicht auf.


Bei unseren Filmen fiel der 8-Bit-Nachteil nicht unbedingt auf, eben wegen dieser Gewöhnung. Deutlich sichtbar ist er beispielsweise bei Schwarzblenden. Während die Blu-ray recht deutliche Stufen zeigt, ist mit der 4K-Disc ein deutlich weicherer Übergang möglich. Aber auch dieser ist nicht perfekt. Höhere Bitraten wären vermutlich von Vorteil.

Der 4K-HDR-Disc-Vorteil 3: High Dynamic Range

Der auffallendste und größte Vorteil des neuen Formats ist High Dynamic Range (HDR). Zugegebenermaßen spielt auch die Technik eine starke Rolle. Ein klares Schwarz auf den Discs sieht der Anwender nur auf einem Fernseher, der auch Schwarz darstellen kann. Fernseher mit Hintergrundbeleuchtung können das prinzipbedingt nur mit Schummeleien (Local Dimming). Vor allem beim tendenziell dunklen Filmabend ohne störende Lichtquellen sieht der Anwender prinzipbedingt sofort Ausleuchtungsprobleme bei LC-Displays.

Doch die Schwarz-Nuancen, die mit den neuen Scheiben möglich sind, sieht der Anwender auch auf schlechter Technik. Dunkle Schatten sind teilweise tiefschwarz und zeigen trotzdem Details, während daneben starke Lichtquellen die Szenerie ausleuchten. Der Vorteil beschränkt sich nicht nur auf dunkle Szenen. Auch ein heller Sonnenuntergang wirkt per HDR beeindruckend und selbst in voll ausgeleuchteten Räumen wirkt das Bild besser, weil in dem hellen Raum die Lichtquellen besser auffallen.

Und da hat das Heimkino mitunter Vorteile verglichen zum Kino: Ein echtes Schwarz gibt es dort selten, allenfalls beispielsweise in einem ordentlichen HDR-Kino wie in Hilversum, einem Dolby-Vision-Kino, von denen es in Europa nur fünf gibt. Diese Erfahrung wirkt sich allerdings nachteilig auf den normalen Kinogenuss aus. Seit wir wissen, was möglich ist, sehen wir überall Grauwerte und eine den Bildeindruck störende Notausgangsbeleuchtung.

Genauso geht es uns mit der 4K-Blu-ray. Einmal dran gewöhnt, will man eigentlich nicht mehr weg vom 4K-Erlebnis. Aber wir konnten gar dabei bleiben und erlebten mitunter 2K und SDR auf 4K-Discs, denn bei den 4K-Discs sind mitunter genau diese Bildbetrügereien im Umlauf.

HDR-Betrug bei The Divergent und Schönheit bei The Martian und Lucy

Bei den von uns getesteten Filmen war die ein oder andere Gurke dabei, zumindest technisch. Inhaltlich wollen wir auf die Filme nicht eingehen; es gab in der Redaktion schon die ein oder andere Diskussion pro und kontra, insbesondere freitags, wie sich unsere Forenschreiber sicherlich vorstellen können. Zudem betrachten wir hier den Unterschied zwischen 2K-SDR und 4K-HDR, unabhängig von der verwendeten Hardware. Denn die Unterschiede sind auf allen Geräten erkennbar.

Zu den technischen Gurken zählt unser US-Import The Divergent, der hierzulande als 4K-Disc nicht verkauft wird. Das ist auch besser so. Die Produktion gehört nicht nur zu den Fake-4K-Produktionen, sondern bietet außerdem auch kein HDR. Als wir uns den Film anschauten, wunderte uns das Bild zunächst. Dass wir hochskaliertes 2K-Material sahen, wussten wir vorab schon. Doch das Bild wirkte seltsam flau. Wir konnten das zunächst nicht klar deuten. Ein paar Lichtmessungen ergaben zu erwartende Werte bei hellen Punkten. Doch irgendwann fiel uns auf, dass die Produktion keine schwarzen Stellen hat. Nicht einmal die Balken sind schwarz.


Die Macher haben sich entschieden, einfach die Helligkeit hochzuschieben - und zwar über das gesamte Bild inklusive der Balken, die auf unserem OLED-Fernseher sogar zusätzliche Informationen zeigten. Von High Dynamic Range bleibt eigentlich nur das High übrig. Eine derart zusammengepfuschte UHD-BD haben wir nicht erwartet, obwohl der Film ohnehin weder durch gute Kameraarbeit noch gute Effekte auffällt. The Divergent ist auf jeden Fall ein Beispiel, bei dem die UHD-BD keine Vorteile bringt, und die Art, wie HDR in den Film integriert wird, würden wir als betrügerisch einstufen. Zum Glück geht das aber besser.

Tolle Auflösung bei The Martian und Lucy, schönes HDR bei The Revenant

Samsung legt seinem Blu-ray-Player häufig The Martian (Der Marsianer) bei, was eine gute Entscheidung für den ersten Eindruck ist. Der Film kann derzeit als schöne Referenz gelten, auch wenn die Effekte nur in 2K gerendert wurden. Die Kameraaufnahmen sind aber alle 4K. Damit heben sich die Realaufnahmen subtil etwas von dem gerenderten Hintergrund ab. Ab und an fällt das auf, was zeigt, dass 4K durchaus bewusst wahrgenommen wird. Zudem fällt bei Nahaufnahmen auf, dass die Charaktere auch nur Menschen sind. Wir erkennen viel mehr Details auf der Haut. Die Bildqualität ist jedenfalls hervorragend. Das gilt auch für die HDR-Effekte und die Farbdarstellung. Wer danach zum Vergleich die Blu-ray-Version einlegt, sieht nur noch ein flaues Bild.

The Revenant gefällt uns ebenfalls sehr gut. Hier gibt es die Unterscheidung nicht zwischen Effekten und Realaufnahmen. Es gibt nur Letzteres. Das Bild ist an sich schön scharf, wirkt dadurch aber auch ungewohnt. Die Anzahl der Details gerade bei den vielen Nahaufnahmen stört anfangs sogar. Besonders gut gefallen uns dabei die Naturaufnahmen und die damit verbundenen HDR-Effekte. Es macht einfach Spaß, den Film auf der Disc zu zeigen.

Luc Bessons Lucy zeigt, wie HDR und 4K sein müssen, Deadpool profitiert kaum

Bei Deadpool sind die Vorteile der 4K-Disc vor allem im Bereich HDR zu entdecken. Die Auflösung wirkt zwar höher, doch im Vergleich zu The Martian, das mit seinen vielen ruhigen Szenen und gutem Setzen der Schärfepunkte 4K deutlich zeigt, bringt das bei Deadpool nur wenig. Und das trotz der feinen Strukturen des Anzugs von Deadpool. Zudem sind die vielen Effekte sowieso nicht so detailliert, als dass sich Unterschiede gut erkennen lassen würden.

Zu den richtig guten UHD-BDs gehört zweifellos Lucy. Stellenweise wirkt das rauscharme Nachtmaterial wie alte 4K-Demo-Videos. Die in Taipeh gedrehten Nachtszenen, insbesondere von der Skyline, zeigen einen enormen Detailreichtum. Und dieser ist besonders gut sichtbar. Während etwa bei Wolken die Auflösung durch die farbliche Nähe zum Himmel und die diffuse Naturerscheinung schwerer erkennbar ist, sind bei den Nachtaufnahmen der Taipeh-Skyline viel mehr Details sichtbar. Der Unterschied zwischen einem beleuchteten und einem dunklen Fenster ist so groß, dass die hohe Auflösung auch bei höherem Sitzabstand noch auffällt.

Dazu passen auch die gute HDR-Abstimmung und die damit verbundenen dunkleren, düstereren Szenen, die aber trotzdem gut erkennbar sind. Universal hat sich allgemein viel Mühe gegeben. Auch die CGI-Logos und der für Universal typische Bildschirmschoner sind in voller Auflösung vorhanden. Irritiert waren wir nur bei der Darstellung einer Sonnenblendung über der Erde des Universal-Logos, das erstaunlich starke Lila-Anteile hatte. Das Universal-Logo auf der Blu-ray sieht natürlicher aus.

Superman und Batman rauschen besser in 4K und Star Trek enttäuscht

Die beiden DC-Comics-Helden auf der UHD-BD sind eine Besonderheit. Batman vs. Superman wurde nämlich analog gedreht. Die Auswirkungen auf die Bildschärfe sind deswegen enorm, aber nicht im positiven Sinne. Für die vielen dunklen Szenen wurde sehr körniges Filmmaterial eingesetzt, das einen klaren Film-Look hat. Dadurch sieht man auf der UHD-BD im Prinzip eine im Detail besser erkennbare Körnigkeit, während die klassische Blu-ray das Bild glättet - stilistisch vielleicht gar nicht so schlecht, schließlich entspricht das der Präsentation im Kino mit einem 70-mm-Projektor. Es gibt in Deutschland durchaus noch Vorführungen dieser Art in großen Kinos. Allerdings ist das sehr gewöhnungsbedürftig, da der Zuschauer überwiegend digitales Material zu Gesicht bekommt. Zudem zeigen sich keine Vorteile bei der Auflösung, einige Filmszenen bieten sogar sichtbar weniger Auflösung.

Anders sieht das bei der Darstellung der Farben aus, und das gilt auch für die weich wirkenden Effekte, die hier nicht mit hoher Auflösung produziert wurden. Wolkenstrukturen im Himmel in den Eingangsszenen, die auf der Blu-ray eine ziemlich einheitliche Fläche bilden, werden sehr viel besser dargestellt. Sprich Wolkenmasse und Himmel gehen ineinander über. Auch die HDR-Effekte gefallen uns, wenngleich sie nicht so spannend sind wie bei The Martian oder The Revenant.

Star Trek Beyond enttäuscht uns dann wieder. Von einer hohen Auflösung sieht man bei dem Film gar nichts, mitunter gefiel uns das Blu-ray-Material des ersten Star-Trek-Films mit der neuen Crew besser, sieht man von der eingangs erwähnten schlechten Kameraarbeit ab. Das ist schade. Gerade ein Science-Fiction-Blockbuster wäre ideal für 4K-Filmaufnahmen und 4K-Effekte, entsprechend waren unsere Erwartungen hoch. Wir haben bei einem so neuen Film Perfektionismus erwartet und bekamen im Prinzip fast nichts. Der HDR-Eindruck ist zugegebenermaßen nett, doch bei so niedrig aufgelöstem Material sehen wir den Mehrwert der Scheibe nicht.

Aber das ist ein allgemeines Problem des neuen Disc-Formats: Es ist nicht klar, welche Zielgruppe hier bedient werden soll. Und vor allem: Wie findet man eigentlich einen technisch einwandfreien Film?

Wie finde ich den richtigen Film, was fehlt und was ist mit Streaming?

4K ist nicht 4K, das mussten wir leider bei den Filmen erkennen. Was im Handel betrieben wird, ist schon ein bewusstes Reinlegen des Käufers. Nach unserer Erfahrung erhält der Anwender in den wenigsten Fällen eine echte 4K-Disc. Die Regel ist eher, dass es sich um hochskaliertes Material handelt. Full-HD/2K wird also auf Ultra-HD/4K hochgerechnet und auf der neuen Blu-ray abgespeichert. Die Qualitätsvorteile gegenüber der Blu-ray-Disc sind dann - wenn überhaupt - minimal und in jedem Falle enttäuschend. Wenn der erste Vorteil weg ist, bleiben immerhin noch die bessere Farbdarstellung und HDR. Solange Letzteres vernünftig umgesetzt wurde, würden wir sagen, dass sich die Anschaffung noch lohnt.

Nur leider erkennt der Käufer nirgends, was eigentlich auf der Disc abgespeichert wurde. Die Erwartung von 3.840 x 2.160 echten Pixeln wird enttäuscht. Genauso gut könnten die Filmstudios alte 576i-Fernsehsendungen hochskalieren und diese als 4K-Produktionen verkaufen, nur weil da einmal am Original herumgerechnet wurde. Technisch mag zwar die Auflösung gespeichert worden sein, eine Irreführung stellt das in unseren Augen trotzdem dar.

Das Alter des Films gibt kaum Hinweise auf die Qualität

Nun könnte der Anwender denken, wenn der Film nur wenige Jahre alt ist, dann ist die Qualität garantiert auf 4K-Niveau. Unsere Beispiele zeigen leider, dass dem nicht so ist. Eher gilt der umgekehrte Fall. Ist der Film ein paar jahrzehntealt, wurde er noch analog aufgenommen. Die Negative lassen sich dann putzen, restaurieren und in hoher Auflösung neu scannen, was einem Bild entsprechen dürfte, wie es damals im Kino möglich war - vorausgesetzt, das Studio macht sich die Arbeit und das alte Material liegt noch vor. Es ist durchaus möglich, eine Laserdisc oder gar eine DVD als Grundlage zu verwenden.

Um herauszufinden, ob ein Film ordentlich bearbeitet wurde, hilft ein Blick in die Internet Movie Database (IMDb). Die technischen Spezifikationen vieler, aber leider nicht aller Filme geben Hinweise darauf, ob überhaupt in 4K oder höher aufgenommen wurde. Ein Blick auf die Tech Specs von Star Trek Beyond offenbart: Der Film wurde in 3,4K mit neuen Arri-Kameras aufgenommen. Doch in einem Folgeschritt, dem Digital Intermediate, wurde das Ganze im Prinzip auf 2K heruntergerechnet. Und das ist eine Wiedervorlage für weitere Schritte.

Neben diesen Ideal-Discs und den technisch rein hochskalierten Werken gibt es aber noch eine Mischung. Kompliziert wird es, wenn unterschiedliche Quellformate eingesetzt und anschließend gemischt gespeichert werden.

Gehen wir jetzt vom Optimum aus, hätte ein ordentliches Digital Intermediate in 4K oder leicht darunter erzeugt werden müssen. Doch selbst, wenn ein Film ein Digital Intermediate in 4K hat, heißt das nicht, dass alles ideal ist. Manche Szenen werden mit schlechteren Kameras aufgenommen. Das passiert recht häufig und ist manchmal der Umgebung einer Szene geschuldet. Mitunter wird auch Fremdmaterial genutzt, etwa historisches. Die beiden Fälle sollten aber nicht so oft auftauchen und sind verschmerzbar. Bei Blockbustern werden allerdings auch häufig Effekte eingesetzt, und die werden bisher anscheinend kaum in 4K produziert. Eine Hilfe herauszufinden, bei welchen Filmen das der Fall ist, bietet die Webseite realorfake4k.com. Leider ist die Liste dort nicht vollständig.

Auf den ersten Blick erscheint das unlogisch. Warum nimmt man Filme in 3K, 4K, 5K oder 6K auf, rendert aber die tollen Special Effects nur in 2K? Das ist leider weiter verbreitet, als viele vermuten würden. Und: Die Verwendung von Altauflösung ist gang und gäbe.

Die Sache mit den 2K-Effekten bei 4K-Videomaterial

Die Entwicklung der Digitaltechnik brachte in der Filmwelt auch einen Nachteil für die Nachwelt mit sich. Während das Material auf einer Filmrolle schlicht mit neuer Technik neu abgetastet werden kann, ist das bei digitalem Videomaterial nicht möglich. Wir kommen dadurch in eine Situation, in der jahrzehntealtes Filmmaterial erheblich besser aussehen kann als das vergleichsweise frische 2K-Digital-Material, was auch heute noch oft verwendet wird.

Dazu sei ein Beispiel genannt. Wer Star Trek: The Next Generation kennt, der ist erstaunt, was für die Blu-ray noch aus dem Material geholt werden konnte, obwohl die Serie in den 1990er Jahren produziert wurde. Hätte man damals digital in 480p aufgenommen, wäre für die Nachwelt viel verloren gegangen. Vermutlich würde sich auch ein neuer Scan der Negative in 4K noch lohnen. Und da die Effekte modellbasiert sind, gäbe es auch da mitunter Potenzial. Auf der anderen Seite würde dem Zuschauer dann jeder Fehler auffallen. Von daher würden wir uns nur bedingt eine Neufassung der Serie in 4K wünschen. Aber vielleicht waren die Modellaufnahmen ja gut genug.

Digitaltechnik wurde zum Rückschritt

Genau diese Wahl haben wir aber derzeit bei einigermaßen aktuellen Filmen des vergangenen Jahrzehnts nicht mehr. Wer auf Digitaltechnik setzte, hat nicht an die Zukunft gedacht und das rächt sich jetzt bei der UHD-Blu-ray-Disc. Das Bild liegt in 2K digital vor und kann nur noch hochskaliert werden. Mehr Details gibt es als Quelle einfach nicht, da die damaligen Sensoren diese weder erfassten noch an das Speichermedium weitergaben und damit Chancen vertan wurden.

Ähnlich sieht es bei den Effekten aus. Ja, die 4K-Discs haben erstaunlich unscharfe Effekte neben den scharfen Realfilmaufnahmen. Erst die Veröffentlichung des Films Sully soll das wohl ändern. Doch das gab es schon einmal und ist kein Problem unserer jetzigen Zeit. Auch hier wollen wir Star Trek als Beispiel nennen, und zwar die letzte Serie Star Trek: Enterprise. Die Blu-ray-Veröffentlichung offenbart einigermaßen scharfes 2K-Videomaterial, das damals teilweise schon mit digitalen Kameras aufgenommen wurde.

Damals konnte sich vermutlich kaum jemand vorstellen, dass es besser gehen würde, und so war die Aufnahme in 2K für eine Fernsehproduktion sicherlich zukunftsweisend. Für die Effekte wählte man allerdings eine extrem niedrige Auflösung. Da diese gerendert wurde, ging ein neuer Scan der Modellaufnahmen wohl kaum. Im Ergebnis fehlt es den Raumschiffaufnahmen von Star Trek: Enterprise mitunter an Details und manche Szenen sind sogar arg verwaschen.

Modellaufnahmen neu scannen oder Animationen neu rendern?

Schon mit Star Trek: Voyager zog die vermeintlich fortschrittliche Computertechnik teilweise ein - die Computermodelle sind erkennbar an den drei Fenstern am Heck - und wurde in Star Trek: Enterprise überwiegend verwendet. Leider, muss man in der Retrospektive sagen.

Die für SD-Fernsehen gerenderten Effekte der Enterprise-Serie sehen in Full-HD gelinde gesagt schrecklich aus. Sie sind unscharf und ohne Details der alten Modelle. Das mag damit zu erklären sein, dass damals die Rechenkapazitäten für Full-HD-Rendering zu teuer waren, während man die Videoaufnahmen schon kostengünstig mitnehmen konnte. Manches Material deutet zudem darauf hin, dass kein Original mehr vorlag.

Und so sieht es auch bei Filmen aus den vergangenen Jahren aus. Filmaufnahmen gibt es in 3K, 4K und manchmal 6K, aber für die Effekte muss 2K reichen - leider. Der Unterschied zwischen 2K und 4K ist aber für das Auge nicht so extrem wie bei SD-Material, das sich innerhalb von Full-HD-Material befindet. Letzteres lässt uns erschaudern. Ersteres wirkt derzeit störend, aber das mag sich ändern, wenn sich das Auge erst einmal an komplettes 4K gewöhnt hat und das einfach erwartet. Wir wollen das derzeit nicht überbewerten, denn für uns ist der HDR-Effekt samt erweitertem Farbraum beeindruckender und trägt zur Spaßgewinnung mehr bei als der Wechsel von 2K auf 4K.

Was allerdings nicht so viel Spaß macht, ist das Erlebnis für Jäger und Sammler.

Die Ausstattung der UHD-Packungen, Menüs und kein Spaß beim Sammeln

Auffallend ist bei allen Discs die simple, schnöde Verpackung. Es ist im Prinzip eine Standard-Blu-ray-Hülle aus weichem Kunststoff vom Typ Amaray für zwei Discs. Allen unseren UHD-Blu-ray-Discs liegt auch eine Blu-ray bei, allerdings keine 3D-Blu-ray. Es spricht also nichts dagegen, vorausschauend beim Kauf auf das neue Blu-ray-Angebot zu wechseln. Der Inhalt der beiden Discs ist aber nicht immer gleich. Bei Batman vs. Superman ist die UHD als Ultimate Cut rund 30 Minuten länger und die Special Features sind manchmal nur auf der Blu-ray-Disc.

Positiv fiel uns auf, dass uns etwas nicht auffiel: Die sogenannten User Prohibitions existieren anscheinend auf dem 4K-Disc-Format nicht. Wir konnten immer ins Menü wechseln und wurden nicht mit Zwangstrailern belästigt. Auch Importe sind fast kein Problem. Die UHD-Scheiben sind ohne Regionalcode, also weltweit abspielbar, was wir mit The Divergent auch direkt bestätigen können.

Regionalcode auf der beiliegenden Blu-ray

Aus irgendeinem Grund unterliegt die beiliegende Blu-ray allerdings regionalen Einschränkungen. Diese konnten wir auf unseren Geräten dank Region Lock nicht abspielen. Das wundert uns gleich doppelt, denn mittlerweile sind viele US-Blu-ray-Discs ohne Region Lock, und nur die Blu-ray in einem Doppel-Set einzuschränken, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wer Importe kauft, sollte sich also zusätzlich informieren, wenn erstmal nur das 2K-Material angeschaut werden kann.



Abseits dessen bieten die Packungen aber wenig. Für Sammler wichtig sind zumindest bei den deutschen Verpackungen Wendecover, und das haben unsere deutschen Filme alle. Wer sich an dem gigantischen FSK-Logo auf dem Artwork stört, kann die Hülle einfach umdrehen. Eine Ausnahme ist Lucy mit einem zusätzlichen Pappschuber.

Allerdings ist das auch alles, was der Sammler bekommt. Die Disc-Verpackungen sind einfach nur billig, und das trotz eines Preises von rund 30 Euro pro Scheibenpackung. Auf Amaray-Packungen zu setzen, vermittelt dem Käufer nicht den Eindruck von Hochwertigkeit. Alternativen gäbe es genug - wie etwa das Super Jewel Box -, wie man sie von der SACD, der DVD-Audio oder dem kläglichen Versuch der Etablierung des Super Jewel Case Plus in der Blu-ray Pure Audio kennt. Letztere kann man auch als HFPA, PABD oder BDPA abkürzen. Die sind zwar etwas empfindlich, werden aber durch ihr hochwertiges Erscheinungsbild der Besonderheit des 4K-Formates besser gerecht.

Wo sind die hochwertigen Verpackungen fürs Regal?

Was uns aber wirklich als Jäger und Sammler ärgert, ist das komplette Fehlen der schönen Steelboxen, die immer mehr Verbreitung finden. Die gibt es für DVDs und Blu-rays, für Xbox- und Playstation-Spiele und selbst 3DS-Spiele als Sammlerversion in der Steelbox. Nur die 4K-Ultra-HD-Super-Duper-Disc wird grundsätzlich in billigem Plastik verkauft. Schöne Booklets oder Artworks gibt es dementsprechend auch nicht. Das wäre passend zu dem hochwertigen Material, das auf der Scheibe landet. Schade.

Erschwerend kommt hinzu, dass manche Filmstudios bisher nicht mitmachen. Einen schönen Animationsfilm von Pixar gibt es beispielsweise nicht. Dabei ist Inside Out ein Dolby-Vision-Film. Eine Star-Wars-Veröffentlichung hätte sich eigentlich angeboten. Immerhin gibt es Hinweise, dass sich da etwas tut.

Zudem fehlen Serienproduktionen, die etwa für Netflix in 4K aufgenommen wurden. Die entsprechenden 2K-Blu-ray-Discs gibt es bereits. Umso mehr ärgert uns das Fehlen von Serien. So müssen Serienfans derzeit mit einem Doppelkauf rechnen oder erst einmal verzichten. Zudem fehlen uns auch Filme des Marvel Cinematic Universe, die sich eigentlich auch als Referenz eignen würden, vorausgesetzt, sie werden ordentlich überarbeitet. Iron Man aus dem Jahr 2008 hat zumindest das Potenzial für eine aufwendige Neuveröffentlichung - vorausgesetzt, die Daten vor dem Digital Intermediate liegen noch vor und das Studio ist willens, den immensen Aufwand für einen kleinen Markt zu betreiben. Wir fürchten aber, dass das unrealistisch ist.

Aber immerhin die Technik auf der Ultra-HD-Blu-ray stimmt, denn der Codec ist ein erheblicher Fortschritt.

Die Sache mit der Codec-Sackgasse

Wie bei den Vorgängern auch wird für die Einführung der UHD-Blu-ray auf einen neuen Videocodec zurückgegriffen. Während für die DVD der Videoteil von MPEG2 alias H.262 genutzt wird und für die Blu-ray-Discs der Advanced Video Codec (AVC) alias H.264 zum Einsatz kommt, setzt die UHD-Blu-ray auf den High Efficiency Video Codec (HEVC) alias H.265.

Daraus ergeben sich die üblichen Vorteile der Codec-Evolution: Bei gleichbleibender Qualität komprimiert der neuere Codec wesentlich besser, was im Umkehrschluss heißt, dass bei vergleichbaren Bitraten das Bild mit H.265 wesentlich besser sein sollte als bei der Verwendung von H.264. Für die UHD-Blu-rays wird dieser Umstand vor allem dazu genutzt, einfach mehr Information speichern zu können, was für die hohen Auflösungen wichtig ist.

Die Bitraten der von uns getesteten UHD-Blu-ray-Discs bewegen sich unseren Playern zufolge zwischen 15 und 30 MBit/s, was laut der HEVC-Spezifikation den typischerweise zu erwartenden Bitraten für eine 4K-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde entspricht. Zum Vergleich: Netflix empfiehlt für das UHD-Streaming eine Downloadrate von mindestens 25 MBit/s und spricht dabei von durchschnittlich 7 GByte Daten pro Stunde, die im Download anfallen. Letzterer Kennwert entspricht einer Durchschnittsbitrate von rund 16 MBit/s.

Viel mehr Farbe und Kontraste

Mit Blick auf die Inhalte der UHD-Blu-ray viel wichtiger ist allerdings die standardmäßige Unterstützung der 10-Bit-Farbtiefe pro Kanal mit H.265. Zwar gibt es auch ein H.264-Profil mit 10-Bit-Unterstützung statt der sonst üblichen 8 Bit, das wird aber nur sehr selten genutzt. Die 10-Bit-Farbtiefe von H.265 ermöglicht das Speichern von mehr Farbinformation pro Pixel, was im Bild zu weicheren Übergängen führt, immerhin sind mit 10 Bit rund 1 Milliarde Farben darstellbar statt der rund 16 Millionen Farben bei der Nutzung von 8 Bit. Farbübergänge sind also wesentlich geschmeidiger und ohne Stufeneffekte, was vor allem bei dunklen Rot-Tönen auffällt.

Wie bei den meisten Spielfilmen und den Vorgängerformaten üblich, nutzen auch die UHD-Blu-rays zum Speichern der Farbinformationen das YCbCr-Farbmodell meist mit einer Farbunterabtastung von 4:2:0. Hierbei wird zwischen der Helligkeit (Luma) und zwei Farbwerten für Blau sowie Rot (Chroma) unterschieden, wobei entsprechend der menschlichen Wahrnehmung die Chroma-Auflösung wesentlich geringer ausfallen kann als die Luma-Auflösung.

Mehr Farben dank BT.2020 und wenig zukunftsfähiges H.265-Profil

Idealerweise wird dabei der Farbraum nach BT.2020 genutzt, der im Vergleich zu alten Standards einen deutlich größeren Teil des für Menschen wahrnehmbaren Spektrums repräsentiert. Noch erreichen das aber nur wenige Displays. Die für HDR wichtigen Kontraste werden zusätzlich dazu über eine Helligkeitskurve (Perceptual Quantizer, PQ) gespeichert, wobei insbesondere Dunkelabstufungen bevorzugt werden, was ebenfalls der menschlichen Wahrnehmung entspricht. PQ ist als SMPTE ST 2084 standardisiert.

Damit die Farbsituation des Bildes mit den so gespeicherten Information aber dann tatsächlich so wiedergegeben werden kann wie von den Filmemachern intendiert, gibt es noch den Standard SMPTE ST 2086. Dieser legt mit den Chroma-Werten für die Hauptfarben und dem Weißpunkt des Farbraumes sowie maximalem und minimalem Luma-Wert vordefinierte Metadaten fest. So kann die Hardware erfahren, wie das Bild zu rendern ist, und das Display weiß, wie diese Informationen zu verarbeiten sind.

Mehr als 10 Bit wären möglich

Kombiniert genutzt werden all diese Informationen im H.265-Profil Main 10, was Teil der Version 1 der HEVC-Spezifikation ist. Die Hardwarebeschleunigung dafür ist bereits in Consumer-Hardware wie Desktops oder Smartphones vorhanden, ebenso gibt es einige Hersteller, die ihre Logik-Kerne dafür lizenzieren - auch als Gesamtpaket im ARM-SoC. In dem Panasonic-Player läuft laut Firmware etwa der Hantro-G2-Hardware-Decoder von Verisilicon, in dem von Oppo kürzlich vorgestellten UDP-203 laut Firmware-Informationen wohl ein Mali T860.

Doch während bei H.262 und H.264 über ein Jahrzehnt hinweg die Farbunterabtastung mit 4:2:0 und die 8-Bit-Farbtiefe quasi unantastbare Standards waren, bietet H.265 mit den UHD-Blu-rays endlich die Möglichkeit, dies zu durchbrechen und sogar noch über die 10-Bit-Farbtiefe hinauszugehen.

So könnten schon im kommenden Jahr Player erscheinen, die 12-Bit-Farbtiefe und eine Farbunterabtastung mit 4:4:4, also eine volle Chroma-Auflösung, unterstützen. Dazu ist auch nicht zwingend eine neue Hardwarebeschleunigung nötig. Die Decoding-Unterstützung dafür könnte einfach über ein Firmware-Update per Software nachgerüstet werden, wenn die CPU-Kerne genügend Leistung bringen. Einige hochwertige Panels unterstützen die Darstellung derartiger Informationen bereits.

Ob jedoch die Hersteller der UHD-Blu-rays ihre Filme künftig daran anpassen, ist noch völlig unklar. Sollte dies geschehen, erscheinen schlimmstenfalls bestimmte Filme einfach ein zweites Mal, in einer dann noch besseren Qualität.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Ultra-HD-Blu-ray ist zumindest im Bereich der Filme gut. Mehr als 100 Filme gibt es bereits, die zu Preisen zwischen 20 und 30 Euro verkauft werden. Die Auswahl in Ladengeschäften ist allerdings meist eingeschränkt, wenn die Filme überhaupt zu finden sind.

Fazit

Nach den ersten Softwarebetrachtungen ist eines klar: Wer beim Filmkauf aufpasst und den Angaben auf der Packung nicht vertraut, der kann einen technisch schön anzusehenden Film erwerben. Dabei ist nicht unbedingt die hohe Auflösung entscheidend. Wir finden HDR insgesamt spannender. Aber gerade The Martian zeigt, dass auch eine enorm hohe Auflösung viel Spaß machen kann. Noch besser gefällt uns Lucy mit der Kombination aus klar sichtbarer hoher Auflösung und einer wunderschönen Szenerie, die durch HDR sehr viel besser zur Geltung kommt. Nach dem Erlebnis hoffen wir auf eine UHD-BD-Veröffentlichung des neuen Blade-Runner-Films.

Diese Filme zeigen jedenfalls beeindruckend, was möglich ist. Und das obwohl beide noch vom Ideal entfernt sind. Unser Test zeigt aber auch, dass alle Schritte in der Produktion stimmen müssen. Für eine gute 4K-Disc ist Perfektion fast überall notwendig. Das fängt bei der Kameraarbeit an, die bei weitem nicht bei allen großen und teuren Produktionen gelingt, und hört bei der Verwendung eines vernünftigen Digital Intermediate und auch Special Effects in hoher Auflösung auf. Gerade bei Letzterem hapert es bedauerlicherweise noch. 4K-Animationen haben wir eigentlich nur bei Logos gesehen.

Der Aufpreis für eine gute 4K-Disc lohnt sich in unseren Augen trotzdem. Mit dem richtigen Film ist eine höhere Qualität als in den meisten Kinos zu erwarten, und das trotz der Codec-Schwächen. Uns nervt allerdings die geringe Filmauswahl und dass sich unter den Filmen technisch wirklich schlechte Produktionen befinden. Ein Blindkauf eines Films, den man vielleicht inhaltlich gut findet, ist ein riskantes Unternehmen. Allerdings ist der Aufpreis für die Discs ohnehin kaum der Rede wert, betrachtet man die Tausende an Euro, die für die Heim-Infrastruktur noch notwendig sind.

Im nächsten Teil unseres großen Ultra-HD-Blu-ray-Tests betrachten wir deshalb die Hardware, die sich der Anwender ins Wohnzimmer stellen muss. Dort klären wir, auf welche Probleme sich der Filmnutzer einstellen muss, wenn er 2.000 bis 4.000 Euro für sein Heimkino ausgibt.

Im zweiten Teil unseres Ultra-HD-Blu-ray-Test behandeln wir die Hardware für die neuen Filme.  (ase)


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