Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/routertest-der-nicht-ganz-so-schnelle-linksys-wrt3200acm-1701-125403.html    Veröffentlicht: 12.01.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/125403

Routertest

Der nicht ganz so schnelle Linksys WRT3200ACM

Der WRT3200ACM soll laut Hersteller einer der schnellsten Router sein. Ganz so ist das aber nicht. Das liegt nicht nur daran, dass passende Geräte noch gar nicht verfügbar sind.

Die zu Belkin gehörende Tochter Linksys hat nach der Trennung von Cisco im Jahr 2014 einen Neustart des WRT-Router-Projekts gewagt. Die Firmware der WRT-Router basiert auf dem Linux-basierten Open-Source-Projekt OpenWRT. Beim WRT3200ACM handelt es sich um die zweite Generation. Dank einer 3x3-Antennenkonfiguration und der Belegung eines 160-MHz-Kanals im 5-GHz-Band soll der Router eine Bruttodatenrate von rund 2,6 GBit/s erreichen und damit doppelt so schnell sein wie GBit-LAN-Verbindungen. Solche Werte erreicht man natürlich nur, wenn es entsprechende Geräte dafür gibt. Das dürfte jedoch noch eine Weile dauern. Wir haben deshalb mit gängigen Geräten die Übertragungsgeschwindigkeiten gemessen und uns natürlich auch den Funktionsumfang des Routers angesehen.

Gute Hardware



Die Hardwareausstattung des Linksys WRT3200ACM ist im Vergleich zu anderen aktuellen Routern, etwa dem Turris Omnia, in Ordnung: Intern arbeiten zwei CPUs bei einer Taktrate von 1,8 GHz auf dem Chipsatz Armada 385 88F6820 von Marvell. Der Arbeitsspeicher ist mit 512 MByte jedoch nicht gerade überdimensioniert. Für die auf OpenWRT basierende Firmware stehen 256 MByte Nand-Speicher zur Verfügung.

Der Chipsatz 88E6352 für die vier GBit-Ethernet-Ports stammt ebenfalls von Marvell, ebenso wie der Chip 88W8964, der die beiden WLAN-Module bereitstellt. Einer funkt bei 2,4 GHz nach 802.11 b/g/n, der andere bei 5.0 GHz nach 802.11 a/n/ac. Über die vier Antennen stellt der Router 3x3 beziehungsweise 2x2 MU-MIMO zur Verfügung. Außerdem stehen noch ein USB-3.0- und kombinierter USB-2.0- und eSata-Anschluss zur Verfügung. Das Gehäuse ist aus robustem Kunststoff mit dem Linksys-eigenen Aussehen.

Mäßige Geschwindigkeit

Im Vergleich zum Turris Omnia mit etwa 200 MBit/s bei 802.11 ac bei 80 MHz sind die von uns gemessenen Datendurchsatzwerte auf dem Linksys mit 160 MBit/s überraschenderweise deutlich niedriger. Gemessen haben wir zunächst mit einem Huawei Honor 8 im Iperf-Modus von Wifi-Speed-Test.

Mit dem WLAN-USB-Stick Archer T4U von Tplink mit einer nominalen Geschwindigkeit von 600 MBit/s bei 5 GHz erreichten wir immerhin zeitweise 385 MBit/s, durchschnittlich lag die Geschwindigkeit aber bei etwa 350 MBit/s. Erst als wir in den Einstellungen des Routers die Bandbreite explizit auf 160 MHz festlegten, erreichten wir mit durchschnittlich 545 MBit/s annähernd die Übertragungsgeschwindigkeit, die der Tplink-Stick unterstützt. Auch wenn solche Benchmarks immer mit Vorsicht zu behandeln sind, sie decken sich mit den Ergebnissen eines Tests bei den Kollegen von Smallnetbuilder, wonach der Linksys-Router nicht zu den schnellsten gehört. Im Leerlauf lag die Leistungsaufnahme bei etwa 10 Watt, unter Volllast stieg sie auf etwa 13 Watt.

Einrichtung leicht gemacht

Der Linksys WRT3200ACM hat standardmäßig die IP-Adresse 192.168.1.1. Die Konfiguration im Browser erfolgt entweder über eine direkte Verbindung per Ethernet-Kabel, das dem Gerät beiliegt, oder gleich über WLAN. Das WLAN ist nämlich bereits aktiviert, sobald der Router erstmals gestartet wird. Die individuellen Zugangsdaten sind auf Aufklebern im Quick Start Quide vermerkt. Sie können später wieder verwendet werden, wenn der Router wieder zurückgesetzt wird.

Egal welche Netzwerkverbindung der Nutzer wählt, bei der Einrichtung müssen zunächst die Lizenzvereinbarungen akzeptiert werden. Anschließend erfolgt standardmäßig die automatische Konfiguration. Alternativ kann der Anwender auch eine manuelle Einrichtung wählen, auf die wir gleich eingehen werden. Bei der automatischen Konfiguration kann der Nutzer anschließend das automatische Einspielen von Updates deaktivieren. Zu empfehlen ist das jedoch nicht, Linksys verspricht, Sicherheits- und Leistungspatches für das Gerät rasch bereitzustellen.

Im nächsten Schritt lassen sich die vorkonfigurierten Netzwerknamen für die 2,4-GHz- und 5-GHz-Module individuell festlegen, das neu gesetzte Kennwort gilt jedoch seltsamerweise für beide Bänder. Mehr gibt es bei der automatischen Einrichtung zunächst nicht zu tun, im nächsten Fenster werden der neue Netzwerkname und das neu gesetzte Passwort nochmal angezeigt, zusammen mit dem Hinweis, die WLAN-Verbindung erneut herzustellen.

Gäste erlaubt

Neben dem neuen Netzwerknamen taucht jetzt überraschenderweise in der Liste der verfügbaren WLAN-Zugänge auch ein Eintrag auf, der neben der Zeichenkette "Gast" auch den neuen Netzwerknamen enthält, dazu später mehr. Nach der erneuten Verbindung verlangt der Konfigurationsassistent, ein Admin-Passwort für den Router zu setzen. Schließlich werden alle individuell gesetzten Einstellungen nochmals angezeigt. In der Quick-Start-Anleitung können alle Informationen mit einem Schreibstift eingetragen werden. Die Anleitung sollte ohnehin wegen der Standardzugangsdaten später sicher verwahrt werden.

Optional kann anschließend noch ein Konto bei Linksys eingerichtet werden. Es ermöglicht den Fernzugriff auf den Router per App. Auch dazu später mehr, uns interessiert zunächst der fast aus dem Nichts erschienene Gastzugang.

Gut abgesichert

Nach dem Abschluss der Konfiguration erscheint ein Übersichtsfenster und dort wird plötzlich auch der Gastzugang angezeigt, der bei der ersten Einrichtung mit keinem Wort erwähnt wurde. Beide WLAN-Netzwerkmodule erhalten ihn automatisch, auch das Kennwort wird automatisch generiert. Erst im Übersichtsfenster kann der Gastzugriff ausgeschaltet werden. In der Konfigurationsoberfläche lässt er sich dann nochmals individualisieren, etwa nur für ein WLAN-Modul mit eigenem Namen. Auch das automatisch generierte Kennwort oder der voreingestellte Wert von fünf Gastzugängen kann dort geändert werden. In dem auf CD-ROM beigelegten Benutzerhandbuch finden wir dann immerhin einen Hinweis auf den Gastzugriff. Über diesen erhalten Gäste lediglich den Zugriff auf das Internet, aber nicht auf interne Netzwerkressourcen wie Freigaben oder den Medienserver, den der Linksys-Router mitbringt.

Ein Scan per Nmap bestätigt diese Aussage. Für den Gastzugang verwendet der Router ein eigenes Subnetz, 192.168.3.x. Die Passworteingabe erfolgt in einer eigenen Vorschaltseite. Die unter dem normalen Zugang offenen Ports für Netbios und Windows-Freigaben sind geschlossen und auch die Konfigurationsoberfläche lässt sich gar nicht mehr ansteuern. Auch wenn der Zugang abgesichert ist, hätten wir uns zumindest einen Hinweis dazu in der automatischen Konfiguration gewünscht.

Kinderschutz inklusive

Nachdem wir vom Gastzugang wieder auf den normalen WLAN-Zugang gewechselt haben, können wir kurioserweise auch über die Basis-IP-Adresse 192.168.3.1 des Gast-Subnetzes auf die Konfigurationsoberfläche des Routers zugreifen. Dort sehen wir uns noch die Konfiguration der Kinderschutzfunktion an. Dort kann für bestimmte Rechner der gesamte Zugriff auf das Internet geblockt werden. Wer es nicht ganz so restriktiv will, kann den Zugriff auf bestimmte Tage und Zeiten begrenzen oder einfach bestimmte Seiten blocken.

Die Freigabe von Dateien auf externen Datenträgern erfolgt über das Konfigurationsmodul "Externer Speicher". Erkannt werden die Dateisysteme FAT, Ntfs und Apples HFS+. Der Zugriff lässt sich entweder über das Windows-Netzwerkprotokoll SMB oder per FTP freigeben. Etwas verwirrend ist, dass der Zugriff per SMB standardmäßig aktiviert ist. In den Einstellungen kann er zusätzlich mit einem Benutzernamen und Kennwort abgesichert werden. Dort können auch einzelne Ordner freigegeben werden. Nur lesende Gastzugriffe lassen sich ebenfalls konfigurieren. Der Zugang per FTP ist hingegen ebenso standardmäßig deaktiviert wie auch der Medienserver, den der Router mitbringt. Mit ihm lassen sich alle herkömmlichen Audio- und Videoformate im Netzwerk bereitstellen.

Prioritäten setzen

Mit dem Linksys-Router lassen sich bestimmte Anwendungen, Spiele oder einzelne Geräte im Netzwerk priorisieren. In der vordefinierten Liste finden sich Programme wie Skype, Teamspeak und iTunes. Die Liste der bevorzugten Spiele umfasst beispielsweise World of Warcraft, Eve Online oder Starcraft II. Beide Listen lassen sich um eigene Einträge erweitern, sofern die relevanten Portnummern bekannt sind. Die Priorisierung erfolgt per Wi-Fi Multimedia. In den Einstellungen lässt sich zudem die Downstream-Bandbreite festlegen. In der Konfigurationsoberfläche gibt es noch die Möglichkeit, einen Geschwindigkeitstest per Ooklas speedtest.net durchzuführen. Darüber kann aber nicht die Geschwindigkeit des Routers gemessen werden, sondern nur die Internetverbindung des Providers. Außerdem wird der Flash Player von Adobe im Browser benötigt. Wir halten dieses Feature für gelinde gesagt überflüssig.

Was wir in der automatischen Konfiguration vermissten und erst in der manuellen Einrichtung wiederfanden, kann in den tiefgreifenden Einstellungen in der Konfigurationsoberfläche nachgeholt werden. Hier lässt sich in den WLAN-Einstellungen etwa das 2.4-GHz- und das 5-GHz-Modul mit einem individuellen Netzwerknamen versehen. Zudem kann der Netzwerkmodus, der Kanal oder die Bandbreite individuell festgelegt werden. Wer um mehr Sicherheit im Netzwerk bemüht ist, kann das standardmäßig aktivierte WPS abschalten.

Erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten

Auch die IP-Adresse des Routers lässt sich in den erweiterten Einstellungen individualisieren und der DHCP-Server feiner einstellen. Hier zeigt sich, welche Möglichkeiten das OpenWRT-System des Linksys-Routers bietet. So gibt es beispielsweise ein PPPoE-Modul, mit dem der Router mit den Zugangsdaten des ISPs versehen werden kann, wenn er direkt an ein Modem angeschlossen wird. Alternativ lässt sich der Router auch in einem Drahtlosnetzwerkverbund einbetten, etwa als Repeater oder als Brücke. Per VLAN lassen sich Ethernet-Ports beispielsweise für die Verwendung in Netzwerken mit Fibre Channel over Ethernet (FcoE) konfigurieren.

Unter der Rubrik Sicherheit lassen sich erweiterte Einstellungen der Firewall einrichten, die es sowohl für IPv4 als auch für IPv6 gibt. Nicht ganz nachvollziehbar war für uns zunächst, dass sich hier einzelne Ports für IPv6 konfigurieren lassen, nicht aber für IPv4. Des Rätsels Lösung: Sie findet man stattdessen im eigenen Tab namens "Anwendungen und Spiele". Dazwischen kann auf dem Router noch eine DMZ eingerichtet werden.

Schließlich finden wir noch die Einstellungen für den OpenVPN-Server des Routers. Damit können Geräte mit einem entsprechenden Client eine VPN-Verbindung zum Router aufbauen. Was noch fehlt, ist die Möglichkeit, den Router mit einem fremden VPN zu verbinden.

Einstellungen aus der Ferne

Linksys bietet zur Konfiguration des Routers auch eine App für das Smartphone an. Damit kann das Gerät auch von unterwegs aus gewartet werden. Dafür muss der Nutzer bei Linksys ein Konto einrichten. Über die Server des Unternehmens wird dann eine Verbindung etwa aus dem Mobilfunknetz auf den Router zu Hause hergestellt. Neben der Grundkonfiguration des WLANs lässt sich hier beispielsweise der Gastzugriff ein- und ausschalten und auch die Kinderschutzfunktion einrichten. Die Priorisierung verbundener Geräte lässt sich in der App ebenfalls vornehmen.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Linksys WRT3200ACM ist seit November 2016 für durchschnittlich 250 Euro in zahlreichen Onlineshops erhältlich.

Fazit

Ganz so flott ist der WRT3200ACM dann doch nicht. Die zumindest nominell möglichen Geschwindigkeiten erreicht das Gerät bei weitem nicht. Auch wenn der Router von Linksys offiziell als AC3200 klassifiziert ist, die maximal angegebene Geschwindigkeit von 3.200 MBit/s kombiniert aus 2.600 MBit/s im 5-GHz-Band und 600 MBit/s im 2,4-GHz-Band wird zumindest in nächster Zeit mangels entsprechender Endgeräte ohnehin nicht möglich sein. Aber auch ohne Spitzengeschwindigkeiten bietet der Router stabile WLAN-Verbindungen.

Die Konfiguration ist hingegen hervorragend. Besonders in puncto Sicherheit gibt sich der Router keine Blöße. Gut gefallen uns die Möglichkeit, den Router speziell für Familien mit Kindern zu konfigurieren, und die zusätzlichen zahlreichen Einrichtungsmöglichkeiten einer DMZ oder eines OpenVPN-Servers. Auch die Konfiguration per App aus der Ferne finden wir gelungen.

Insgesamt macht der Linksys WRT3200ACM einen guten Eindruck und ist auch im professionellen Bereich einsetzbar. Der Preis von etwa 250 Euro geht in Ordnung.

Von dem als Basis dienenden OpenWRT ist nichts zu sehen. Das ist etwas schade, denn auch wenn der Speicherplatz begrenzt ist, wir hätten doch gerne die ein oder andere Anwendung installiert. Immerhin gibt es bereits eine Anleitung, wie das aktuelle OpenWRT als Ersatz auf den Router aufgespielt werden kann - auf eigenes Risiko, versteht sich.  (jt)


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