Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/macos-10-12-2-pdf-entwickler-beschweren-sich-massiv-ueber-apples-sierra-1701-125379.html    Veröffentlicht: 04.01.2017 17:25    Kurz-URL: https://glm.io/125379

MacOS 10.12.2

PDF-Entwickler beschweren sich massiv über Apples Sierra

Schon zwei große Bugfixes gab es von Apple für MacOS 10.12 alias Sierra. Doch einem Bericht zufolge wurde die Situation um ein PDF-Framework, das Seiten eines Dokuments teilweise verschwinden ließ, schlimmer. Zahlreiche Entwickler beschweren sich über schlechte Softwarequalität.

MacOS 10.12 alias Sierra bleibt trotz des zweiten großen Updates ein problematisches Betriebssystem, insbesondere bei der Verwendung von PDF-Dateien. Laut eines Berichts der Apple-Nachrichtenseite Tidbits drohen weiter Datenverluste beim Umgang mit PDF-Dateien, vor allem, wenn MacOS-Programme sich darauf verlassen, dass das PDFKit von Apple korrekt funktioniert. Der Artikel zitiert zahlreiche Entwickler, die mit Apple derzeit unzufrieden sind.

Angefangen hat es mit Fujitsu: Das Unternehmen unterstützt die Mac-Plattform, war aber nicht auf Änderungen vorbereitet, die mit einem neuen Betriebssystem kommen könnten. Stattdessen verließ es sich auf Plattformstabilität, insbesondere bei einer Kernkomponente. Die vor allem in Unternehmen beliebte Scansnap-Software zerstörte daher mitunter Dokumente, indem etwa Seiten gelöscht wurden. Der Fehler lag dabei nicht nur bei Fujitsu. Einige Anwender warfen Fujitsu allerdings vor, dass das Unternehmen die Fehler von PDFKit nicht rechtzeitig entdeckt hatte. Tatsächlich warnte Fujitsu erst nach der Veröffentlichung von Sierra vor der weiteren Nutzung seiner Produkte in Verbindung mit dem neuen Betriebssystem und musste einen Image-Schaden für seine Mac-Unterstützung hinnehmen.

Es dauerte über einen Monat, bis Fujitsu und Apple gemeinsam die Fehler beheben konnten: Erst MacOS 10.12.1 bot die Voraussetzungen für eine Fehlerbehebung seitens Fujitsu.

MacOS 10.12.2 ist für einige PDF-Entwickler ein Desaster

MacOS 10.12.2 habe wiederum neue Fehler in PDFKit eingeführt, berichtet Tidbits unter Berufung auf eine Vielzahl von Entwicklern, die an Mac-PDF-Werkzeugen arbeiten. Demnach bestehe weiter die Gefahr von Datenverlusten bei der Verwendung von Werkzeugen, die Apples PDFKit verwenden, obwohl es schon zwei große Fehlerbehebungen gab. Der Bookends-Entwickler Jon Ashwell sagt beispielsweise, dass er Code entwickelt habe, der die PDFKit-Probleme in MacOS 10.12.0 und 10.12.1 umgehen konnte. 10.12.2 war allerdings ein Desaster für Bookend, da neue Fehler nicht abgefangen wurden.

Der Grund für die vielen Fehler liegt wohl in Apples Versuch eines Neuanfangs, wie einige Entwickler Tidbit sagten. Als Ziel soll das PDF-Framework sowohl in iOS als auch in MacOS auf einer Basis laufen, was prinzipiell die Weiterentwicklung vereinfachen würde und auch Drittentwicklern zugute kommen sollte. Allerdings hat Apple in dem Prozess viele Funktionen entfernt, die bisher benötigt wurden. Diese fehlende Kompatibilität sorgt für Fehler, sofern die Entwickler PDFKit verwenden. Manche PDF-Werkzeuge nutzen allerdings Alternativen und sind dadurch nicht betroffen.

Apple weiß von den PDF-Problemen in Sierra, ignoriert sie aber

Die Fehler in PDFKit wurden von den Entwicklern in großer Zahl an Apple geschickt. Vermutlich viele davon auch während der vergleichsweise kurzen offenen Betaphase. Da Apple seine Betriebssysteme im Geheimen entwickeln und nur kurz testen lässt, lassen sich solche Fehler oft nicht mehr beheben. Insbesondere da das neue PDFKit unfertig sein soll. Eine offizielle Bestätigung zu solchen Details gibt es von Apple typischerweise nicht. So etwas wird oft erst später bekannt, wie beispielsweise die Aufgabe des hochproblematischen Discoveryd-Dienstes Mitte 2015.

Die Entwickler, die PDF-Werkzeuge anbieten, versuchen derweil, um die Fehler herum zu programmieren. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, schließlich ist die Apple-Plattform ein wichtiger Markt. Die Fehler sind allerdings teils schwerwiegend. Der Entwickler von EagleFiler ist beispielsweise frustriert, dass Apple selbst Basisfunktionen nicht korrigiere. Seine Bug-Reports würden ignoriert. Ein Problem, das auch Displaylink-Entwickler haben.

Apple-Normalität

Das Verhalten ist typisch für Apple. Auch Final Cut, Photos und iWork gingen durch solche lange anhaltenden Software-Phasen, in denen die Programme weniger boten und erst mit der Zeit alte Funktionen wiederbekamen. Darauf können sich Apple-Anwender wie -Entwickler verlassen. Den Schaden haben allerdings die Entwickler, die in den Augen der Anwender schlechte Anwendungen programmieren. Die Entwickler sind sich aber einig, dass das Problem bei Apple liegt. Im Unterschied zu dem Großkonzern Fujitsu fehlt ihnen aber offensichtlich die Stimme, um bei Apple Gehör zu finden.

Anwendern wie auch Entwicklern hilft das allerdings nichts, wenn sie auf Sierra setzen, weil sie ein neues Notebook haben oder ihr altes Betriebssystem aus Sicherheitsgründen schon aktualisiert haben. Der Autor des Artikels, Adam Engst, geht sogar so weit und rät von der weiteren Verwendung von Preview als PDF-Werkzeug ab, bis es Apple gelingt, die zahlreichen Probleme in den Griff zu bekommen. Er führt allerdings auch aus, dass es Apple mit Preview offenbar gelungen ist, Problemumgehungen zu entwickeln, die die Schwierigkeiten von PDFKit neutralisieren.

Für Anwender gibt es ohnehin wenige Alternativen. Apple selbst bemüht sich sehr darum, dass die Anwender möglichst schnell auf Sierra migrieren und hat dafür Datenverluste durch die neue PDF-Engine in Kauf genommen. Das geht sogar so weit, dass Apple äußerst gefährliche Sicherheitslücken dokumentiert offen ließ und das Vorgängerbetriebssystem erst mehrere Wochen später korrigierte. Erst mehrere Monate später, am 22. Dezember 2016, gelang es dem Unternehmen, die Dokumentation zu korrigieren. Derzeit hinterlässt Apple den Eindruck, als hätte es keine Kapazitäten mehr für das Desktop-Betriebssystem.  (ase)


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