Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/western-digital-pidrive-im-test-festplatte-am-raspberry-pi-leicht-gemacht-1701-125252.html    Veröffentlicht: 06.01.2017 11:59    Kurz-URL: https://glm.io/125252

Western Digital Pidrive im Test

Festplatte am Raspberry Pi leicht gemacht

Western Digital bietet mit der Festplatte für den Raspberry Pi ein angeblich anfängerfreundliches Festplattenset an. Wir wollten wissen, ob der Hersteller hier nur unbedarfte Pi-Einsteiger abzocken will, und haben es uns näher angeschaut. Dabei waren wir in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht.

Als Western Digital Anfang 2016 sein Pidrive vorstellte, eine Festplatte für den Raspberry Pi mit 314 GByte Speicher, hielten wir das für einen Marketinggag. Doch als der Hersteller Ende November 2016 eine ganze Pidrive-Serie auflegte, wurde uns klar: Western Digital meint es ernst. Das Angebot mit dem angeblich anfängerfreundlichen Festplattenset klingt nach Abzocke. Doch Western Digital hat ein sinnvolles Paket zu einem stimmigen Preis zusammengestellt, wie wir bei einem Test herausgefunden haben. Geld sparen lässt sich trotzdem.

Es gibt drei verschiedene Pidrive-Set-Varianten: Die USB-Flash-Version besteht aus einem 64-Gbyte-Speicherstick und einer 4-GByte-Micro-SD-Karte. Die Festplattenvarianten bestehen aus einer 250- beziehungsweise 375-GByte- oder 1-Tbyte-Festplatte, einer 4-Gbyte-Micro-SD-Karte und einem Splitterkabel. Die Festplatten haben einen Formfaktor von 2,5 Zoll (70 mm x 100 mm x 7 mm). Wir hatten das Set mit 375 GByte im Test.

Viele Kabel gegen den Kabelsalat

Wir beginnen mit der Verkabelung. Der USB-Micro-B-Stecker des Splitterkabels wird an die Festplatte gesteckt, der USB-A-Stecker in eine Buchse des Raspberry Pi. Die Stromversorgung der Festplatte erfolgt über eine USB-Micro-A-Buchse am Splitterkabel. Western Digital empfiehlt ein 5V/3A-Netzteil. Das klingt absurd hoch, erklärt sich aber durch den dritten Kabelabzweig am Splitterkabel. Denn dessen USB-Micro-A-Stecker können wir zur Stromversorgung des Raspberry Pi nutzen. So ist für die Festplatte und den Pi nur ein Netzteil erforderlich. Wir entscheiden uns aber für eine getrennte Stromzuführung, um später den Strombedarf der Festplatte messen zu können.

Als wir die Festplatte mit Strom versorgen, erblinden wir kurz. Eine sehr helle, weiße LED verkündet eine betriebsbereite Festplatte.

Mehrere Betriebssysteme installieren

Wir stecken die mitgelieferte Micro-SD am Pi ein und versorgen ihn mit Strom. Nach wenigen Sekunden wird uns das Installationsmenü von Noobs angezeigt. Uns wird Raspbian zur Installation angeboten, außerdem können wir sogenannte Project Spaces und eine Datenpartition auf der Festplatte anlegen. Bei den Projekt Spaces handelt es sich um eigenständige Betriebssystem-Installationen mit Raspbian Lite.

Nachdem wir eher zufällig das Netzwerkkabel am Pi eingesteckt haben, obwohl die beiliegende Anleitung davon mysteriöserweise abrät, werden uns auch noch LibreELEC, OSMC (Mediencenter) und Lakka (Retro-Spieleemulation) angeboten. Alle diese Systeme können als eigene Partition gleichzeitig auf der Festplatte installiert werden, was wir auch tun. Leider können wir nicht die Größen der Partitionen bestimmen. Die normale Raspbian-Partition ist zum Beispiel 80 GByte groß, auf Wunsch wird eine Raspbian-Lite-Installation als Project Space angelegt, die den noch verfügbaren Festplattenplatz auffüllt.

Die gesamte Installation läuft automatisch ab. Die Installationszeit hängt dabei in erster Linie von der Geschwindigkeit der Internetanbindung ab. Bei der Installation wird nicht nur die Festplatte eingerichtet, sondern es wird auch die SD-Karte umkonfiguriert.

Start per Bootmenü

Nachdem die Installation der Systeme durchgelaufen ist, starten wir den Raspberry Pi neu. Er startet zwar weiterhin erst einmal von der SD-Karte, doch das dient nur zur Darstellung eines Bootmenüs. Hier können wir das Betriebssystem auswählen, das von der Festplatte gestartet werden soll. Nehmen wir keine Auswahl vor, wird automatisch das erste Betriebssystem in der Liste gestartet beziehungsweise das zuletzt benutzte. Leider ist es nicht möglich, Sprach- und Netzwerkeinstellungen betriebssystemübergreifend zu konfigurieren. Das müssen wir weiterhin in jeder einzelnen Installation getrennt vornehmen.

Die Festplatte ist flott

Unter Raspbian führen wir einen Benchmark mit Sysbench zur Performance durch. Da die Festplatte durch die Anbindung per USB sowieso ausgebremst wird, interessiert uns die reine Performance weniger. Stattdessen vergleichen wir sie mit anderen Medien: einem 2-GByte-USB-Noname-Stick und einer Micro-SD-Karte (Samsung 32GB Evo).

Wir führen den Benchmark nach der Installation von Sysbench mit folgenden Parametern durch:

Dabei werden Schreib- und Leseoperationen anhand von 128 jeweils rund 8 MByte großen Dateien durchgeführt. Außerdem testen wir den Datendurchsatz jeweils mit

Die Festplatte erweist sich als Sieger gegenüber dem USB-Stick und der Micro-SD-Karte:

Während des Tests schwankt die Leistungsaufnahme der Festplatte zwischen 0,32 und 0,4 A bei 5,15 V.

Western Digital gibt sich freigiebig

Wie bereits oben ausgeführt, ist die Inbetriebnahme der Festplatte und die Einrichtung eines Bootmenüs recht einfach. Deswegen dachten wir ursprünglich, die entsprechend vorbereitete Noobs-Installation hätte Western Digital den bereits fertig präparierten SD-Karten der Sets vorbehalten. Doch weit gefehlt. Sie bieten das entsprechende, rund 2 GByte große Image auch zum Download an. Es gibt also keinen Zwang, zum Paket von Western Digital zu greifen.

Preis und Fazit

Die Sets sind direkt unter anderem beim Hersteller zum Preis von 21 bis 65 Euro erhältlich. Für die Festplatten bietet Western Digital auch Gehäuse an, sie kosten 12 und 22 Euro. Sowohl Berryboot als auch das für die Festplatten-Installation bestimmte Noobs-Image stehen kostenlos zum Download zur Verfügung.

Fazit

Herangegangen sind wir an den Test mit der Vermutung, dass Western Digital hier letztlich ein paar übrig gebliebene Festplatten teuer verramschen will. Das war ein Irrtum. Während uns der Preisvergleich bei den 250/375-GByte-Varianten mangels aktueller Vergleichsmöglichkeiten versagt bleibt, ist der Preis bei der 1-Tbyte-Variante insgesamt stimmig. Das Set aus Festplatte, Micro-SD-Karte und das Kabel im Set ist im Einzelkauf nicht preiswerter - wenn es überhaupt gelingt, das Splitterkabel im freien Handel aufzutreiben.

Rechnen wir noch die Zeitersparnis durch die vorbespielte SD-Karte mit ein, die simple Konfiguration für die Einrichtung des Bootmenüs und die Ersparnis für ein zweites Netzteil durch das Splitterkabel, neigt sich die Waage eindeutig in Richtung Pidrive-Set. Western Digital hat hier ein empfehlenswertes Set für Pi-Einsteiger mit Festplattenbedarf zusammengestellt.

Wer bereits eine Festplatte sein Eigen nennt und sie für den Raspberry Pi verwenden will, profitiert aber ebenfalls vom Pidrive-Konzept, auch wenn es viele Tutorials gibt, wie eine Festplatte am Raspberry Pi zur Betriebssystem-Installation genutzt werden kann. Western Digital bietet sympathischerweise sein Noobs-Image zur Installation mehrerer Betriebssystem-Partitionen auf einer Festplatte kostenlos zum Download an. Wer mit den festgelegten Partitionsgrößen leben kann, für den geht es kaum einfacher.  (am)


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