Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dienste-programme-und-unternehmen-was-2016-eingestellt-und-geschlossen-wurde-1612-125077.html    Veröffentlicht: 25.12.2016 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/125077

Dienste, Programme und Unternehmen

Was 2016 eingestellt und geschlossen wurde

Samsung stoppt die Produktion seines Galaxy Note 7, Google setzt seine Nexus-Reihe nicht fort und Nintendo lässt Fanprojekte schließen. 2016 wurden viele Dienste eingestellt und Unternehmen geschlossen.

Ein mikrowellengetriebener Raumgleiter findet keine Investoren, die Spielebranche muss auf Entwickler Lionhead verzichten und Smartphones kommen künftig ohne Firefox OS aus: Auch im Jahr 2016 mussten Firmen schließen, Software entfernt und Dienste beendet werden. Wir haben über viele solche Unternehmen und Programme berichtet. Eine Auswahl.

Kein Interesse an Game-Streaming

15,7 Millionen Euro Verlust und kein Erfolg in Sicht: Das neue Jahr ist keine fünf Tage alt, da schließt Spielehersteller Square Enix seine auf Game-Streaming spezialisierte Tochterfirma Shinra Technologies. Der Grund: Neben Ubisoft lassen sich keine weiteren Partner oder Investoren finden. Zwei Jahre nach dem Start des Unternehmens im Jahr 2014 müssen nun die Büros von Shinra Technologies in New York und Tokio schließen. Der Traum von einer Technologie, mit der sich Spiele so einfach wie Videos auf Geräte streamen lassen, ist damit ausgeträumt.

Teure Mikrowellen für Triebwerke

Auch ein anderes Unternehmen muss sich einen Monat später, im Februar, von der Verwirklichung eines Traums verabschieden: Escape Dynamics. Die Firma wollte einen mikrowellenbetriebenen Raumgleiter bauen, der kleinere Frachten ins All befördern kann. Jetzt ist sie pleite.

Dabei klang das Konzept gar nicht schlecht. Ein wasserstoffbetriebenes Triebwerk sollte von außen durch Mikrowellen mit Energie versorgt werden. Parabolantennen sollten die Mikrowellen zum Raumschiff senden. Soweit die Theorie.

In der Praxis sind sämtliche Bauteile sehr teuer. Allein für die Batterien, die den Stromspeicher für die Mikrowellenemitter darstellen sollten, wurde ein Preis im Bereich von einigen 10 Millionen US-Dollar angesetzt. Investoren lassen sich nur schwer für die Idee begeistern und Escape Dynamics gibt schließlich auf.

Keine Lichtfeldkameras mehr für Privatkunden

Erst auslösen, dann fokussieren: Lichtfeldkameras ermöglichen die nachträgliche Verschiebung der Schärfeebene. Lytro stellt solche Kameras her. Aber künftig nicht mehr für Privatkunden, beschließt das Unternehmen im April. Trotz erfolgreicher neuer Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro zieht sich Lytro aus dem Privatkundengeschäft zurück. Stattdessen wolle sich die Firma auf die Entwicklung einer Lichtfeld-VR-Plattform konzentrieren. Wenige Monate vorher hatte Lytro seine erste Lichtfeldkamera für Video und virtuelle Realität vorgestellt - Lytro Immerge. Das ist eine 360-Grad-Lichtfeldkamera in Kugelform, die in mehrere Segmente unterteilt ist. Wann die Kamera verkauft wird, ist noch nicht bekannt.

Spielebranche ohne Lionhead

Black and White, die Fable-Reihe und The Movies: Nach mehr oder weniger erfolgreichen Spielen schließt Microsoft Ende April das Entwicklerstudio Lionhead. Der Schließung sind Verhandlungen über den Verkauf des Studios an einen anderen Publisher oder Entwickler vorausgegangen. Ohne Erfolg.

Die Lionhead-Studios wurden 1996 von der Spiele-Entwickler-Legende Peter Molyneux gegründet worden. 2006 wurde Lionhead von Microsoft übernommen. Die Entwickler-Legende Molyneux verließ das Studio im Jahr 2012. Zuletzt arbeitete Lionhead an Fable Legends, einem F2P-Titel mit Direct3D-12-Unterstützung für Windows-10-PCs und die Xbox One. Die Arbeiten wurden jedoch eingestellt. Die für das Frühjahr 2016 angekündigte offene Beta gab es nie.

Das Ende von Firefox OS

Das ging schnell: Nach Firefox OS 2.6 stellt Mozilla im Mai die Entwicklung des Betriebssystems für Smartphones ein. Die Mitteilung kam schon einige Monate vorher, im Dezember 2015. Neue Smartphones mit Firefox OS sollen nicht mehr hergestellt werden. Aktualisierungen für existierende Geräte gebe es nicht mehr. Mit dem Ende der Entwicklung wird auch der Firefox Marketplace abgewickelt. Der Code von Firefox OS soll im Projekt Connected Devices weiterverwendet werden. Künftig will das Unternehmen Geräte für das Internet der Dinge (IoT) mit der Software ausstatten.

Google stellt Fotodienst Picasa ein

Im Mai kommt auch das Aus für Googles Bildverwaltungs- und Bearbeitungsprogramm Picasa. Die Desktop-Software wird bereits seit März nicht mehr angeboten, jetzt schaltet Google auch die Webalben ab. Anwender sollen stattdessen Google Fotos verwenden. Ein Umzug der Webalben zu Google Fotos geschieht automatisch.

Die Desktop-Software Picasa für Windows und OS X lässt sich übrigens weiterverwenden, Updates wird es aber nicht mehr geben.

Google hatte die Bildbearbeitungssoftware Picasa im Jahr 2004 gekauft und in den folgenden Jahren mit einem Onlinespeicherdienst für Bilder kombiniert.

Disney Infinity wird eingestellt

Ebenfalls im Mai gibt es eine traurige Nachricht für Fans der Sammelfigurenreihe Disney Infinity und der dazugehörigen Spiele. Der Konzern teilt mit, künftig keine Figuren mehr herstellen zu wollen. Außerdem will das Unternehmen aus dem Geschäft der Computerspieleentwicklung aussteigen.

Die Entscheidung bedeutet für die rund 300 Beschäftigten des zu Disney gehörenden Entwicklers Avalanche Software, dass sie ihren Job verlieren. Computerspiele auf Basis von Disney-Marken werden aber weiterhin erscheinen. Der Medienkonzern wird allerdings nur noch als Lizenzgeber auftreten. Die letzten Sammelfiguren, die auf den Markt gebracht werden, sind die zu den Filmen Alice - Through the Looking Glass und Findet Dorie. Die Server für Disney Infinity wurden am 29. Juli 2016 abgeschaltet.

Aus für Seene

Genau 30 Tage lang hatten Anwender Zeit, ihre Inhalte zu sichern, danach war Schluss mit der 3D-Fotografie per Seene. Die Entwickler verkünden im Juli 2016 das Ende der App für Android und iOS. Mit dem Programm ließen sich mit etwas Bewegung 3D-Fotos aufnehmen, die wie Wackelbilder funktionierten.

Anschließend konnten die Bilder unter anderem mit Googles Cardboard-Brille betrachtet werden. Uns gefiel Seene so gut, dass die App es in unsere Auswahl der lohnenswerten Cardboard-Apps schaffte.

Torrentz.eu muss schließen

Schlechte Zeiten für Torrent-Plattformen: Anfang August schließt die Metasuchmaschine Torrentz.eu. Und das nur wenige Wochen, nachdem mit Kickass Torrents eine der größten Bittorrent-Plattformen geschlossen wurde. Von Torrentz.eu gibt es keine Ankündigung oder Erklärung.

Der Dienst bot als Ergebnisse Links auf Torrent-Dateien zum File-Sharing an. Selbst gehostet hat er sie nicht. Bis heute ist noch die Suchmaske unter der Adresse Torrentz.eu vorhanden. Ergebnisse gibt es aber nicht. Unter dem Suchfeld steht: "Torrentz war eine freie, schnelle und mächtige Metasuchmaschine, die Ergebnisse von Dutzenden Suchmaschinen kombinierte." Den Dienst gab es seit dem Jahr 2003.

Ubisoft beendet Free-to-Play-Spiele

Die Free-to-Play-Titel Might & Magic Duel of Champions, Endwar Online, The Mighty Quest for Epic Loot, Ghost Recon Phantom, Silent Hunter Online und Panzer Gerneral Online haben eins gemeinsam: Ubisoft beschließt Ende August 2016 deren Ende. Ärgerlich: Spielern werden Restguthaben an Coins nicht erstattet. Immerhin bleiben jeweils noch ein paar Wochen Zeit, die mit echtem Geld gekaufte virtuelle Währung auszugeben. Gründe für die Schließung der Free-to-Play-Spiele nennt Ubisoft nicht. Vermutlich lohnt sich das Geschäft mit solchen Spielen nicht mehr. Der Branche geht es 2016 generell nicht gut. Ein Hamburger Unternehmen, das sich auf Free-to-Play-Titel spezialisiert hatte, entließ im August einen großen Teil seiner Mitarbeiter.

Nintendo lässt Fanprojekte schließen

Nintendo sieht es nicht gern, wenn jemand Inhalte aus seinen Spielen für eigene Werke verwendet. Darum lässt der japanische Spielehersteller im September 562 Fanprojekte offline nehmen, unter anderem Pokémon 3D, Zelda and the Youtubers und Flappy Mario.

Alle Spiele waren über die Seite Gamejolt.com veröffentlicht worden. Dort können Hobbyentwickler und kleine Studios ihre Arbeiten veröffentlichen. Gamejolt.com hat die Zugriffsrechte der Fanprojekte nun so eingestellt, dass nur noch deren Hauptentwickler darauf zugreifen können. Ein öffentlicher Vertrieb ist damit nicht mehr möglich.

Brennende Akkus bei Samsung

Brandgefahr beim neuen Galaxy Note 7: Im September muss der südkoreanische Elektronikkonzern seine Kunden auffordern, das Mobiltelefon auszuschalten. In den USA gab es zuvor mehrere Fälle von sich spontan selbst entzündenden Galaxy-Note-7-Geräten. Auch Austauschgeräte sind von dem Problem betroffen.

Mobilfunknetzbetreiber stoppen den Verkauf des Geräts. Auch Austauschgeräte bieten sie nicht mehr an. Nachdem klar wird, dass der Akku schuld an den Bränden ist, stoppt Samsung die Produktion des Galaxy Note 7 dauerhaft. In Deutschland kommt das Gerät gar nicht erst auf den Markt.

Kein Band 3 von Microsoft

Microsoft macht Schluss mit den Band-Armbändern. Vom Fitness-Armband Band werde es kein drittes Modell geben, teilt das Unternehmen im Oktober mit. Den Fitness-Fans hierzulande dürfte das egal gewesen sein, denn Microsofts Armbänder kamen in Deutschland nie auf den Markt. Das Fitnessarmband läuft mit einem proprietären Betriebssystem und kann mit einer Reihe von Geräten anderer Hersteller genutzt werden. Neben Windows werden Android und iOS unterstützt.

Aus für die Nexus-Reihe

Keine weiteren Nexus-Geräte: Mit der Vorstellung seiner Pixel-Smartphones im Oktober stellt Google die Nexus-Reihe ein. Weitere Geräte seien nicht geplant, sagte uns ein Unternehmenssprecher. Zwar holt sich Google für die Pixel-Geräte Hilfe von anderen Unternehmen. Aber so viel Einfluss wie bei den Nexus-Smartphones hat der Hardware-Partner nicht. Laut Google übernimmt HTC bei den Pixel-Geräten nur die Fertigung. Die Entscheidungen über das Design und die Entwicklung liegen aber komplett bei Google. Bei den Nexus-Geräten war das anders.

AMD unterstützt die Gaming-Evolved-App nicht mehr

Nur drei Jahre nach der Vorstellung seiner Gaming-Evolved-App integriert AMD diese nicht mehr in sein Treiberpaket. Die Software war als Konkurrenz zu Nvidias Geforce Experience gedacht und durchsucht den Spiele-PC nach installierten Titeln, um die Grafikeinstellungen anhand der Hardware zu optimieren. Das Programm wird von Raptr entwickelt und ist nach wie vor verfügbar. AMD erklärte, es werde die App weder weiter unterstützen noch technische Hilfestellung leisten. Ältere Versionen von vor dem 12. September 2016 funktionierten aber noch.

Sleeping-Dog-Entwickler macht dicht

Das Entwicklerstudio United Front Games gibt im Oktober seinen Betrieb auf. Das bekannteste Spiel der Kanadier war das für Square Enix produzierte Sleeping Dogs. Die Entwicklung einer Onlineversion des Spiels wurde Monate zuvor gestoppt. Vor seiner Schließung hat das Unternehmen das Online-Actionspiel Smash + Grab als Early Access auf Steam veröffentlicht. Der Client konnte nach der Bekanntgabe der Schließung nicht mehr heruntergeladen werden.

Schluss mit What.CD

Mit What.CD muss im November eine der größten Bittorrent-Tracker für Musik schließen. Eine Cybercrime-Einheit der französischen Polizei beschlagnahmte dessen Server. In die Ermittlungen ist die französische Verwertungsgesellschaft Sacem involviert.

Nicht nur die What.CD-Betreiber haben Angst vor den Ermittlungen, auch die Nutzer befürchten eine Verfolgung durch die französischen Behörden. Die Betreiber geben Entwarnung: Nutzerdatenbanken seien nicht beschlagnahmt worden, heißt es.

What.CD wurde im Oktober 2007 als eine Bittorrent-Seite gegründet und war nur auf Einladung anderer Nutzer zugänglich. Die meisten Inhalte waren illegale Rips.

Touch & Travel wird eingestellt

Zu wenige Kunden: Mangels Interesse stellt die Deutsche Bahn Ende November ihr Handy-Ticketsystem Touch & Travel ein. Nur rund 100.000 Kunden konnte das System deutschlandweit gewinnen.

Dabei war es durchaus komfortabler als die normalen E-Tickets anderer Anbieter, denn Touch & Travel rechnete per Check-in und -out GPS-basiert ab. Dazu gehörte auch die Verwendung einer automatischen tariflichen Obergrenze. Wer viel fuhr, zahlte zum Beispiel nur den passenden Monatskartentarif.

Möglicherweise lebt Touch & Travel in den Systemen anderer Verkehrsanbieter weiter, denn die Deutsche Bahn will die Technik dahinter verkaufen.

Persona.org wird abgeschaltet

Auch ein anderer Dienst wird Ende November aus Mangel an Interesse eingestellt: Mozillas Login-Dienst Persona. Der sollte das Anmelden bei Webdiensten erheblich vereinfachen. Zum Stichtag beginnt Mozilla, nach und nach die zu Persona gehörende Dienste abzustellen. Die Domain behält die Organisation. Nutzerdaten werden gelöscht.

Ärgerlich für Betreiber, die Persona genutzt haben: Sie müssen nun eine neue Lösung finden. Hilfestellungen dazu gibt Mozilla in seinem Wiki.

Bei der Einstellung von Persona wird es nicht bleiben. Auch im kommenden Jahr werden Dienste von Anbietern geschlossen und Programme nicht weiterentwickelt werden. Wir werden darüber berichten.  (sha)


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