Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/steep-im-test-frei-und-einsam-beim-bergsport-1612-124929.html    Veröffentlicht: 07.12.2016 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/124929

Steep im Test

Frei und einsam beim Bergsport

Einmal quer durch die Alpen mit Skiern, Snowboard, Wingsuit und Paraglidern: Ubisoft schickt den Spieler in Steep in ein frei zu erforschendes Schneeparadies - und bringt so wieder Leben in das Genre der Wintersportspiele.

Vor der ersten Abfahrt in Steep legt Ubisoft Wert auf eine Registrierung - wer kein Konto beim Publisher anlegt, kann das Spiel nicht starten. Ebenso unabdingbar ist eine kontinuierliche Onlineverbindung. Erst wenn der Kontakt zu den Servern erfolgt ist, dürfen angehende Skiasse durch den virtuellen Schnee stapfen.

Ein bisschen paradox: Dort stellt sich wiederum schon im Tutorial das Gefühl völliger Freiheit ein. Wer will, erkundet erstmal die winterliche Umgebung: Per Tastendruck kann man zwischen den Sportmitteln wechseln, um nicht nur zu Fuß, sondern auch auf Snowboard oder Skiern herumzukurven. Per Fernglas lässt sich auch die etwas weitere Umgebung erkunden, um Ausschau nach geeigneten Turnieren zu halten.

Nach und nach füllt sich so die große und etwas hakelig zu bedienende Landschaftskarte mit immer neuen Herausforderungen, etwa Zeitrennen oder Punktejagden an den unterschiedlichen Orten, zu denen dann glücklicherweise einfach per Tastendruck gewechselt werden kann. Die Abstände zwischen den Aufgaben wären sonst auch zu groß, um sie in vernünftigen Zeiten zu absolvieren.

Eine Herausforderung in den vier Disziplinen Ski, Snowboard, Wingsuit und Paragliding ist zunächst die Bedienung. Lassen sich die Abfahrten auf ein oder zwei Skiern noch relativ intuitiv steuern, dauert es einige Zeit, bis auch das Fliegen beherrscht ist. Hinzu kommt, dass die Strecken oft nach dem Try-and-Error-Prinzip erkundet werden müssen. Bei den ersten Versuchen sind schwere Stürze, das Hängenbleiben in den Zäunen und andere Stolpereinlagen unvermeidlich.

In allen Sportarten gilt es, zunächst die Grundlagen zu verstehen, um im Spielverlauf dann nach und nach auch Stunts und Tricks einfließen lassen zu können oder immer risikobereiter zu agieren, um das Punktekonto zu füllen. Erfolge bringen Medaillen, erhöhen nach und nach den Rang des Spielers und geben so wiederum Zugang zu neuen Wettbewerben.

Steep setzt nicht nur auf eine konsequente Onlineverbindung, sondern versteht sich auch als Onlineerfahrung ohne echten Einzelspielermodus. Alle Zeiten werden mit der Community geteilt, Abfahrten lassen sich aufnehmen und dann für alle abrufbar machen, zudem können spezielle Herausforderungen für Freunde erstellt oder der Kontakt zu anderen Spielern hergestellt werden. Trotzdem fühlt sich Steep oft leer an - in den Arealen zwischen den Herausforderungen ist der Spieler meist allein unterwegs.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Programm versucht gar nicht erst, Spielen wie SSX Konkurrenz zu machen. Hier soll es um die gesamte Erfahrung gehen, nicht um das ununterbrochene Jagen nach Highscores. Trotzdem ist es schade, dass Steep den Party-Aspekt nahezu komplett außer Acht lässt. Wer etwa schnell mit Freunden offline per Splitscreen gegeneinander die Pisten runterrasen will, findet dafür keine Optionen.

Auch bei der Atmosphäre hapert es. Es gibt kaum Story-Elemente, dazu verzichtet das Programm weitestgehend auf einen Soundtrack. Das mag dem Bergpanorama zuträglich sein, Funsport-Spielern dürfte es aber ungewohnt ruhig vorkommen.

Die Veröffentlichungstaktik von Steep ist verwirrend. Das Spiel erscheint für Windows-PC, Playstation 4 und Xbox One in einer normalen, aber auch in einer Gold-Edition. Letztere enthält Bonusinhalte wie den Season Pass, Zugriff auf exklusive Kostüme wie das Schneemannkostüm, Helikoptertickets, um unerforschte Gebiete schnell zu erreichen, aber auch neue Themen-Packs, die in den nächsten Monaten erscheinen.

Alternativ kann der Season Pass einzeln erworben werden. Das normale Spiel kostet etwa 60 Euro, die Gold-Edition 70 Euro, der Season Pass als Download-Code für Uplay am PC, für die Xbox One oder PS4 etwa 20 Euro. Der Titel hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Eine frei erkundbare Welt mit weiten Berg- und Schneelandschaften: Was sich zunächst nach grenzenloser spielerischer Freiheit anhört, kann schnell eintönig werden. Auch wenn es theoretisch möglich ist, stundenlang durch die verschneiten Areale zu wandern, wird das kaum ein Spieler machen - zu leer und eintönig sind diese Passagen. Wer also eine fesselnde Open-World-Erfahrung sucht, wird ebenso enttäuscht sein wie Freunde schnell zugänglicher und auch per Splitscreen spielbarer Extremsport-Titel wie SSX.

Trotzdem hat das Spiel eine gewisse Faszination - einerseits, weil das Bergpanorama mit seinen Tag- und Nachtwechseln wunderschön anzusehen ist und wirklich das Gefühl einer zwar leeren, aber sehr stimmigen Urlaubsregion vermittelt wird. Andererseits sorgen die zahlreichen Challenges mit den sich beständig aktualisierenden Bestzeiten von Spielern aus aller Welt dafür, dass die Motivation, immer neue Rekorde aufzustellen oder selbst eigene Herausforderungen zu erstellen, kontinuierlich hoch bleibt. Wintersportfreunde sollten durchaus einen Ausflug in die Welten von Steep unternehmen - alleine schon, weil es in diesem Genre ansonsten kaum relevante Konkurrenz gibt.  (tw)


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