Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/strategiepapier-eu-fordert-europaweite-standards-fuer-vernetzte-autos-1612-124823.html    Veröffentlicht: 01.12.2016 16:32    Kurz-URL: https://glm.io/124823

Strategiepapier

EU fordert europaweite Standards für vernetzte Autos

Bis 2019 sollen die Grundlagen für eine stärkere Vernetzung von Fahrzeugen geschaffen werden. Die EU-Kommission fordert dazu einen nahtlosen Empfang von Daten in ganz Europa.

Mit einer stärkeren Vernetzung von Fahrzeugen will die EU-Kommission das Fahren sicherer machen und die Unfallzahlen senken. Die am Mittwoch vorgestellte europäische Strategie für Kooperative Intelligente Verkehrssysteme (C-ITS) solle bis 2019 "die großflächige gewerbliche Einführung von C-ITS" ermöglichen, teilte die EU-Kommission mit. Damit sollen "die Straßenverkehrssicherheit, die Verkehrseffizienz und der Fahrkomfort deutlich verbessert werden, indem die Fahrer darin unterstützt werden, die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich der Verkehrssituation anzupassen". Die Vernetzung sei zudem für die Integration von automatisierten Fahrzeugen in den Verkehr wichtig.

Das zwölfseitige Strategiepapier gibt allerdings nur sehr allgemein Auskunft, wie dieses kooperative Verkehrssystem realisiert werden soll. Schon jetzt gibt es einzelne Hersteller, wie Mercedes, die sogenannte Car-to-Infrastructure-Kommunikation (Car-to-X) anbieten. Die Autos kommunizieren dabei über ein Backend des Herstellers und können sich so gegenseitig vor gefährlichen Verkehrssituationen wie Glatteis oder starken Regenfällen warnen. Solche Systeme sind aber umso sinnvoller, je mehr Fahrzeuge tatsächlich Warnungen senden und empfangen können.

WLAN 802.11p und 5G

Ein erklärtes Ziel der EU-Strategie besteht daher darin, einen fragmentierten Binnenmarkt zu vermeiden. Das heißt, ein deutscher Autofahrer sollte auch im europäischen Ausland in der Lage sein, mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur kommunizieren zu können.



Allerdings befinden sich die entsprechenden Kommunikationstechniken über WLAN oder das Mobilfunknetz derzeit noch in der Erprobungsphase. Die EU-Kommission befürwortet in diesem Zusammenhang einen "hybriden Kommunikationsmix". Am meisten verspricht sich Brüssel derzeit von "einer Kombination von Wifi-gestützter Nahbereichskommunikation und bereits vorhandenen zellularen Netzen". Bei einer öffentlichen Konsultation hätten weniger als fünf Prozent der Befragten abgelehnt, zunächst auf den WLAN-Standard IEEE 802.11p (ITS-G5) zu setzen. Die große Mehrheit erwarte allerdings, dass der neue Mobilfunkstandard 5G künftig eine große Rolle spielen werde. Derzeit laufen aber auch Tests auf Basis von LTE an deutschen Autobahnen.

Hoher Datenschutz gefordert

Nach Ansicht der EU-Kommission sollten die vernetzten Fahrzeuge vordringlich folgende Informationen erhalten: "Warnungen vor dem vorausfahrenden Verkehr, vor Straßenbauarbeiten, vor sich nähernden Einsatzfahrzeugen, Informationen über die Wetterbedingungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen im Fahrzeug sowie Hinweise zur Optimierung der Geschwindigkeit (sogenannte 'Grüne Welle')." Später sollen Informationen zu Tankstellen und Ladestationen, freien Parkplätzen und zur Verkehrssituation hinzukommen.

Das Strategiepapier geht zudem davon aus, dass alle Daten, die von den vernetzten Autos gesendet werden, prinzipiell personenbezogene Daten sind und damit einen besonderen Schutz genießen. Schließlich könnten die Daten einer "bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person zugeordnet werden". Die EU-Kommission fordert daher: "Nutzer müssen die Gewissheit haben, dass ihre Daten keine Ware sind und wissen, dass sie wirksam kontrollieren können, wie und zu welchem Zweck ihre Daten verwendet werden."

Europaweite Zertifizierung von Produkten

Damit tritt die EU-Kommission der Auffassung der großen Koalition entgegen. Diese hatte Anfang des Jahres in einem Bundestagsbeschluss festgehalten, dass nur die Übertragung von Daten mit einem eindeutigen Personenbezug zustimmungspflichtig sein solle. Die Autofahrer sind Umfragen zufolge derzeit allerdings mehrheitlich nicht dazu bereit, ihre Daten preiszugeben.

Die Kommission verweist zudem auf die zunehmende Gefährdung vernetzter Dienste durch Hacker und Cyberangriffe. Die Sicherheit der Anwendungen sei daher "kritisch" und erfordere ein europaweit koordiniertes Vorgehen. Daher müsse eine gemeinsame Sicherheits- und Zertifizierungspolitik entwickelt werden.

Der IT-Branchenverband Bitkom sieht in der Initiative einen "wichtigen Schritt". Die EU-Kommission setze damit "ein Zeichen, dass Europa seine Anstrengungen bei der vernetzten Mobilität deutlich erhöhen muss und erhöhen wird", sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Der geplante "Echtzeit-Datenraum ist Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle und einen sicheren, effizienten sowie ressourcenschonenden Verkehr".  (fg)


Verwandte Artikel:
Automatisiertes Fahren: Düsseldorf testet Navigation durch Verkehrszentrale   
(03.11.2017, https://glm.io/130958 )
Verkehr: Karlsruhe baut ein Testfeld für autonomes Fahren auf   
(09.10.2017, https://glm.io/130506 )
Autonomes Fahren: Audi lässt Kunden selbstfahrenden A7 testen   
(19.07.2017, https://glm.io/129024 )
Uber vs. Waymo: Uber spionierte Konkurrenten aus   
(16.12.2017, https://glm.io/131708 )
Autonomes Fahren: Ethikkommission tappt nicht in die Dilemma-Falle   
(20.06.2017, https://glm.io/128476 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/