Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zenbook-3-im-test-macbook-konkurrenz-mit-kleinen-usb-typ-c-problemen-1612-124760.html    Veröffentlicht: 08.12.2016 10:37    Kurz-URL: https://glm.io/124760

Zenbook 3 im Test

Macbook-Konkurrenz mit kleinen USB-Typ-C-Problemen

Asus' Notebook ist ein wenig kleiner, ein kleines bisschen leichter und dennoch schneller als die Konkurrenz, die als Vorbild diente: Apples Macbook 12. In der Praxis zeigen sich Nachteile bei der Lüftersteuerung, interessante USB-Typ-C-Probleme und ein gutes Linux-System als Alternative.

Wer nach einem Notebook mit einem Gewicht von unter einem Kilogramm sucht, muss aktuell einen Kompromiss eingehen: Die leistungsschwächeren Y-Prozessoren von Intel müssen reichen - außer bei Asus' Zenbook 3 (UX390U). Anders als im Macbook 12 oder dem HP Elitebook 1030 G1 ist im Notebook der Taiwaner ein Core i7-7500U (Kaby Lake) eingebaut. Und trotzdem ist es noch ein kleines bisschen leichter (910 Gramm) und einen Tick dünner (11,9 mm) als die Konkurrenzgeräte. Doch in der Praxis zeigen sich auch Nachteile des Zenbook 3, das auf dem Datenblatt einen hervorragenden Eindruck macht.

Ausgestattet ist unser Testmuster mit recht großzügiger Hardware. Neben dem bereits erwähnten schnellen Kaby-Lake-Dual-Core-Prozessor mit Hyperthreading hat unser Muster Arbeitsspeicher mit einer Kapazität von 8 GByte. Der ist allerdings fest verlötet. Eine Variante mit 16 GByte gibt es ebenfalls. Zudem verbaut Asus grundsätzlich SSDs, in unserem Fall mit einer Kapazität von 512 GByte. Das System ist mit einem spiegelnden 12,5-Zoll-Full-HD-Display ausgestattet, hat eine Intel 8260er WLAN-Karte und arbeitet mit einem 40-Wh-LiPo-Akku für die Stromversorgung. An das Innere kommt man allerdings nicht, normale Schraubendreher passen nicht. Asus möchte nicht, dass der Anwender das Gerät aufschraubt.

Noch immer eine Besonderheit ist USB Typ C als einzige Schnittstelle, abgesehen vom Kopfhörerausgang, den Asus im Zenbook 3 ebenfalls verbaut. Damit ähnelt das Konzept insgesamt sehr Apples Macbook, das auch nur einen Kopfhörerausgang und einen USB-C-Port hat. Die gesamte Konstruktion hat allerdings offenbar prinzipbedingte Nachteile.

Konstruktionsentscheidungen mit Schwächen

Ein dünnes Gerät und ein leistungsfähiger Prozessor? Das verträgt sich im Alltag typischerweise nicht - und das ist auch beim Zenbook 3 leider der Fall. Der Lüfter des sehr dünnen Notebooks ist eigentlich immer aktiv. Immerhin muss auch ein Core i7-7500U gekühlt werden, dessen Thermal Design Power (TDP) selbst herunterkonfiguriert (Configurable TDP-down) bei 7,5 Watt noch 67 Prozent über der eines Y-Prozessors liegt. Dass der Lüfter gerade einmal 3 mm hoch ist und nur vier schmale Lüftungsschlitze zwischen Display und Gehäuse vorhanden sind, erleichtert die Kühlung nicht gerade. Viel Abwärme wird über das Gehäuse nach außen transportiert. Unter Last spürt man das beim Tippen. Sind die Tasten heruntergedrückt, berühren die Finger das Gehäuse, was wegen der Wärme etwas unangenehm sein kann.

Der Lüfter schaltet sich nach Last durchaus mal aus, aber sehr selten. Im gesamten Testzeitraum haben wir es geschafft, dass das Notebook für etwa 10 Minuten nicht mit aktivem Lüfter arbeitete. Allgemeines langes Nichtstun reicht dafür aber nicht. Das Zenbook lag auf einem kalten Küchenboden in der Nähe einer kalten Außenwand im November, während wir mit diversen Power-Delivery-Mixturen arbeiteten und das Notebook eine zeitlang nicht verwendeten.

In der Praxis heißt das, dass der Anwender ein ständiges Rauschen des Lüfters hinnehmen muss. Und das nervt durchaus, da moderne Geräte eigentlich mittlerweile deutlich leiser sind. Zum Glück sind die Lautsprecher recht laut. Sich eine Talk-Show oder einen Film mit den Lautsprechern anzuschauen, erfordert allerdings einige Gewöhnung - so wie früher, als lautlose oder sehr leise Geräte noch eine Seltenheit waren.

Der Lüfter hat nur wenige Stufen

Immerhin wird der Lüfter unter echter Last kaum lauter. Beim Experimentieren mit X-Plane 11 drehte er nicht weiter hoch als bei mittlerer Browserlast, was auf eine sehr konservative Lüftersteuerung schließen lässt, die schon bei geringer Last hochdreht. Das bestätigt sich auch während des Cloud-Gate-Benchmarks. Die Temperatur des Prozessors steigt nicht über 70 Grad, während der Takt des Prozessors bei rund 3 GHz liegt und die iGPU HD 620 voll ausgelastet ist.

Ein wenig erwärmt sich dabei das Notebook, bei Notebooks mit Aluminium-Gehäuse ist das aber typisch. Während eines reinen CPU-Benchmarks taktet der Prozessor auf 3,1 GHz, der maximale Turbotakt wird immer nur für einige Sekunden erreicht. Generell ist der Dual-Core-Prozessor leistungsstärker als der Y-Prozessor im Macbook 12, dafür wird dieser passiv gekühlt. Während des typischen Arbeitsalltags fällt das aber nur selten auf. Erst wenn viel Leistung über einen längeren Zeitrahmen benötigt wird, liegt das Zenbook 3 klar vorne.

Es zeigt sich leider sehr deutlich, dass die Vorteile der leichten und dünnen Konstruktion nur beim Transport etwas bringen. Beim Arbeiten stört diese eher. Das gilt auch für die wenigen Schnittstellen.

Unangenehme Lautstärke, guter Ton und ein schlechtes Trackpad

An den mechanischen Teilen des Systems gibt es gute und schlechte Seiten. Die Tastatur ist ungewöhnlich breit, das gilt für die einzelnen Tasten und die Abstände zwischen den Tasten. Wir brauchten etwas Training, um fehlerfrei zu tippen. Das Touchpad hingegen ist eher schlecht. Das liegt leider daran, dass der Treiber mitunter Probleme mit unbeabsichtigten Bedienungen hat oder diese fälschlich als unbeabsichtigt einstuft. Wir mussten öfter doppelt antippen, weil der Treiber den ersten Tipp als Fehler interpretierte. Die Mechanik der Maustasten gefällt uns auch nicht, da nur ein Teil klickbar und der definierte Punkt nicht so recht ersichtlich ist. Separate Maustasten wären uns lieber. Der Fingerabdruckleser hat ein paar Probleme, wenn die Finger leicht verschmutzt sind, was eigentlich nicht passieren sollte. Er funktioniert sonst aber gut.

Ein leichtes Problem zeigte unser Testmuster zudem bei der Displaymechanik. Beim Hochheben neigte das Display dazu, nach hinten zu kippen, da es etwas locker sitzt. Da der Winkel ohnehin eingeschränkt ist, stört das eigentlich nicht. Das Gehäuse selbst ist hochwertig gefertigt.

Gewollte Lautstärke

Respekt zollen muss man den Hardwareentwicklern für die Soundkonstruktion, auch wenn das Ergebnis nicht unbedingt begeistert. Asus ist es auf sehr kleinem Raum gelungen, eine recht laute Lautsprecherkombination zu konstruieren. Mitunter ist sie unangenehm laut. In den meisten Situationen bieten die Treiber anständigen Klang. Es gibt Notebooks, die mit deutlich mehr Raum eine erheblich schlechtere Tonausgabe schaffen. Hohe Lautstärken sollte man allerdings vermeiden, sonst brüllt das System zu sehr.

Schwächen hat das System allerdings bei der Wiedergabe tiefer Töne. In dem Stück Prizewinning von Julianna Barwick kommt es öfter zu unerwünschten Vibrationsübertragungen. Das Macbook bekommt die Wiedergabe fehlerfrei hin. Zudem sei angemerkt, dass bei vielen Notebooks am Anfang des Stückes gar nichts zu hören ist. Bei wirklich tiefer Bassdarstellung (Chairlift, Ch-Ching) versagt das Zenbook 3 erwartungsgemäß weitgehend. Aber es kommt immerhin nicht zu Vibrationen.

Während unter Windows die tonalen Fähigkeiten kein Problem darstellten, hatten wir mit Linux in dem Bereich eines der wenigen aber durchaus signifikanten Probleme.

Ein fast perfektes, lärmendes Linux

Anders als bei vielen anderen Neugeräten der vergangenen Jahre ist die Linux-Unterstützung auf den ersten Blick beim Zenbook 3 überraschend gut. Ein vorbereiteter USB-Stick mit einem Abbild des aktuellen Ubuntu 16.10 wird problemlos vom UEFI erkannt und ermöglicht den Start der Linux-Distribution ohne Änderungen an der Firmware. Dafür mussten wir erst einige USB-Sticks ausprobieren, bis wir von einem starten konnten. Wie sich später zeigte, liegt das aber anders als vermutet nicht am UEFI.

Wie erwähnt startet das Linux-System ohne Probleme, nach einer Anmeldung im WLAN lässt sich direkt mit der Arbeit beginnen. Ebenso wenig üblich für die meisten Neugeräte, lassen sich sämtliche Sondertasten wie vom Hersteller vorgesehen nutzen, da diese richtig zugeordnet sind. Das gilt für die Bildschirmhelligkeit, für die Helligkeitsregelung der Tastaturhintergrundbeleuchtung oder auch die Drucken-Taste.

Allein die genannten Details klingen zwar nach einfach umsetzbaren Kleinigkeiten, doch je nach Gerät und Hersteller kann die Linux-Unterstützung zumindest in den ersten Monaten der Verfügbarkeit mitunter auch völlig katastrophal ausfallen, wie zum Beispiel die fehlenden Intel-Treiber für die RAID-Controller in Lenovos Yoga-Laptop gezeigt hat.

Lärm ab dem ersten Ton

Doch auch beim Zenbook 3 ist die Freude über die gute Linux-Unterstützung nur von kurzer Dauer. Denn beim Betätigen der Lautstärkeregelung über die Tastatur bekommt das Notebook zwar die richtigen Befehle gesendet, immerhin wandert der kleine Balken in der Anzeige in die gewünschte Richtung, doch die Lautstärke der integrierten Boxen bleibt bei 100 Prozent. Das ist bei den vergleichsweise lauten Boxen des Zenbook 3 besonders ärgerlich. Lediglich der Wechsel zwischen Ton an und aus ist über die Tastatur möglich.

Besonders irritierend ist, dass das Problem mit dem lärmenden Sound nicht bei externen Lautsprechern oder Kopfhörern auftritt, die über den 3,5-mm-Klinkenanschluss verbunden werden. Hier funktioniert die Lautstärkeregelung problemlos. Die Lautstärke der internen Boxen ist auch nicht durch einen schlechten oder kaputten Treiber auf die höchste Lautstärke fixiert. Denn per Pulseaudio kann der Ausgabestream einer einzelnen Anwendung problemlos gesteuert werden - nur eben nicht standardmäßig über die Tastatur.

Bei der Hardware handelt es sich um ein HD-Audio-Gerät, das mit dem entsprechenden Intel-Treiber (snd-hda-intel) betrieben wird. Laut den vom Kernel im Verzeichnis /proc bereitgestellten Informationen ist das eingesetzte Modell ein Realtek ALC295, das eigentlich seit Monaten vom Kernel unterstützt werden sollte. Die Probleme dürften also auf die Kombination der Tastatureingabe und der Verarbeitung in Pulseaudio zurückzuführen sein.

Monitorflickern und Hardwarebeschleunigung mit Umwegen

Ein weiteres wenig überzeugendes Hardware-Detail taucht bei der Verwendung des HDMI-Adapters auf. Zwar lässt sich darüber ein Monitor einfach anschließen und verwenden. Doch an dem Unity-Desktop von Ubuntu 16.10 flackert das Bild sehr häufig und es bleiben sogar einige Artefakte längst geschlossener Programme erhalten.

Mögliche Ursachen sind für derartige Fehler aufgrund des sehr komplexeren Linux-Grafikstacks schwer einzugrenzen. Völlig flackerfrei und ohne Artefakte ließ sich der HDMI-Adapter am selben Monitor mit Opensuse Tumbleweed und dem KDE-Plasma-Desktop nutzen. Der Fehler könnte deshalb am Grafiktreiber liegen. Ubuntu 16.10 setzt noch auf die Userspace-Grafikbibliothek Mesa 12.0, die Rolling-Release-Distro Tumbleweed dagegen schon das aktuelle Mesa 13.0.

Außerdem lässt sich die Hardwarebeschleunigung zur Dekodierung von Videos benutzten. Bei H.265-kodierten Inhalten versagt der weitverbreitete VLC-Player jedoch total unerwartet. Es werden sichtbar mehrere Frames verworfen, ganze Szenen nur als eine große Fläche aus Artefakten dargestellt und der Player gibt dann eine Vielzahl von Speicherfehlern auf der Kommandozeile aus. Dieses Fehlerbild tritt auch unter Windows auf. Beheben lässt sich das nur durch einen anderen Player. Die hardwarebeschleunigte Darstellung von H.265-Videos, auch mit 10-Bit-Farbtiefe, ist etwa mit Mpv kein Problem.

Eine USB-C-Buchse und Ärger mit Power Delivery

Asus' Zenbook 3 hat nur eine datenfähige Schnittstelle außen. Ein einsamer USB-Typ-C-Anschluss ist für alles zuständig: Bildausgabe, Ladefunktion und Datenträgerannahme. Ersteres funktioniert im Alternate Mode und das nicht nur am Zenbook, sondern beispielsweise auch am Macbook. Zweiteres funktioniert mit dem Power-Delivery-Standard. Praktischerweise zeigt eine LED neben der Buchse an, ob das Gerät auflädt. Letzteres ist USB mit 5 GBit/s. Ethernet gibt es nicht. Das müsste man als aktives USB-Gerät samt eigenem Treiber einbinden. Ein simpler generischer Adapter existiert nicht.

Asus liefert für die oben genannten Funktionen aber einen Adapter mit, der bei uns einige Probleme aufzeigte. Er macht aus dem einzelnen USB Typ C eine kleine Breakout-Box mit USB Typ C, USB Typ A und HDMI. Die HDMI-Buchse ermöglicht eine Ausgabe mit bis zu 4.096 x 2.160 Pixeln. Die Ausgabe an einem 4K-UHD-Fernseher ist also kein Problem. Zudem arbeitet der HDMI-Adapter im Displayport-Alternate-Mode via USB Typ C, funktioniert also beispielsweise auch an einem Macbook aus dem Jahr 2015 ohne Probleme. HDMI im Alternate Mode wird nicht unterstützt, der Standard ist aber auch noch zu jung. In der Praxis dürfte es ohnehin kaum Unterschiede geben, ob nun HDMI oder Displayport übertragen wird, wenn dahinter ohnehin ein Wandler arbeitet. Nachtrag vom 8. Dezember 2016, 15:21 Uhr: HDMI im Alternate Mode nur die 1.4b-Spezifikation umsetzt, würde unter anderem nativ die Unterstützung höherer Bildraten und HDR entfallen.

Per USB A werden die 5-GBit/s mit anderer Steckerform weitergegeben. Eine Besonderheit betrifft den USB-C-Port am Dongle: Dieser beherrscht nur die Energieübertragung, wie wir verwundert feststellten. Wer also von einem Stick bootet und etwa mit einem USB-C-Stick noch auf weitere Daten zugreifen will, der kann dies mit dem Asus-Dongle schlicht nicht tun. Dafür haben wir einen Belkin-USB-C-Hub verwendet, der zwei USB-Typ-C- und zwei USB-Typ-A-Anschlüsse bereitstellt, aber kein Power Delivery durchlässt. Sprich, das Notebook lässt sich dann nicht mehr aufladen.

Der USB-C-Anschluss am Dongle liefert nur Strom

Die Anschlüsse reichen nicht aus, so dass sich der Anwender nach anderen Adaptern umsehen sollte. Im Auslieferungszustand gibt es beim Laden des Akkus entweder einen USB-A-Port per Dongle oder der Anwender verzichtet auf das Laden. Anzumerken wäre auch, dass das Dongle Power Delivery nur in eine Richtung zulässt. Ein iPhone mit einem USB-C-Lightning-Kabel aufzuladen mit dem Dongle geht nicht. Weder Power-Delivery noch Battery Charge gehen über das Dongle vom Notebook via USB-C heraus. Battery Charge geht aber über USB Typ A. Es versteht sich leider von selbst, dass es nirgends Beschriftungen gibt, was welcher Port eigentlich vollständig leistet.

Beim Aufladen des Notebooks sind uns noch andere Auffälligkeiten begegnet. USB Typ C ist nicht gleich USB Typ C. Es herrscht ein gewisses Chaos. Parallel zu Asus' Zenbook 3 haben wir uns auch einiges an Zubehör kommen lassen, um uns - über ein Jahr nach der Einführung des Macbook - mal anzuschauen, wie die Infrastruktur funktioniert. Die Erwartungen waren hoch und wurden glatt enttäuscht. Vor allem das Laden des Zenbooks lief nicht immer entsprechend der Erwartung.

Wir hatten für Tests mehrere Netzteile zur Verfügung. Das original Asus-Netzteil (45 Watt), je einen Apple-Adapter mit 29 und 61 Watt sowie ein Anker Powerport+-Netzteil (30 Watt) und für unterwegs das Akkupack Powercore (72 Wattstunden, nur maximal 3A@5V), ebenfalls von Anker. Alle Geräte laden per USB Typ C Endgeräte auf. Die Wattwerte beziehen sich auf eine Power-Delivery-Aushandlung über die 20-Volt-Schiene der Netzteile.

So manches Power-Delivery-Netzteil arbeitet nicht mit voller Leistung

Die Anker Power Bank funktionierte beim Zenbook weder direkt noch über den Adapter, obwohl dieses Gerät ohne weiteres ein Macbook aufladen kann - wenn auch sehr langsam. Laut Asus ist das Gerät zu schwach zum Aufladen. Uns wundert aber, dass es das Zenbook selbst dann nicht auflädt, wenn es abgeschaltet ist. Es würde sich zumindest anbieten.

Wir können nur spekulieren, warum das Anker-Akkupack nicht funktioniert. Möglicherweise reicht das Power-Delivery-Profil 1 (10 Watt, 5 Volt, 2 Ampere) dem Zenbook nicht aus. Auf Nachfrage sagte Asus nur allgemein, dass das Akkupack den Anforderungen nicht genüge, teilte uns aber nicht mit, welches Profil (Power Delivery 2.0) das Minimum wäre oder ob das Gerät auch mit den Power-Regeln von Power Delivery 3.0 zusammenarbeitet. Nachtrag vom 8. Dezember 2016, 15:16 Uhr: Das Anker Akkupack arbeitet vermutlich mit USB Type C Current 3A und nicht mit einem Power-Delivery-Profil..

Bei der Nutzung des Macbook-29-Watt-Netzteils versagte die Stromverbindung mit dem Asus-Adapter. Das lässt sich nur nutzen, wenn das Netzteil direkt am Zenbook hängt. Dann allerdings zeigte das Messgerät nur 20 Watt Leistungsaufnahme an. Das spricht dafür, dass das Zenbook in dem Fall nur mit dem Power-Delivery-Profil 2 aufgeladen wird. Das Profil 3 wird nicht genutzt. Warum das so ist, konnte uns auch Asus auf Nachfrage nicht beantworten. Das 61-Watt-Netzteil von Apple hingegen funktionierte besser am Zenbook und funktionierte nach ein paar Einsteckversuchen auch mit dem Asus-Dongle.

Das Dongle selbst führt auch bei den anderen Netzteilen zu einer geringeren Leistungsaufnahme beim Laden des Akkus im Betrieb. Um etwa 5 Watt reduzieren sich die Werte, die wir an der Steckdose gemessen haben, ohne dass wir eine Erklärung haben, auch nicht vom Hersteller. Am besten ist es, das Zenbook direkt aufzuladen. Dann lädt das System offenbar mit dem Profil 3 auf, sprich 3A@12V. Von stärkeren Netzteilen wie dem 61-Watt-Netzteil von Apple profitiert das Zenbook nicht.

Die besten Ergebnisse gibt es, wenn das Zenbook ausgeschaltet geladen wird. Nicht nur, dass das System nicht zusätzlich Energie benötigt, auch die Netzteile arbeiteten grundsätzlich mit höheren Werten. Das Asus-Netzteil nimmt dann über 40 Watt aus der Steckdose auf. Asus selbst gibt an, dass das Netzteil 2,25A@20V schafft, was Teil des Profils 4 wäre und eigentlich eher den Power-Regeln von Power Delivery 3.0 entspricht. Allerdings haben wir schon länger das Gefühl, dass die Hersteller sich nicht so recht an Standards halten wollen oder können.

Das Asus-Zubehör funktioniert am Macbook besser

Das seltsame Verhalten ist aber anscheinend dem Zenbook geschuldet. Beim Macbook funktionierten alle Verbindungskombinationen zum Laden. Und das auch mit dem Asus-Adapter, der beim Zenbook manchmal versagt. Beim Macbook zeigte sich zudem ein konstanteres Bild beim Asus- und Anker-Netzteil. Egal ob mit oder ohne Adapter: Beide Netzteile zeigten zwischen 32 und 33 Watt Leistungsaufnahme an. Nur das Apple-Netzteil des Macbook wollte mit dem Asus-Dongle nicht mit voller Leistung laden. Hier waren es nur 23 Watt statt 32 Watt ohne Adapter.

Für den Kunden ist die Situation ärgerlich. Er weiß nicht, ob ein USB-C-Netzteil eines Kollegen oder Freundes funktioniert und wenn es funktioniert, wie gut. Es kann für den Besitzer nicht schaden, sich mit dem optionalen USB-Power-Delivery-Standard auseinanderzusetzen. Der Endkunde wird sonst jedenfalls Schwierigkeiten haben die Möglichkeiten und Einschränkungen über den USB-Typ-C-Stecker zu verstehen. Den Schuldigen auszumachen ist allerdings nicht möglich. Und der Adapter löst das Problem nicht optimal.

Gute Akkulaufzeit und M-Sata-SSD mit Bloatware-Manager

Leistungstechnisch haben wir uns vor allem auf einige Eckpunkte konzentriert, die in der Praxis relevant sind. Die Akkulaufzeit des sehr leichten Notebooks ist trotz des Prozessors sehr gut. Um herauszufinden, was der Anwender als minimale Akkulaufzeit hat, haben wir das System mit der X-Plane-11-Beta unter Volllast gesetzt. Sprich, sowohl CPU als auch GPU belasten den Akku, der Lüfter dreht auf Hochtouren und das Display ist bei voller Helligkeit im Einsatz. Wir kamen dabei auf sehr gute 1:55 Stunden - und das wohlgemerkt mit einem Notebook unter einem Kilogramm und einem 40-Wattstunden-Akku bei einem Core i7-7500U.

In der alltäglichen Praxis heißt das, dass wir ohne weiteres zwischen sechs und sieben Stunden das Notebook benutzen können. Die Strommessungen am Netzteil bei vollem Akku bestätigen diese Werte, auch wenn die Effizienz des Netzteils bei der Messung eine Rolle spielt. Die Leistungsaufnahme liegt bei 20 Watt bei Volllast und maximaler Displayhelligkeit und bei 4,2 bis 7,2 Watt beim Nichtstun in Abhängigkeit von der Displayhelligkeit. Wer im Dunkeln arbeitet und nur etwas tippt, der kann also durchaus 9 Stunden arbeiten.

Das Display selbst kann sehr hell werden. Wir haben zwischen 300 (links unten) über 330 (Mitte) bis hin zu 342 (Mitte oben) Candela pro Quadratmeter gemessen. Die Abweichung ist damit relativ stark, allerdings nicht so stark, dass sie im normalen Betrieb auffällt. Das Gerät ist im Schnitt etwas dunkler als das Macbook 2015, das bei uns noch immer Werte zwischen 320 und 340 cd/qm erreicht. Während objektiv die Helligkeit damit fast identisch ist, ist der subjektive Eindruck des Asus-Notebooks anders. So dachten wir beim Draufsehen erst, dass das Zenbook deutlich heller sei, was aber an dem leicht kühleren Display zu liegen scheint und tatsächlich nur für die obere Mitte gilt. Subjektiv schlechter ist die Entspiegelung des Spiegeldisplays beim Zenbook, wobei auch das Macbook im Vergleich zu einem mattem Display nicht ideal ist.

Full HD lässt sich gut nutzen

Das Display selbst hat eine gute Farbdarstellung und die Helligkeit ist ausreichend, um in einem hellen Büro zu arbeiten. Zudem ist das Display durch die hohe Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln sehr scharf. Asus stellt standardseitig die Skalierung auf 125 Prozent. Da selbst Microsoft mit Windows 10 noch nicht das gesamte Betriebssystem auf die Skalierung umgebaut hat, empfiehlt es sich mitunter, die Auflösung ohne Skalierung zu verwenden. Dann wirkt auch der Windows-Geräte-Manager nicht seltsam unscharf neben den modernen Teilen des Betriebssystems. Unserer Meinung nach lässt sich ganz gut mit 1.920 x 1.080 Pixeln unter Windows bei einem 12,5-Zoll-Display arbeiten.

Rein von der Leistung ist das Zenbook in fast allen Bereichen ausreichend dimensioniert. Eine Ausnahme ist das Spielen, was aber sicherlich nicht der Einsatzzweck dieses Notebooks ist. Die X-Plane-11-Beta läuft jedenfalls nur ruckelig. Beim normalen Arbeiten entfallen die gelegentlichen Aussetzer des Systems, die wir mit Core-M-Systemen kennen. Die Arbeit ist durchweg flüssig. Etwas seltsam mutet allerdings die SSD an. Mit 512 GByte ist sie ausreichend groß. Allerdings ist die verbaute HFS512g39mnd-3510a von SK Hynix im M.2-Format nur per SATA mit 6 GBit/s angebunden und damit deutlich langsamer als die in Konkurrenz-Notebooks verbauten PCIe-NVMe-SSDs. Im Crystal Disk Mark erreicht sie vergleichsweise langsame 483 MByte/s im Schreiben und 553 MByte/s beim Lesen. Allerdings soll es laut Asus bald Varianten mit PCIe-SSDs geben. Bei einem Gerät mit einem Startpreis von rund 1.500 Euro ist eine SATA-SSD allerdings nicht zeitgemäß.

Belastend ist zudem der Einsatz der Bloatware. Nicht unbedingt kapazitätsseitig. Dem Nutzer stehen nach Windows-Einrichtung und beibehaltener Recovery-Partition noch rund 440 GByte zur Verfügung. Das ist genug Platz für die viele Bloatware. Neben der Asus-Software ist noch Dropbox, Evernote, Foxit PhantomPDF, WPS Office, McAffee Anti-Virus und noch zahlreiche andere Software vorinstalliert. Da wunderten wir uns schon.

Um noch eins draufzusetzen, gibt es einen Bloatware-Manager, den Asus Giftbox (Geschenkbox) nennt. Die Software ist durchaus Gift für das System. Asus empfiehlt beispielsweise die Installation eines zweiten Virenscanners von Avast. In Verbindung mit der recht langsamen SSD ist das eine ziemlich schlechte Idee. Jedenfalls empfiehlt Asus noch die Installation von ein paar Dutzend weiterer Anwendungen. Zudem startet der Bloatware-Manager nach jedem Booten, wenn der Anwender das nicht abschaltet. So etwas muss wirklich nicht sein. Insbesondere bei einem 1.500-Euro-Notebook.

Fazit und Verfügbarkeit des Zenbook 3

Das Zenbook 3 ist ist bereits im Handel verfügbar. Mit einem Core i5-7200U kostet das System offiziell rund 1.500 Euro. Die Straßenpreise sind aber bereits etwas niedriger. Unser Testmuster mit dem Core i7-7500U kostet rund 1.600 Euro. Neben dem Dongle liegt dem Notebook auch eine Schutztasche bei.

Fazit

Eigentlich ist das Zenbook 3 ein schönes Gerät, bei dem es Asus gelungen ist, einen leistungsstarken Prozessor in ein sehr dünnes Gehäuse zu integrieren. Durch das geringe Gewicht wäre das System der ideale Begleiter für das Arbeiten unterwegs. Die schlechte Lüftersteuerung macht das aber zunichte. Dass die Lüfter nahezu immer zu hören sind, selbst an kalten Wintertagen, nervt in fast allen Situationen. Ein etwas ruhigeres Video zu genießen, ist unmöglich, obwohl die Lautsprecher für die sehr kleine Konstruktion recht gut sind - allerdings nur in mittleren Lautstärken, und dann hört der Anwender den Lüfter.

Dass Asus für ein 1.500-Euro-Notebook ziemlich viel Zusatzsoftware installiert, stört ebenfalls den Gesamteindruck. Wer sich das Notebook kauft, sollte sie lieber deinstallieren und die Software-Geschenke-Box von Asus auch gleich aus dem Autostart entfernen.

Wer sich nicht an dem Lüfter stört, weil er etwa in Büroumgebungen arbeitet, in denen viel gesprochen wird, weil beispielsweise häufig an Treffen teilgenommen wird, findet gefallen an dem Zenbook. Auch wer es überwiegend bei Flug- und Bahnreisen benutzt, wo es ohnehin Hintergrundgeräusche gibt, der bekommt ein gutes, für die Größe leistungsstarkes Notebook mit soliden Akkulaufzeiten.

In diesen Bereichen ist es Asus gelungen, ein Notebook zu schaffen, das dem Vorbild des Macbook durchaus gerecht wird. Wir würden uns dennoch eine Variante wünschen, die mit einem schwächeren Intel-Prozessor ausgestattet ist und damit auf eine aktive Kühlung verzichten könnte. Im Alltag reicht ein Core M/Y-Prozessor von Intel durchaus.  (ase)


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