Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/linux-distribution-fedora-25-erscheint-mit-wayland-als-standard-1611-124632.html    Veröffentlicht: 22.11.2016 15:53    Kurz-URL: https://glm.io/124632

Linux-Distribution

Fedora 25 erscheint mit Wayland als Standard

Als erste große Linux-Distribution verabschiedet sich Fedora in Version 25 von X11 und nutzt Wayland als Standard. Außerdem hat das Team versucht, teils mehrere Jahre alte Probleme nutzerfreundlich zu lösen - dazu gehört auch der MP3-Support.

Wie üblich, enthält auch die Version 25 von Fedora neue Technik, die sich in den Veröffentlichungen der anderen großen Linux-Distributionen so noch nicht finden lässt. Das Entwicklerteam beschränkt sich dabei allerdings nicht nur auf die üblichen Paketaktualisierungen, sondern verwendet Neuerungen, die teils seit mehreren Jahren in der Umsetzung sind und entsprechend alte Probleme lösen sollen. Die wichtigste Neuerung ist der Wechsel vom veralteten X11-Fenstersystem zu Wayland als Standard für Nutzer.

Geplant war der Wechsel auf Wayland, das erstmals vor acht Jahren als Prototyp erschien, bereits für die Version 24 von Fedora. Wegen einiger noch bestehender Probleme, und vor allem wegen noch fehlender Funktionen im Vergleich zu dem bisher verwendeten X11, musste das jedoch verschoben werden. Nun ist sich das Team aber sicher, den designierten X11-Nachfolger einer großen Nutzergruppe standardmäßig bereitzustellen.

Bereits mit der vorherigen Version war die Verwendung von Wayland sehr einfach, da diese Möglichkeit im Anmeldebildschirm zur Verwendung ausgewählt werden konnte. Nun ist also Wayland vorausgewählt und Nutzer, die auf X11 noch nicht verzichten können, müssen dieses explizit bei der Anmeldung auswählen.

Gnome 3.22 ermöglicht Wayland und Flatpak-Nutzung

Möglich wird die Verwendung von Wayland in Fedora 25 vor allem dank der Neuerungen des Standard-Desktops Gnome 3.22, der nun etwa Wacom-Grafiktablets und die virtuelle Tastatur von Gnome auch mit der neuen Display-Architektur unterstützt. Ebenfalls bereits in Fedora 24 nutzbar war das neue Paketformat Flatpak. Dank Neuerungen in Gnome ist dies aber in der aktuellen Fedora-Version standardmäßig installiert und kann einfach genutzt werden.

So ist das zugrundeliegende GUI-Toolkit GTK+ 3.22 um Flatpak Portals erweitert worden. Das ist eine Sammlung von APIs, die es einem Flatpak ermöglichen, aus seiner Sandbox heraus beim Hostsystem um Ressourcen wie das Öffnen einer Datei oder den Netzwerkstatus anzufragen.

Gnome 3.22 hat die Handhabung von Flatpak in seinem Software-Store um einige Funktionen erweitert, die bisher der Kommandozeile vorbehalten waren. So können nun Flatpak-Repositories im Modul Software eingebunden und Flatpaks darin gesucht und installiert werden. Zudem können weitere Informationen, wie etwa der Sandbox-Status eines Flatpaks, angezeigt werden.

Ziel von Flatpak ist es, eine Möglichkeit zur Verteilung von Linux-Software zu schaffen, die unabhängig von den Eigenheiten der einzelnen Distributionen ist, allen voran natürlich dem Paketsystem auf Basis von Deb und RPM. Insbesondere externe Anbieter von Software scheiterten in den vergangen Jahrzehnten immer wieder daran, ihre Software in den Paketquellen der Distribution bereitzustellen oder zu aktualisieren. Immerhin unterscheiden sich die Produktzyklen der Anwendungen teils sehr deutlich von denen der Distributionen.

Flatpak kann in verschiedenen Distributionen genutzt werden und steht klar in Konkurrenz zu Snappy, das von Ubuntu-Sponsor Canonical erstellt wird. Immerhin versuchen beide Projekte durch ähnliche Ansätze dasselbe Problem zu lösen. Ob sich eine der beiden Anwendungen langfristig durchsetzt oder diese Teilung erhalten bleibt, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen.

Einfach MP3 hören und Hybridgrafik nutzen

Eine große und eher irritierend erscheinende Neuerung ist, dass Fedora 25 nun MP3-Dateien abspielen kann. Nutzer mussten dazu bisher umständlich einen entsprechenden Decoder aus einer speziellen Paketquelle installieren. Das ist nun aber einfach über das Standard-Repository aus der Gnome Software heraus möglich, oder über ein Plugin aus einer Multimedia-Anwendung heraus, das den Codec nachinstalliert, wie der Entwickler Christian Schaller in seinem Blog schreibt.

Dass der MP3-Codec bisher nicht in Fedora zur Verfügung stand, liegt an dessen Patenten und den damit verbundenen eventuellen Lizenzzahlungen, oder möglichen rechtlichen Konsequenzen, falls die Lizenzen nicht bezahlt werden. Der Schutz für die meisten MP3-Patente lief jedoch im vergangenen Jahr aus, so dass die Integration in Fedora nun wohl ohne rechtliche Probleme möglich sein dürfte.

Die Unterstützung beläuft sich nur auf das Abspielen der Dateien, nicht aber auf das Encoding. Die anderen großen Distributionen pflegen die Software zur Unterstützung patentbehafteter Codecs in externen Paketquellen, die durch die unabhängigen Communitys betreut werden. Auch bei Fedora war das bisher der Fall. Der MP3-Standard ist im Jahr 1993 erschienen.

Unterstützung für Hybridgrafik

Ebenso schon einige Jahre her, wenn auch deutlich weniger als die MP3-Standardisierung, ist der fast schon legendäre Stinkefinger von Linux-Erfinder Linus Torvalds für den Grafikkartenhersteller Nvidia. Torvalds kritisierte Nvidia damals mit harschen Worten für die mangelnde Treiberunterstützung der sogenannten Optimus-Technologie, bei der zusätzlich zu einer auf dem CPU-Chip integrierten GPU eine zweite aber leistungsfähigere GPU zum Einsatz kommt.

Der Red-Hat-Entwickler Hans de Goede hat im Sommer dieses Jahres bekanntgegeben, die letzten noch verbliebenen Probleme zur Unterstützung dieser Hybridgrafiklösung umzusetzen. Noch können diese Funktionen aber nicht unter Wayland, sondern nur unter X11, genutzt werden. Zur einfachen Verwendung der Funktion ist ein Gnome-Menü entstanden, das es ermöglicht, bestimmte Programme auf der dezidierten Grafikkarte statt auf der integrierten GPU auszuführen.

Erstmals Rust enthalten

Neu in Fedora 25 ist die Unterstützung für die Systemprogrammiersprache Rust, die ursprünglich als Hobbyprojekt eines Mozilla-Angestellten anfing und mittlerweile von Mozilla mit Hilfe der Community erstellt wird. Teile des Firefox-Browsers nutzen bereits Rust. Die aktuelle Fedora-Version enthält einen Rust-Compiler sowie das dazugehörige Build-System Cargo.

Webentwicklern steht nun darüber hinaus Ruby on Rails 5.0 bereit, sowie PHP 7 und die aktuelle Version 6 von Node.js. Basis für Fedora 25 bildet Linux 4.8, das vor wenigen Wochen erschienene Mesa 13.0 wird wohl demnächst als Update nachgeliefert.

Weitere Neuerung finden sich in den Release-Notes sowie in der Ankündigung durch Fedora-Projektleiter Matthew Miller. Fedora 25 steht in verschiedenen Varianten zum Download bereit.  (sg)


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