Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kaufberatung-die-richtige-cpu-und-grafikkarte-1612-124582.html    Veröffentlicht: 07.12.2016 11:59    Kurz-URL: https://glm.io/124582

Kaufberatung

Die richtige CPU und Grafikkarte

Auch 2016 sind wieder allerhand Prozessoren und Grafikkarten erschienen. Unsere Kaufberatung ist Rückblick, Überblick und Ausblick zugleich. So viel sei gesagt: Wer eine Oberklasse-CPU kaufen will, sollte bis Januar warten.

Weihnachten naht - und damit für viele Nutzer der Zeitpunkt, sich zu informieren, ob und wie sie ihren Computer aufrüsten oder neu zusammenstellen könnten. Mit Blick auf die Spiele, die im Herbst veröffentlicht wurden, sowie die zwei VR-Plattformen HTC Vive und Oculus Rift ist der Jahreswechsel eine gute Gelegenheit, eine Grafikkarte oder einen Prozessor zu kaufen. Unsere Empfehlungen legen den Fokus auf Consumer-Desktop-Systeme; Notebook- und Workstation-Komponenten erwähnen wir der Vollständigkeit halber.

Zunächst ein Schnelldurchlauf: das Hardware-Jahr 2016. Das Jahr startete mit der Consumer Electronics Show (CES) im Januar in Las Vegas: Oculus VR kündigte das Rift-VR-Headset für 700 Euro an, AMD sprach zum ersten Mal über seine Grafikkartenfamilie mit dem Codenamen Polaris und den 14-nm-FinFET-Herstellungsprozess. Ein paar Wochen später verabschiedete das Jedec-Gremium den neuen GDDR5X-Speicherstandard, und Samsung kündigte an, 4-GByte-Stacks von High Bandwidth Memory zu produzieren.

Im Februar verkündete HTC, dass das Vive-VR-Headset für 900 Euro erhältlich sein werde - ein paar Wochen später testeten wir bereits das Oculus Rift. Keine Hardware, dennoch wichtig: Das Industriekonsortium Khronos Group veröffentlichte die Spezifikationen des Low-Level-APIs Vulkan, was von Spielen wie Doom genutzt wird. Im März schauten wir uns den Athlon X4 845 genauer an, Intel stellte die Xeon E5 v4 alias Broadwell-EP vor und AMD die Radeon Pro Duo. Nvidia nutzte seine Hausmesse GTC im April, um über den GP100-Grafikchip zu sprechen, der HBM2 verwendet und später in den Tesla P100 stecken wird.

Pünktlich zur Computex im Juni in Taiwan veröffentlichte AMD neue Chips für Notebooks (Bristol Ridge sowie Stoney Ridge), obendrein testeten wir mit Intels Core i7-6950X den ersten Zehnkernprozessor für Spieler. Noch im selben Monat folgten der Test der Geforce GTX 1080/1070 und der Test der Radeon RX 480. Nvidia konterte mit der Geforce GTX 1060, AMD rundete sein Portfolio mit der Radeon RX 470 und der Radeon RX 460 ab.

Die bis heute schnellste Grafikkarte ist allerdings die Titan X mit Pascal-Technik, die Nvidia seit August für 1.300 Euro verkauft. Das Anniversary Update für Windows 10 erschien im selben Monat, es wird für einige Spiele wie Gears of War 4 vorausgesetzt.

Ende August gab AMD einen Ausblick auf Summit Ridge, High-End-CPUs mit bis zu acht Kernen, und sprach über die Zen-Mikroarchitektur. Derweil war bei Nvidias Geforce GTX 1060 mit 3 GByte Videospeicher Vorsicht angesagt, denn hohe Schatten- und Texturdetails verursachten starke Ruckler.

Intel veröffentlichte auf dem IDF die ersten Chips der Kaby-Lake-Reihe, allerdings einzig die Modelle für Mini-PCs und Ultrabooks. AMD hingegen lieferte Prozessoren vom Typ Bristol Ridge mit DDR4-Speicher für den Sockel AM4 an Komplett-PC-Hersteller und stattete Apples Macbook Pro mit Radeons aus. Auch in der Playstation 4 Pro steckt Technik von AMD, gleiches gilt für Microsofts Xbox One S.

Die bisher jüngste Hardwareneuerung für 2016 ist die Geforce GTX 1050 Ti, womit wir zu den Empfehlungen für Grafikkarten kommen.

Schon 200-Euro-Karten sind flott

Wie schon 2015 gilt: Eine dedizierte Grafikkarte ist selbst für Spiele nicht zwingend notwendig. Nahezu alle Einsteiger- und Mittelklasseprozessoren von AMD und Intel verfügen über eine integrierte GPU. Für aktuelle Titel brauchbar sind allerdings nur AMDs Radeon-Modelle: Zu den empfehlenswerten Produkten gehören der A10-7800 mit Radeon R7 und 65 Watt für 90 Euro. Der Aufpreis zum A10-7880K (125 Euro) oder A10-7890K (150 Euro) lohnt angesichts des geringen Leistungszuwachses von rund zehn Prozent nicht.

In diesem Fall ist es sinnvoller, eine dedizierte Grafikkarte wie die Geforce GT 740 oder Radeon R7 250 (mit GDDR5-Videospeicher) zu kaufen und sie mit einem Prozessor wie AMDs Athlon X4 845 für 60 Euro zu kombinieren. Die DDR3-Versionen der beiden Pixelbeschleuniger sind drastisch langsamer als ihre GDDR5-Pendants und sollten daher nicht gekauft werden. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, greift gleich für 120 Euro bei AMDs Radeon RX 460 oder Nvidias Geforce GTX 1050 mit jeweils 2 GByte Videospeicher zu. Anders als die Geforce gibt es die Radeon für einen kleinen Aufpreis auch mit 4 GByte, was höhere Schatten- und Textureinstellungen ermöglicht.

Wie üblich in diesem Leistungssegment bedeuten bereits ein paar Euro mehr ein deutliches Leistungsplus - in diesem Fall durch Nvidias Geforce GTX 1050 Ti mit 4 GByte. Diese ist ab 150 Euro erhältlich und rund ein Drittel flotter als die Radeon RX 460. In aktuellen Spielen in 1080p-Auflösung und mit hohen bis maximalen Details erreicht die Nvidia-Karte durchweg 40 bis 60 Bilder pro Sekunde. Seitens AMDs existiert in dieser Preisklasse keine direkte Konkurrenz, denn die Radeon RX 470 (4 GByte) startet bei rund 190 Euro und ist etwa ein Drittel schneller.

Uninteressant ist die 8-GByte-Version der Radeon RX 470, da diese mindestens 240 Euro kostet. Für etwa 210 Euro verkaufen Nvidias Partner die Geforce GTX 1060 mit 3 GByte, die wir aber nicht empfehlen. Zu viele Titel belegen mehr Videospeicher, was angesichts der Rechenleistung verschenkte Grafik ist. Auch die Radeon RX 480 mit 4 GByte gilt es zu ignorieren, stattdessen raten wir zum 8-GByte-Modell. Das beginnt bei etwa 250 Euro und ist je nach Variante etwa 15 bis 20 Prozent flotter als eine Radeon RX 470.

Ab 300 Euro sind nur Nvidia-Karten empfehlenswert

Noch mal ein bisschen schneller ist die Geforce GTX 1060 mit 6 GByte, die ab etwa 270 Euro verkauft wird. Ob die Nvidia-Karte der Radeon RX 480 vorgezogen wird, ist unserer Ansicht nach Geschmackssache: Die Geforce benötigt weniger Energie, sehr leise Modelle gibt es aber auch von der Radeon. Tendenziell hat AMD leichte Vorteile bei D3D12-Spielen und mit Relive steht ein mächtiges Tool für Let's Player bereit, das erst kürzlich vorgestellt wurde.

Wer knapp 430 Euro investieren will, kann zu Nvidias Geforce GTX 1070 greifen - die erreicht mehr als doppelt so viele Bilder pro Sekunde wie eine Geforce GTX 1050 Ti. Noch einmal 20 Prozent obendrauf packt die Geforce GTX 1080, übertaktete Modelle bis zu 30 Prozent. Die kosten dann aber auch 650 bis 700 Euro. Die derzeit schnellste Karte ist die Titan X, die Nvidia über seinen Webshop für 1.300 Euro anbietet. AMD hat oberhalb der Radeon RX 480 auf absehbare Zeit keine empfehlenswerte Karte im Portfolio.

Bei den Prozessoren hält der Hersteller auch nur bis zu Mittelklasse mit, dominiert dafür aber in den tieferen Preissegmenten.

Mehr als vier CPU-Kerne sinnvoll

Für Mamas Schreibmaschine reicht ein Mainboard mit aufgelötetem Atom-Chip und 4 GByte Arbeitsspeicher zwar aus. Wir empfehlen jedoch, für ein paar Euro mehr gleich einen Celeron G3900 mit Skylake-Architektur zu kaufen, dieser kostet unter 40 Euro. Ein höher taktender Pentium G4400 kostet 55 Euro - mit zwei Kernen starten aber diverse Spiele nicht mehr oder ruckeln stark. Stattdessen empfiehlt sich ein Athlon X4 845 mit vier Kernen für 60 Euro, der AMDs aktuelle Excavator-CPU-Architektur nutzt.

Da heutige Software, auch Spiele, mehr als vier Kerne nutzt, ist AMDs FX-6300 für 90 Euro einen Blick wert. Der etwas höher taktende FX-6350 kostet 110 Euro, weshalb wir den FX-8300 mit acht Integer-Kernen für denselben Preis als sinnvoller erachten. Intel bietet in diesem Preissegment einzig Core-i3-Chips mit zwei Kernen und Hyperthreading an, was nicht mehr zeitgemäß ist.

Generell sind die Anforderungen von Spielen an die CPU in den vergangenen Monaten kaum gestiegen, im Gegenteil: Diverse aktuelle Titel wie Battlefield 1, Civilization 6, Gears of War 4, Hitman oder Rise of the Tomb Raider nutzen die neue Direct3D-12- oder die Vulkan-Grafikschnittstelle und verringern so die Prozessoranforderungen. Unterstützt ein Spiel eines der beiden APIs, reicht schon eine Mittelklasse-CPU für meist über 60 Bilder pro Sekunde.

Oberhalb von 150 Euro führt AMD momentan keine Consumer-Prozessoren und Intel bis 200 Euro keine, die wir empfehlen würden. Ab 200 Euro ist dann der Core i5-6500 mit vier Skylake-Kernen und 3,2 bis 3,6 GHz eine Empfehlung wert. Der kaum günstigere Core i5-6400 für 180 Euro taktet mit 2,7 bis 3,3 GHz - das rentiert sich nicht. Übertakter greifen zum Core i5-6600K mit offenem Multiplikator und 3,5 bis 3,9 GHz - Overclocking per Baseclock unterbindet Intel. Der einstige Tipp, einen Xeon E3-1300 v5 zu kaufen, gilt nur noch eingeschränkt: Die Chips laufen einzig auf C232/C236-Boards.

Intel mit acht Threads kostet mindestens 300 Euro

Wer vier Kerne und Hyperthreading braucht, muss zum Core i7-6700 für 310 Euro greifen oder investiert 350 Euro in den kaum flotteren Core i7-6700K mit offenem Multiplikator. Noch mehr Leistung weist der Core i7-6800K mit sechs Kernen auf, der 450-Euro-Chip erfordert aber ein teures Sockel-2011-3-Mainboard statt einer LGA-1151-Platine. Der Core i7-6850K für 650 Euro lohnt, wenn die 40 statt 28 PCIe-3.0-Lanes erforderlich sind. Die zusätzlichen 200 MHz bei ebenfalls sechs Kernen fallen nämlich nicht ins Gewicht.

Für Workstations oder Spieler, bei denen Geld keine Rolle spielt, hat Intel den Core i7-6900K mit acht Kernen für 1.100 Euro und den Core i7-6950X für 1.700 Euro im Angebot. Dank neuer Turbo-v3-Technik überholen beide Chips in Games den günstigeren Core i7-6700K. Kommendes Jahr wird sich bei Intel im CPU-Segment vorerst wenig ändern, sehr viel aber bei AMD.

2017: Kaby Lake, Vega und Zen

Für Januar 2017 plant Intel die Kaby Lake (S): Die 15-Watt-Versionen gibt es seit Herbst 2016, es folgen die Desktop-Ableger und die Notebook-Pendants. Das Topmodell, der Core i7-7700K, ist nach aktuellem Stand wenig flotter als der Core i7-6700K, und der neue Z270-Chipsatz mit 24 statt 20 PCIe-Lanes auch kein zwingender Kaufgrund. Spannend wird es später im Jahr mit Kaby Lake X für den Sockel 2066. Das sollen besonders hoch taktende CPUs sein, die sich mit Skylake-X mit bis zu zehn Kernen dieselbe Plattform teilen.

AMD wiederum will im ersten Quartal 2017 eine neue Prozessorgeneration auf Basis der Zen-Architektur vorstellen: Die als Summit Ridge bezeichneten Chips mit bis zu acht Kernen sollen sich bei gleichem Takt mit CPUs wie dem Core i7-6900K messen können, dabei aber sparsamer sein. Für Summit Ridge ist der Sockel AM4 mit DDR4-Arbeitsspeicher notwendig, passende Platinen dürfte es auf der Consumer Electronics Show im Januar 2017 bereits zu sehen geben. Die Fassung AM4 eignet sich obendrein für Bristol Ridge, das sind APUs mit zwei Excavator-Modulen und integrierter Grafikeinheit.

Entsprechend der Leistung könnte AMD die Summit Ridge für 300 bis 500 Euro anbieten. Wer also eine CPU mit mehr als vier Kernen bevorzugt, kann entweder schon bei Intels hochpreisigen Chips zuschlagen oder wartet, was AMD im Angebot hat. Noch sind Fragen offen, etwa zur Anzahl der PCIe-Lanes, und wie schnell die Prozessoren sich in unabhängigen Benchmarks schlagen. Der von AMD gezeigte Vergleich mit dem populären Renderprogramm Blender gibt zwar einen groben (Gleitkomma-) Richtwert vor, deckt aber nur einen Bruchteil der Software ab, die am Markt erhältlich ist.

Volta vs Vega

Im Grafiksegment hat Nvidia sein Pascal-Portfolio von der Geforce GTX 1050 bis zur Titan X nahezu vollständig im Handel. Für 2017 wird noch eine Geforce GTX 1080 Ti erwartet, die jedoch mit einem vermuteten Preis von über 800 Euro nur wenige Nutzer ansprechen dürfte. Im Laufe des Jahres könnten die ersten Modelle mit Volta-Architektur erscheinen, konkrete Details zu dieser Nvidia-Generation stehen allerdings aus. Wir vermuten, dass es vor der IT-Messe Computex im Juni keine Informationen zu Endkundenkarten geben wird.

Etwas offener dürfte sich AMD zu Modellen mit Vega-Architektur geben, wohl schon auf der Unterhaltungselektronikmesse CES zu Jahresbeginn 2017. Laut Hersteller wird High Bandwidth Memory verwendet, genauer HMB2. Die beiden Chips namens Vega 10 und Vega 11 werden oberhalb der Radeon RX 480 positioniert, AMD greift also Nvidias Oberklasse an. Wie die Spezifikationen der Grafikkarten aussehen, wann sie erscheinen, und wie viel sie kosten - darüber berichten wir, wenn es soweit ist.  (ms)


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