Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/htc-10-evo-im-kurztest-htcs-eigenwillige-evolution-1611-124570.html    Veröffentlicht: 22.11.2016 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/124570

HTC 10 Evo im Kurztest

HTCs eigenwillige Evolution

Mit dem 10 Evo bringt HTC ein neues Android-Smartphone im Oberklassebereich in Deutschland auf den Markt. Eine Evolution ist das Gerät trotz des Namens nicht. Im Grunde handelt es sich um eine Variante des HTC 10 - mit einer interessanten, aber folgenschweren Prozessorwahl.

HTC bringt sein in den USA unter dem Namen Bolt gestartetes Android-Smartphone als HTC 10 Evo auch in Deutschland in den Handel. Das 10 Evo stellt eine Variante des im April 2016 vorgestellten HTC 10 dar, was besonders an der Formsprache bemerkbar ist. Golem.de konnte sich das neue Modell in einem ersten Kurztest anschauen.

Das 10 Evo hat ein Gehäuse aus Metall, das wie beim normalen 10 auffällig an den Kanten der Rückseite abgefräst ist. Anders als das 10 hat das 10 Evo allerdings keine gebogene Rückseite, es liegt dennoch sehr gut in der Hand. Die Verarbeitung ist wie von HTC gewohnt sehr gut, das Gehäuse ist außerdem nach IP57 vor Staub und Wasser geschützt - anders als beim normalen 10. Das 10 Evo hat zudem, anders als das normale 10, nur einen Lautsprecher.


Der taiwanische Hersteller hat bei seinem neuen Gerät übrigens, wie Apple und Motorola, auf einen Klinkenanschluss für Kopfhörer verzichtet. Stattdessen werden die mitgelieferten Kopfhörer per USB-C-Anschluss mit dem Smartphone verbunden. Anders als etwa beim Moto Z wirkt sich der fehlende Kopfhöreranschluss nicht positiv auf die Dicke des Smartphones aus. Wie beim HTC 10 können Nutzer den Klang an ihr Ohr anpassen, beim 10 Evo geschieht das mit den mitgelieferten Ohrsteckern sogar automatisch. Einen Adapter für Klinkenkopfhörer liefert HTC leider nicht mit, diesen müssen sich Käufer selber besorgen.

5,5-Zoll-Display mit hoher Auflösung

Das Super-LC-Display des 10 Evo hat zwar mit 2.560 x 1.440 Pixeln die gleiche Auflösung wie das Display des HTC 10, der Bildschirm ist allerdings mit 5,5 Zoll um 0,3 Zoll in der Diagonale größer. Die Pixeldichte ist mit 534 ppi sehr hoch, entsprechend scharf werden Bildschirminhalte angezeigt. Farben werden angenehm neutral dargestellt, allerdings verliert die Helligkeit bei seitlicher Betrachtung merklich an Stärke.

HTC hat sich beim 10 Evo für Qualcomms Snapdragon 810 als Prozessor entschieden. Der Grund ist die immer noch gute Rechenleistung sowie die Stärke der Grafikeinheit; verglichen mit aktuellen gehobenen Mittelklasse-Chips wie dem Snapdragon 652 schneidet der 810er tatsächlich immer noch gut ab - auch im 10 Evo, wo er im Geekbench 4 einen Single-Wert von 1.078 Punkten und im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark 25.781 Zähler erreicht.

Zum Vergleich: Das Pixel XL mit seinem Snapdragon 821 schafft im Geekbench 4 einen Single-Wert von 1.544 Punkten und im Icestorm Unlimited 27.991 Punkte. Das ist zwar merklich mehr, allerdings liegen zwischen den beiden Prozessoren auch gut zwei Jahre Entwicklungsabstand. Für alltägliche Aufgaben, sowie auch grafisch aufwendige Spiele, ist der Snapdragon 810 immer noch gut geeignet.

Snapdragon 810 überhitzt auch im 10 Evo

Beim Namen "Snapdragon 810" klingeln aber bei manchem die Alarmglocken: Der Prozessor ist bekannt dafür, schnell zu überhitzen und dadurch die Leistung bereits nach wenigen Minuten merklich zu drosseln. HTC betont im Gespräch mit Golem.de, dass dies beim 10 Evo kein Problem sein soll - unsere Messungen zeigen leider das Gegenteil.


Nach fünfzehnminütiger Dauerbelastung des SoCs sinkt die Leistung drastisch. Im Geekbench 4 erreicht das Smartphone dann nur noch ein Ergebnis von 610 Punkten im Single-Test; das entspricht einem Leistungsverlust von fast 45 Prozent, der sich bereits nach nur 15 Minuten zeigt. HTC schafft es beim 10 Evo nicht, diese Drosselung in den Griff zu bekommen.

Bei der Speicherausstattung unterscheidet sich das 10 Evo vom HTC 10: Der Arbeitsspeicher ist 3 GByte groß, also 1 GByte kleiner als im 10. Der Flash-Speicher ist mit 32 GByte genauso groß - eine Version mit mehr eingebautem Speicher wird es nicht geben. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Das 10 Evo unterstützt Cat6-LTE und WLAN nach 802.11ac, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.

16-Megapixel-Kamera ohne Ultrapixel

Auf der Rückseite des 10 Evo kommt eine 16-Megapixel-Kamera zum Einsatz, die - anders als das 12-Megapixel-Modell des normalen HTC 10 - keine besonders großen von HTC Ultrapixel genannten Sensorpixel hat. Die Kamera hat einen optischen Bildstabilisator, die Anfangsblende beträgt f/2.0. Videos können in 4K-Qualität aufgenommen werden, Zeitlupenaufnahmen mit 120 fps bei 720p-Auflösung. Die Frontkamera hat 8 Megapixel.

Die Bildqualität von Tageslichtaufnahmen wirkt im ersten Eindruck gut, die Fotos haben eine gute Schärfe und stellen feine Strukturen noch recht detailliert dar. Aufnahmen in dunkleren Innenräumen wirken ebenfalls gut, allerdings sind hier merklich mehr Artefakte zu erkennen. Die Kamera-App ist übersichtlich und bietet neben einigen Motivmodi wie einem Panorama-Modus auch einen Pro-Modus. Hier können wir einzelne Aufnahmeparameter manuell einstellen und Bilder im RAW-Format aufnehmen.

Android 7.0 mit Sense-Oberfläche

Ausgeliefert wird das 10 Evo mit Android 7.0 und HTC-eigener Sense-Oberfläche. Wie bereits beim HTC 10 ist diese verglichen mit früheren Versionen merklich abgespeckt: HTC hat auch bei seinem neuen Modell unnötige App-Doppelungen vermieden. So gibt es beispielsweise als Galerie nur Google Fotos und keine extra Galerie-App von HTC. Dadurch wirkt auch das 10 Evo nicht überfrachtet mit unnötigen Apps. Die Sense-Benutzeroberfläche unterscheidet sich ansonsten immer noch merklich von der Standard-GUI von Android. Auch beim 10 Evo wirkt sie allerdings aufgeräumt und übersichtlich.

Der festverbaute Akku hat eine Nennladung von 3.200 mAh und ist per Quickcharge schnellladbar. Anders als beim HTC 10 kommt nicht Quickcharge in der Version 3.0 zum Einsatz, sondern die langsamer ladende Version 2.0. Die Sprechzeit gibt HTC mit 23 Stunden im LTE-Betrieb an - eigenartigerweise sind das vier Stunden weniger als beim normalen HTC 10 mit kleinerem Akku. Eigene Akkulaufzeittests konnten wir noch nicht machen. Der Akku wird über einen USB-Typ-C-Anschluss geladen, der USB 2.0 unterstützt.

Verfügbarkeit und Fazit

Das HTC 10 Evo soll Anfang Dezember 2016 in den Handel kommen und bei Media Markt und Saturn erhältlich sein. Den Preis gibt der Hersteller mit 580 Euro an.

Fazit

Vergleichen wir das 10 Evo mit dem HTC 10, dann fällt es uns schwer, zu erkennen, warum HTC das Gerät auf den Markt bringt. Ja, es ist ein wenig größer als das normale 10 und es ist wasserdicht - diese vom Hersteller als Verkaufsargumente vorgebrachten Punkte reichen uns allerdings nicht aus.


Ohne Frage ist das 10 Evo ein gutes Smartphone: Die Kamera macht gute Bilder, das Display ist hochauflösend und hat eine tolle Farbwiedergabe und die Verarbeitung des Metallgehäuses ist hervorragend. Das trifft allerdings auch auf das normale HTC 10 zu, das zusätzlich in zahlreichen anderen technischen Details besser ausgestattet ist - beispielsweise beim Arbeitsspeicher, dem Schnellladestandard oder auch der lichtempfindlicheren Kamera.

Auch der Prozessor ist beim 10 besser als beim 10 Evo. Der Snapdragon 810 ist auf dem Papier kein schlechtes SoC: Von seiner theoretischen Leistung her ist der Prozessor immer noch für die meisten Nutzungsszenarien ausreichend. Allerdings hat es HTC beim 10 Evo nicht geschafft, das Überhitzungsproblem in den Griff zu bekommen - der Chip verliert dadurch schnell an Leistung.

Die fehlenden herausragenden Merkmale, die stellenweise etwas schlechtere Ausstattung und der "Problem-Prozessor" Snapdragon 810 fallen besonders ins Gewicht, wenn wir den Preis des 10 Evo mit dem des normalen HTC 10 vergleichen. Dieses ist mittlerweile für um die 530 Euro erhältlich, also 50 Euro günstiger als der zu erwartende Startpreis des 10 Evo.

HTCs Einwand, dass die 580 Euro ja nur der Listenpreis sei und das Smartphone günstiger werde, lassen wir nicht gelten: Zu Anfang wird das 10 Evo teurer sein als das normale 10, mit einem plötzlichen Preisrutsch von 50 Euro gleich zu Anfang des Verkaufs rechnen wir nicht. Und selbst bei gleichem Preis würden wir zum HTC 10 raten, besonders wegen des Prozessors.

Es ist HTC natürlich nicht vorzuwerfen, dass sie ein in den USA auf den Markt gebrachtes Smartphone auch in anderen Teilen der Welt verkaufen - insbesondere kurz vor Weihnachten. Allerdings raten wir Interessenten an einem HTC-Smartphone zum Kauf der hauseigenen, günstigeren und besseren Konkurrenz in Form des HTC 10. Wem die Marke egal ist, der findet auch bei der Konkurrenz entsprechende Geräte, etwa bei Samsung oder Oneplus.  (tk)


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