Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazons-echo-im-test-beim-dankesagen-ertappt-1611-124174.html    Veröffentlicht: 02.11.2016 09:07    Kurz-URL: https://glm.io/124174

Amazons Echo im Test

Beim Dankesagen ertappt

Digitale Assistenten in der eigenen Wohnung könnten in einigen Jahren selbstverständlich sein. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Wir haben uns Amazons Echo mit einer frühen Version der deutschen Alexa angeschaut und uns manchmal sogar beim Lautsprecher bedankt.

Er sieht aus wie ein großer Bluetooth-Lautsprecher, ist aber mehr als das. Das Besondere an Amazons Echo ist die Verbindung zu einem digitalen Assistenten. Amazons eigene Entwicklung, Alexa, betritt damit erstmals den deutschen Markt. Das Echo-Gerät soll Anwendern bislang nicht gekannte Interaktionsmöglichkeiten bieten. Es wird komplett mit der Sprache bedient und der Lautsprecher muss nicht angefasst werden. Die Hände sind also frei für andere Aufgaben.

Die Funktionsweise von Alexa ähnelt der anderer digitaler Assistenten von Apple, Google oder Microsoft. Die Sprachbefehle gehen via Internet an die Cloud der jeweiligen Anbieter, um die Befehle in hoher Geschwindigkeit auszuführen und Fragen beantworten zu können. Dementsprechend landen alle Sprachbefehle auf den Servern der jeweiligen Anbieter.



Amazon hat die Gerätekategorie der smarten Lautsprecher erfunden und bringt die Echo-Geräte nach langer Wartezeit nach Deutschland, nachdem sie in den USA bereits seit zwei Jahren verkauft werden. Zunächst gibt es Echo-Geräte hierzulande nur per Einladung und anfangs ist Amazon bei der Verteilung entsprechender Kaufmöglichkeiten sehr zurückhaltend.

Alexa steht in Deutschland ganz am Anfang

Gegenüber der Presse wird das Einladungssystem damit begründet, dass der digitale Assistent noch nicht so weit sei, dass er allgemein angeboten werden könne. Auf der Echo-Produktseite fehlt eine derartige Erklärung. Das Einladungssystem soll dem Anbieter dazu dienen, mehr Erfahrungen mit dem Assistenten zu sammeln und es abhängig davon weiterzuentwickeln. Der Käufer wird also zu einer Art Betatester. Wenn Amazon sein Versprechen hält, wird der digitale Assistent in einigen Monaten deutlich leistungsfähiger sein als jetzt.

Der Echo-Lautsprecher gibt einen Eindruck, welche Möglichkeiten es jetzt schon gibt. Noch ist der frühe Entwicklungsstatus der deutschen Alexa-Version aber deutlich zu erkennen.

Anfängliche Scheu ist schnell verflogen

Bevor Echo in Betrieb gehen kann, muss er mit dem heimischen WLAN verbunden werden. Das ist mit der Alexa-App von Amazon möglich, die es für Android, Fire OS und iOS gibt. Wer bereits Fire-TV-Geräte besitzt, erhält diese in der Alexa-App präsentiert, auch wenn Alexa für die deutschen Modelle nach wie vor nicht verfügbar ist. Das irritiert und macht die Ersteinrichtung unnötig kompliziert.



Damit Echo Befehle entgegennimmt, wird es üblicherweise mit dem Signalwort "Alexa" aktiviert. Alternativ können Echo und Amazon als Signalworte zugewiesen werden. Andere Aktivierungswörter sind nicht möglich. Sobald Echo im Empfangsmodus ist, leuchtet ein auch über große Entfernung gut sichtbarer Leuchtring blau auf. Zudem kann bei Bedarf ein Signalton zugeschaltet werden, sobald der Lautsprecher für Befehle bereit ist. Alternativ kann der Befehlsmodus auch mit einem Knopfdruck aktiviert werden, das ist aber weniger komfortabel. Die Sprachaktivierung selbst kann nicht abgeschaltet werden.

Laut röhrende Dunstabzugshaube stört die Echo-Mikrofone nicht

Der Echo-Lautsprecher hat sieben hochempfindliche Mikrofone und soll besonders gut laute Umgebungsgeräusche herausfiltern können, damit Spracheingaben gut verstanden werden. Wir haben Echo auf die Probe gestellt und den Lautsprecher direkt neben eine auf höchster Stufe röhrende Dunstabzugshaube postiert. Trotz des lauten Umgebungsgeräuschs wurden die Kommandos vom Amazon-Gerät erkannt und umgesetzt.

Auch aus größerer Entfernung versteht Echo gesprochene Befehle meist gut und der gut sichtbare Leuchtring hilft, eine erfolgreiche Aktivierung zu erkennen. Dabei zeigt eine Markierung im Leuchtring auch, aus welcher Richtung ein gesprochener Befehl gekommen ist. Wenn mehrere Personen mit Echo sprechen, ist das hilfreich. Generell ist es nicht erforderlich, sich zum Echo umzudrehen und in die Richtung des Lautsprechers zu reden. Die Ansage kann einfach in den Raum gesprochen werden. Hierbei empfinden wir es hilfreich, einen Signalton ertönen zu lassen, sobald das System Eingaben akzeptiert.

Wir haben uns schnell daran gewöhnt

Am Lautsprecher befindet sich ein Knopf zum Stummschalten der Mikrofone - dann leuchtet der Ring in einem satten Rotton. Die Mikrofonstummschaltung ist nur am Lautsprecher selbst möglich. In der Alexa-App steht keine entsprechende Umschaltung zur Verfügung. Die Echo-Mikrofone können also nicht aus der Ferne vom Nutzer reaktiviert werden.



Beim Ausprobieren scheuten wir uns anfangs, uns mit einer Maschine zu unterhalten. Allerdings gewöhnten wir uns schon nach kurzer Zeit daran. Mit dafür verantwortlich ist die vielfach natürlich klingende Alexa-Sprachausgabe. Sie vermittelt das Gefühl, man führe eine Unterhaltung mit einem anderen Menschen - und das verleitet zu Höflichkeit: Wir haben uns mitunter dabei ertappt, wie wir uns bei Echo für eine Auskunft bedankt haben.

Aber manchmal lag uns eher ein Fluch als ein Danke auf den Lippen.

Noch gibt es Verständigungsschwierigkeiten

Direkt in Alexa und der zugehörigen App sind einige Standardaufgaben enthalten. Dazu gehört die Ansage des Wetterberichts, der sich normalerweise auf den in der App eingestellten Standort bezieht. Dadurch wird dem Nutzer erspart, den Ort mit angeben zu müssen. Die Frage "Alexa, wie wird das Wetter morgen?" führt zu folgender Antwort: "Morgen gibt es in Berlin Wolken mit vereinzelten Schauern mit einer Höchsttemperatur von 8 Grad und von einer Tiefsttemperatur von 0 Grad" Bei Bedarf können aber auch Wetterberichte anderer Städte oder Regionen abgefragt werden. Die Wetterdaten stammen von Accuweather, ein anderer Anbieter ist nicht verfügbar.



Echo soll Nutzern die Planung des Alltags vereinfachen und alltägliche Fragen beantworten. Bei der Beantwortung von Fragen scheint es Glückssache zu sein, ob Alexa eine Antwort findet. Den ersten James-Bond-Film kennt Alexa nicht und wer das Alter von Prominenten erfragt, bekommt dieses unpassenderweise auch samt Monat, Woche oder Tag angesagt. Auf die Frage "Wie alt ist Joachim Gauck?" gibt es die Antwort "Joachim Gauck ist 76 Jahre, 9 Monate und 8 Tage alt."

"Das gehört genau zu den Dingen, die ich nicht weiß"

Ähnliches gilt auch beim Verwenden der Suchmaschine. Hier nutzt Amazon Microsofts Suchmaschine Bing und eine Änderung auf Google ist nicht vorgesehen. Vor allem, wenn Alexa Fragen bekommt, die mit einer Suchmaschine beantwortet werden sollen, bleiben Antworten noch zu oft aus. Dann heißt es: "Das gehört genau zu den Dingen, die ich nicht weiß" oder "Ich weiß nicht, wie ich dir dabei helfen kann".

Gelegentlich konnten wir mit einer Umformulierung der Frage doch noch eine Antwort erhalten. Komfortabel ist das dann aber nicht mehr. Die Alexa-App zeigt viele Anfragen an den Dienst auf dem Startbildschirm an, so dass sich im Nachhinein prüfen lässt, ob etwas falsch verstanden wurde. Allerdings erscheinen hier nicht alle Anfragen, einige sind lediglich im separaten Verlauf zu finden. Warum nicht alle Kommandos auf dem Startbildschirm angezeigt werden, ist unklar. Beim Durchstöbern des Verlaufs erwischten wir Alexa gelegentlich dabei, dass Gesprochenes korrekt verstanden, aber trotzdem falsch umgesetzt wurde.

Brot landet per Zuruf auf der Einkaufsliste

Auch eine Einkaufs-und eine Aufgabenliste sind Bestandteil der Alexa-App und stehen damit auf dem Smartphone zur Verfügung. Wenn wir beim Frühstück bemerken, dass wir gerade die letzte Scheibe Brot gegessen haben, kann Brot per Zuruf auf die Einkaufsliste gesetzt werden. "Alexa, setze Brot auf die Einkaufsliste." genügt bereits. Unmittelbar erscheinen die Einträge auch in der Alexa-App, so dass die Liste unterwegs auf dem Smartphone beim Einkaufen griffbereit ist - eine praktische Funktion. Zudem gibt es eine Anbindung an den Google-Kalender, so dass sich neue Termine anlegen lassen.



Sowohl in der Einkaufsliste als auch in der Aufgabenliste und im Kalender können über Echo keine Einträge gelöscht werden. Wer also etwas von seiner Einkaufsliste entfernen möchte, muss das in der App erledigen. Besser gelöst ist das bei Timern, diese können mit der Sprache aktiviert oder wieder abgebrochen werden. Mit den Worten "Alexa, stelle Timer auf 15 Minuten" ist alles erledigt. Eine Speicherung öfter benötigter Timer ist nicht vorgesehen.

Echo kann auch zur Steuerung von Smart-Home-Komponenten verwendet werden. Dann können Lampen, Heizungen und ähnliches auf Zuruf eingeschaltet werden.

Alexa, mach' das Licht an!

Ein Gerät wie das Echo ist das ideale Gerät zur Steuerung von Smart-Home-Komponenten. Leuchten und ähnliches werden einfach mit ein paar Worten eingeschaltet. Das lästige Aufrufen der richtigen App auf dem Smartphone entfällt. Wir haben mit dem Lautsprecher ausprobiert, wie sich Philips' Hue-Lampen steuern lassen. Die Einrichtung war unkompliziert und alle über die Hue-Bridge eingerichteten Lampen und Szenarien standen dann für Alexa bereit.



Das Umschalten der Leuchten gelang über Echo meist reibungslos. "Alexa, schalte Licht in der Küche ein." ließ den Raum erstrahlen. Aber gelegentlich hatten wir damit zu kämpfen, dass unsere Befehle nicht umgesetzt wurden, weil wir uns nicht genau an die von Alexa vorgegebene Kommandostruktur gehalten haben. Hier muss der Dienst noch flexibler werden und Befehle auch dann verstehen, wenn der Anwender etwas andere Befehlswörter nutzt.

Eine vollständige Steuerung der Hue-Lampen ist über Echo allerdings nicht möglich. Nur Lampen und Szenarien können damit aktiviert werden. Wer gezielt die Farbe einer Hue-Leuchte verändern möchte, muss dann wieder zum Smartphone greifen und dies in der betreffenden App erledigen.

Auch Smart-Home-Komponenten anderer Anbieter werden unterstützt, die haben wir bislang aber nicht ausprobiert. Derzeit stehen Skills für Honeywell, Magenta Smart Home, Philips Hue, TP-Link, Netatmo, Innogy, Venstar, Digitalstrom, Tado, Lifx und Yonomi bereit.

Alexa ist erweiterbar

Der gesamte Alexa-Dienst kann mittels Skills erweitert werden, sie sind mit Apps vergleichbar. Zum Start in Deutschland gab es rund 40 Skills, die bereits einige Tage später um weitere ergänzt wurden. Einen Überblick über die Skills ist über die Alexa-App möglich, allerdings nicht komplett. Denn einige Skills sind verwirrender Weise nur direkt in den Einstellungen zu finden, wie etwa Musikdienste, Listen-Skills wie Any.do und Todoist und Nachrichtenquellen.



Im Vergleich mit den USA stehen hierzulande nur sehr wenig Skills zur Verfügung. In Amazons Heimatland haben Echo-Käufer eine Auswahl von mehr als 3.000 Skills. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen hierzulande weitere Skills dazu kommen, aber es wird dauern, bis es so viele wie in den USA sein werden.

Viele wichtige Skills fehlen noch

In den USA sind die Echo-Geräte vergleichsweise beliebt, weil es hier so viele Skills gibt, um alltägliche Aufgaben abzuwickeln. So weit ist die deutsche Version noch lange nicht. In den USA kann darüber Essen bestellt oder eine Kinokarte gekauft werden, vergleichbare Möglichkeiten sind für deutsche Nutzer noch nicht zu haben. Im Skill-Shop vermissten wir eine Rubrik mit den Neuerscheinungen.

Wir haben eine Reihe von Skills ausprobiert und vielfach müssen Nutzer diese erst manuell aufrufen. Das fanden wir unpraktisch, weil wir dazu den Namen des Skills wissen mussten. Wer also eine Bahnverbindung heraussucht, kann Alexa nicht einfach sagen, er möchte mit der Bahn von Dortmund nach Wiesbaden fahren. Das wird dann nicht verstanden, es wird also nicht der dazu passende Skill gefunden und aktiviert. Das Aufrufen von Skills ist zeitraubender als das Tippen auf ein App-Icon auf einem Smartphone-Display.

Wer eine Bahnverbindung sucht, muss erst den Bahn-Skill aufrufen und kann dann die gewünschte Verbindung heraussuchen. Für eine konkrete Fahrverbindung lautet das Muster "Alexa, frage Deutsche Bahn nach einer Verbindung von Dortmund nach Bielefeld". Alternativ dazu kann mit "Alexa, starte Deutsche Bahn" ein Dialog gestartet werden. Das Skill fragt dann nacheinander erst den Abfahrtsort, dann den Ankunftsort, die Uhrzeit und schließlich den Reisetag ab.



Die Antwort der Deutschen Bahn lautet dann: "Deine Verbindung von Dortmund Hauptbahnhof nach Bielefeld Hauptbahnhof, Abfahrt um 16:54 Uhr, heute 1 Minuten später, Ankunft voraussichtlich um 17:59 Uhr. Dies ist eine Direktverbindung, die Abfahrt ist von Gleis 8, die Dauer beträgt 1 Stunde und 4 Minuten."

Für uns war die Bahnauskunft einer der Fälle, bei denen wir es vorziehen, solche komplexen und umfangreichen Informationen lieber auf einem Display zu lesen. Das Vorlesen der Daten empfanden wir als zu zeitraubend. Immerhin lässt sich eine Bahnauskunft mit dem Zuruf "Bitte wiederholen" nochmals ansagen. Über ein Mytaxi-Skill kann außerdem ein Taxi über Alexa gerufen werden.

Mühsamer Einkauf bei Amazon

Mittels Echo kann auch bei Amazon eingekauft werden. Wer das nicht mag, kann die Funktion ganz abschalten. Als weitere Absicherung kann eine PIN eingestellt werden, die vor einer Bestellung angesagt werden muss. Damit soll verhindert werden, dass Bestellungen von Unbefugten durchgeführt werden.



Das Einkaufen über eine Sprachsuche ist allerdings kein Vergnügen. Wir wollten das Remake "Die glorreichen 7 auf DVD" bestellen und brauchten dafür mehrere Anläufe. Das Signalwort DVD verwirrte den Dienst und schlug den Kauf einer ganz anderen Spielfilm-DVD vor - im 7er-Pack. Erst nach mehreren Versuchen war der Antoine-Fuqua-Streifen dabei, wir konnten es nur mit Sprachkommandos bestellen.

Amazon hat Echo einen hochwertigen Lautsprecher verpasst, um damit Musik in guter Qualität zu hören.

Die Qualität von Alexas Aussprache schwankt

Bereits bei der Auslieferung kann Alexa Musik von Prime Music, Audible, Spotify und TuneIn abspielen und findet die darin enthaltenen Songs, Alben und Künstler. Die Spotify-Nutzung ist nur mit einem Premium-Konto möglich und Dienste wie Apple Musik oder Google Play Musik sind nicht verfügbar.

Der Aufruf von Liedern mit der Sprache verlief bei den unterstützten vielfach ohne Probleme. Allerdings tut sich Alexa noch schwer damit, Namen oder Bezeichnungen zu verstehen oder korrekt auszusprechen, die etwa aus dem französischen oder englischen Sprachraum stammen. Das gilt nicht nur für Musik, sondern auch in anderen Bereichen. In der Alexa-App wird das aktuell abgespielte Stück eingeblendet, um es auch darüber pausieren zu können.



Der Klang des Lautsprechers gefiel uns und auch bei hoher Lautstärke neigt er nicht zu Verzerrungen. Für die Bauform bietet er einen ordentlichen Bass und gut verständliche Höhen. Ein Equalizer zur Klangkonfiguration ist nicht vorhanden. Die Lautstärke kann am Lautsprecher mit Drehring eingestellt oder mit der Stimme reguliert werden. Damit kann die Lautstärke mit "Alexa, leiser" um eine Stufe verringert oder mit "Alexa, Lautstärke 7" der gewünschte Lautstärke-Level eingestellt werden. Der Leuchtring zeigt dann die eingestellte Lautstärke an.

Wenn Alexa plötzlich losbrüllt

Unpraktischerweise kennt Echo nur eine einheitliche Lautstärke für Musik und Ansagen. Wer seine Musik zuletzt laut genossen hat, erschrickt dann, wenn Alexa ihn unvermittelt anbrüllt. Hier wäre es hilfreich, wenn für Musik eine andere Lautstärke als für Ansagen bestimmt werden könnte. Läuft auf dem Echo Musik und werden die Mikrofone aktiviert, wird die Musik automatisch sehr leise gestellt, damit die Befehle verstanden werden können.



Der Echo-Lautsprecher hat nur einen Anschluss für Netzteile, es ist nicht möglich, andere Lautsprecher anzuschließen. Mittels Bluetooth können lediglich andere Abspielgeräte wie etwa ein Smartphone eingebunden werden. Das funktioniert angenehmerweise alles per Sprachsteuerung, so dass die Alexa-App dafür nicht unbedingt benötigt wird, darüber aber auch erledigt werden kann. Die Musikwiedergabe über Bluetooth kann mit Sprachbefehlen pausiert und wiedergegeben werden. Die Suche nach Musikstücken auf einem Smartphone ist hingegen nicht möglich. Kabelgebunden lassen sich keine Wiedergabegeräte damit verbinden.

Insgesamt waren wir von der Aussprache von Alexa angetan, aber es gab auch Situationen, in denen es sehr anstrengend war, dem Geplapper zu folgen.

Vorgelesenes klingt holprig

Beim Ausprobieren von Echo unterschied sich die Sprachqualität von Alexa deutlich. Wer mehr in den üblichen Alexa-Gefilden geblieben ist, bekam flüssig gesprochene Antworten. Hierbei handelt es sich meist um die Funktionen, die auch in der Alexa-App selbst enthalten ist.



Sobald Alexa Texte vorliest, verschlechtert sich die Sprechqualität. Das passiert beim Vorlesen von Witzen, aber auch viele Skills verwenden die Vorlesefunktion. Dann hapert es an der Betonung. Worte, Abkürzungen und anderssprachige Worte werden nicht immer korrekt ausgesprochen. Außerdem wirkt das Vorlesen hakeliger und stockender. Dennoch arbeitet die Vorlesefunktion bereits auf einem sehr hohen Niveau, vergleichbare Lösungen klingen wesentlich künstlicher und weniger natürlich als Amazons Assistent. Es ist davon auszugehen, dass Amazon hier in den kommenden Wochen weiter nachbessert.

Wer dabei mithelfen möchte, Alexa besser zu machen, kann dazu in der zugehörigen App alle gesprochenen Befehle durchgehen und bewerten, ob die richtigen Antworten gegeben wurden.

Dabei steht Amazon unter Druck, denn in einigen Monaten will Google einen Echo-Konkurrenten nach Deutschland bringen.

Alexa-Daten landen auf Amazons Servern

Alle mit Alexa durchgeführten Unterhaltungen werden auf Amazons Servern gespeichert. Diese können einzeln im Verlauf der Alexa-App gelöscht werden. Nur über das Amazon-Konto im Browser können alle Unterhaltungen beseitigt werden. Wer all seine Unterhaltungen entfernt, riskiert, dass der Dienst wieder schlechter funktioniert, denn nach Aussage von Amazon lernt das System mit dem Gesprochenen. Eine Löschung führt zu einer Verschlechterung.



Wer Amazon an dieser Stelle nicht vertraut, wird sich schwertun, einen digitalen Assistenten zu verwenden. Amazon versichert, dass erst gesprochene Daten von den eigenen Servern verarbeitet werden, wenn Echo aktiviert wurde. Außer in Amazons smartem Lautsprecher sind Assistenten auch in Smartphones und Tablets vorhanden, wenn diese mit Betriebssystemen von Apple, Google oder Microsoft laufen. Auch auf diesen Geräten wird der betreffende Assistent mit einem Signalwort aktiviert.

Digitale Assistenten sind allgegenwärtig

Anders als beim Echo ist es bei Smartphones und Tablets üblicherweise nicht vorgesehen, gezielt und deutlich sichtbar das Mikrofon stumm zu schalten. Wer der Echo-Stummschaltfunktion misstraut, kann das Echo-Netzteil ziehen. Einen Ein-Aus-Schalter hat Amazon nicht vorgesehen.

Amazon vorerst ohne Konkurrenz

Im Frühjahr 2017 soll Echo Konkurrenz von Google bekommen. Google betritt den Markt smarter Lautsprecher somit also später als Amazon und wird auch erst deutlich später erweiterbar. Besonders eklatant ist der Unterschied in den USA, wo es für Alexa bereits mehr als 3.000 Skills gibt, so dass Amazon hier derzeit einen entsprechend großen Vorsprung gegenüber dem Google-Produkt hat.



Wie groß Amazons Vorsprung vor dem Google Home sein wird, wenn er nächstes Jahr auf den Markt kommt, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Es ist aber davon auszugehen, dass bis dahin mehr als die derzeit rund 50 Skills für Deutschland vorhanden sein werden. Aber selbst 100 Skills wären für Googles System in erträglicher Zeit einholbar.

Wer bereits ein Fire-TV-Gerät besitzt und dieses mittels Echo steuern möchte, kann dies nicht tun. Zwar haben viele Fire-TV-Modelle schon eine Sprachsuche eingebaut, aber es wäre ja durchaus praktisch, einen Film mittels Echo pausieren zu können. Aber eine Anbindung zwischen Echo und Fire TV gibt es von Amazon bislang nicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Alle Echo-Geräte gibt es vorerst nur mit einer Einladung. Wer von Amazon keine Einladung erhält, kann das Gerät nicht kaufen. Neben dem 180 Euro teuren Echo ist auch der Echo Dot für 60 Euro im Sortiment. Dieser hat einen weniger leistungsfähigen Lautsprecher, kann aber im Gegenzug über Kabel oder Bluetooth an größere Lautsprecher oder eine Anlage angeschlossen werden. Aktuell weist Amazon auf den überarbeiteten Produktseiten darauf hin, dass es mehrere Monate dauern kann, bis alle Interessenten eine Einladung erhalten.

Fazit

Anfangs ist es noch ungewohnt, sich mit einem Gerät zu unterhalten, aber das ändert sich schnell. Dazu trägt bei, dass die Alexa-Sprachausgabe bereits sehr gut ist. Amazon hat mit Alexa allerdings noch einige Arbeit vor sich. Noch funktioniert die deutsche Version nicht zuverlässig genug, und beim Vorlesen hapert es noch. Amazon will das in den kommenden Wochen und Monaten ändern und den digitalen Assistenten kontinuierlich verbessern. Wer ein Echo mit Einladung kauft, muss wissen, dass er ein noch nicht ganz fertiges Produkt kauft.



Unsere ersten Versuche mit Echo sind durchaus vielversprechend. Vor allem als digitaler Helfer zur Steuerung von Smart-Home-Komponenten erscheint uns Echo als ideale Lösung. Es ist wesentlich praktischer seine Lampen oder ähnliches mit ein paar Worten an- oder abzuschalten, als erst auf einem Smartphone nach der passenden App zu suchen.

Komplexe Antworten lesen wir lieber selbst, statt sie uns vorlesen zu lassen. Aber bei kurzen Antworten haben wir den Komfort von Alexa schnell zu schätzen gelernt. Vor allem bei Wissensfragen muss Alexa allerdings noch viel dazu lernen, hier bekommen wir derzeit noch zu oft keine Antwort. Das Einkaufen auf Amazons Webseite mit Sprachkommandos bereitete uns kein Vernügen. Es dauert zu lange, bis mit der Sprache das gewünschte Produkt gefunden wird.

Ein smarter Lautsprecher wie Echo wirkt zunächst sonderbar, aber für die eigenen vier Wände ist es ein angenehmes Kommunikationsmittel. Während man nebenher mit anderen Aufgaben beschäftigt ist und keine Hände frei hat, lassen sich damit Dinge erledigen. Sehr praktisch ist die Erweiterbarkeit mit Skills, so dass dem Funktionsumfang kaum Grenzen gesetzt werden. Zumindest für oft benötigte Skills wäre eine tiefere Integration wünschenswert, um die vorherigen Aktivierung des Skills zu umgehen. Wir sehen in Alexa viel Potenzial, jetzt heißt es für Amazon Wort halten und den Assistenten in den kommenden Monaten entsprechend verbessern.

Nachtrag vom 23. Februar 2017

Golem.de hat beide Echo-Lautsprecher nochmal getestet, nachdem das Einladungssystem aufgegeben wurde und die Geräte für jeden erhältlich sind. In den zurückliegenden dreieinhalb Monaten gab es keine besonders auffälligen Verbesserungen an Alexa. Noch immer müssen sich Echo-Nutzer stark an Alexa anpassen. Amazon hat also weiterhin noch viel Arbeit vor sich.  (ip)


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