Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/waltham-wayland-bekommt-ein-bisschen-netzwerktransparenz-1610-124148.html    Veröffentlicht: 31.10.2016 13:20    Kurz-URL: https://glm.io/124148

Waltham

Wayland bekommt ein bisschen Netzwerktransparenz

Das Linux-Consulting-Unternehmen Collabora arbeitet daran, Teile des Wayland-Protokolls über das Netzwerk verfügbar zu machen. Die Arbeiten sind aber zunächst auf die Verwendung im Auto beschränkt.

Bereits im April dieses Jahres hat der langjährige Wayland-Entwickler Pekka Paalanen einen Plan vorgestellt, wie einzelne Oberflächen bei der Verwendung von Wayland über das Netzwerk übertragen werden könnten. Mit Waltham steht die dafür besonders wichtige Interprozesskommunikation (IPC) bereit. Paalanen schreibt, Waltham sei aber nicht das Wundermittel, das Wayland plötzlich netzwerktransparent mache.

Vielmehr sei Waltham nur ein Detail einer größeren Software-Sammlung, die es langfristig ermöglichen soll, Wayland-Anwendungen über das Netzwerk zu verwenden. Dabei solle eine Protokollfamilie entstehen, welche die Teile von Wayland, die eben nicht kompatibel für die Verwendung in einer Netzwerk-Umgebung sind, durch etwas anderes austausche. Anders als das veraltete X11-Fenstersystem ist der designierte Nachfolger Wayland von Beginn für einen lokalen Einsatz konzipiert worden. Dass deshalb im Vergleich zu X11 die Netzwerktransparenz fehlt, war einer der vielfach vorgetragenen Kritikpunkte an Wayland.

Zunächst auf einfache Szenarien beschränkt

Waltham entsteht bei der auf die Linux-Entwicklung spezialisierten Unternehmensberatung Collabora im Auftrag von ADIT, einem Joint-Venture der Automobilsparte von Bosch und dem Zulieferer Denso. So bezieht sich der von Paalanen dargestellte Plan zunächst auf die Shell für das In-Vehicle-Infotainment (IVI). Deren Protokollumfang sei zudem deutlich geringer, als dies etwa beim Desktop-Einsatz von Wayland der Fall ist. Die Nutzung von Waltham auf dem Desktop hält Paalanen deshalb zwar für theoretisch machbar, wohl aber nur mit einigem Mehraufwand.

Die Notwendigkeit von Waltham und der Netzwerkkommunikation für Wayland wird mit dem wohl typischen IT-Aufbau in Autos in den kommenden Jahren begründet. So sei es wahrscheinlich, dass künftig mehrere Betriebssystem-Instanzen entweder virtualisiert oder auf physisch verschiedenen Boards genutzt werden. Dabei kann es notwendig werden, die Oberfläche einer Anwendung von einer Instanz auf eine andere zu übertragen.

Waltham ist in seiner Konzeption sehr stark an Wayland angelehnt, unterscheidet sich in einigen wichtigen Details aber von diesem. So werden TCP-Sockets zur Kommunikation genutzt. Darüber hinaus kann Waltham aber keine File-Descriptor senden und implementiert keine Ereignisschleife (Event Loop).

Die Entwicklung von Waltham geschieht derzeit auf Github und der Code steht wie Wayland unter MIT-Lizenz. Wie viele andere Projekte auch, darunter Wayland und dessen Referenzimplementierung Weston, ist Waltham nach einer Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts benannt.  (sg)


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