Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/50-mbit-s-breitbandziele-der-regierung-werden-nicht-erreicht-1610-124021.html    Veröffentlicht: 25.10.2016 11:57    Kurz-URL: https://glm.io/124021

50 MBit/s

Breitbandziele der Regierung werden nicht erreicht

Wie erwartet, wird die Regierung ihr Ziel für den Breitband-Ausbau nicht erreichen. In Sachsen-Anhalt kommen nur 43,9 Prozent der Haushalte auf mehr als 50 MBit/s, in Mecklenburg-Vorpommern sind es nur 52,8 Prozent. Nordrhein-Westfalen liegt bei über 100 MBit/s vorn.

In Deutschland verfügen 71,2 Prozent der Haushalte über Internet mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 50 MBit/s. Das entspricht immerhin einem Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013. Bei 64,9 Prozent der Haushalte sind die Anschlüsse heute schneller als 100 MBit/s. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner hervor, die Golem.de vorliegt.

Der flächendeckende Breitbandausbau mit 50 MBit/s bis zum Jahr 2018 ist eines der Ziele der Digitalen Agenda, die die große Koalition vor zwei Jahren vorgestellt hatte. Um dies zu erreichen, waren die Bundesmittel von 2,7 auf 4 Milliarden Euro aufgestockt worden. Nach dem aktuellen Stand wird die Vorgabe nicht erreicht.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern und Stadt und Land sind groß. In Hamburg verfügen nach den Angaben 94,4 Prozent der Haushalte über Zugänge mit mehr als 100 MBit/s, in Bremen sind es 93,6 Prozent und in Berlin 90,2 Prozent. Sachsen-Anhalt ist dagegen im bundesweiten Vergleich am schlechtesten ausgerüstet. Dort kommen nur 43,9 Prozent der Haushalte auf mehr als 50 MBit/s, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 52,8 Prozent, in Brandenburg 57,2 Prozent, in Bayern 68,7 Prozent, in Baden-Württemberg 72,8 Prozent, in Niedersachsen 73 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 77,4 Prozent. Im dem Bundesland sind die meisten Verbindungen sogar deutlich schneller: 72,2 Prozent der Haushalte kommen auf Übertragungsraten von mehr als 100 MBit/s, in Bayern sind es 62,4 Prozent.

2,8 Millionen Haushalte in Deutschland haben laut Verkehrsministerium einen direkten Glasfaseranschluss (FTTH/FTTB).

Tabea Rößner sagte Golem.de: "Wir haben in Deutschland ein massives Problem beim Breitbandausbau, trotz stattlicher staatlicher Förderung. Unsere Anfrage zeigt: Bundesminister Alexander Dobrindt wird sein selbstgesetztes Ziel nicht schaffen. Nur knapp ein Drittel der Haushalte im ländlichen Raum hat derzeit die Möglichkeit, mit 50 MBit/s zu surfen, wie Herr Dobrindt die fehlenden zwei Drittel bis Ende nächsten Jahres ausgebaut kriegen will, ist mir schleierhaft. Denn gerade im ländlichen Raum ist der Breitbandausbau mühsam, zeitintensiv und sehr teuer."

Dobrindt (CSU) habe sich des Themas zu spät angenommen und dann die falschen Impulse gesetzt. Die Quittung für die verfehlte Breitbandpolitik bekämen vor allem die Nutzer in Ostdeutschland, die digital abgehängt würden.

Rößner: "Den Glasfaserausbau vernachlässigt Dobrindt komplett, nur 7,1 Prozent aller Haushalte Deutschlands verfügen über einen Glasfaseranschluss (FTTH/B). International liegen wir damit weit zurück. Darum schlagen wir vor, dass der Bund seine Anteile an der Telekom veräußert und den Erlös von zehn Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investiert."  (asa)


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