Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sphero-sprk-mit-der-lernkugel-programmieren-lernen-1611-124009.html    Veröffentlicht: 01.11.2016 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/124009

Sphero SPRK+

Mit der Lernkugel programmieren lernen

Der Hersteller verspricht, dass Kinder mit seinem Kugelroboter nicht nur Spaß haben, sondern auch das Programmieren lernen können. Zuerst haben wir damit die Kollegen geärgert und uns dann an selbst geschriebenen Steuerungsprogrammen versucht.

Das BB-8-Modell war für Roboter- und Spielzeugfans der erste Kontakt mit den Sphero-Robotern. Doch die Kugelroboter sollen nicht nur unterhalten, sondern auch lehrreich sein. Wir haben uns das neue Modell SPRK+ angeschaut, das zwar nicht so cool wie ein BB-8 aussieht, dafür aber auch programmierbar ist.

Als Lehrmittel für Schulen konzipiert

Der etwas sperrige Name SPRK+ steht für Schools-Parents-Robots-Kids und deutet damit bereits auf den Einsatzzweck hin: Kinder ab 9 Jahren im Rahmen des Schulunterrichts oder unter Anleitung der Eltern in die Welt der Robotersteuerung einzuführen. Dass wir mit dem SPRK+ auch spielen können, ist ein motivierender Nebeneffekt.

Um diesen Zweck zu unterstreichen, steckt der Roboter in einem robusten, transparenten Gehäuse. Die Elektronik und die Mechanik sind deutlich sichtbar. Dadurch soll der Roboter nicht als magisches Wesen erscheinen, wie es der Hersteller beschreibt. Konkrete Hinweise zur verbauten Hardware ergibt der Durchblick aber nicht. Für Experimente befinden sich außerdem ein Winkelmesser aus Karton und ein Klebeband mit Zentimetermarkierungen in der Packung. Eine Anleitung fehlt hingegen, lediglich eine URL weist uns auf den Download einer App für iOS oder Android hin.

Bevor wir die App-Installation starten, setzen wir den Roboter in seine mitgelieferte Ladeschale. Sie lädt den Akku im Roboter drahtlos. Die Stromversorgung für die Ladeschale erfolgt über ein beiliegendes USB-Kabel, ein USB-Netzteil muss der Anwender aber bereits besitzen.

Spielen und Lernen

Während wir nach der sogenannten Lab-App für den SPRK+ im Store suchen, stoßen wir auch auf die allgemeine Sphero-App. Wir installieren beide. Die Lightning-Lab-App ermöglicht nicht nur die Steuerung des SPRK+, sondern auch dessen Programmierung mit Hilfe einer grafischen Oberfläche. Die Sphero-App hingegen ergänzt die Steuerungsfunktionen um spielerische Elemente und bietet vorprogrammierte Geräusch- und Bewegungseffekte.

Einige der Effekte erinnern uns stark an jene des BB-8-Modells, die über dessen App bereitgestellt werden. Da auch der BB-8 wie der SPRK+ über Bluetooth kontrolliert wird und sich beide Modelle technisch ähnlich sind, kommt uns eine Idee. Wir installieren auch die BB-8-App. Leider verweigert sie die Zusammenarbeit mit dem SPRK+. Das gilt allerdings nicht umgekehrt, die Lightning-Lab-App funktioniert auch mit dem BB-8.

Zurück zu den Apps für den SPRK+. Die Sphero-App funktioniert den SPRK+ in ein reines Spielzeug um, mit dem sich die Arbeitskollegen dank der Licht-, Bewegungs- und Soundeffekte gut nerven lassen - vorausgesetzt, das Smartphone zum Steuern ist auch in Hörnähe. Denn auch der SPRK+ teilt den Geburtsfehler des BB-8-Modells: Es fehlt ein eingebauter Lautsprecher, alle Soundeffekte werden über die App im Smartphone wiedergegeben.

Roboter mit der Fingerkuppe programmieren

Die Lightning-Lab-App ist schon optisch seriöser. Auch mit ihr können wir den SPRK+ herumrollen und leuchten lassen. Licht- und Klangeffekte fehlen hingegen. Hierfür müssen wir zum integrierten grafischen Editor zum Programmieren greifen. Die Funktionsweise und Möglichkeiten entsprechen der bekannten Scratch-Oberfläche. Befehle und Kommandos werden durch verschiebbare Kästchen repräsentiert, die zu einem Programm angeordnet werden. Die Touchbedienung ist auf einem Smartphone zuweilen fummelig.



Ereignisgesteuerte Programme



Wir können den Roboter mit einem selbsterzeugten Programm nicht nur rollen lassen, sondern auch die eingebauten Sensoren auswerten und so zum Beispiel Kollisionen erkennen. Die LEDs lassen sich dann genauso zum Leuchten bringen, wie wir auch Sounds in der App abspielen können. Es dauert etwas, bis wir uns durch all diese Möglichkeiten durchgearbeitet haben und auch komplexere Muster programmieren können. Praktisch und altersgerecht ist dabei, dass Sensoreingaben zum Teil auf höherem Niveau abgefragt werden. So können wir auf Ereignisse wie Zusammenstöße oder Auf- und Abbewegungen des Roboters direkt reagieren, statt erst Gyroskopwerte auszuwerten - obwohl das gleichfalls möglich ist.

Je größer unsere Programme werden, desto mehr wünschen wir uns, statt der App unseren Computer nutzen zu können. Die Auswahl der Befehle aus dem Touch-Menü ist mühselig und mangels Übersicht dauert es, ehe wir halbwegs flüssig programmieren können. Einen browserbasierten Editor hat Sphero aber bisher nur angekündigt.

Tutor muss und soll Hilfe leisten

Damit sowohl die ersten Schritte als auch größere Programme funktionieren, ist ein gewisses Programmierverständnis notwendig - das weder die App noch eine Anleitung wirklich vermitteln. Es stehen über die Projektübersicht zwar kurze, gut konzipierte Einführungskurse auf Englisch bereit, aber sie bieten vor allem einen grundlegenden Einstieg in die App und die Sensoren und Aktoren des Roboters, weniger in die Programmierung und den Editor an sich.

Wie bereits am Namen des Roboters deutlich wird, geht der Hersteller davon aus, dass ein Tutor den Lernenden begleitet - auch wenn die Einsteigerkurse zumeist Video und Text kombinieren, ein Beispielprogramm beinhalten und für das Selbststudium geeignet sind.

Schüler verwalten

Für den Tutor ist die Lightning-Lab-App nur für das Erstellen von Projekten interessant. Wichtiger ist aber die zugehörige Webseite. Zwar fehlt es auch dort an einheitlichen, konsistenten Lehrmaterialien, allerdings steht eine Klassenverwaltung zur Verfügung. Als Tutor können wir darin App-Logins für die Schüler anlegen und unsere Schüler als Klasse verwalten.

Den Schülern einer Klasse weisen wir dann Projekte zu, die sie absolvieren müssen. Dabei können wir selbst Projekte anlegen, aber auch vorgegebene Projekte von Sphero sowie öffentliche Projekte aus der Community nutzen. Die Anzahl der Community-Projekte ist bereits erstaunlich groß.

Diese Funktion zur Klassenverwaltung finden wir gut. Einerseits ist es eine praktische Möglichkeit, selbst erstellte Lehrmaterialen für alle Schüler bereitzustellen, andererseits eine praktische Methode, Hausaufgaben zu vergeben und zum eigenständigen Arbeiten in einem selbst gewählten Tempo zu animieren.

Leider stehen die Webseite und die Lerninhalte nur auf Englisch zur Verfügung, während die Lightning-Lab-App zum Großteil eingedeutscht ist.

Preis und Verfügbarkeit

Den Sphero SPRK+ gibt es direkt beim Hersteller für 130 US-Dollar, bei deutschen Händlern kostet er um die 150 Euro. Das Education Pack mit 12 Robotern gibt es für Bildungseinrichtungen zum Preis von 1.200 US-Dollar.

Fazit

Einen großen Unterschied im Spiel- und Lernfaktor gibt es zwischen dem Kugelroboter SPRK+ und den vor kurzem getesteten Lauf- und Fahrrobotern nicht. Der SPRK+ ist noch am ehesten mit dem Zowi vergleichbar. Beim Sensorumfang und der Programmierbarkeit per App ist der SPRK+ dem Zowi deutlich überlegen - was sich aber auch im Preisunterschied niederschlägt. Bei beiden ist der einfache Wechsel zwischen freiem Spielen und Lernen gut geeignet zu motivieren und Kinder bei Laune zu halten. Den ein oder anderen Lehrer wird das vermutlich aber auch schnell in den Wahnsinn treiben.

Aus technischer Sicht bietet der SPRK+ mit seinem Gyro-Sensor und seiner kompakten Kugelform einige zusätzliche Experimentiermöglichkeiten im Vergleich mit klassischen Rad- oder kettengetriebenen Modellen und benötigt dabei weniger Platz.

Ein deutlicher Pluspunkt ist der Tutormodus der Webseite. Wir würden uns wünschen, dass andere klassenorientierte Lehrprojekte, wie zum Beispiel der BBC-Micro, sie sich zum Vorbild nehmen. Damit unterstreicht der Hersteller aber auch, dass er den SPRK+ weniger zum Selbststudium empfiehlt und es an entsprechendem Material fehlen lässt. Das ist schade.  (am)


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