Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/uebernahme-bestaetigt-at-t-kauft-time-warner-fuer-mehr-als-100-milliarden-dollar-1610-123980.html    Veröffentlicht: 23.10.2016 10:37    Kurz-URL: https://glm.io/123980

Übernahme bestätigt

AT&T kauft Time Warner für mehr als 100 Milliarden US-Dollar

Es ist der größte Firmenkauf des Jahres: Der Telekom-Konzern AT&T will selbst zum Inhalteanbieter werden und das Medienunternehmen Time Warner übernehmen. Donald Trump ist dagegen.

Die Gerüchte haben sich bestätigt: Der Telekom-Konzern AT&T will für eine Summe von mehr als 100 Milliarden US-Dollar das Medienunternehmen Time Warner übernehmen. Es sei ein Kaufpreis in Höhe von 107,50 US-Dollar pro Aktie vereinbart worden, teilten die beiden US-Unternehmen am Samstag mit. Daraus ergibt sich ein Kaufpreis von 85,4 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 78 Milliarden Euro. Inklusive übernommener Schulden liegt die Summe bei 108,7 Milliarden US-Dollar. Der Zusammenschluss soll bis Ende 2017 abgeschlossen werden. Die US-Behörden und Time-Warner-Aktionäre müssen noch zustimmen.

Die beiden Firmen sprechen in ihrer Mitteilung von einer "einzigartigen Kombination - die weltbesten Premiuminhalte mit dem Netzwerk, sie auf jeden Bildschirm zu liefern, wie immer die Kunden es wollen". Dabei denken AT&T und Time Warner vor allem an Smartphone-Nutzer. "Die Zukunft von Video ist mobil und die Zukunft von mobil ist Video", heißt es weiter.

Provider suchen neue Einnahmequellen

Zu Time Warner gehören Fernsehsender wie CNN und HBO ("Game of Thrones") sowie das Hollywood-Studio Warner Bros. Vor zwei Jahren hatte bereits der Konkurrent 21th Century Fox aus dem Firmenimperium des Medienmagnaten Rupert Murdoch zu einer Übernahme angesetzt, gab jedoch schließlich auf. Time Warner hatte damals ein Angebot über 85 US-Dollar pro Aktie ausgeschlagen.

Mit der Übernahme wagt sich der größte US-Telekommunikationskonzern weit ins Geschäft mit TV- und Filminhalten vor. Damit folgt AT&T einem Branchentrend: Die Telekom-Konzerne suchen nach neuen stabilen Geldquellen und exklusiven Inhalten für ihre Netze, weil die Erlöse im klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen.

Probleme mit der Netzneutralität?

So kaufte in den USA der Kabel-Anbieter Comcast 2011 NBCUniversal mit der gleichnamigen NBC-Senderkette und dem Universal-Filmstudio. Der größte AT&T-Rivale Verizon, zu dem bereits AOL mit Online-Medien wie der Huffington Post gehört, will sich den Internet-Pionier Yahoo einverleiben. Allerdings könnte dieser Deal nach Bekanntwerden der massiven Hacker-Attacke auf Yahoo mit mindestens einer halben Milliarde betroffener Nutzer ins Wanken geraten.

Kritiker befürchten allerdings, dass die Zugangsprovider ihre eigenen Inhalte bevorzugt an die Kunden ausliefern könnten. So gibt es für Provider beispielsweise die Möglichkeit, bestimmte Inhalte von einer Datendrosselung auszunehmen oder nicht auf vereinbarte Datenvolumen anzurechnen (Zero Rating). Zudem verlangen die US-Provider inzwischen vom Videostreamingportal Netflix zusätzliche Gebühren, um dessen Zugang zu den Netzen auszubauen. Ihren eigenen Diensten dürften sie jedoch stets eine bestmögliche Einspeisung garantieren.

Trump würde Übernahme verbieten

Die Übernahme von Time Warner bedeute den Zusammengang zweier Unternehmen, die sich perfekt ergänzen, erklärte AT&T-Chef Randall Stephenson. "Ein großes Ärgernis für Kunden ist, dass sie einmal für Inhalte zahlen und dann nicht überall und auf jedem Gerät Zugriff darauf haben", sagte Stephenson. "Unser Ziel ist es, das zu ändern." Time-Warner-Chef Bewkes sprach von einem "großartigen Tag für Time Warner und seine Aktionäre". Beide Konzerne hätten die moderne Medien- und Kommunikationslandschaft geprägt.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump kündigte am Samstag in einer Rede in Gettysburg (Pennsylvania) an, der geplanten Übernahme im Fall eines Wahlsieges nicht zuzustimmen. Der Deal würde eine zu große Machtfülle in zu wenigen Händen bedeuten und stehe exemplarisch für "jene Machtstrukturen, die ich bekämpfe". Ohnehin würden die Medien schon heute "von zu wenigen kontrolliert", sagte der Republikaner.

Finanzielles Wagnis für AT&T

Für AT&T stellt der Zukauf durchaus ein finanzielles Wagnis dar. Der Konzern ist bereits mit 120 Milliarden US-Dollar verschuldet und muss sich bei dem Deal weitere Time-Warner-Schulden von mehr als 20 Milliarden US-Dollar aufbürden. Aktionäre hatten nach den ersten Medienberichten über eine mögliche Übernahme skeptisch reagiert und die AT&T-Aktie fallen lassen. Das Unternehmen hatte 2015 bereits für fast 50 Milliarden US-Dollar den Satelliten-TV-Anbieter DirectTV gekauft.

Bei der Übernahme handelt es sich um die bislang größte Unternehmensübernahme im Jahr 2016 - noch vor dem 66 Milliarden US-Dollar teuren Kauf des US-Gentechnikkonzerns Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer. AT&T will den Kaufpreis zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien bezahlen.  (fg)


Verwandte Artikel:
Time Warner: Trump-Regierung will Milliardenübernahme durch AT&T stoppen   
(21.11.2017, https://glm.io/131249 )
Turbine Inc: Game of Thrones Mobile statt Der Herr der Ringe Online   
(21.12.2016, https://glm.io/125194 )
Microsemi: 8,3-Milliarden-US-Dollar-Übernahme in US-Chipbranche   
(02.03.2018, https://glm.io/133103 )
Übernahme: Walt Disney kauft Teile von 21st Century Fox   
(14.12.2017, https://glm.io/131676 )
Gerichtsentscheid: Kein Recht auf Barzahlung von Rundfunkgebühr   
(13.02.2018, https://glm.io/132748 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/