Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/myford-touch-sammelklage-gegen-fords-polierten-scheisshaufen-zugelassen-1610-123805.html    Veröffentlicht: 13.10.2016 14:20    Kurz-URL: https://glm.io/123805

MyFord Touch

Sammelklage gegen Fords "polierten Scheißhaufen" zugelassen

Nicht nur zahlreiche Ford-Besitzer haben sich über das Infotainment-System MyFord Touch geärgert. Selbst die Ingenieure des Autoherstellers fanden intern drastische Bezeichnungen für das System.

Ingenieure und Manager beim Autohersteller Ford haben intern große Probleme bei der Entwicklung des Infotainment-Systems MyFord Touch eingeräumt. Dies geht aus Dokumenten für eine 2013 eingereichte Sammelklage hervor, aus der US-Medien zitieren. Selbst der Vorstandsvorsitzende Bill Ford soll wegen fehlerhafter Funktionen des Systems einmal mit seinem Wagen am Straßenrand gestrandet sein. CEO Michael Fields soll den Touchscreen seines Autos aus Frust zerstört haben.

Nach Angaben von Detroit News ließ ein Gericht in der vergangenen Woche Sammelklagen von Nutzern aus neun US-Bundesstaaten zu. Der Prozess soll im April 2017 beginnen. Hintergrund der Klage waren zahlreiche Probleme mit früheren Versionen des Systems, das auf Microsofts Sync OS basierte und 2010 auf den Markt gekommen war. So froren die Bildschirme ein, Fehlermeldungen konnten nicht zum Verschwinden gebracht werden oder Verbindungen mit Smartphones ließen sich nicht herstellen. Zudem funktionierten die Stimmerkennung und die Navigation nicht zuverlässig.

"Lasset alle Hoffnung fahren"

Die Probleme waren den Entwicklern vor dem Verkauf der Geräte offenbar nur zu gut bekannt. So habe ein Programmierer vorschlagen, auf dem Hintergrundbild von MyFord Touch die Ford-Fabrik in Oakville zu zeigen. Sein Kollege habe daraufhin angeregt, den Eingang mit Photoshop zu bearbeiten und darüber das Dante-Zitat zu setzen: "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!" Ein Ingenieur schrieb in einer internen Mail: "Die armen Kunden."

Im Frühjahr 2011 wurde Microsoft schließlich von Ford engagiert, um die Probleme zu beheben. Doch die Updates im Jahr 2012 machten die Sache nicht besser. Ein Programmierer beschrieb demnach ein Upgrade als "polierten Scheißhaufen", ein anderer sagte: "Das ist wie ein Schwein mit Lippenstift. Ich sehe keine wirkliche Verbesserung".

Wechsel von Microsoft zu Blackberry

Der heutige Ford-Chef Fields soll sich mehrfach über die fehlerhafte Funktion des Systems beklagt haben. "Ich habe wieder einmal viele Probleme mit meinem Sync-System gehabt", schrieb er im Januar 2013. "Und ja, ihr Leute habt schon Version 3.5 installiert!!!" Im Jahr 2012 soll ein leitender Sync-Systemingenieur von einem Mechaniker ein Foto von Fields' zerbrochenem Touchscreen bekommen haben. Offenbar habe sich Fields "ein bisschen über das System geärgert", kommentierte er das Foto in einer weitergeleiteten Firmen-Mail.

Den Anwälten der Sammelklage zufolge soll jedes zweite Auto mit MyFord Touch den Fahrern Probleme bereitet haben. Den Besitzern zufolge war Ford nicht in der Lage, die Fehler zu beheben. Im Jahr 2014 beendete Ford schließlich die Zusammenarbeit mit Microsoft und wechselte zu Blackberrys QNX für sein Sync 3-Infotainment-System.  (fg)


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