Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kobo-aura-one-im-test-gross-wasserdicht-und-fast-der-perfekte-e-book-reader-1610-123765.html    Veröffentlicht: 13.10.2016 09:10    Kurz-URL: https://glm.io/123765

Kobo Aura One im Test

Groß, wasserdicht und fast der perfekte E-Book-Reader

Angenehme Größe, niedriges Gewicht und ein wasserdichtes Gehäuse - das zeichnet den E-Book-Reader Aura One aus. Zum uneingeschränkten Lob fehlt nur eine gute Akkulaufzeit.

Mit dem Aura One bietet der kanadische Hersteller Kobo einen E-Book-Reader mit einem 7,8 Zoll großen Display an. Das neue Topmodell des Herstellers schafft mit einem großen E-Paper-Display mehr Platz für die Inhalte. Zu den weiteren Besonderheiten gehören ein wasserdichtes Gehäuse und eine Technik, mit der die Blauanteile auf dem Display verringert werden. Damit soll vor allem in den Abendstunden ein angenehmeres Lesen möglich sein.

Der Aura One hat aufgrund seines 7,8 Zoll großen Displays mehr Umfang als vergleichbare E-Book-Reader im typischen 6-Zoll-Format. Mit seinen Maßen von 195 x 138,5 x 6,9 mm hält sich der Größenzuwachs in Grenzen, denn der Randbereich des Gehäuses ist für einen E-Book-Reader ungewöhnlich schmal. Damit ist das Gehäuse nicht besonders breit, und auch die geringe Dicke ist ein Pluspunkt. Dabei macht das Kunststoffgehäuse einen sehr wertigen und stabilen Eindruck. Etwas störend ist der schmale Spalt zwischen Display und Gehäuserand, in dem sich schnell Schmutz sammelt, der sich nur schwer entfernen lässt.



Die geriffelte Gehäuserückseite sieht zwar nicht besonders edel aus, ist aber sehr praktisch: Denn dadurch wird verhindert, dass der E-Book-Reader versehentlich aus der Hand rutscht. Er kann einfach auf die offene Handfläche gelegt werden, ohne wegzugleiten. Hierbei hilft auch das für ein Gerät dieser Größe geringe Gewicht von 230 Gramm - viele 6-Zoll-Geräte liegen im 200-Gramm-Bereich.

Display mit hohem Kontrastwert

Kobo hat sich für einen matten E-Paper-Touchscreen mit der weiterentwickelten Carta-Displaytechnik entschieden. Diese sorgt für einen sehr hohen Kontrast, so dass Inhalte wie auf einem gedruckten Papier erscheinen. Nur höchst selten kommt es zum Ghosting-Effekt, bei dem Reste der vorherigen Seite durchschimmern können. Mit einer hohen Auflösung von 1.872 x 1.404 Bildpunkten wird eine Pixeldichte von 300 dpi erreicht. Schriften werden entsprechend scharf und klar dargestellt. Bei entsprechend hellem Umgebungslicht ist keine Displaybeleuchtung erforderlich, diese kann aber dazugeschaltet werden.

Das Kobo-Modell ist einer der wenigen E-Book-Reader, der eine automatische Helligkeitsregelung für das Display hat. Diese ist so implementiert, dass der Nutzer einen Schwellenwert vorgibt und die Helligkeit dann abhängig davon geregelt wird. Das funktioniert zwar recht gut und zuverlässig, so ganz fehlerfrei ist die Displaybeleuchtung allerdings nicht.



Uns stört, dass die Automatik auch dann das Displaylicht anlässt, wenn das Umgebungslicht hell genug, die Beleuchtung somit nicht erforderlich und gar nicht wahrnehmbar ist. Das verringert die Akkulaufzeit unnötig. Auch wenn sich die Displayhelligkeit ansonsten recht zuverlässig dem Umgebungslicht anpasst, sehen wir nur einen geringen Vorzug im Vergleich zu einer manuellen Einstellung, die dank einer durchdachten Statusleiste bequem möglich ist.

Bei aktiviertem Displaylicht und geringem Umgebungslicht fallen Lichthöfe am unteren Displayrand auf, die aber glücklicherweise beim Lesen nicht stören, da in diesem Bereich kein Text erscheint. Abgesehen davon ist das Display recht gleichmäßig ausgeleuchtet, es fallen keine Störungen beim Lesen auf. Das ist nicht selbstverständlich, weil es bei dieser Displaygröße gar nicht so einfach ist, eine gleichmäßige Ausleuchtung zu erreichen.

Einen speziellen Abendmodus beim Lesen sehen wir als Vorteil, wie auch prinzipiell das wasserdichte Gehäuse.

Trotz wasserdichtem Gehäuse nur bedingt badewannentauglich

Für die Displaybeleuchtung kann auch die Farbtemperatur gewählt werden. Dies geschieht idealerweise automatisch: Dann wird der Blauanteil für die Beleuchtung verringert, je später es wird, was den Schlaf des Nutzers verbessern soll. Hierbei hilft es auch, dass die Helligkeit so weit heruntergeregelt werden kann, dass das Display auch bei totaler Dunkelheit nicht unangenehm blendet.



Der E-Book-Reader wird vor allem über den Touchscreen bedient, es gibt leider keine Blättertasten. Der Nutzer kann entweder mit Wischbewegungen oder durch Tippen auf das Display durch ein Buch blättern. Erfreulicherweise können unterschiedlich Displaybereiche definiert werden, auf denen durch Tippen vor- oder zurückgeblättert werden kann.

Für Texteingaben steht eine Bildschirmtastatur zur Verfügung, die für ein E-Paper-Gerät recht zügig reagiert. Allzu schnell sollte man darauf aber nicht schreiben, sonst kommt es zu Tippfehlern - ein typisches Problem eines E-Paper-Touchscreens, mit dem sich der Anwender arrangieren muss.

Das Gehäuse ist wasserdicht

Eine Besonderheit des Aura One ist das wasserdichte Gehäuse, das die IPX8-Schutzklasse erfüllt. Das bedeutet, dass das Gerät eine Stunde lang bis zu zwei Meter unter Wasser getaucht werden kann. Damit muss sich der Gerätebesitzer keine Sorgen machen, dass es beim Strandbesuch durch eindringendes Wasser Schaden nimmt. Es kann auch mit in die Badewanne genommen werden - die Bedienung ist aber mit nassen Fingern oder Wasser auf dem Touchscreen erheblich eingeschränkt.



Es ist bei kapazitiven Touchscreens bauartbedingt, dass sie sich nicht mit nassen Fingern bedienen lassen. Wer also mit dem E-Book-Reader in der Hand in der Wanne lesen möchte, muss darauf achten, dass die Finger und zumindest die Displayfläche trocken sind. Somit sind ähnliche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen wie bei einem Buch. Dezidierte Blätterknöpfe wären hier praktischer: Der Nutzer könnte einfach damit umblättern, und zumindest das Lesen im gleichen Buch wäre ohne Einschränkungen möglich.

Mit dem Aura One können E-Books und Dateien der Formate Epub, Epub3, Pdf, Mobi, Html, Cbz, Cbr, Rtf, Txt, Jpeg, Gif, Png, Bmp, sowie Tiff geöffnet und gelesen werden. Wer E-Books in einer öffentlichen Bibliothek ausleiht, sollte diese damit lesen können.

Bezüglich der Reaktionszeit liefert der Aura One vorzügliche Werte, und auch die Pocket-Integration ist ein Gewinn.

Schnelle Reaktion und Pocket-Integration

Im Aura One stecken ein nicht näher spezifizierter NXP-Solo-Lite-Prozessor, 512 MByte RAM und 8 GByte Flash-Speicher. Mit dieser Ausstattung reagiert das Gerät zügig, der Seitenaufbau ist entsprechend schnell. Beim Aufwachen aus dem Bereitschaftsmodus gibt es keine lästige Wartezeit.

Bis zu 6.000 Bücher sollen in den internen Speicher passen, so dass das Fehlen eines Steckplatzes für Speicherkarten für die meisten verschmerzbar sein dürfte. Das Gerät unterstützt nur Single-Band-WLAN und hat auch kein Mobilfunkmodem eingebaut. Wer unterwegs das mobile Internet damit nutzen möchte, kann aber sein Smartphone zum WLAN-Hotspot machen.

Textdarstellung lässt sich umfangreich konfigurieren

Das 7,8-Zoll-Format führt zu einer noch angenehmen Zeilenlänge. Wer die Zeilen trotzdem zu lang findet, kann diese verkürzen, indem er den Randbereich entsprechend vergrößert. Dieser kann mit Schiebereglern modifiziert werden; das Erscheinungsbild des Textes lässt sich sehr umfangreich anpassen.



So gibt es elf verschiedene Schrifttypen in etlichen Größen, aber auch der Zeilenabstand kann mit Schiebereglern verändert werden. Bei einigen Schriften lässt sich auch die Buchstabendicke modifizieren. Generell kann der Text wahlweise im Blocksatz oder linksbündig angezeigt werden.

Pocket-Zugriff integriert

Wer das Kobo-Gerät nicht nur zum Lesen von E-Books nutzen mag, für den gibt es auch einen Web-Browser, mit dem bei aktivierter WLAN-Verbindung im Internet gesurft werden kann. Das funktioniert zwar vergleichsweise gut, aber das Scrollen auf Webseiten macht auf einem E-Paper-Display einfach nur wenig Freude.

Deutlich angenehmer ist das Lesen von Internetinhalten über den Pocket-Dienst, der direkt in dem Kobo-Gerät integriert ist. Der Nutzer muss dafür nur seine Pocket-Zugangsdaten eingeben, schon stehen nach einer Synchronisation alle Pocket-Inhalte auch auf dem E-Book-Reader zur Verfügung. Pocket speichert beliebige Webseiten zum späteren Offline-Lesen. Damit können etwa längere Artikel sehr bequem auf dem E-Book-Reader konsumiert werden.

Alle wichtigen Einstellungen in der Statusleiste

Erfreulicherweise sind alle wichtigen Einstellungen wie Displayhelligkeit und WLAN-Funktion direkt über die Statusleiste aufrufbar. Weitere Informationen zum Gerät wie etwa den Akkuladestand erfährt der Anwender beim Blick auf das ausklappbare Einstellungsfeld.

Bei der Ersteinrichtung des Aura One muss sich der Gerätebesitzer mit einer E-Mail-Adresse anmelden, sonst kann der Reader nicht in Betrieb genommen werden. Diese E-Mail-Adresse wird auch für den Zugriff auf Kobos E-Book-Store verwendet. Vom Gerät aus können dort Bücher gekauft und auf das Gerät übertragen werden.

Der Startbildschirm gestattet den bequemen Zugriff auf alle relevanten Inhalte. Leider ist die Akkulaufzeit für einen modernen E-Book-Reader vergleichsweise kurz.

Akku hält nicht lange durch

Der Startbildschirm des Readers vereint gut strukturiert alle zuletzt aufgerufenen Inhalte, wodurch ein erneuter Zugriff bequem möglich wird. Die jeweiligen Kacheln werden immer wieder neu angeordnet, was die Orientierung etwas erschwert. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit gelingt es gut, die passenden Inhalte an der richtigen Stelle zu finden. Zudem gibt es auf der Startseite ein Suchfeld, über das nicht nur Inhalte im Kobo-Store, sondern auch auf dem Gerät gefunden werden.

Zu kurze Akkulaufzeit für einen E-Book-Reader

Kobo hat fast alles richtig gemacht beim Aura One. Der entscheidende Nachteil ist der zu klein dimensionierte Akku für einen knapp 8 Zoll großen E-Book-Reader. Durch den eingebauten 1.200-mAh-Akku erreicht der E-Book-Reader zwar sein niedriges Gewicht, allerdings auf Kosten einer vergleichsweise geringen Akkulaufzeit. In 6-Zoll-Modellen finden sich ähnlich große Akkus, für ein Modell mit größerem Display hätte es einen leistungsstärkeren Akku gebraucht.



Die automatische Helligkeitsregelung verschärft das Problem noch. Denn trotz ausreichend hellem Umgebungslicht schaltet der E-Book-Reader die Beleuchtung nicht komplett aus. Wir haben die Helligkeitsautomatik auch aus diesem Grund lieber abgeschaltet und manuell eingegriffen. Für eine möglichst lange Akkulebensdauer ist es außerdem empfehlenswert, das WLAN nur bei Bedarf zu aktivieren.

Manuelle Regelung des Displaylichts kann die Akkulaufzeit verlängern

Mit einer manuellen Regulierung der Displayhelligkeit können wir so eine Laufzeit von etwa 18 Stunden erreichen. Dabei wurde kontinuierlich am Stück gelesen. Mit aktiviertem WLAN und automatischer Helligkeitsregelung verringerte sich die Laufzeit am Stück auf etwa zehn bis zwölf Stunden. Die vom Hersteller versprochene Akkulaufzeit von bis zu einem Monat ist damit nur für Gelegenheitsnutzer zu erreichen.



Denn selbst wenn der Nutzer nur zwei bis drei Stunden pro Tag liest, ist gerade mal eine Akkulaufzeit von einer Woche möglich. Das ist weit von einer intensiven Nutzung entfernt - und von der ist auszugehen, da sich der Aura One beim Preis ganz klar nicht an Gelegenheitsnutzer richtet.

Verfügbarkeit und Fazit

Kobos Aura One kostet 230 Euro und gehört damit zu den E-Book-Readern im gehobenen Preissegment.

Fazit

Der Aura One ist ein mit Einschränkung sehr gelungener E-Book-Reader im großen Format. Das E-Paper-Display liefert ein hervorragendes Kontrastverhältnis mit einer sehr hohen Auflösung. Die Beleuchtung ist angenehm gleichmäßig und die Lichthöfe am unteren Displayrand stören in der Praxis kaum.

Gut ist die Pocket-Integration, mit der sich Webseiten unkompliziert auf das Gerät bringen und unterwegs auch ohne aktive Internetverbindung mühelos lesen lassen. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten deutlich. Noch besser hätte uns gefallen, wenn es auch einen Feedly-Reader gäbe, um News-Feeds mit dem E-Book-Reader zu lesen.



Durch das wasserdichte Gehäuse ist ein Einsatz am Strand möglich. Badewannentauglich ist der Reader hingegen nur bedingt. Denn das Display und die Hände müssen trocken sein, damit ohne Einschränkungen vor- und zurückgeblättert werden kann. Hier hätten wir uns eigenständige Blättertasten gewünscht.

Der entscheidende Nachteil des Aura One ist der zu kleine Akku. Wer das Gerät intensiv verwendet - und das wird bei dem Preis wohl auf die meisten Käufer zutreffen - muss den E-Book-Reader-Akku locker jede Woche aufladen. Wer sich damit abfinden kann, erhält einen vorzüglichen E-Book-Reader mit einem angenehm großen Display.  (ip)


Verwandte Artikel:
E-Book-Reader: Update macht Tolino-Geräte unbrauchbar   
(05.03.2018, https://glm.io/133134 )
E-Books: Deutsche Telekom steigt bei Tolino aus   
(03.01.2017, https://glm.io/125341 )
Neuer Kindle Oasis im Hands on: Amazons großer E-Book-Reader ist wasserdicht   
(11.10.2017, https://glm.io/130554 )
Tolino Epos: Wasserdichter E-Book-Reader mit 7,8-Zoll-Display   
(11.10.2017, https://glm.io/130561 )
Falt-E-Paper: E-Ink stellt aufklappbaren E-Book-Reader vor   
(16.06.2017, https://glm.io/128413 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/