Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0102/12367.html    Veröffentlicht: 15.02.2001 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/12367

Spieletest: ONI - Prügel-Action im Manga-Look

Aktueller Titel von Bungie

Das Action-Spiel Oni wurde auf Grund der faszinierenden Vorabpräsentationen, die einfallsreiche und äußerst komplexe Bewegungsabläufe der Hauptfiguren demonstrierten, bereits mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht. Die finale Verkaufsversion kann die hochgesteckten Erwartungen allerdings nicht ganz erfüllen.

Wir schreiben das Jahr 2032. Die Welt ist unterteilt in gigantische Metropolen, die, wie so oft in derartigen Szenarien, von Megakonzernen und der organisierten Kriminalität regiert werden. Die wichtigste Einheit im Kampf gegen skrupellose Verbrecher ist nun die Technology Crimes Task Force, die sich als Hauptziel die Zerschlagung der gefährlichsten Verbrecherorganisation, bekannt als "das Syndikat", gesetzt hat.

Screenshot #1
Screenshot #1
Eine zentrale Rolle bei der Vernichtung der Verbrecherorganisation kommt nun der Eliteagentin Konoko zu, die sich durch außergewöhnliche geistige Fähigkeiten und ein umfangreiches Repertoire gefährlicher Nahkampftechniken auszeichnet. Als Kampfamazone mit violetten Haaren zieht der Spieler nun also in der aus Tomb Raider bekannten Kamerasicht in den Kampf gegen die Gangsterbosse der Zukunft.

Screenshot #2
Screenshot #2
Ganz im Gegensatz zum Gros der aktuellen Actionspiele steht bei Oni nicht der geschickte Einsatz verschiedener Waffen, sondern die gekonnte Körperbeherrschung im Mittelpunkt. Zwar greift auch Konoko beizeiten mal auf herkömmliche Pistolen und Plasmagewehre zurück, zumeist muss sie sich ihrer Gegner aber im Nahkampf entledigen. Und dieser gestaltet sich durchaus abwechslungsreich, denn neben unterschiedlichen Schlag- und Sprungtechniken gibt es auch eine Reihe von Special Moves, die die Feinde zu Boden befördern.

Screenshot #3
Screenshot #3
Für Anfänger ist Oni infolgedessen aber eher ungeeignet: Die Kämpfe werden per Tastatur und Maus ausgetragen, und im Eifer des Gefechtes verpasst man des Öfteren die richtige Tastenkombination für den siegbringenden Schlag. Außerdem ist die Steuerung auch nicht immer ganz genau, gerade kompliziertere Sprung- und Schlagabfolgen werden von Zeit zu Zeit vom Programm geflissentlich ignoriert.

Screenshot #4
Screenshot #4
Ein ähnlich zwiespältiges Bild gibt die Grafik ab. Die Animationen der Charaktere, gerade auch in den Kampfszenen, sind eine Augenweide, die Hintergründe hingegen wirken farblos und sind zudem recht spärlich dekoriert. Die Zwischensequenzen im Science-Fiction-Manga-Stil wissen da schon mehr zu gefallen. Zusätzlicher Frust entsteht aber dadurch, dass nicht jederzeit Spielstände angelegt werden dürfen - angesichts des hohen Schwierigkeitsgrades ein ärgerliches Manko.

Fazit:
Die großen Erwartungen, die mit Oni verknüpft waren, kann Bungie leider nur unzureichend erfüllen. Kleinere spielerische Mängel und die oft antiquiert wirkende Grafik sorgen für Minuspunkte bei der Bewertung. Das komplexe und abwechslungsreiche Kampfsystem hingegen verdient ein großes Lob. Wer also über genug Erfahrung im Umgang mit Actionspielen verfügt, könnte in Oni eine neue spannende Herausforderung finden.  (tw)


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