Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/digitale-assistenten-google-assistant-schadet-der-android-plattform-1610-123603.html    Veröffentlicht: 05.10.2016 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/123603

Digitale Assistenten

Google Assistant schadet der Android-Plattform

Google hält Google Assistant von Android fern: Der digitale Assistent wird nur auf Google-eigenen Geräten wie den Pixel-Smartphones oder dem Home-Lautsprecher laufen. Für die Android-Plattform ist das ein Rückschlag und könnte auch für Google einer werden.

Ausschließlich für die eigenen Geräte will Google seinen Assistant anbieten. Er ist der Nachfolger des digitalen Assistenten Google Now und erscheint zunächst nur auf den gestern vorgestellten beiden ersten Pixel-Smartphones. Anfang nächsten Jahres sollen deutsche Kunden dann auch Google Home kaufen können, auf dem Google Assistant die zentrale Anwendung sein wird. Home wird mit Sprachbefehlen gesteuert und reagiert mit gesprochenen Auskünften und Antworten.

Mit seiner Entscheidung, Google Assistant nicht in sein Betriebssystem Android zu integrieren, schwächt die Android-Plattform. Es könnte aber langfristig auch Vorteile haben - allerdings nicht für Google, sondern für die Kunden: Wenn andere Hersteller zu Eigenentwicklungen gezwungen werden, könnte eine gesunde Konkurrenz zu Google entstehen.

Als Google Assistant im Mai auf der Google I/O das erste Mal vorgestellt wurde, war keine Rede davon, dass der digitale Assistent vom Android-Ökosystem abgekoppelt würde. Nun will Google nicht einmal die Nexus-Geräte mit dem Assistenten versorgen, wie ein Android Police vorliegendes Changelog belegt. Wer sich vergangenes Jahr ein Nexus-Smartphone gekauft hat, wird von den neuen Entwicklungen abgeschnitten.

Das Auskoppeln des Google Assistant aus dem Android-Ökosystem könnte der Plattform langfristig schaden: Hersteller von Android-Geräten haben mit ihren Produkten einen Wettbewerbsnachteil, wenn sie ein Gerät ganz ohne digitalen Assistenten auf den Markt bringen. Auf anderen Mobilplattformen ist dieser durchaus üblich, auch wenn er nicht immer den Leistungsumfang von Google Assistant erreicht.

Was ist mit Google Now?

Google hält sich derzeit noch bedeckt, wenn es um die Zukunft von Google Now geht. Da Assistant eigentlich als Nachfolger von Now vorgestellt wurde, wäre es nur logisch, dass Now nicht länger angeboten wird. Ob Google das so durchzieht, ist aber eben offen. Es wäre auch denkbar, dass Google Now auf Nicht-Pixel-Geräten weiterhin enthalten ist, damit grundlegende Funktionen eines digitalen Assistenten vorhanden sind.

Aber selbst, wenn Google Now in neuen Android-Versionen nicht mehr enthalten ist, wird es erstmal dauern, bis das bei den Geräten von Drittanbietern durchschlägt. Denn bis es Smartphones mit Android 7.1 geben wird, die nicht von Google stammen, wird es noch viele Monate dauern. Die negativen Folgen für die Android-Plattform werden also nicht sofort greifbar, sondern zeigen sich erst in einiger Zeit.

Fragen rund um den Datenschutz sind im Moment auch noch nicht geklärt. Google Now musste bisher immer erst aktiviert werden, wer also das Datensammeln von Google an der Stelle eindämmen wollte, konnte das bei der Aktivierung machen oder den Assistenten gar nicht erst aktivieren. Ob das bei Google Assistant auch so sein wird, ist noch offen.

Tummeln sich bald viele digitale Assistenten auf dem Markt?

Selbst wenn Google Now doch langfristig ein Bestandteil von Android bleiben sollte, setzt es Hersteller wie Huawei, Lenovo, LG, Samsung und Sony trotzdem unter Druck, eigene Assistenzdienste aufzubauen, um mit den Google-eigenen Geräten mithalten zu können. Google will Assistant in den kommenden Monaten erweitern, so dass damit deutlich mehr Dinge erledigt werden können, als es mit Google Now der Fall sein wird.

In naher Zukunft wäre es also denkbar, dass Huawei, Lenovo, LG, Samsung und Sony jeweils eigene Assistenzdienste anbieten. Google bekäme also mehr unliebsame Konkurrenz. Für die Kunden ist es der Gewinn, dass der Markt dann mehr Auswahl bietet. Allerdings werden die Möglichkeiten digitaler Assistenten weiter zunehmen, so dass eine direkte Vergleichbarkeit für Kunden auch immer schwerer wird. Amazons Alexa-Dienst etwa kann derzeit mit mehr als 3.000 sogenannten Skills erweitert werden. Da fällt es Nutzern schon schwer, zu erkennen, wo welcher Dienst die für sie wichtigen Vorzüge bietet.  (ip)


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