Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/rosetta-machs-gut-und-danke-fuer-die-bilder-1609-123555.html    Veröffentlicht: 30.09.2016 11:52    Kurz-URL: https://glm.io/123555

Rosetta

Mach's gut und danke für die Bilder!

Das Ende naht: Heute wird die europäische Raumsonde Rosetta auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufsetzen und dabei zerstört werden. Es ist das Ende einer spektakulären Mission, die der europäischen Raumfahrtagentur Esa großes Prestige eingebracht hat.

Am Schluss sind sie wieder zusammen: Die europäische Raumsonde Rosetta wird am 30. September auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landen - ganz in der Nähe des Landefahrzeugs Philae, das Rosetta vor knapp zwei Jahren auf dem Kometen abgesetzt hat.


Rosetta umkreiste den Kometen, kurz Tschuri genannt, zuletzt auf einer elliptischen Bahn, auf der sie sich ihm bis auf etwa 4 Kilometer näherte und sich dann bis auf etwa 17 Kilometer entfernte. Am 26. September hat sie diesen Orbit verlassen und sich etwas von dem Kometen entfernt. Am 29. September gegen 22:50 Uhr ist die Sonde dann auf Kollisionskurs mit Tschuri gegangen.

Rosetta findet Philae

Gegen 10 Uhr am Freitag wird die Europäische Raumfahrtagentur (European Space Agency, Esa) die letzten Kommandos an Rosetta übermitteln. Die Sonde wird zum Kometen absinken und schließlich aufsetzen. Zielgebiet ist die Ma'at-Region auf dem Kopf der Ente. Dort hat Rosetta kürzlich auch den Lander Philae entdeckt, der nach der Landung im November 2014 abgedriftet war.

Die Ma'at-Region sei "ein besonders aktives Gebiet, mit Löchern, aus denen Gas und Staub ins All geschleudert werden", sagt Stephan Ulamec. Der DLR-Wissenschaftler ist Projektleiter von Philae. Die Sonde soll sich der Kometenoberfläche langsam nähern. Während des Sinkflugs wird sie noch Daten sammeln und Bilder aufnehmen - bis zum Schluss: Die letzte Übertragung soll etwa 15 Sekunden vor dem Aufsetzen erfolgen.

Die Sonde verschläft die Reise

Es wird das Ende einer spektakulären Raumfahrtmission: Die Esa hatte Rosetta am 2. März 2004 auf die 800 Millionen Kilometer lange Reise zu 67P/Tschurjumow-Gerassimenko geschickt. Unterwegs durchquerte die Sonde zweimal den Asteroidengürtel und schickte Bilder von zwei Asteroiden zur Erde. Dann wurde sie für zweieinhalb Jahre in Tiefschlaf versetzt.

Gut 800 Millionen Kilometer musste die Sonde zum Kometen zurücklegen. Dabei passierte sie mehrfach die Erde und den Mars und nutzte die Gravitationsfelder der Planeten, um mit Gravitationsmanövern oder Swingbys zu beschleunigen. Zudem durchquerte sie zweimal den Asteroidengürtel und konnte dabei zwei Asteroiden fotografieren. Im August 2014 kam Rosetta bei Tschuri an, schwenkte in einen Orbit ein und lieferte spektakuläre Bilder vom Kometen.

Philae bohrt Tschuri an

Am 12. November 2014 kam dann der Höhepunkt der Mission: Rosetta setzte Philae ab. Zwar war der Lander nur wenige Tage aktiv - nach dem Drift über den Kometen blieb er in einer Spalte hängen und bekam nicht genug Sonnenlicht, um seinem Akku wieder aufzuladen. Doch die Zeit reichte aus, um Fotos aufzunehmen, Daten zu sammeln und ein Loch in den überraschend harten Untergrund zu hämmern.

Im Juni 2015 meldete sich der Lander noch einmal. Anfang dieses Jahres versuchte das DLR erneut, Philae zu reaktivieren, aber vergeblich. Im Februar gab das DLR Philae auf.

Rosetta war ein Erfolg

Die Rosetta-Mission war ein großer Erfolg für die Esa: Sie hatte es geschafft, eine Sonde auf eine lange und weite Reise zu einem Rendezvous zu schicken und zum ersten Mal ein Raumschiff von der Erde auf einem Kometen landen zu lassen. Sie war ein Grund dafür, dass die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Europäer mit dem Bau des Servicemoduls für das US-Raumfahrzeug Orion beauftragt hat, das 2018 um den Mond fliegen soll.

Am 30. September 2016 endet die Rosetta-Mission: Gegen 12:40 Uhr wird die Sonde auf dem Kometen aufsetzen. Obwohl sie zum Schluss nur noch mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein wird, wird sie den Aufprall voraussichtlich nicht überstehen. Wegen der langen Laufzeit wird das letzte Signal von Rosetta gegen 13:20 Uhr - mit einer Toleranz von 20 Minuten - auf der Erde ankommen.

"Natürlich ist es in gewisser Weise ein sentimentaler Anlass, wenn eine Mission, an der man über zwei Jahrzehnte gearbeitet hat, mit so einem Impakt endgültig zu Ende geht", sagt Ulamec. "Andererseits haben wir so viele Daten gewonnen, dass man auch nicht traurig sein sollte."

Nachtrag vom 30. September 2016, 13:36 Uhr

Rosetta ist pünktlich auf dem Kometen gelandet. Um 13:19 Uhr sei das Signal verstummt, twitterte die Esa. Damit sei die Rosetta-Mission vollendet  (wp)


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