Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gopro-karma-im-hands-on-nicht-smart-aber-clever-1610-123541.html    Veröffentlicht: 06.10.2016 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/123541

Gopro Karma im Hands on

Nicht smart, aber clever

Gopro hat Ende September die langerwartete Karma-Drohne samt Gimbal und zwei neuen Kameramodellen vorgestellt. Golem.de ist Probe geflogen.

In Anbetracht des seit einiger Zeit sinkenden Börsenkurses von Gopro wirkt der Name Karma für den Quadcopter bedeutungsschwer: Für das Unternehmen hängt viel am Erfolg des Paketes aus Kamera, Gimbal und Copter. Dabei ist die Erweiterung der Produktpalette um einen Quadcopter ein logischer Schritt. Auf dem Markt für Actionkameras gibt es inzwischen viele preiswerte Anbieter, die ebenfalls mit hochauflösenden Videos und einfacher Bedienung um Kunden werben. Die Gopro-Drohne funktioniert nur mit Kameras aus dem eigenen Hause - in unserem Fall ist es das aktuelle Modell Hero 5 Black. Auch die Hero 4 Black und Silver lassen sich per Adapter anschließen.

Mit eingeklappten Rotoren ist die Karma kaum so groß wie ein Toastbrot. So passt sie bequem in einen Rucksack, den Gopro passenderweise in Tornisterform mitliefert. Das Ziel einer Drohne, die auf jeden Ausflug mitkommen kann, ist unserer Ansicht nach damit erreicht. Der Quadcopter wirkt trotzdem nicht fragil oder zerbrechlich.

In wenigen Sekunden sind die Rotoren ausgefaltet und die Gopro-Kamera ist am Gimbal befestigt. Dazu muss allerdings eine Abdeckklappe an der Hero 5 Black abgenommen werden - das kleine Stück Plastik geht sicherlich leicht verloren, kann aber nachbestellt werden.

Kameraschwenks per Touch

Eine Besonderheit der Karma ist die Position der Kamera. Anders als bei den meisten Multikoptern befindet sich das Auge der Drohne ganz vorne, auf Höhe der Rotoren. So ist sichergestellt, dass auch bei steilem Flugwinkel nie die Rotorblätter ins Bild geraten.

Die Karma hat eine eigene Fernsteuerung, die als robustes Klapp-Gehäuse ausgeführt ist. Nach dem Öffnen des Deckels werden ein heller, mit 720 x 1.280 Pixeln auflösender Touchscreen und zwei analoge Steuerknüppel sichtbar. Der linke Stick beeinflusst Richtung und Höhe, rechts wird Schub gegeben.

Außer einem Startknopf und einer Taste für die autonome Rückkehr gibt es auf der Oberseite keine weiteren Bedienungselemente. Vier leuchtstarke LEDs zeigen den Akkustand des Controllers an. Zwei zusätzliche Schultertasten ermöglichen die Bedienung der Kamera. Sie lässt sich aber ebenso über den Touchscreen des Controllers bewegen, dazu führen wir einfach den Finger über das Display und die Kamera folgt mit ihrem Blickwinkel.

Hilfe von Kopiloten, nicht von Sensoren

Erweiterte Optionen wie Wegpunkte oder Tracking suchten wir vergeblich. Die Karma soll ihre Piloten nicht überfordern. Die Konzentration auf das Wesentliche fällt uns auch beim Flug auf. Innerhalb weniger Minuten haben wir die Steuerung verinnerlicht und können bereits erste Manöver fliegen. Wer Erfahrungen mit anderen Coptern hat, wird sich schnell zurechtfinden. Für Anfänger gibt es einen Modus, in dem die Drohne nachsichtiger auf hektische Steuerbewegungen reagiert. Die Höchstgeschwindigkeit von rund 50 km/h wird dabei nicht begrenzt. Die maximale Reichweite von 1.000 Metern lässt sich jedoch ebenso wie die Flughöhe einschränken. Nimmt man die Finger von der Steuerung, fällt auf, wie stabil der Copter auch bei Windböen in der Luft steht.

Eine Hinderniserkennung fehlt der Karma ebenso wie zusätzliche Kameras oder Sensoren für die Geländedetektion. Eine bewusste Entscheidung, wie uns ein Ingenieur mitteilte. So solle verhindert werden, dass man sich zu sehr auf die Sicherheitsmechanismen verlasse und die Drohne beispielsweise in Verkennung ihrer Situation auf dem Wasser lande oder im Gestrüpp hängenbleibe. Lediglich einige wenige autonome Flugmodi beherrscht der Quadcopter: So können beispielsweise eine vorgegebene Strecke abgeflogen oder eine Kreisbahn festgelegt werden.

Unsere Lieblingsfunktion ist nach kurzer Zeit das Teilen des Bildschirms. Bis zu vier Smartphones oder Tablets lassen sich per WLAN mit dem Controller koppeln und spiegeln die Sicht der Drohne. Ein ausgewähltes Gerät kann dabei sogar die Steuerung der Kamera übernehmen. So werden Zuschauer zu Akteuren und das Fliegen macht noch mehr Spaß, da man sich als Pilot komplett auf den Copter konzentrieren kann.

Die Video- und Fotoaufnahmen mit der neuen Gopro Hero 5 Black haben erwartungsgemäß eine sehr hohe Qualität. Der integrierte digitale Bildstabilisator scheint die Ergebnisse des Gimbals noch zu verbessern. Letzterer lässt sich abnehmen und sorgt mit der beiliegenden Halterung auch am Boden für ruhige Kamerafahrten. Andere Hersteller verkaufen solche Systeme extra.

Eine Akkuladung reicht für rund 20 Minuten Flugzeit, der Akku lässt sich sehr leicht wechseln - es liegt kein Ersatzakku bei. Der Controller kann bei voller Displayhelligkeit bis zu zwei Stunden genutzt werden, er lässt sich auch mit den Akkus der Drohne aufladen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Gopro Karma wird bei Markteinführung im Oktober voraussichtlich 869 Euro kosten. Enthalten ist der Controller, eine Handhalterung für den Gimbal, sechs Rotorblätter, Akku und Ladegerät sowie ein Tornister zum Transport. Die aktuellen Kameramodelle Hero 5 Black und Hero 5 Session kosten 430 und 230 Euro. Im Paket kosten Drohne und Kamera jeweils rund 100 Euro weniger.

Fazit

Unser kurzer Flug mit der Gopro Karma hat uns von der Idee der "Immer dabei"-Drohne überzeugt. Sie ist transportabel, klein und lässt sich leicht flugbereit machen. Nach dem Start steuert sie sich einfach und präzise und steht auch bei stärkerem Wind stabil in der Luft. Am meisten Spaß macht aber das Fliegen zu mehreren - die Idee, den Bildschirm mit anderen per Smartphone oder Tablet zu teilen, finden wir großartig. Das dabei sogar ein Zuschauer die Kamera steuern kann, ist nicht nur eine Erleichterung für den Piloten, sondern macht den Flug zum gemeinschaftlichen Erlebnis. Die Bildqualität hängt von der verwendeten Kamera aus dem Gopro-Sortiment ab - die von uns genutzte Hero 5 Black machte exzellente 4K-Videos und sehr gute Fotos.

Nachtrag: Inzwischen hat auch Marktführer DJI einen klappbaren Quadcopter auf den Markt gebracht.  (mwo)


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