Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/waipu-tv-im-hands-on-das-richtig-flexible-internetfernsehen-1609-123522.html    Veröffentlicht: 30.09.2016 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/123522

Waipu TV im Hands on

Das richtig flexible Internetfernsehen

Selten ist ein neues Produkt so gut durchdacht: sofortiger Kanalwechsel, Pausenfunktion in jeder Sendung und Aufnahmemöglichkeit von überall. Das Internet-Fernsehangebot Waipu TV macht klassisches Fernsehen für die Netflix-Generation wieder interessant.

Wer sich an den Komfort von Netflix und Amazon Instant Video gewöhnt hat, Filme, Serien und Dokumentationen ohne feste Sendezeiten zu schauen, interessiert sich meist nur noch wenig für lineares - sprich klassisches - Fernsehen. Der neue Dienst Waipu TV will die von Netflix und Co. gewohnte Flexibilität auch für alle deutschen Fernsehsender herstellen. Damit tritt der Dienst in Konkurrenz zu Telekom, Vodafone, Unitymedia sowie Zattoo und Magine TV, macht aber fast alles anders.

Waipu TV ist ein Cloud-Dienst und die Wiedergabe läuft unkompliziert über eine App. Kunden benötigen keine teure Set-Top-Box wie bei der Telekom, Vodafone oder Unitymedia. Der Dienst kann mit jedem Internetanschluss verwendet werden, der mindestens eine Geschwindigkeit von 6 MBit/s liefert.


Derzeit gelangen die Inhalte über Googles Chromecast auf den Fernseher. Wer noch keinen besitzt, muss also einmalig 40 Euro investieren, es muss aber nicht zwingend das neue Modell sein. Alternativ kann ein Cast-fähiger Fernseher genutzt werden. Wer Waipu TV nur auf dem Smartphone nutzen möchte, braucht keinen Chromecast. Im Laufe des Jahres kommt Waipu TV aber auch als App für die Streaminggeräte von Amazon und Apple, so dass dann kein Chromecast erforderlich ist. Wer bereits ein passendes Streaminggerät besitzt, hat in einigen Wochen oder Monaten dann keine weitere Anschaffungskosten.

Waipu TV verwendet ein eigenes Glasfasernetz

Waipu TV ist ein Dienst des Unternehmens Exaring, das vor Jahrzehnten half, ein Glasfasernetz in Deutschland aufzubauen. Im Zuge dessen hat sich Exaring einen Bereich mit eigener Glasfaserleitung reserviert, der nur von diesem Unternehmen genutzt wird. Dadurch besitzt Exaring ein eigenes Glasfasernetz mit 12.000 km Länge, das jetzt exklusiv für die Übertragung der deutschen Fernsehsender über das Internet verwendet wird.

Mit dem eigenen Glasfasernetz will Exaring Engpässe umgehen, die im normalen Internet immer wieder auftreten. Der Fernsehstream wird von Exaring bewusst erst so spät wie möglich in das reguläre Internet eingebunden, er wird also möglichst dicht am Anschluss des Kunden ins reguläre Netz geleitet. Die Macher von Waipu TV sehen sich damit im Vorteil gegenüber der Konkurrenz, bei der es immer wieder vor allem abends lästige Wartezeiten beim Kanalwechsel geben kann.

Mit Exarings Glasfasernetz sollen langfristig auch Inhalte übertragen werden können, die es derzeit noch nicht gibt. So wären Übertragungen in 4K oder 8K möglich, auch Virtual Reality und Cloud-Gaming sind weitere mögliche Einsatzfelder. Mit dem eigenen Glasfasernetz sei das alles möglich, ohne dass es Einbußen bei der Performance geben werde, verspricht der Anbieter.

Beim ersten Ausprobieren von Waipu TV haben uns die Ergebnisse überzeugt.

Keine lästigen Wartesekunden beim Zappen

Waipu TV gefällt uns beim ersten Anschalten gut: Bei der Auswahl eines Fernsehsenders beginnt die Wiedergabe des Live-Fernsehbildes unmittelbar. Es gibt keine störende Wartezeit. Der Anbieter verspricht, dass es auch keine Wartesekunden geben wird, wenn Millionen Kunden den Dienst in den Abendstunden verwenden. Golem.de konnte sich den Dienst tagsüber anschauen, bevor er allgemein verfügbar war.

Fingerwisch bringt das Fernsehbild auf den großen Schirm

Wenn das Fernsehsignal vom Smartphone auf den Fernseher übertragen werden soll, muss das Fernsehbild nur mit einem Fingerwisch nach oben geschoben werden, dann übernimmt der Chromecast die Wiedergabe auf dem Fernseher. Eigentlich muss dafür ein spezieller Chromecast-Button betätigt werden, das Hochschieben ist aber wesentlich komfortabler und schnell erlernt.

Der Dienst erlaubt es, den Fernsehstream pro Konto gleichzeitig auf bis zu vier Geräten zu nutzen. Dabei darf auf jedem Gerät ein anderer Sender laufen. Es ist aber auch möglich, mit nur einem Konto das Programm auf bis zu vier Fernsehern anzuschauen.

Cloud-Rekorder mit dabei

Im Gegensatz zu Cloud-Anbietern wie Zattoo und Magine TV enthält Waipu TV auch einen Cloud-Rekorder. Dieser kann manuell mit Aufnahmen bestückt werden, agiert aber bei Bedarf auch einfach im Hintergrund: Wenn die Pausetaste betätigt wird, speichert Waipu TV den Stream in der Cloud und der Nutzer kann ihn nach der Unterbrechung weiterschauen. Das Fernsehsignal ist dann nicht mehr in Echtzeit, sondern abhängig von der Länge der Pause zeitverzögert. Mit einem einfachen Klick kann aber auch ohne Zeitverzögerung direkt in die Live-Ausstrahlung zurückgeschaltet werden.


Der Kunde muss sich für die Pausenfunktion im Vorfeld um nichts kümmern: In jeder Sendung steht die Pause-Taste einfach bereit und kann jederzeit genutzt werden. Der Cloud-Rekorder kann auch für manuelle Aufnahmen verwendet werden: Dabei macht es Waipu TV dem Anwender so einfach wie möglich: Denn in der App ist eine Programmzeitschrift enthalten und jeder Eintrag enthält eine Aufnahme-Taste. Mit einem Knopfdruck ist dann sichergestellt, dass die betreffende Sendung aufgenommen wird.

Hierzu benötigt der Nutzer nur einen schmalbandigen Internetzugriff, weil nur der Aufnahmebefehl an die Cloud gesendet wird. Es ist also auch von unterwegs möglich, den Rekorder zu programmieren. Wenn dem Nutzer etwas dazwischenkommt und er nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen würde, kann er seine Wunschsendung jederzeit programmieren - notfalls auch erst wenige Minuten, bevor die Ausstrahlung beginnt.


Prinzipiell funktioniert Waipu TV auch im mobilen Internet, allerdings geht das dann auf das ungedrosselte Datenvolumen, so dass es für die meisten Kunden derzeit keine Option darstellen dürfte. Außerdem muss dann entweder der teuerste Tarif oder eine passende Option gebucht werden. Idealerweise befindet man sich also beim Schauen des Fernsehprogramms in der Nähe eines WLAN-Hotspots, um den eigenen Datentarif zu schonen.

Zum Waipu-TV-Dienst gehört auch eine elektronische Programmzeitschrift samt Programmempfehlungen. Der Dienst beobachtet das Nutzerverhalten und verfeinert damit die Programmvorschläge. Wer als Nutzer also vor allem Serien schaut, wird eher Serien- als Spielfilmempfehlungen erhalten. Und wer sich vor allem für Kochshows interessiert, erhält die dafür passenden Empfehlungen.

Der Basisdienst von Waipu TV ist kostenlos nutzbar und ist eine Registrierung erforderlich.

Tarife und Fazit

Im kostenlosen Paket von Waipu TV erhält der Kunde Zugriff auf alle 26 Sender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in SD-Qualität. Die Pause- und Aufnahmefunktion ist dann nicht verfügbar. Für 4,99 Euro pro Monat gibt es 52 deutschsprachige Fernsehsender in SD-Qualität samt Pause-Funktion. Der im Paket Comfort enthaltene Cloud-Rekorder kann für maximal zehn Stunden Aufnahmezeit genutzt werden. Der Comfort-Tarif kann 30 Tage kostenlos ausprobiert werden.


Hierbei verspricht der Anbieter, dass Aufnahmen nicht nach zehn Stunden abgeschnitten werden, sondern auch danach weitere Aufnahmen möglich sind. Allerdings ist der Zugriff eingeschränkt, der Kunde kann immer nur auf zehn Stunden Material zurückgreifen, dabei müssen erst alte Aufnahmen angesehen werden, bevor der Zugriff auf aktuelle Aufnahmen möglich ist. Alternativ kann die Aufnahmedauer verlängert werden, indem ein anderer Tarif oder eine passende Option dazugebucht wird.

Tarife mit Optionen anpassen

Das Paket Perfect enthält 50 Stunden Aufnahmezeit und kostet monatlich 14,99 Euro. In diesem Paket sind viele der 52 Sender in HD-Qualität verfügbar, Schritt für Schritt sollen noch fehlende HD-Sender hinzukommen. Derzeit sind die meisten privaten Sender noch nicht in HD verfügbar. Zudem ist nur in diesem Tarif der mobile Fernsehempfang inbegriffen. Beide Tarife können monatlich gekündigt werden.

Ergänzend zu diesen beiden Tarifen stehen dafür eine Reihe von Optionen zur Verfügung. So können Kunden gegen einen Aufpreis von 5 Euro im Monat viele Sender in HD-Qualität erhalten und für ebenfalls 5 Euro monatlich gibt es eine Mobil-Option, um Fernsehsender unterwegs anzuschauen. Zudem kann der Aufnahmespeicher vergrößert werden. Für 2 Euro im Monat gibt es 10 Stunden zusätzlich, 50 Stunden monatlich kosten 5 Euro und für 100 Stunden werden 9 Euro pro Monat fällig.

Vorerst kann Waipu TV nur mit Smartphones im Zusammenspiel mit einem Chromecast oder einem anderen Google-Cast-fähigen Gerät verwendet werden. Die Waipu-TV-App steht für Android ab der Version 4.4 im Play Store bereit, die iOS-Variante ist im App Store zu finden. Bis Ende Dezember 2016 will der Anbieter aber auch Apps für Amazons Fire-TV-Geräte und das aktuelle Apple TV anbieten. Dann wird für den Waipu-TV-Einsatz kein Chromecast mehr benötigt und Kunden werden den Dienst ohne Beschränkungen mit einer herkömmlichen Fernbedienung steuern können.

Eine Bedienung mit fühlbaren Tasten hat den Vorteil, dass eine Blindsteuerung möglich ist, die mittels Smartphone-Display nicht gegeben ist. Im Gegenzug bietet die Smartphone-Steuerung wieder einige Komfortfunktionen, die bei der Fernbedienungslösung fehlen.

Fazit

Niedriger Preis, hohe Flexibilität und geringe Anschaffungskosten. Mit Waipu TV bringt Exaring eine sehr komfortable Möglichkeit auf den Markt, klassisches Fernsehen zu schauen, ohne zwingend an die Ausstrahlungszeiten der Sender gebunden zu sein. Die Pausenfunktion ermöglicht es, unkompliziert das Live-Fernsehen anzuhalten. Dies ist eine ideale Lösung für alle, die weiterhin vorwiegend lineares Fernsehen nutzen möchten.

Mit dem Cloud-Rekorder können sich Nutzer auch ganz unabhängig von Sendezeiten machen. Allerdings erfordert das entsprechende Vorplanung, weil der Nutzer die Aufnahme vorher aktivieren muss. Aufnahmen können aber bequem und zeitgemäß auch von unterwegs angestoßen werden.

Mit einem Waipu-TV-Abo wird ein herkömmlicher Fernsehanschluss so gut wie überflüssig. Mit der Chromecast-Nutzung fallen die notwendigen Anschaffungskosten erfreulicherweise vergleichsweise gering aus. Ein großer Nachteil ist derzeit sicherlich für einige, dass es viele Fernsehsender noch nicht in HD gibt. Etwas bedauerlich ist auch, dass die Unterstützung von Fire TV und Apple TV zum Start noch fehlt.

Nachtrag vom 4. Oktober 2016

Exaring hat auf Nachfrage von Golem.de mitgeteilt, dass in Waipu TV später einmal "neue Werbeformen und Werbeflächen gemeinsam in Kooperation mit den TV-Sendern" eingebunden werden sollen. Wann das passiert, ist noch nicht bekannt. Auch gibt es noch keine Details dazu, in welcher Form diese Werbeformen implementiert werden.

Waipu TV funktioniert derzeit nicht mit allen Internetanschlüssen, vor allem die großen Anbieter werden abgedeckt. Mit den Anbietern Easybell Berlin, Primacom, Rapeedo, Stadtwerke Ulm, HTP Hannover, Cablesurf München, RWE Highspeed, Quix und Deutsche Glasfaser laufen derzeit Gespräche, den Dienst auch darüber bereitzustellen.  (ip)


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