Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/stiftung-warentest-mailbox-und-posteo-gewinnen-mailprovidertest-1609-123513.html    Veröffentlicht: 28.09.2016 18:10    Kurz-URL: https://glm.io/123513

Stiftung Warentest

Mailbox und Posteo gewinnen Mailprovidertest

Mailbox.org und Posteo top, Gmail flop - so lässt sich der Mailprovidertest der Stiftung Warentest zusammenfassen. Nachdem der letzte Test zurückgezogen worden war, sollte dieses Mal alles besser laufen. Kritik gibt es trotzdem.

Die Berliner Mailanbieter Mailbox.org und Posteo belegen die ersten beiden Plätze in einem am Mittwoch veröffentlichten Test von E-Mailprovidern durch die Stiftung Warentest. Es ist das zweite Mal, dass die Stiftung Mailprovider testet. Beim ersten Mal hatten die Testkriterien für so viel Unmut gesorgt, dass die Provider sich zu einer Richtigstellung veranlasst sahen. Stiftung Warentest entschloss sich, den Artikel zurückzuziehen.

Damit der Test beim zweiten Mal besser läuft, hatte das Gremium einen Expertenbeirat berufen, der an der Erarbeitung der Kriterien für sichere Verschlüsselungsverfahren und anderen Kategorien mitgearbeitet hat.

Posteo schneidet bei Sicherheitsstandards besonders gut ab

Bei den "technischen Überprüfungen" schneidet Posteo besonders gut ab und bekommt mit 1,2 in dieser Kategorie die beste Note im Testfeld. Ebenfalls positiv bewertet werden 1&1 Mail Basic (1,5), Mailbox (1,6) und Yahoo Mail (1,7). Yahoo Mail und 1&1 Mail Basic werden aber wegen schlechter Datenschutzbedingungen und "Mängeln im Kleingedruckten" deutlich abgewertet und landen insgesamt auf den hinteren Plätzen. Mailbox.org gewinnt die Kategorie "Schutz und Privatsphäre" mit der Bestnote 1,0.

Besonders hervorgehoben wird die von Posteo angebotene Funktion, den gesamten Mailspeicher zu verschlüsseln. Außerdem ist es bei einigen Anbietern möglich, eingehende Mails mit einem PGP-Public-Key zu verschlüsseln, damit diese von Angreifern nicht eingesehen werden können. Bei dieser Lösung könnten aber weiterhin Metadaten abgerufen werden. Einige Anbieter bieten darüber hinaus die Nutzung PGP-verschlüsselter Mails mit Hilfe des Browserplugins Mailvelope an.

Posteo hatte vor Veröffentlichung des Tests kritisiert, dass die Stiftung Warentest die TLS-Transportverschlüsselung zwischen den Anbietern ursprünglich nicht als Feature berücksichtigt habe. Dieses Kriterium wurde aber in den fertigen Test aufgenommen. Außerdem kritisierte das Unternehmen, dass "Funktionen wie zum Beispiel HSTS, OCSP, Certificate Transparency oder HPKP, die wir unterstützen" nicht Teil der Bewertungskriterien gewesen seien.

Verschlüsselung: Auf dem Rechner oder in der Cloud?

Im Vorfeld der Veröffentlichung hatte der Fachbeirat intensiv über die Kriterien beraten. In einer Mitteilung von Mailbox.org zu dem Thema heißt es: "Ein Diskussionspunkt im Fachbeirat war die Bewertung der beiden in der Kryptografie grundlegenden Konzepte: Entweder wird auf dem Server des Mail-Anbieters verschlüsselt oder auf dem Endgerät des Anwenders. Beide Konzepte haben ihre Vorteile, je nach technischer Vorbildung des Nutzers und der Wertschätzung eines einfachen Workflows."

Googles Gmail landet im Vergleichstest auf dem letzten Platz - und wird auch bei der Sicherheit nur mit der Note 2,5 bewertet. Dies habe vor allem mit der fehlenden Dane-Unterstützung und der fehlenden Funktion zur Posteingangsverschlüsselung per PGP-Public-Key, wie sie Mailbox und Posteo bieten, zu tun, wie uns die Stiftung Warentest auf Anfrage mitteilte. Größter Kritikpunkt an Gmail ist aber die Auswertung der gespeicherten Informationen durch Google.

Ob Dane und DNSSEC in der Realität tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen, ist aber zumindest umstritten. Das Deployment gilt als extrem kompliziert, die Verbreitung ist außerhalb Deutschlands zudem nach wie vor recht gering.

Gute Sicherheitsbewertung für Yahoo

Etwas verwundert sind wir über die gute Platzierung von Yahoo. Der Hack des Anbieters aus dem Jahr 2014 war zum Zeitpunkt der Drucklegung des Heftes zwar noch nicht bekannt, wie uns ein Mitarbeiter der Stiftung sagte. Doch Sicherheitsprobleme bei Yahoo-Mail gab es in der Vergangenheit immer wieder.

Die Tester bewerteten aber nicht nur die technische Seite der Mailanbieter, sondern auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), etwa für den Bereich Datenschutz. Hier werden Gmail und Outlook.com abgewertet. Auch die Handhabung wurde bewertet, hier schneidet Gmail am besten ab, die Noten der Testkandidaten unterscheiden sich in diesem Bereich aber nicht sehr stark.

Keiner der Anbieter wird im Test schlechter als mit der Note Befriedigend bewertet. Auf den vorderen Plätzen landen noch Mail.de Plusmail sowie GMX Topmail, wobei der Dienst mit 4,99 Euro im Monat vergleichsweise teuer ist. Einige der getesteten Provider bieten offenbar den Versand von Mails mittels einer App an, hier hat Stiftung Warentest Probleme festgestellt. Bei den Apps von Web.de, Gmx.de und AOL Mail wird das "Datensendeverhalten" kritisch bewertet. Details dazu gibt es im Test nicht.

Verschiedene beliebte und bekannte Dienste wie Riseup oder Protonmail sind nicht getestet worden. Den gesamten Test gibt es nur hinter einer Paywall.  (hg)


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