Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fifa-17-im-test-mehr-drama-auf-dem-fussballplatz-1609-123418.html    Veröffentlicht: 23.09.2016 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/123418

Fifa 17 im Test

Mehr Drama auf dem Fußballplatz

Viel Pathos und eine schönere Grafik: In Fifa 17 will EA Sports vor allem mit einem neuen Story-Modus und dem Einsatz der Frostbite-Engine punkten. Das sorgt für inhaltliche Spannung, tolle Grafik - aber immer wieder auch für Enttäuschung auf dem Platz.

Die größte spielerische Neuerung von Fifa 17 gegenüber den Vorgängern ist The Journey. In diesem Modus übernimmt der Spieler die Geschicke des Nachwuchskickers Alex Hunter und begleitet ihn bei seinem Weg vom hoffnungsvollen Talent zum Superstar bei einem Premier-League-Team. In teils kitschigen, teils sehr atmosphärischen Zwischensequenzen erlebt Hunter Höhepunkte und Enttäuschungen, bekommt Zuspruch und Kritik von Fans, Familie und Freunden. Dazwischen wird natürlich auf dem Platz an den fußballerischen Fähigkeiten gefeilt und in Spielen nach den ersten Toren gestrebt.

The Journey macht durchaus Spaß, wirkt aber bisher noch wie der Einstieg in einen Story-Modus, der noch nicht ganz ausgefeilt ist. So darf das Premier-League-Team zwar ausgewählt werden, am Spieler selbst können aber kaum Veränderungen vorgenommen werden. Zudem ist das Konstrukt sehr starr - schnell nervt etwa, immer wieder neue Trainingspassagen absolvieren zu müssen. Das hat NBA 2K mit einem ähnlichen Ansatz in der Vergangenheit schon besser hinbekommen.

Trotzdem macht die Handlung von Fifa 17 Spaß und hat viele bemerkenswerte Momente. Etwa, wenn Hunter im Kabinentrakt berühmte Kicker wie Marco Reus trifft, die ihm aufmunternde Worte zurufen oder in Zwischensequenzen der eine oder andere folgenschwere Fehler die Karriere auf dramatische Art und Weise ins Stocken geraten lässt.

Die zweite große Neuerung in Fifa 17 ist der Einsatz der Frostbite-Engine. Die sorgt für sehr schicke Grafiken, ohne allerdings den ganz gewaltigen Sprung zum Vorjahr zu bieten. So wirken insbesondere die Ränge in den Stadien immer noch nicht überzeugend. Toll sind dafür die Gesichter gelungen, allerdings vor allem bei den Topteams. Die Spieler von Bayern München sehen überragend aus, wer sein Glück mit einem etwas kleineren Team versucht, muss Ähnlichkeiten zwischen den Originalspielern und den virtuellen länger suchen.

Auf dem Platz sind es eher kleine Veränderungen, die Fifa 17 von der Vorjahresversion unterscheiden - nicht alle sind gelungen. Gut ist die Steuerung bei Standardsituationen: Freistöße und Ecken lassen sich nun gezielter an den Mitspieler bringen, auch die Elfmeter wurden überarbeitet und verlangen nun mehr Übung, geben dem Schützen aber auch ein besseres Gefühl beim Abschluss.

Verfügbarkeit und Fazit

Ebenfalls überzeugend ist der verbesserte Körpereinsatz. Tacklings wirken vielfältiger, der Kampf um den Ball realistischer. So lassen sich Zweikämpfe im Strafraum führen, ohne dass sofort ein Elfmeterpfiff ertönen muss.

Die eigenen Mitspieler nutzen freie Räume häufig besser. Das kann dazu führen, dass intuitiv Pässe in die Schnittstelle gespielt werden und auch auf den Punkt ankommen, weil das Team mitdenkt. Das klappt aber nicht immer, oft nerven die Mitspieler mit mangelndem Laufeinsatz und etwas starrem Positionsspiel. Ebenfalls unbefriedigend ist das Spiel über die Außenseiten. Wie präzise und realistisch Flankenläufe aussehen können, hat Konami gerade wieder in PES 2017 bewiesen - da fällt Fifa 17 im direkten Vergleich klar ab.

Beim Spielumfang und den Lizenzen herrscht ansonsten das altbekannte Bild. Alle relevanten Teams, Ligen und Spieler sind ebenso enthalten wie diverse Off- und Onlinemodi von Einzelspieler über Liga und Karriere bis hin zu den immer populärer werdenden Ultimate-Team-Sammelkarten-Herausforderungen. Die Atmosphäre stimmt ebenso wie der deutsche Kommentar. Die Sprüche von Fuss und Buschmann sind vielleicht nicht immer perfekt auf die Spielsituation abgestimmt, im Vergleich zur unpassenden und lieblosen Vertonung von PES 2017 aber ein absoluter Grund zur Freude.

Fifa 17 ist ab dem 29. September 2016 für Xbox One, Playstation 4 und PC verfügbar und kostet 60 Euro (Konsolen) beziehungsweise 50 Euro (PC). Die USK hat eine Freigabe ab 0 Jahren vergeben.

Fazit

Gegensätzlicher könnten die diesjährigen Veränderungen im ewigen Duell zwischen Fifa und PES kaum ausfallen. Konami verzichtet in diesem Jahr auf Verbesserungen bei Atmosphäre, Modi und Grafik und feilt stattdessen nur am Spielgefühl - das allerdings auf herausragende Art und Weise. Fifa 17 dagegen setzt auf Veränderungen abseits des Platzes. Zwar gibt es Neuigkeiten im Detail, etwa bei Standards, dem Laufspiel und dem Zweikampf-Verhalten. Insgesamt wirkt das Geschehen auf dem Rasen aber kaum realistischer oder fordernder, auch beim Ballgefühl ist Luft nach oben.

Stattdessen wird voll auf neue Grafik dank der stärkeren Engine und den neu eingeführten Story-Modus gesetzt. Beides sind gelungene Verbesserungen, die aber nicht ganz überzeugen. Insbesondere bei The Journey kann EA in den nächsten Jahren noch viel optimieren und hinzufügen. Insgesamt ist Fifa 17 somit ein wie jedes Jahr rundes, umfangreiches und spielstarkes Fußball-Gesamtpaket. Den größeren Sprung hat 2016 allerdings PES gemacht.  (tw)


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