Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fitbit-charge-2-im-test-fitness-mit-herzschlag-und-klopfgehaeuse-1609-123375.html    Veröffentlicht: 22.09.2016 09:11    Kurz-URL: https://glm.io/123375

Fitbit Charge 2 im Test

Fitness mit Herzschlag und Klopfgehäuse

Der Charge HR von Fitbit ist einer der beliebtesten Fitnesstracker; mit dem Charge 2 gibt es nun einen Nachfolger. Neben sinnvollen Neuerungen hat er leider eine etwas zu sportliche Bedienung.

Zum ersten Mal ist es uns auf der Gamescom im August 2016 aufgefallen: Ein erstaunlich großer Teil der deutschen Spielebranche und der Messebesucher ist mit einem Fitnesstracker von Fitbit ausgestattet. Liegt das daran, dass Spieler ihre Jagd auf Monster in Pokémon Go auch mit einer Sportuhr festhalten wollen? Wie auch immer: Ein paar Wochen später ist mit dem Charge 2 der Nachfolger für Charge und Charge HR erhältlich, die übrigens laut Fitbit die meistverkauften Tracker der kalifornischen Firma sind.

Die wichtigste Neuerung des Charge 2 ist das größere OLED-Bildschirmchen. Während Informationen wie Uhrzeit oder Puls auf dem HR nur in einer Zeile lesbar sind, zeigt der Charge 2 auf seinem viermal so großen Display mehrere Zeilen gleichzeitig an; die konkrete Auflösung verrät der Hersteller übrigens nicht.

Der Screen ist in Räumen, bei bedecktem Himmel und abends hervorragend ablesbar, bei Sonnenschein aber ziemlich schlecht - dann müssen wir irgendwie mit der freien Hand für Schatten sorgen. Die sieben verfügbaren Hauptzifferblätter (also die mit der Uhrzeit) können unkompliziert über die App gewechselt werden.

Der Charge 2 zeigt die Uhrzeit oder sonstige Informationen nicht permanent an. Um das Display zu aktvieren, müssen wir wie bei der Apple Watch das Handgelenk zu uns drehen - was ausgesprochen gut funktioniert. Diese sogenannte Schnellansicht lässt sich über die App deaktivieren, um etwa nachts nicht versehentlich durch das Licht gestört zu werden.

Dann müssen wir den Bildschirm mit einem Druck auf die seitlich angebrachte Taste aufwecken. Oder wir müssen anklopfen: Wie beim Vorgänger gibt es keinen echten Touchscreen, stattdessen nutzt das Gerät die Bewegungssensoren. Ein doppeltes Klopfen weckt der Charge 2, ein einfaches wechselt durch die Anzeigen.

Wie beim HR reicht kein sanftes Tippen: Der Nutzer muss sportlich-fest pochen, idealerweise an den unteren Übergang von Display zu Gehäuse. Beim Charge 2 funktioniert das meistens, aber eben nicht immer, was auf Dauer dann doch ein bisschen nervt. Im Eifer des Gefechts ist man zudem schnell mal über die eigentlich gesuchte Funktion hinausgeschossen, etwa bei der Suche nach der gewünschten Sportart.

Es führt kein Wisch zurück ...

Leider kann man dann nicht wie bei einem Touchscreen zurückwischen, sondern muss sich erneut durch alle Anzeigen blättern. Ärgerlich: Zumindest derzeit ist es nicht möglich, bei Trainingseinheiten das Display wahlweise dauerhaft leuchten zu lassen.

Eine große Verbesserung gegenüber dem HR ist die Auswahl und Aktivierung von Trainings - gemeint sind Sporteinheiten, etwa eine Stunde Joggen oder eine Radtour. Auf dem Charge 2 lassen sich sieben Profile hinterlegen. Das Besondere: Bei jedem lässt sich festlegen, ob bei seiner Aktivierung die Route vom Smartphone per GPS erfasst wird.

Falls wir also Wandern auswählen und unser Mobilgerät dabei haben, zeichnet Fitbit auch die Strecke mit auf. Beim Gewichtheben dagegen würde das keinen Sinn ergeben, so dass wir im Menü der App die Connected-GPS-Funktion deaktiviert vorfinden.

In der Praxis müssen wir also nur auf dem Tracker die Sportart auswählen, dann das Training mit einem langen Druck auf die Seitentaste starten und unser Smartphone dabeihaben. Zum Beenden des Trainings reicht ein weiterer langer Tastendruck. Schon werden Herzfrequenz und Route sowie alle weiteren Daten zusammengefügt und auf das Portal von Fitbit übertragen. Wer mag, kann die Tcx-Datei dann exportieren und bei Portalen wie Strava weiterverwenden.

Verfügbarkeit und Fazit

Was bei dem Charge 2 nicht im Angebot ist: Weder stehen fortgeschrittene Funktionen wie Intervalle zur Verfügung, noch gibt es Herzfrequenzalarme. Letzteres hängt auch damit zusammen, dass Fitbit die bei Anbietern wie Garmin oder Polar üblichen fünf Abstufungen zugunsten einer einfachen, aber unserer Auffassung nach für Einsteiger gar nicht schlechten Einteilung in Fettverbrennung, Kardio und Höchstleistung aufgegeben hat.

Ebenfalls eine Art Sportexperte-Light-Funktion ist die neue Anzeige der Cardiofitness in der App. Dabei handelt es sich um eine simplifizierte Schätzung der VO2max - also die maximale Sauerstoffmenge, die der Körper während einer Übung verwenden kann. Normalerweise gibt es das nur in wesentlich teureren Sportuhren.

Der Anwender bekommt mit dem Cardiofitness-Wert eine Angabe darüber, wie fit er im Vergleich mit anderen Menschen seines Alters und Geschlechts ist. Wichtiger und grafisch besser umgesetzt finden wir den Verlauf der Ruhepulskurve, was mit ein bisschen Erfahrung ein brauchbares Werkzeug zur Vermeidung von Über- oder Untertraining sein kann.

Nachrichten und Wecker

Eine Reihe von weiteren Funktionen des Charge 2 ist so ähnlich von anderen Fitbit-Geräten bekannt. So zeichnet das Gerät natürlich auch den Schlaf auf - unserem Eindruck nach sogar noch spürbar genauer als die Vorgänger. Es gibt Vibrationsalarme, mit denen man sich etwa morgens wecken lassen kann; die Vibration ist aber so schwach, dass wir davon nicht aufwachen würden. Außerdem werden Benachrichtigungen, etwa ankommende SMS, auf dem Display angezeigt - was man aber auch abstellen kann.

Der Charge 2 ist wie sein Vorgänger schweiß-, regen- und spritzwasserdicht. Er sollte laut Hersteller jedoch nicht beim Schwimmen getragen werden. Der Lithium-Polymer-Akku soll wie beim Vorgänger rund fünf Tage durchhalten. Wir sind beim Test mit sehr viel Rumspielerei auf vier Tage gekommen - im "echten" Alltag sollten fünf Tage also vermutlich tatsächlich in den meisten Fällen machbar sein, wenn auch eher knapp.

Fitbit Charge 2 ist in unterschiedlichen Farben erhältlich. Versionen mit silberfarbenem Gehäuse kosten rund 160 Euro, Varianten mit roségoldenem oder schwarzem Gehäuse sind 30 Euro teurer. Wechselbänder aus Kunststoff sind für 30 Euro und aus Leder für rund 70 Euro verfügbar. Der Fitnesstracker benötigt ein per Bluetooth LE gekoppeltes Smartphone oder Tablet, die App steht für iOS, Android und Windows Mobile zur Verfügung - auf Letzterem allerdings mit ein paar Funktionen weniger.

Fazit

Der Charge 2 sieht viel besser aus als der Vorgänger, er trägt sich dank des minimal besseren Bandmaterials angenehmer, und durch das Display ergeben sich einige Komfortverbesserungen, etwa bei der Auswahl der Trainingsart. Klasse ist auch die Zusammenarbeit mit einem gekoppelten Smartphone - aber die tollen Synchronisationsmöglichkeiten sind im Ökosystem von Fitbit ja traditionell eine der größten Stärken.

Auch die vom Charge 2 gelieferten Daten machen einen guten Eindruck. Das Erfassen des Schlafs kommt uns präziser vor als beim Vorgänger, und auch beim Alltagspuls gibt es wohl kleine Verbesserungen. Vor allem aber hat Fitbit in den letzten Monaten seine App ordentlich aufgemöbelt. Die stündlichen Aktivitäten sind klasse umgesetzt, und auch die Angabe des VO2max-Light-Werts ist etwas mehr als nur eine Spielerei.

Wirklich genervt hat uns auf Dauer, dass Fitbit keinen Touchscreen verbaut hat. Die Klopf-Bedienung funktioniert nicht immer gut und macht wenig Spaß. Besonders spürbar fanden wir dieses Manko, wenn wir den Charge 2 sowohl als Tracker und auch als Uhr benutzt und entsprechend oft verwendet haben. Sobald wir aber für die Zeit eine normale Uhr am anderen Handgelenk hatten und mit dem Fitbit-Gerät nur unsere Biodaten aufgezeichnet haben, hat uns die Klopfsteuerung nicht mehr gestört.  (ps)


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