Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/forza-horizon-3-im-test-autoparadies-australien-1609-123346.html    Veröffentlicht: 20.09.2016 15:05    Kurz-URL: https://glm.io/123346

Forza Horizon 3 im Test

Autoparadies Australien

Von der Ostküste durch Wüste, Regenwälder und an Traumstränden entlang nach Westen: In Forza Horizon 3 rasen Autofans auf Xbox One und Windows-PC durch ein abwechslungsreiches und prächtig aussehendes Australien.

Viele Besitzer echter Supersportwagen trauen sich (zum Glück) wenig mehr, als am Sonntagmorgen mit Tempo 80 unbeobachtet durch die Provinz zu fahren - und dann ein paar Stunden den Lack wieder auf Hochglanz zu polieren. Mit den virtuellen Rennsemmeln in Forza Horizon 3 können wir da schon wesentlich hemmungsloser umgehen: Schon im Intro liefern wir uns in einem italienischen Flitzer einen gnadenlosen Wettkampf.

Nach ein paar Minuten erfolgt automatisch der Wechsel in den fetten SUV - in dem wir über Sandstrand und Wasser der Küste von Australien brettern. Mit dieser Art der Abwechslung und Action können weder die deutsche Provinz noch die meisten anderen Rennspiele mithalten. Zumal in Forza Horizon 3 gleich der nächste Stunt wartet: Ein Wettrennen im Buggy gegen einen Jeep - der allerdings an einem Helikopter hängend über den Parcours geflogen und erst ein paar Meter vor dem Ziel auf die Piste heruntergelassen wird. Überholt haben wir ihn trotzdem!

Von der Ostküste in die Wüste

Das von Playground Games im Auftrag von Microsoft entwickelte Rennspiel schickt uns nach Australien. Die ersten paar Stunden sind wir vor allem an der Ostküste rund um die (tatsächlich existierende) Stadt Surfers Paradise unterwegs. Falls wir uns nicht aus eigener Initiative auf den Weg machen, lotst uns das Programm dann nach und nach mit Tipps und Hinweisen zu neuen Rennen nach Westen.

Wie im Vorgänger können wir uns frei bewegen und nach Lust und Laune über die Straßen fahren oder auf der Weltkarte gezielt eine Rennveranstaltung auswählen und uns vom Navi dorthin leiten lassen. Das ist durchaus nötig, denn das Gewirr aus Straßen und Geheimwegen ist sonst kaum zu durchschauen, zumal die Welt des Spiels groß ist.

Mal als Vergleich: Google Maps gibt als Fahrzeit für die 93 Kilometer zwischen Surfers Paradise und dem südlich gelegenen Städtchen Byron Bay genau 72 Minuten an; im Spiel benötigen wir für die Strecke immerhin rund fünf Minuten. Allerdings haben die Entwickler bei den Proportionen etwas getrickst, so dass die Distanzen nicht direkt aus der Echtwelt übertragbar sind. Trotzdem: Wem der Weg mal zu lang ist, der kann später eine Schnellreise verwenden.

Allerdings gibt es in der Welt von Forza Horizon 3 einiges zu entdecken: Neben den extrem abwechslungsreichen Umgebungen wie Regenwälder, Strände, kleine Ortschaften, riesige Ackerflächen und enge Canyons gibt es alle paar Kilometer auch die Rennevents. Das kann beispielsweise ein PR-Stunt sein, bei dem wir etwa im Auftrag einer Ingame-Umweltschutzbehörde im Buggy eine neue Bestzeit aufstellen müssen.

Selbst gebastelte Veranstaltungen

Meist sind es aber klassische Rennen, in denen wir gegen andere Fahrer um die Wette fahren. Das Besondere an Forza Horizon 3 ist, dass wir wahlweise auf vorgefertigte Veranstaltungen zurückgreifen können oder unsere eigenen basteln. Auf die Streckenführung haben wir keinen Einfluss, aber wir können Parameter wie die Anzahl der Runden, das Wetter und die Tageszeit (morgens oder abends) sowie die Art der Teilnehmerautos bestimmen.

Auf diese Art kommt es zu eher sportlichen Rennen in teuren Nobelkarossen oder etwa zu einem von den Entwicklern angebotenen, eher gemütlichen Wettkampf in Vehikeln, die allesamt aus 50er- und 60er-Jahre-Filmen stammen könnten. Insgesamt gibt es übrigens rund 350 Autos aller Marken - die aus deutscher Sicht wohl einzige größere Lücke gibt es durch das Fehlen von Porsche.

Für Siege in Rennen bekommen wir zum einen Geld für die Expansion des Fuhrparks, vor allem aber Fans, die fast so etwas wie die Zweitwährung sind. Erst wenn wir genug Anhänger gesammelt haben - was wie der Fortschritt in einem Rollenspiel auf einem Balken angezeigt wird - bekommen wir in einigen Orten neue Optionen beim Zusammenstellen der Rennen und Ähnliches angeboten. Das Ganze ist in ein Szenario eingebaut, in dem wir ein erfolgreicher Veranstalter von Autoturnieren und -festen sind. Mit einer Handlung hat das aber nichts zu tun, eine solche gibt es nicht - Forza Horizon 3 versteht sich als klassisches Rennspiel.

Verfügbarkeit und Fazit

Wie herausfordernd sich das Ganze fährt, kann der Spieler weitgehend selbst bestimmen. Mit Fahrhilfen kommen auch Einsteiger gut zurecht. Wer aber Traktions- und Stabilitätskontrolle deaktiviert, die Schaltung von automatisch auf manuell setzt und bei der Ideallinie die Bremsanzeige deaktiviert, muss ordentlich üben. Damit das nicht langweilig wird, lassen sich nach und nach übrigens acht Radiostationen freischalten. Neben elektronischen Klängen gibt es nun auch Klassik und einen Sender mit Heavy Metal und Punk.

Das Verhalten der computergesteuerten Fahrer - teils Drivatare auf Basis des Verhaltens von Kumpels aus dem Netz - wirkt gelungen. Den Gummibandeffekt (also ein sich brav direkt hintereinander um Kurven schlängelndes Hauptfeld) haben wir nie beobachtet, aber ein paar typische Verhaltensmuster sind dennoch schnell erkennbar und ausnutzbar. So ist das Feld mit zwei KI-Piloten an der Spitze fast immer gleich aufgebaut, und wer einen Kurs ein bisschen kennt der weiß rasch, wo die anderen besonders stark bremsen und somit gut zu überholen sind.

Forza Horizon 3 ist ab dem 27. September 2016 für rund 70 Euro erhältlich. Im Handel gibt es nur die Fassung für Xbox One. Wer das Rennspiel als Download im Microsoft Store für Windows-PC oder auf Xbox Live fürXBox One kauft, bekommt ohne weitere Kosten auch Zugriff auf die Version der anderen Plattform; für diesen Test lag uns übrigens nur die Konsolenausgabe vor.

Inhaltliche Unterschiede zwischen den beiden soll es laut Publisher Microsoft nicht geben. Wer mag, kann im Multiplayermodus oder Koop-Modus für bis zu vier Teilnehmer auch mit oder gegen Fahrer auf beiden Plattformen gleichzeitig antreten; das Crossplay lässt sich in den Optionen übrigens deaktivieren. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab 6 Jahren erteilt.

Fazit

Das muss man sich als Entwickler erst mal trauen: Gleich im interaktiven Intro zu Forza Horizon 3 darf der Spieler durch ein paar sensationell schöne Strand- und Waldstrecken fahren. Und trotzdem geht dem Rennspiel später nicht das Benzin aus. Es gibt immer wieder tolle Entdeckungen, seien es neue Gebiete oder spannend gestaltete Rennen - das Niveau bleibt ähnlich hoch wie die Geschwindigkeit.

Forza Horizon 3 schafft es mit Bravur, gleichzeitig unkomplizierter Spaß-Racer und einigermaßen ernsthaftes Rennspiel zu sein. Das gilt nicht nur für das sinnvoll konfigurierbare Fahrverhalten der Autos, sondern auch für die Atmosphäre und für die gleichermaßen herausfordernden und abwechslungsreichen Rennmodi.

Für kleine Drehzahleinbrüche sorgen in erster Linie die langen und vor allem häufigen Ladezeiten. Das nervt, außerdem zerstört der ständige Wechsel der Perspektiven und Modi ein bisschen die Immersion - Australien fühlt sich so ein bisschen kleinteilig an, eben nicht wie ein riesiger Kontinent am Stück.

Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Forza Horizon 3 ist mit seinem tollen Fahrgefühl und den temporeichen Rennen, den abwechslungsreichen und schönen Umgebungen sowie mit dem riesigen Fuhrpark eines der zurzeit besten Rennspiele. Wer das Genre mag, bekommt damit eine tolle Beschäftigung für viele Wochen und Monate.  (ps)


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