Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mi-notebook-air-im-test-xiaomis-geglueckte-notebook-premiere-1609-123344.html    Veröffentlicht: 21.09.2016 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/123344

Mi Notebook Air im Test

Xiaomis geglückte Notebook-Premiere

Xiaomi versucht sich außer an Smartphones jetzt auch an Notebooks, die in China konkurrenzlos günstig angeboten werden. Der Import nach Deutschland kann sich lohnen, man muss aber ein paar Nachteile in Kauf nehmen.

Dass Xiaomi gute Smartphones zu vergleichsweise günstigen Preisen anbietet, hat sich mittlerweile auch in Deutschland herumgesprochen. Über zahlreiche Importeure sind die Produkte des chinesischen Herstellers hierzulande erhältlich, die Preise sind trotz Einfuhrgebühren häufig immer noch attraktiv.

Auch Xiaomis erste Notebooks kosten in China weitaus weniger, als eigentlich für derartig ausgestattete Geräte zu erwarten ist: Das Mi Notebook Air mit 12,5-Zoll-Display und Core-m3-Prozessor wird für umgerechnet 480 Euro angeboten, das 13-Zoll-Modell mit Core-i5-Chip kostet 650 Euro. Die Ausstattung klingt auf dem Papier sehr interessant und hochwertig.


Golem.de hat sich das kleinere der beiden Notebooks genauer angeschaut. Wir wollen wissen, ob es sich lohnt, das Mi Notebook Air mit 12,5-Zoll-Display über einen Importeur mit Aufpreis zu bestellen - aktuell ist das Gerät für um die 530 Euro erhältlich. Das Testgerät wurde uns vom Onlinehändler Gearbest.com zur Verfügung gestellt, der beide Modelle auch nach Deutschland schickt.

Xiaomi mag Apple-Design

Das Mi-Notebook sieht, wie nach Fotos bereits zu vermuten war, einem Macbook sehr ähnlich. Xiaomi hat sich so sehr am Look der Apple-Geräte orientiert, dass auf der Unterseite der Spruch "Designed by Xiaomi in Beijing. Made in China" aufgedruckt ist, eine genaue Adaption von Apples "Designed by Apple in California. Made in China" - ein bisschen zu viel des Guten.

Tatsächlich gut finden wir allerdings, dass der Hersteller auf auffällige Namensschriftzüge auf dem Gerät verzichtet. Lediglich ein spiegelndes "Mi" ist unterhalb des Displays auf der Innenseite zu sehen. Das passt zur schlichten und unauffälligen Aufmachung des Gehäuses.

Gut verarbeitetes Gehäuse aus Metall

Das Gehäuse besteht komplett aus Metall, lediglich ein kleiner Teil um das Gelenk des Displays ist aus Kunststoff. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Design kantig. Der Rand auf der Unterseite ist für unseren Geschmack etwas zu scharf, Verletzungsgefahr besteht aber nicht. Das Notebook ist mit 292 x 202 x 12,9 mm kompakt gebaut, das Gewicht ist mit 1.073 Gramm angenehm.


Das Xiaomi-Notebook hat einen USB-3.0-Anschluss, einen HDMI-Ausgang und einen USB-Typ-C-Anschluss. Über diesen wird der Laptop geladen - das Design des mitgelieferten Netzteils erinnert ebenfalls stark an Apple. Da es für den chinesischen Markt gedacht ist, brauchen Nutzer in Deutschland einen Adapter für den Stecker.

Über ein Akku-Powerpack lässt sich das Notebook trotz USB-Typ-C-Anschluss nicht ohne weiteres laden. Dafür reicht die Ampere-Zahl der meisten Lade-Packs schlicht nicht aus. Auch mit den uns zur Verfügung stehenden handelsüblichen USB-Netzteilen konnten wir das Notebook nicht aufladen. Ein externes Speichermedium hingegen können wir über den Typ-C-Anschluss problemlos nutzen. Um ein Ethernetkabel verwenden zu können, müssen wir einen Adapter verwenden.

Spiegelndes Full-HD-Display mit guter Helligkeit

Das Display misst 12,5 Zoll in der Diagonale und löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Entsprechend werden Inhalte ausreichend scharf angezeigt. Der Bildschirm ist blickwinkelstabil und erreicht eine durchschnittliche Helligkeit von 297 cd/qm - für ein Notebook ein guter Wert. In der dunkelsten Einstellung kommen wir in unserem Test auf eine durchschnittliche Helligkeit von 7 cd/qm. Eine Touch-Funktion hat das Display nicht.

Das Display-Panel lässt sich um 130 Grad nach hinten klappen, was für eine bequeme Einstellung bei unterschiedlichem Lichteinfall ausreicht. Der Bildschirm spiegelt stark. Das ist beim Arbeiten im Freien mitunter lästig - eine Antireflexionsschicht hat das Mi Notebook Air offenbar nicht. In prallem Sonnenlicht müssen wir öfters eine neue Sitzposition suchen, damit der Bildschirm nicht zu stark reflektiert.

Tastatur nur im QWERTY-Layout verfügbar

Die Chiclet-Tastatur hat ein QWERTY-Layout, mit QWERTZ-Beschriftung gibt es Xiaomis Notebooks aktuell nicht. Das bedeutet, dass Nutzer sich an das englische Layout gewöhnen, ein deutsches Layout blind bedienen oder Tastaturaufkleber verwenden müssen. Der Autor hat diesen Text komplett auf dem Mi Notebook Air geschrieben und dabei das deutsche Tastatur-Layout blind benutzt. Wer häufig viel tippt, kann damit zurechtkommen, Gelegenheitstipper hingegen dürften das ein oder andere Sonderzeichen schon einmal suchen.

Der Hubweg der Tasten ist verhältnismäßig kurz, der Druckpunkt sehr leicht. Wir empfinden das Tippgefühl dementsprechend als weich, aber immer noch angenehm. Längere Texte lassen sich sehr gut tippen. Die Tastatur hat eine Hintergrundbeleuchtung, die nur in einer Stufe Helligkeit für die Tasten bietet. Verglichen mit anderen Tastaturbeleuchtungen empfinden wir sie als etwas schwach.

Gutes Touchpad mit angenehmer Oberfläche

Das Touchpad ist breit und hat eine angenehm glatte Oberfläche. Die Ansprache und die Präzision sind gut. Ein Druck löst einen gut wahrnehmbaren Klick aus. Insgesamt gefallen uns Tastatur und Touchpad gut, besonders beim Touchpad können wir keine nennenswerten Unterschiede zu denen höherpreisiger Notebooks ausmachen. Die schwache Hintergrundbeleuchtung der Tastatur ist zwar ein Kritikpunkt. Dass es sie nur in QWERTY-Belegung gibt, monieren wir dagegen nicht - offiziell ist das Mi Notebook Air schließlich nicht für den deutschen Markt gedacht.

Das Notebook ist mit einem stromsparenden Prozessor ausgestattet, der keinen Lüfter erfordert. Dafür die die Leistungsfähigkeit begrenzt.

Core-M-Prozessor für lange Akkulaufzeit

Im Inneren des 12,5-Zoll-Modells arbeitet Intels Core-m3-Prozessor (6Y30) mit einer maximalen Taktrate von 1,5 GHz. Zusammen mit 4 GByte Arbeitsspeicher eignet sich das Notebook damit gut für alltägliche Arbeiten wie Surfen, E-Mails abrufen oder auch Filme schauen. Photoshop lässt sich ebenfalls noch gut nutzen, bei sehr prozessorlastigen Tätigkeiten wie Filmschnitt hingegen kommt der Chip merklich an seine Grenzen.


Dank seiner Kompaktheit schätzen wir das kleine Mi Notebook Air vor allem als mobiles Büro. Das wird auch durch die lange Akkulaufzeit unterstützt: Dank des 5.000-mAh-Akkus haben wir mit dem Laptop bis zu elf Stunden Arbeitszeit erreichen können, bei Abschaltung der Netzwerkoptionen und bei moderater Bildschirmhelligkeit. Im Productivity-Test des Powermarks hat das Notebook acht Stunden lang bei einer Helligkeit von 150 cd/qm durchgehalten - ein ziemlich guter Wert. Dank des durch den Core-m3-Prozessor lüfterlosen Designs macht das Notebook zudem keinerlei Geräusche, was wir als sehr angenehm empfinden.

128-GByte-SSD von Samsung

Als Speichermedium setzt Xiaomi eine 128 GByte große SSD ein. Das verbaute Modell ist eine Samsung CM871a, ein Klassiker bei den OEMs, der auch in weitaus teureren Notebooks steckt. Die Lesegeschwindigkeit liegt bei 550 MByte/s, die Schreibgeschwindigkeit bei 150 MByte/s. Erfahrungsgemäß bricht die Schreibgeschwindigkeit bei größeren Dateien ein, bei kleinen Dateien hingegen kann die Geschwindigkeit bis zu 500 MByte/s erreichen. Der Preis des Mi Notebook Air verhindert wohl den Einbau einer SSD mit höherer Speichergröße - mit 128 GByte müssen Nutzer schnell haushalten.

Positiv überrascht waren wir von den eingebauten Lautsprechern, die - einem Aufdruck am Boden des Gerätes zufolge - von AKG stammen. Sie klingen außerordentlich satt und machen auch beim Filmeschauen Spaß. Da sind manch teure Ultrabooks anderer Hersteller deutlich schlechter, etwa das vom Autor normalerweise genutzte Yoga 260 von Lenovo.

Die Soundqualität wird durch eine Dolby-Audio-Anwendung weiter verbessert. Sie bietet voreingestellte Klangoptimierungen für Filme, Musik, Sprache und Spiele sowie einen individuellen Modus. Die Filmeinstellung beispielsweise verbreitert das Klangbild, während die Musikeinstellung den Sound etwas mehr fokussiert. Uns haben die verschiedenen Modi gut gefallen, sowohl über die eingebauten Lautsprecher als auch über Kopfhörer.

WLAN unterstützt das Mi Notebook Air nach 802.11 ac. Für Videotelefonate ist oberhalb des Displays eine 1-Megapixel-Kamera eingebaut.

Chinesisches Windows 10 sollte ausgetauscht werden

Über die Importhändler ist das Gerät mit zwei Windows-10-Varianten erhältlich: Entweder mit chinesischem Windows 10 Home oder mit englischem Windows 10 Home. Die chinesische Variante ist zwar deutlich günstiger als die englische, allerdings ist die Nutzung auf Deutsch mit mehr Mühe verbunden - in unserem Fall handelte es sich nämlich um eine Version, die sich nicht auf andere Sprachen umstellen lässt. Aufgrund des geringeren Preises lohnt sich der Mehraufwand allerdings, zumal eine Neuinstallation kein Hexenwerk ist.

Um das Notebook komplett auf Deutsch nutzen zu können, muss also eine deutsche Windows-Version neu installiert werden, die sich bei Microsoft herunterladen lässt. Am einfachsten finden wir es, mit dem Windows-ROM einen bootfähigen USB-Stick zu erstellen. Auch hierfür gibt es bei Microsoft ein Tool, das den Großteil der Arbeit abnimmt.

Nutzer müssen darauf achten, dass es sich bei der heruntergeladenen Windows-10-Version ebenfalls um eine Home-Version handelt. Nur diese erkennt das UEFI des Mi Notebook Air aufgrund der registrierten chinesischen Windows-10-Version als registrierte Software und schaltet entsprechend die Aktivierung frei. Installiert der Nutzer etwa eine Pro-Version, muss er dafür entweder einen Product Key haben oder einen erwerben.

Neuinstallation am besten mit USB-Stick

Das Boot-Menü erreichen wir, indem wir beim Start des Gerätes die F12-Taste drücken. Anschließend muss der eingesteckte USB-Stick als Bootmedium ausgewählt werden. Die folgende Neuinstallation von Windows ist auf Deutsch und damit problemlos. Auf diesem Weg lassen sich natürlich auch Windows-10-Versionen in anderen Sprachen installieren.

Nach der Installation fehlten bei uns zahlreiche Treiber. Praktischerweise stellt Xiaomi alle Treiber für das Mi Notebook Air auf seiner Homepage zum Download zur Verfügung. Diese können in einem Paket heruntergeladen und installiert werden. Anschließend funktioniert auch das Touchpad wieder richtig, ebenso wie die Dolby-Soundunterstützung.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Mi Notebook Air mit 12,5-Zoll-Display verkauft Xiaomi offiziell nicht in Deutschland. Es ist aber über verschiedene Importeure zu beziehen, die teils unterschiedliche Versandoptionen anbieten.

Unser Testgerät stammt von Gearbest.com, wo das Notebook mit chinesischer Windows-10-Version 596 US-Dollar kostet - das sind aktuell umgerechnet 533 Euro. Versandkosten fallen bei Gearbest nicht an, mit der Versandart Germany Express dauert es durchschnittlich 15 Tage, bis das Paket eintrifft. Der Vorteil dieser Versandart ist, dass das Paket erst nach Großbritannien geliefert und dann erst nach Deutschland weitergeleitet wird. Dadurch sollen keine Zollkosten für den Käufer anfallen.

Vorsicht vor dem Zoll

Der Händler Tradingshenzhen.com verkauft das Mi Notebook Air mit chinesischem Windows 10 für 537 Euro. Der Versand kostet hier 35 Euro, auch hier wird das Gerät aus Großbritannien verschickt. Die Versanddauer liegt zwischen 9 und 15 Tagen, der Vorteil ist jedoch, dass auch hier keine Zollgebühren anfallen sollten.

Sowohl das Mi Notebook Air selbst als auch das Netzteil haben keinen CE-Aufdruck. Das kann im Falle einer Zolluntersuchung dazu führen, dass das Gerät nicht eingeführt werden darf. Aufgrund dieser Gefahr lohnt es sich, einen Importeur zu wählen, der das Notebook direkt von einem Land innerhalb der EU verschickt.

Fazit

Xiaomi hat mit der 12,5-Zoll-Version des Mi Notebook Air ein Gerät vorgestellt, das nicht durch besonders ausgefallene Funktionen auffällt, sondern durch die gute Verarbeitung, die verbaute Hardware, die lange Akkulaufzeit und den Preis. Das Notebook eignet sich aufgrund seines Core-m3-Prozessors eher als mobiles Büro denn als Gaming-Notebook oder zum Schneiden von 4K-Videomaterial.

Käufer sollten sich bewusst sein, dass für letztere Tätigkeiten diese Art von Prozessor schlicht nicht ausgelegt ist. Core-i5-Notebooks gibt es in Deutschland für einen geringen Aufpreis. Allerdings sind diese Geräte deutlich schwerer und haben kürzere Akkulaufzeiten.

Zum Surfen, für Office-Software, Netflix oder das Abrufen von E-Mails ist ein Laptop wie das Mi Notebook Air eine gute Wahl - dank der langen Akkulaufzeit insbesondere auch für unterwegs. Dass wir das Gerät trotzdem nicht uneingeschränkt empfehlen können, liegt daran, dass es importiert werden muss: Interessenten müssen vor dem Kauf einiges beachten, etwa die QWERTY-Tastatur, das chinesische Windows und die Gefahren des fehlenden CE-Siegels beim Import.

Wer diese Nachteile beziehungsweise diesen Aufwand in Kauf nimmt, erhält ein leichtes und leises Business-Notebook. Für andere ist wohl ein etwas teureres und schwereres Core-i5-Gerät aus dem deutschen Handel besser geeignet.

Nachtrag vom 23. September 2016, 9:39 Uhr

Gearbest hat uns darauf hingewiesen, dass der kostenlose Versand des Händlers nach Deutschland ebenfalls über Großbritannien abgewickelt wird. Dadurch sollen dem Käufer wie bei Tradingshenzhen.com keine Zollgebühren entstehen. Der Text wurde entsprechend angepasst.  (tk)


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