Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pes-2017-im-test-vom-feeling-her-ein-gutes-gefuehl-1609-123316.html    Veröffentlicht: 19.09.2016 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/123316

PES 2017 im Test

Vom Feeling her ein gutes Gefühl

Noch mehr Fokus auf Taktik und Spielgefühl: In PES 2017 will Konami mit größerem spielerischem Tiefgang, intelligenter KI und ausgefeiltem Ballgefühl gegen Fifa 17 punkten. Abseits des Platzes erwarten den Spieler aber altbekannte Probleme.

Schon das erste Trainingsspiel im Pro Evolution Soccer macht deutlich: Konami ist es mit PES 17 wieder gelungen, das ohnehin tolle Ballgefühl nochmals zu verbessern. Das Spieltempo ist etwas reduziert, was mehr Geduld erfordert. Gleichzeitig gelingen insbesondere Pässe in die Tiefe, schnelle Sprints über die Außenseiten und darauffolgende Flanken so punktgenau wie nie zuvor. Das gibt dem Spieler das Gefühl, mit etwas Übung den Ball wirklich millimetergenau auf den Punkt bringen zu können, wo er hinsoll.

Im Spielverlauf stellen sich noch weitere Detailverbesserungen heraus. Die Torhüter sind stärker und patzen nicht so häufig wie im Vorjahr. Die Schiedsrichter agieren nachvollziehbarer - in PES 2017 weiß der Spieler im Vergleich zum Vorjahr oft schon im Moment des Fouls, mit welcher Karte zu rechnen ist. Auch die allgemeine Stärke der Serie, nämlich der dynamische und alles andere als schematische Spielverlauf, überzeugt in diesem Jahr erneut, zumal die KI auf das Verhalten des Spielers reagiert und die eigene Spielweise anpasst.

Zwar nicht ganz so überraschend, vielseitig und intelligent, wie es Konami vorab angekündigt hat - immer noch gibt es etwa teils seltsames Verhalten einzelner Abwehrspieler. Gleichzeitig ist aber deutlich spürbar, wie das gegnerische Team im Spielverlauf die Taktik ändert, das Pressing erhöht oder sich alternativ weit in die eigene Hälfte zurückfallen lässt.

Überhaupt ist PES 2017 ein Fest für Taktikfüchse. Offensive Ausrichtung rauf- oder runterdrehen oder per Tastendruck in den Defensivmodus schalten ist ebenso möglich wie ein direktes Verschieben auf der Taktiktafel: Da wird aus dem Mittelfeldspieler schnell eine hängende Spitze gemacht oder die Außenverteidiger werden weit nach vorne gezogen. Die Möglichkeiten sind so vielseitig, dass es Profis auf lange Sicht kaum langweilig werden dürfte.

Ebenso flüssig wie das Spielverhalten ist auch die Optik auf dem Platz umgesetzt. Die Animationen wirken noch geschmeidiger, die Abläufe etwa auch bei Stürzen oder Rempeleien realistischer. Auch die Spieler überzeugen: In Großaufnahme wirken Stars wie Messi und Neymar deutlich weniger künstlich als noch im Vorjahr.

Abseits des Rasens bleibt der Raum nach oben aber groß: Insbesondere das Stadionpublikum wirkt weiterhin statisch. Die Wiederholungen lassen Details vermissen, und sobald das Spiel verlassen wird, sind oft sehr dröge Menügrafiken zu sehen. Hier gelingt es Konami weiterhin nicht, Atmosphäre zu schaffen. Selbst der Champions-League-Modus, für den Konami offizielle Logos und auch die bekannte Hymne nutzt, wirkt oft steril.

Auf Lizenzseite ist ebenfalls alles beim Alten: Konami hat nur eine überschaubare Auswahl bekannter Clubs und Stadien zu bieten. Wer Barca-Fan ist, kann sich etwa über die echte Aufstellung und das original abgebildete Camp Nou inklusive echter Stadionmusik freuen. Auch ein paar weitere große Namen wie Arsenal oder Liverpool sind dabei. Wer aber etwa in der Champions League mit Bayern München antreten will, wird enttäuscht. Aus der Bundesliga konnten hier nur der BVB, Schalke und Leverkusen lizenziert werden. Das volle Lizenzpaket gibt es also weiterhin nur bei EA.

Auch bei den Spielmodi hat sich nicht viel getan. Die Möglichkeiten vom schnellen Spiel bis zur kompletten Karriere sind die altbekannten, Ergänzungen wie der Sammelkartenmodus My Club wurden aufgebohrt, stehen aber hinter der EA-Konkurrenz zurück. Sehr ärgerlich ist der Kommentar: Hansi Küpper und Marco Hagemann mögen bei Liveübertragungen im TV ihre Stärken haben, im Spiel wirken ihre lieblos aneinandergereihten Kommentare wahlweise unpassend, unlustig oder monoton.

Verfügbarkeit und Fazit

PES 2017 ist für Playstation 4, Xbox One und Windows-PC verfügbar und kostet rund 50 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 0 Jahren erhalten.

Fazit

PES 2017 ist eine weitere typische Fortsetzung der populären Fußballserie. Auf der einen Seite hat Konami das Spiel dort verbessert, wo es ohnehin schon herausragend ist. Das Ballgefühl wirkt noch präziser, die taktischen Möglichkeiten sind so vielfältig wie nie zuvor. Gleichzeitig überrascht die KI mit intelligenten Spielanpassungen. Kleine Ärgernisse des Vorjahres - etwa die häufig patzenden Torhüter und die nicht immer nachvollziehbar agierenden Schiedsrichter - wurden ebenfalls korrigiert.

Auf der anderen Seite bleibt Konami bei Atmosphäre und Präsentation fast schon traditionell unter den Erwartungen. Zwar können sich Spieler und Animationen zweifelsohne sehen lassen. Die enttäuschenden und sterilen Menügrafiken werden dem faszinierenden Sport aber ebenso wenig gerecht wie der Champions-League-Modus und die ärgerliche Vertonung. Das altbekannte Lizenzproblem fällt da im Vergleich sogar weniger ins Gewicht. Am Ende trumpft PES 2017 eben wieder einmal auf dem Platz auf - und überlässt die Begeisterung abseits des Rasens weiterhin dem Konkurrenten von EA Sports.  (tw)


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