Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/osmo-mobile-im-test-hollywood-fuers-smartphone-1609-123272.html    Veröffentlicht: 21.09.2016 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/123272

Osmo Mobile im Test

Hollywood fürs Smartphone

DJIs Osmo-Gimbals eignen sich sehr gut, um stabilisierte Aufnahmen mit kleinem Gepäck zu machen. Die neue Mobile-Version lässt die fest installierte Kamera weg, stattdessen verwenden Nutzer ihr Smartphone. Dass das eine gute Idee ist, zeigt der Test von Golem.de.

Ein Gimbal für Kameras ist eine feine Sache: Mit ihm lassen sich nicht nur stabilisierte Videoaufnahmen, sondern auch ruhige Kamerafahrten aus der freien Hand anfertigen. So ruhige Aufnahmen sind ohne ein derartiges Hilfsmittel besonders mit Smartphones sehr schwer anzufertigen, da die Geräte zum einen nicht gut in der Hand liegen und zum anderen die eingebauten Stabilisationsmaßnahmen nur zu einem gewissen Grad Wackler ausgleichen können.

DJI hat seinen Osmo-Gimbal im Rahmen der Ifa 2016 in einer Mobile-Version vorgestellt. Anstelle der fest eingebauten Kamera des normalen Osmo oder Osmo+ befindet sich am Kopf des Osmo Mobile eine Halterung für ein Smartphone. Golem.de hat den Gimbal ausprobiert und schöne Videoaufnahmen machen können - und dabei festgestellt, dass iPhone-Nutzer aktuell mit dem Osmo Mobile noch mehr Freude haben.


Mit dem Osmo Mobile können alle Smartphones bis zu einer Breite von 85 mm verwendet werden. Das Gerät wird in die Halterung am oberen Ende des Gimbals eingespannt und fixiert. Einmalig muss nun ein Gegengewicht austariert werden, damit das Smartphone auch im ausgeschalteten Zustand des Gimbals ausbalanciert ist.

Stabilisierung erfolgt direkt nach dem Einschalten

Schalten wir den Gimbal nun ein, wird das eingespannte Gerät endgültig austariert und stabilisiert. Dann ist es beispielsweise nicht mehr möglich, es durch Anstupsen in Bewegung zu versetzen. Das Smartphone lässt sich bereits jetzt mit dem Joystick des Osmo Mobile bewegen, der - wie die normalen Osmo-Gimbals - den Kopf bewegt. Auch Videoaufnahmen sind jetzt bereits möglich, der Nutzer muss dazu die Kamera auf dem Smartphone direkt starten.

Richtig sinnvoll ist der Osmo Mobile aber erst in Verbindung mit der DJI-Go-App. Diese ermöglicht zum einen eine Fernsteuerung der Kamerafunktion über die Bedienelemente des Gimbals selbst, zum anderen bietet sie einige interessante Aufnahmemodi und Einstellungen für die Gimbal-Steuerung. Erhältlich ist die App für Android und für iOS.

Aufnahme über DJI-Go-App sinnvoll

Zunächst wird das eingespannte Smartphone mit dem Osmo verbunden. Anders als beim normalen Osmo und beim Osmo+ erfolgt die Verbindung per Bluetooth; beim Osmo Mobile dient das Smartphone ja nicht nur als Display für die Kamera, sondern beinhaltet sowohl die Kamera als auch die Software selbst. Dank der Bluetooth-Verbindung ist die Akkulaufzeit des Osmo Mobile deutlich besser als die des normalen Osmo.


Vom Design her unterscheiden sich die DJI-Go-Apps unter Android und iOS nicht. Im Hauptbildschirm findet der Nutzer verschiedene DJI-Geräte zum Verbinden - auch verschiedene Multicopter - sowie den Zugriff auf das eigene Profil, das DJI-eigene soziale Netzwerk Skypixel und den Filmeditor.

Interessante Aufnahmefunktionen über die App

Bei angeschaltetem und verbundenem Osmo Mobile können wir die Kamera-App starten. Diese ermöglicht zum einen die Steuerung der Kamerafunktionen mit den Knöpfen des Gimbals, zum anderen stehen hier interessante Aufnahmefunktionen zur Verfügung.

Standardmäßig lassen sich Videos mit dem Osmo Mobile genauso aufnehmen wie mit dem Osmo und dem Osmo+ - nur eben mit dem Smartphone als Kamera. Bewegungen gleicht der Gimbal automatisch aus, Schwenks und Kamerafahrten geraten dadurch fließend. Mit dem Joystick lassen sich die Bewegungen beeinflussen, was allerdings etwas Übung voraussetzt. Ansonsten können Schwenks schon einmal abrupt enden.

Der Osmo Mobile hat wie die anderen DJI-Gimbals neben dem Joystick und separaten Tasten für Foto- und Videoaufnahmen einen Trigger an der Front. Mit diesem lässt sich die seitliche Bewegung des Stabilisators nach Bedarf aufheben, was hilfreich ist, wenn sich der Nutzer bewegt, aber ein Objekt weiterhin fest im Bild haben will. Die Kamera des Smartphones bleibt dann auf dem Objekt, anstatt entlang der Bewegung mitzugehen.

Gleiches Bedienprinzip wie bei bisherigen Osmo-Gimbals

Der Osmo Mobile unterscheidet sich in der Benutzung nicht vom normalen Osmo oder dem Osmo+. Entsprechend gefallen uns auch die Ergebnisse: Ruhige Kameraschwenks sind mit dem Gimbal kein Problem und liefern gute Bildergebnisse. Das Smartphone wird nicht weniger ruhig gehalten als die Kameras der anderen DJI-Gimbals.

Tracking-Modus verfolgt Objekte

Für Objektverfolgungen hat DJI beim Osmo Mobile zusätzlich einen neuen Tracking-Modus in die Go-App eingebaut. Damit können Objekte markiert werden, beispielsweise Gesichter, die anschließend vom System im Bild gehalten werden. Diese Funktion kann DJI beim Osmo und Osmo+ nicht anbieten, da diese Gimbals nach Angaben des Herstellers schlicht nicht die nötige Rechenpower haben. Bei einem modernen Smartphone besteht dieses Problem nicht.


Um das Tracking zu aktivieren, drücken wir auf das orange Fadenkreuz in der unteren linken Ecke der Kamera-App. Diese wechselt dann zu einem grünen Kästchen, anschließend kann ein Objekt markiert werden. Dafür tippen wir entweder auf ein Objekt und hoffen, dass die Go-App es korrekt erkennt, oder wir ziehen ein Kästchen mit dem Finger um das Tracking-Ziel.

Tracking erfolgt zuverlässig, wenn die Bedingungen stimmen

Anschließend bleibt das Ziel im Bildschirm, wenn wir uns und die Kamera bewegen. Es ist auch möglich, das Tracking-Objekt mit dem Joystick mehr nach links oder rechts zu verschieben; es bleibt bei der Aufnahme dann an dieser Position im Sucherbild.

Der Tracking-Modus funktioniert gut, wenn die Bedingungen stimmen. Das bedeutet, dass sich das zu verfolgende Objekt vom Kontrast her vom Hintergrund abheben muss, um zuverlässig verfolgt werden zu können. Das Gute ist: Verliert der Osmo Mobile zwischendrin kurz das Tracking-Objekt, ist das dem fertigen Video nicht unbedingt anzumerken. Dies setzt aber voraus, dass das System das Objekt möglichst schnell wiederfindet; dann fällt die Zeit ohne Objektbindung nicht weiter auf.

Keine Zeitlupenaufnahmen unter Android

Zeitlupenaufnahmen können wir mit der DJI-Go-App nicht unter Android machen, auch wenn die Kamera-Apps der von uns genutzten Smartphones diese Funktion eigentlich beherrschen. Mit dem iPhone hingegen geht das, wenngleich uns auch hier die Qualität besonders in Innenräumen nicht überzeugen kann. Der Autofokus macht Probleme, da er andauernd einen Schärfepunkt sucht und vor sich hin pumpt.

Das Problem des fehlenden Zeitlupenmodus lässt sich bei Android-Smartphones umgehen, indem Nutzer einfach den Gimbal und die ursprüngliche Kamera-App des Smartphones verwenden - die DJI-Go-App also nicht benutzen. Dann können sie allerdings die Bedienelemente des Gimbals nicht verwenden.

Zeitrafferaufnahmen mit Kameraschwenks machen Spaß

Sowohl bei iPhones als auch bei Android-Smartphones sind eine Zeitrafferfunktion und ein Zeitraffermodus mit Bewegung vorhanden. Diesen finden wir besonders spannend: Hiermit können Nutzer Zeitrafferaufnahmen machen, während der Gimbal automatisiert eine vorher eingegebene Route eingibt. Das ist dank der Go-App einfach und intuitiv.


Wir müssen lediglich das auf dem Gimbal befestigte Smartphone nacheinander auf die Punkte richten, die während der Zeitrafferaufnahme abgefahren werden sollen. Die einzelnen Punkte werden einer Übersicht hinzugefügt, die auch bearbeitet werden kann. Anschließend geben wir noch ein, wie viele Bilder in der Sekunde gemacht werden sollen und wie lang das Video im fertigen Zustand sein soll.

Gimbal fährt Wegpunkte automatisch ab

Starten wir die Aufnahme, fährt der Osmo Mobile die vorher eingegebenen Punkte ab, am Ende erhalten wir eine spannende Aufnahme. Ein Minuspunkt, den wir DJI hier ankreiden müssen: Um den Zeitraffer mit Bewegung nutzen zu können, sollte der Gimbal an einem Stativ befestigt sein, was leider nicht so einfach ist.

DJI hat sich nämlich gegen einen Stativanschluss am Boden des Haltegriffs entschieden und ihn stattdessen seitlich angebracht - genau an der Stelle, wo beim normalen Osmo und Osmo+ die Halterung für das Smartphone ist. Der Anschluss befindet sich in einer Rundung des Griffes, weshalb normale Stative nicht ohne weiteres angeschlossen werden können, dafür aber ein spezielles von DJI.

Stativanschluss ist nicht optimal

Wir konnten den Osmo Mobile mit Hilfe von Adaptern an einem unserer Stative befestigen, die Lösung ist aber alles andere als stabil. Ein Stativanschluss am Boden des Griffes oder wenigstens an einer geraden Stelle an der Seite hätten wir deutlich besser gefunden, aktuell müssen Nutzer sich Zubehör kaufen, um den Gimbal an ein Stativ zu montieren.

Fertiges Bildmaterial lässt sich in der DJI-Go-App bearbeiten und zu Videos zusammenschneiden. Für unterwegs haben uns die Funktionen ausgereicht, mit einem richtigen Videoschnittprogramm lassen sich aber bessere Ergebnisse erzielen. Für das schnelle Teilen unterwegs sind die Bearbeitungsoptionen aber ziemlich gut. Mit dem Osmo Mobile lassen sich übrigens auch Fotos aufnehmen - wir halten den Gimbal aber für Videoaufnahmen deutlich sinnvoller.

Die aufgenommenen Videos lassen sich dank der Verwendung eines Smartphones als Kamera schnell und leicht teilen. Die DJI-Go-App bietet zudem einen eingebauten Livemodus, mit dem Videos direkt auf Youtube übertragen werden können - für Videoblogger sicherlich eine interessante Option.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Osmo Mobile kostet bei DJI und im Onlinehandel 340 Euro. Für 350 Euro ist der Gimbal mit einem zusätzlichen Standfuß erhältlich, der auch bei Zeitrafferaufnahmen hilfreich sein dürfte. Für 460 Euro gibt es den Osmo Mobile mit einem speziellen kleinen Stativ, das an die seitliche Montierung passt.


Fazit

Mit dem Osmo Mobile lassen sich tolle Videoaufnahmen machen. Schwenks und Kamera-"Fahrten" zu Fuß sehen professionell aus, besonders, wenn bei der Aufnahme nicht nur die Richtung, sondern auch die Höhe verändert wird.

Beim Videodreh lohnt es sich, mit der Halteposition des Osmo Mobile zu experimentieren: So konnten wir perspektivisch interessante Bilder machen, wenn wir den Gimbal verkehrt herum gehalten haben und er nach unten hing.

Der Zeitraffermodus mit eingebautem Kameraschwenk hat uns ebenfalls sehr gut gefallen. Allerdings finden wir es weniger gut, dass DJI sich nicht für eine bessere Position für das Stativ entschieden hat - so sind Nutzer auf wackelige Basteleien oder das kostenpflichtige Zubehör angewiesen.

Die Tracking-Funktion ist unserer Meinung nach eines der überzeugendsten Argumente für den Osmo Mobile. Die Objektverfolgung funktioniert gut und - innerhalb der Rahmenbedingung - zuverlässig.

Dass wir mit Android-Smartphones keine Zeitlupenaufnahmen machen können, können wir nicht so recht nachvollziehen. Die von uns verwendeten Smartphones beherrschen die Funktion eigentlich, die DJI-Go-App hingegen zeigt uns die Option nicht an.

Bei den leistungsfähigen Kameras der heutigen Smartphones ist DJIs Idee, ihre Gimbals zu einem weitaus günstigeren Preis für Smartphones anzubieten, im Grunde folgerichtig. Neben dem geringeren Preis sind sicherlich auch die umfangreichen Möglichkeiten interessant, das aufgenommene Bildmaterial über das Smartphone teilen zu können.

Den Preis von 340 Euro für den Osmo Mobile halten wir anhand der Qualität des Gimbals für angemessen. Das DJI-System ist gut durchdacht und unterscheidet sich durch die überzeugende Tracking-Funktion von den anderen Gimbals von DJI.  (tk)


Verwandte Artikel:
Multicopter: DJI bringt superhellen Monitor und neue Steuerungs-App   
(04.01.2017, https://glm.io/125356 )
DJI Osmo+: Drohnenkamera am Selfie-Stick   
(26.08.2016, https://glm.io/122904 )
Ronin-S: DJI stellt Einhand-Gimbal für DSLRs vor   
(08.01.2018, https://glm.io/132018 )
Ronin 2 und Cendence: DJI präsentiert neuen Kamera-Gimbal und Drohnencontroller   
(24.04.2017, https://glm.io/127457 )
Politik: EU könnte Drohnenflug mit VR-Headset einschränken   
(27.02.2018, https://glm.io/133016 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/