Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/watchos-3-0-im-test-die-halbwegs-gelungene-app-beschleunigung-1609-123213.html    Veröffentlicht: 14.09.2016 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/123213

WatchOS 3.0 im Test

Die halbwegs gelungene App-Beschleunigung

Apple will mit WatchOS 3.0 erneut die Apps auf der Smartwatch brauchbar machen. In einigen Fällen gelingt das sogar und die Uhren-Apps werden endlich einigermaßen benutzbar. In anderen Situationen bleibt die Apple Watch der ersten Generation aber vor allem eines: lahm.

Apple hat bereits das dritte Betriebssystem für seine Smartwatch veröffentlicht: WatchOS in der Version 3.0. Mit dieser Version krempelt Apple erstmals das Betriebssystem um. Ein paar gewohnte Bedienungsabläufe verschwinden, um vor allem eines zu erreichen: die Apps im Alltag endlich brauchbar zu machen.

Bisher brauchten die Apps so lange zum Laden, dass wir sie so gut wie nie genutzt haben. Daran etwas zu ändern, hat Apple bereits mit WatchOS 2.0 vergeblich versucht, indem es die Möglichkeit von nativen Apps einführte. Auch einzelne kleinere Leistungsverbesserungen in Folgeupdates änderten nicht viel.

Jetzt probiert es Apple auf andere Weise: Einige Apps werden dauerhaft im Arbeitsspeicher bereitgestellt und stehen damit sofort zur Verfügung. Das ging allerdings nicht ohne Kompromisse. Für die Einführung des neuen Docks hat Apple mit dem neuen Betriebssystem erstmals die Bedienung seiner kleinen Smartwatch im großen Stil umgebaut.

Abseits dessen gibt es ein paar kleinere Neuigkeiten bei der SMS-Bedienung, neue Zifferblätter, von denen einige sogar eine Sprachausgabe haben, und einen schnelleren Zugriff auf die wichtigsten Nebenfunktionen, die insbesondere durch die verbesserte iPhone-Verwaltungs-App leichter bedienbar werden.

Getestet haben wir mit dem sogenannten Gold Master (Build 14S326) auf einer Apple Watch der ersten Generation, nicht zu verwechseln mit der Apple Watch Series 1, die eine Apple Watch mit der Konstruktion der ersten Generation ist, jedoch mit einem besseren Prozessor der zweiten Generation (Apple Watch Series 2) ausgestattet ist. Verbesserungen, die diesen beiden Smartwatches vorbehalten sind, konnten wir dementsprechend nicht testen.

Für die Installation ist iOS 10 die Grundlage. Die Neuerungen dieser Betriebssystemversion haben wir bereits in einem ausführlichen Test bewertet.

Der Kernbestandteil der App-Beschleunigung auf der Apple Watch ist das neue Dock. Dafür müssen Nutzer aber auf zwei bisherige Funktionen verzichten.

Apple Watch mit App-Beschleunigung 3.0 und argen Leistungsproblemen

Apple führt mit WatchOS 3.0 ein neues Dock ein, das anders positioniert ist als die Checks (englisch Glances), die nun wegfallen. Sie waren eine Miniversion der Apps, die ebenfalls schnell bereitstanden und durch einen Wisch von unten auf dem Display erreichbar waren. Das Dock hingegen nutzt den Knopf unterhalb der digitalen Krone.

Damit verschwindet auch die Auflistung der Freunde, ebenfalls ersatzlos. Uns stört das wenig, denn wir haben sie ohnehin nicht genutzt, da wir mit der Uhr eher reagieren als agieren. Für Aktionen ist es einfacher, gleich das iPhone zur Hand zu nehmen.

Das Wegfallen der Checks dürfte einige Entwickler stören, die ihre Arbeit dafür angepasst haben. Es handelte sich schließlich um ein separates eigenes Interface in einem eigenen Bereich des Betriebssystems. Für den Anwender ändert sich diesbezüglich wenig, denn sie haben ja stattdessen die App selbst.


Die Besonderheit des Docks ist der nahezu verzögerungsfreie Zugriff auf die Apps. Er ist sogar fast so schnell wie der Taskwechsel mit dem Doppelklick auf die Krone zwischen zwei vollständig geladenen Apps. Es gibt jedoch ein technisches Limit: den Arbeitsspeicher. Interessanterweise hat sich Apple für ein hartes App-Limit entschieden. Mehr als zehn Anwendungen sind im Dock nicht möglich. Vermutlich wäre es möglich, mehr als zehn Apps auf diese Weise schnell verfügbar zu machen, da wir uns kaum vorstellen können, dass jede App exakt zehn Prozent des reservierten Arbeitsspeichers belegt. Aber das wäre für den Anwender mit dem kleinen Display kaum vermittelbar, da er sich dann mit Dingen wie Arbeitsspeicherauslastung beschäftigen müsste. Unserer Erfahrung nach wird in der Praxis auch die eine oder andere App zusätzlich zu den festgelegten zehn Apps für eine Weile im Arbeitsspeicher gelassen.

Neben diesen zehn Apps werden auf dem Uhrendisplay rechts neben dem Dock auch Apps angezeigt, die der Nutzer in der Vergangenheit benutzt hat, die aber nicht Teil des Docks sind. Wer unterwegs eine App entdeckt, die er gerne im Dock haben möchte, kann diese auch auf der Apple Watch direkt in das Dock setzen und braucht dafür nicht das iPhone.

Falls der Platz nicht ausreicht, können auf der Uhr auch Apps aus dem Dock entfernt werden. Dazu muss der Anwender die App im Dock nach oben wischen, analog zum Beenden von Apps unter iOS. Sortieren lassen sich die Apps allerdings nur in der Verwaltungs-App. Damit sind die wichtigsten Funktionen aber auf der Smartwatch vorhanden. Dass wir für seltene Sortierungen mal auf die iPhone-App zugreifen müssen, stört uns nicht. Eine Sortierung auf der Smartwatch wäre vermutlich ohnehin arg fummelig geworden.

Apple Watch mit App-Nutzbarkeitsgarantie

Insgesamt schafft es Apple mit WatchOS 3.0, die Uhr berechenbarer zu machen. Ein fester Satz an Apps ist schnell verfügbar, da die geladene App im Arbeitsspeicher bereits vorhanden ist und nicht erst aufwendig vom Flash-Speicher der Uhr geladen werden muss. Das wäre bei einem Smartphone merkwürdig, ist wegen der schwachen Hardware der Smartwatch aber offenbar notwendig - wobei unklar ist, ob hier die Geschwindigkeit des Flash-Speichers oder die des Prozessors der limitierende Faktor ist.

Leider bleibt es dabei, dass Apps außerhalb dieses Docks die enorme Leistungsschwäche der Uhr zeigen. Apple gibt zwar an, dass der App-Start siebenmal so schnell wie zuvor sei, doch die Zahl halten wir für aus der Luft gegriffen. Entweder die Apps sind verzögerungsfrei verfügbar - und das gilt nur für die gedockten Apps - oder sie sind so langsam, dass selbst das Hervorkramen und Entsperren eines iPhones mit einem komplexen Passwort schneller geht.

Außerhalb des Docks wird es unangenehm

Mehrere Sekunden vergehen durchaus beim Starten einer App außerhalb des Docks. In der Praxis lässt sich das nicht an genauen Zahlen festmachen. Eine App kann mal in 2 Sekunden starten oder mal 8 Sekunden brauchen. Benchmarks wären zwar prinzipiell möglich, doch wären diese nur auf Grundlage einer neu gestarteten Uhr sinnvoll und damit nicht praxisrelevant, da kaum ein Anwender seine Uhr jedes Mal neu startet. Die Werte je App sind abhängig von der allgemeinen Auslastung der Uhr und davon, wie lange der letzte Start dieser App her ist, so dass es in der Praxis keine zuverlässigen Werte zur Startdauer einer App gibt. Fest steht nur: Außerhalb des Docks ist sie so lange, dass wir keine Lust auf solche spontanen App-Starts haben.

Dass Apple mit WatchOS 3.0 nun wenigstens einige Apps schnell verfügbar macht, freut uns. Mehr ist aber offenbar aus der Hardware der Apple Watch der ersten Generation nicht herauszuholen - auch nach anderthalb Jahren Entwicklungszeit seit dem Verkaufsstart und mit allen Bemühungen Apples, durch bessere Programmierung die Hardware effektiver zu nutzen. Sie ist nicht nur bei den Apps der limitierende Faktor.

Die Grenzen der Apple Watch

Wir haben die Uhr während des Testens mehrfach an ihre Leistungsgrenze gebracht. Der Wechsel der Sprache, das häufige Konfigurieren der Zifferblätter und viele App-Starts verlangsamen die Uhr erheblich. Bei der normalen Nutzung wird das seltener vorkommen als beim Testen, ungut ist es trotzdem. Mitunter fiel bei unseren Worst-Case-Tests sogar der Touchscreen komplett aus. Auch das Erstellen von Screenshots für diesen Test brauchte viel Geduld, da die Uhr häufig nicht auf das Kommando reagierte. Das liegt nicht nur an dem leicht veränderten Timing der Tastenkombination (Haupttaste gedrückt halten, digitale Krone dazu drücken, loslassen und erst dann die Haupttaste loslassen). So etwas sollte eigentlich nicht passieren und wer in so eine Situation gerät, dem bleibt leider nichts anderes übrig, als die Uhr neu zu starten. Wir hoffen, dass Apple das mit einem Update des Betriebssystems bald behebt.


Zudem bleibt es dabei, dass die Kommunikation zwischen iPhone-App und Watch-App nicht sofort funktioniert. Wer Einstellungen am iPhone in einer App verändert, muss ein paar Sekunden warten, bis die Informationen auf der Apple Watch zu sehen sind. In der Zwischenzeit fragt sich der Anwender, was er falsch gemacht hat, da er zum Beispiel weiter aufgefordert wird, sich auf dem iPhone anzumelden, auch wenn er es längst getan hat.

Wir können in diesem Test die Frage nicht beantworten, ob die Leistungsprobleme mit den Hardwareverbesserungen der neuen Smartwatches Apple Watch Series 1 oder Series 2 geringer sind. Dass Apple nicht nur bei der neuen Uhr Series 2, sondern auch bei der Neuauflage der ersten Watch-Generation den Prozessor durch das bessere Modell austauscht, deutet aber darauf hin, dass der Konzern davon ausgeht.

Es ist nämlich nicht Apples übliches Vorgehen, alte Geräte, die im Sortiment bleiben, mit besserer Hardware auszustatten. Bei den iPhones beschnitt Apple meist die Vorgängergeneration sogar noch und ließ explizit Modelle mit weniger Speicher im Programm. Das hat sich erst mit dem iPhone 7 etwas geändert, da nun nicht mehr das Vorgängermodell als schlecht ausgestattetes Einstiegsmodell zur Verfügung steht, sondern ein parallel eingeführtes Gerät: das iPhone SE mit der kleinsten Ausstattung.

Die erste Apple Watch eignet sich offenbar auch in Apples Augen trotz aller Bemühungen mit WatchOS 3.0 mit dem ursprünglichen Prozessor nicht einmal als schlecht ausgestattetes Einstiegsmodell neben der neuen Variante.

WatchOS 3.0 bringt viele kleine und sinnvolle Änderungen

Neben den großen Änderungen mit dem Dock bringt WatchOS 3.0 zahlreiche kleinere und sinnvolle Neuerungen. Doch auch diese sind nicht ohne Kompromisse, sei es bei der Leistung oder durch den Wegfall alter Funktionen. Wer früher viel mit Apps gearbeitet hat, der wird sich beim Wischen von unten auf dem Glas des Uhrendisplays wundern. Wie bereits erwähnt, sind die Checks alias Glances ersatzlos gestrichen worden. Die installierten Miniversionen der Apps finden sich im unteren Bereich nicht mehr.

Stattdessen gibt es eine Funktion, die an das Kontrollzentrum von iOS angelehnt ist - eine willkommene Angleichung an das Smartphone-Betriebssystem. Über sechs leicht bedienbare Symbole kann der Anwender beispielsweise schnell sein verlegtes Smartphone anpingen, sofern es in Reichweite ist. Das piept dann einmalig recht laut.

Zudem lassen sich der Flugmodus, der Ruhe- sowie der Nachtmodus aktivieren. Wie gehabt, gilt das für Smartphone wie Smartwatch gleichermaßen, wobei sich dies bei Bedarf durchaus entkoppeln lässt. Zwei weitere Schaltflächen gibt es für Airplay und die Anzeige der Akkukapazität. Letzteres erscheint manchen unnötig und wir bräuchten sie eigentlich nicht, denn wir verwenden dafür immer eine Komplikation. Es gibt aber Anwender, die nicht dauerhaft die Akkukapazität auf dem Zifferblatt sehen wollen. Dafür ist die Alternative gedacht und gut.

Zifferblätter und andere Kleinigkeiten

Apple bietet einige neue Zifferblätter, sogenannte Watch Faces, an. Die machen in den meisten Fällen vor allem mehr Spielereien möglich. Sehr hübsch ist beispielsweise, dass sich zu Micky Maus jetzt die Dame gesellt: Minnie Maus. Zudem können beide neuerdings die Uhrzeit ansagen. Beide variieren etwas in der Ansage, wünschen gute Nacht oder lachen fröhlich. Eine schöne, durchaus aufmunternde Funktion, die andere Zifferblätter nicht haben.

Die Lautstärke ist für einen ruhigen Raum durchaus hoch. Wir wünschten uns, dass die Apple Watch das Mikrofon zur Lautstärkebeurteilung nutzen würde, so wie bei Displays der Helligkeitssensor verwendet wird. Beim normalen Straßenlärm stört die Lautstärke nicht. Die Sprachausgabe ist eigentlich durchaus eine praktische Funktion und das nicht nur für Sehbehinderte, sie ist aber nicht ganz ohne Probleme. Mitunter reagieren Minnie und Micky einfach nicht auf das Antippen. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt: Mitunter braucht die Uhr etwas, um die Stimme zu laden. Danach stabilisiert sich die Uhr aber in aller Regel.

Von diesen Zifferblättern gibt es vor allem für Aktivitäten einige angenehme neue Variationen. Der Anwender sieht besser auf den ersten Blick, wie weit sein tägliches Aktivitätsprogramm schon fortgeschritten ist - eine willkommene, aber auch nicht bahnbrechende Ergänzung.

Ein paar Standardeinstellungen werden verändert

Zu den Änderungen mit geringen Auswirkungen gehört das standardmäßige Deaktivieren der Screenshotfunktion. Mit älteren WatchOS-Versionen passierte es uns immer wieder, dass wir versehentlich einen Screenshot von der Uhr machten. Da reichte nämlich das gleichzeitige Drücken beider Tasten. Beim Testen von WatchOS 3.0 wunderten wir uns deswegen erst einmal, warum die Screenshotfunktion nicht mehr arbeiten wollte. Wir haben sie in den Einstellungen deswegen gleich wieder aktiviert.

Ebenfalls deaktiviert wurde bei uns Time Travel. Mit der Krone konnte der Anwender damit in die eigene Termin-Zukunft schauen. Uns ist das nicht sofort aufgefallen, weil wir die Funktion nicht genutzt haben. Wer sie braucht, hat sie fix wieder aktiviert.

Die Aktivitätsanzeige hat Apple neu sortiert. Die Informationen sind deutlich kompakter und schneller im Zugriff als vorher. Zur Aktivitätsanzeige gehört eine separate Atmungs-App, die den Nutzer dazu bringen soll, sich ab und an für eine kurze Zeit mit einer Atemübung zu entspannen. Anschließend gibt es einen Pulswert für die Entspannungsübung. Eine schöne Ergänzung für gestresste Anwender, die für eine kurzzeitige Entspannung eine Erinnerung brauchen.

Den Notruf testet man lieber nicht

Die Notruffunktion durch das Drücken der Seitentaste haben wir nicht ausprobiert und wir warnen auch ausdrücklich davor, einen Test durchzuführen, der mit einem langen Drücken der Seitentaste ermöglicht wird. Das anlasslose Anwählen einer Notrufnummer ist in Deutschland strafbar. Wir vertrauen hier Apple, dass die Funktion entsprechend der Dokumentation arbeitet, und beschränken uns auf eine Beschreibung im Detail. Was Apple hier ermöglicht, ist nämlich nicht selbstverständlich: Apples Notruffunktion wählt automatisch die richtige Notrufnummer eines Landes. Das ist eine sinnvolle Funktion, da vielen gar nicht bewusst ist, welches Chaos hier international herrscht.

Und Apple hat sich noch mehr Gedanken gemacht. Der Notruf kann auch gleichzeitig den Standort senden und das selbst dann, wenn sich der Anwender weiter bewegt, etwa in einem Zug. Das hilft dem Verletzten und Rettungsstellen, die häufig Smartphone-Nutzer nicht korrekt orten können. Im Notfall ignoriert die Apple Watch die persönlichen Einstellungen zum Datenschutz. Wir denken aber, dass dieser besondere Einsatzzweck dieses Mittel rechtfertigt. Die Notruffunktion ist standardmäßig aktiv, kann aber auch deaktiviert werden.

Die Verwaltungs-App für WatchOS 3.0 wurde verbessert und iMessage an iOS angeglichen

Mit den Änderungen von WatchOS 3.0 sind auch Änderungen an der Verwaltungs-App notwendig geworden. Sie ist weiterhin zwingender Bestandteil des Uhrenbetriebssystems. Das Chaos, das uns bei WatchOS 2.0 in der Verwaltungs-App auffiel, ist leider bei dieser Gelegenheit nicht komplett gelichtet worden. Die Einstellungen für Mitteilungen gibt es beispielsweise doppelt.

Trotzdem wirkt die überarbeitete App aufgeräumter. Das liegt am Fokus auf die wichtigen Bedienungsbereiche, die zusätzlich auf dem iPhone zur Verfügung stehen, da die Bedienung auf der Uhr schnell kompliziert werden kann: Die Verwaltung der Zifferblätter ist auf der Smartwatch recht fummelig, insbesondere wenn der Anwender mehrere in einem Rutsch anpassen möchte. Mit dem großen Display des iPhones geht das schneller und mit weniger Fehlern.

Wer gerne zwischen Zifferblättern hin- und herwechselt (wischen nach links oder rechts), der kann neue Watch Faces in der Reihe hinzufügen, entfernen und bearbeiten. Das ist besonders praktisch, weil die Auswahl immer größer wird. Störend finden wir jedoch, dass Apple sich entschieden hat, auch Beispielkonfigurationen mit unterschiedlichen Komplikationskonfigurationen hinzuzufügen. Alleine Minnie Maus fand sich bei uns in sieben Beispielen bei den Zifferblättern.

Das ist allerdings eine Präferenz aus Sicht eines erfahrenen Anwenders. Andererseits hilft die Vorstellung verschiedener Konfigurationen natürlich gerade Smartwatch-Anfängern, da sich die Zifferblätter teils sehr deutlich verändern lassen und in einer Konfiguration völlig anders aussehen können als in einer anderen. Das gilt insbesondere für die neue Aktivitätsanzeige mit ihren beiden sehr unterschiedlichen Stilen.

Der Wechsel zwischen den Zifferblättern, der per iPhone-App sehr gut funktioniert, ist auf der Apple Watch jedoch sehr langsam. Das liegt daran, dass ein neues Zifferblatt erst geladen werden muss. Zwar sieht der Anwender das neue Blatt mit etwas Ruckeln recht zügig, doch bis die Uhr wieder benutzbar wird, vergehen manchmal ein paar Sekunden, insbesondere, wenn der Anwender durch mehrere Blätter blättern muss. Wie langsam das vonstattengeht, hängt wie bei den Apps von der allgemeinen Last der Uhr ab. Das System beruhigt sich durchaus und die Auswirkungen sind objektiv gesehen minimal, da am Tag vielleicht nur ein paar Dutzend Sekunden verloren gehen. Doch subjektiv nervte uns das ziemlich. Es bestätigt erneut den Eindruck, dass die Apple Watch lahmt und die Hardware schwach ist.

Die neuen iMessage-Fähigkeiten von iOS 10 sind Teil von WatchOS

Wie die Verwaltungs-App gehört auch die Verwaltung von Kurznachrichten zu den Funktionen, die iOS wie auch WatchOS betreffen, hier fand eine Angleichung statt. Wer iOS 10 bereits nutzt, der weiß, dass Apple iMessage um zahlreiche Spielereien erweitert hat. Viele der sehr verspielten Neuerungen erinnern an die Kurznachrichtendienst-Alternative Line und das sicher nicht aus Zufall. Apple will vermutlich den asiatischen Markt besser bedienen.

Der Anwender kann dementsprechend fröhlicher Nachrichten durch das Internet schicken. Einzelnachrichten lassen sich mit Herzen und Fragezeichen als Sprechblase versehen, Digital Touch funktioniert in Verbindung mit iOS-Nutzern und Selbiges gilt für das Versenden allerhand niedlicher Emojis. Nur eine Ausnahme gibt es: Die neuen Sticker sind nur eingeschränkt unter WatchOS verfügbar. Wenn sie bereits genutzt wurden, sind sie als zuletzt verwendetes Nachrichtenelement zu sehen und können dann nochmal verwendet werden. Ohne iPhone-Aktivität geht es aber nicht.

Einigermaßen brauchbar ist zudem die Scribble-Funktion, die bei uns allerdings nur bei englischer Einstellung arbeiten wollte. Zudem tauchte die Möglichkeit nicht immer auf, hier gibt es anscheinend noch einige Bugs. Der Anwender kann damit auf dem Display schreiben. Wenn das iPhone gerade nicht in Reichweite ist, ist das Kritzeln durchaus eine Alternative zur Spracherkennung. Allerdings gibt es keine Kontexterkennung für Leerzeichen und das Ergebnis frustriert häufig. Das mag aber an unserer Handschrift liegen, ein Kollege hatte keine Probleme mit der Schrifterkennung.

Damit kann die Angleichung an das iPhone als gelungen eingestuft werden. Digital Touch ist nichts Exklusives mehr, wenngleich die Funktion wohl eher als bessere Spielerei einzustufen ist, aber das gilt mittlerweile für viele Funktionen moderner Kurznachrichtendienste. Zudem ist die Kompagnon-App ein Stück interessanter im Alltag geworden.

Fazit und Verfügbarkeit von WatchOS 3.0

WatchOS 3.0 wird als Over-the-Air-Update angeboten. Das Update schließt auch Sicherheitslücken. Im Supportartikel HT207141 wird aber nur eine beschrieben, die im Zusammengang mit den Geo-Services steht. Für die Aktualisierung reicht es, beim gekoppelten iPhone über die Uhrenverwaltungs-App das Update anzufragen. Für die Installation sollte der Anwender etwas Geduld mitbringen und das Ladegerät verwenden, da sie bei uns mehr als eine halbe Stunde braucht.

Fazit

Das neue Betriebssystem der Apple Watch ist auf jeden Fall besser als die Vorgänger. Wir haben keinen Grund gefunden, es nicht einzusetzen. Allerdings kann auch WatchOS 3.0 nichts an der schwachen Hardware der Smartwatch der ersten Generation ändern. Sie ist für einige Funktionen einfach nicht leistungsfähig genug und kann sie daher nicht sofort bereitstellen.

Das fällt besonders auf, wenn man mit WatchOS etwas herumspielt, um die neuen Funktionen auszuprobieren. Zwar beruhigt sich die Uhr sozusagen nach einiger Zeit und wird flüssiger in der Bedienung, doch die Schwachpunkte der Apple Watch der ersten Generation bleiben auch mit dem neuen Betriebssystem deutlich erkennbar.

­ Mit WatchOS 3.0 versucht Apple, das Beste aus der Situation zu machen. Dass einige Apps in den RAM verlegt wurden, sorgt dafür, dass der Anwender Spaß an ihnen hat, denn er kann nun damit rechnen, dass immerhin zehn Apps sofort funktionieren. Es stört uns nicht, dass dafür die Checks weggefallen sind, Miniversionen der Apps, die ebenfalls schnell bereitstanden. Denn dafür haben wir ja schnellen Zugriff auf die Apps selbst.

Watch OS 3.0 bringt außerdem ein paar weitere willkommene Neuerungen wie das neue Kontrollzentrum, die vereinheitlichte iMessage-Plattform und das Redesign. Auch der fixe Wechsel zwischen Zifferblättern ist eine Verbesserung, wenngleich auch hier das Geruckel der Uhr manchmal nervt.

Zehn schnelle Apps sind besser als nichts, wünschenswert wäre allerdings, dass sich alle Anwendungen so schnell bedienen ließen. Von denen hat ein typischer iPhone-Nutzer schnell ein paar Dutzend; da die Apple Watch von den Entwicklern mittlerweile gut angenommen wird, gibt es für viele iPhone-Apps ein Gegenstück für die Uhr. Wir könnten theoretisch beispielsweise immerhin 36 der 232 Apps, die wir über die Jahre auf dem iPhone angesammelt haben, auch auf der Smartwatch verwenden. Das wird mit der ersten Apple Watch allerdings unmöglich bleiben - obwohl das App-System nun besser auf die Hardware zugeschnitten ist.  (ase)


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