Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/verkehrsminister-dobrindt-gruendet-ethikkommission-fuer-autonome-autos-1609-123208.html    Veröffentlicht: 11.09.2016 11:19    Kurz-URL: https://glm.io/123208

Verkehrsminister

Dobrindt gründet Ethikkommission zum automatisierten Fahren

Wer ist schuld an einem Unfall, und wie sollen automatisierte Autos in Gefahrensituationen reagieren? Verkehrsminister Dobrindt will diese Fragen von einer Ethikkommission klären lassen.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt will noch im September eine Ethikkommission zum automatisierten Fahren gründen. Das sagte der Minister der Wirtschaftswoche. Die Kommission werde unter dem Vorsitz des ehemaligen Verfassungsrichters Udo di Fabio arbeiten und solle Lösungen finden, wie sich autonom agierende Autos in Gefahrensituationen verhalten sollen.

Dobrindt will einen rechtlichen Rahmen erarbeiten lassen, "an dem sich Programmierer orientieren können". Einige Leitlinien stehen für Dobrindt offenbar bereits fest: "Klar ist: Sachschaden geht immer vor Personenschaden. Außerdem darf es keine Klassifizierung von Personen zum Beispiel nach Größe, Alter oder ähnlichem geben."

Seit Jahren debattieren Ethiker immer wieder darüber, wie autonome Autos in Zukunft Entscheidungen über Ausweichmanöver und Notbremsungen durchführen sollen. In den Diskussionen werden immer wieder verschiedene Personengruppen gegeneinander ausgespielt. Das will Dobrindt offenbar unterbinden.

"Wir setzen den Computer gleich mit dem menschlichen Fahrer"

Dobrindt kündigte außerdem ein Gesetz zum automatisierten Fahren an: "Wir setzen den Computer gleich mit dem menschlichen Fahrer", sagte der Minister. "Der Fahrer darf also die Hände vom Lenker nehmen, dabei ein Buch lesen oder E-Mails checken. Wenn etwas passiert, haftet der Hersteller." Um Unfallhergänge nachträglich untersuchen zu können, soll es eine Blackbox im Auto geben, wie es bei Verkehrsfliegern der Fall ist.

Der Fahrer darf sich aber offenbar nicht vollständig der Ablenkung hingeben. Das Gesetz soll "eine Grundaufmerksamkeit" fordern. Das bedeute, "der Fahrer muss für das System jederzeit ansprechbar und in der Lage sein, innerhalb einer kurzen Zeit die Gewalt über das Fahrzeug zu übernehmen", sagte Dobrindt. "Die Autoindustrie spricht zurzeit davon, dass dem Fahrer bis zu zehn Sekunden Zeit eingeräumt werden, um ihm die Steuerung des Fahrzeugs zu übertragen."  (hg)


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