Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/canon-vs-nikon-superzoomer-fuer-unter-250-euro-1609-123186.html    Veröffentlicht: 26.09.2016 08:51    Kurz-URL: https://glm.io/123186

Canon vs. Nikon

Superzoomer für unter 250 Euro

Das Zeitalter der Schnappschusskameras scheint mit den immer besseren Aufnahmen mit Smartphones beendet zu sein. Eines können die kompakten und preiswerten Geräte aber immer noch besser: zoomen. Wir haben uns die Bridge-Kameras Coolpix B500 von Nikon und die Powershot SX 420 IS von Canon angesehen.

Bridge-Kameras sollen die Brücke zwischen simplen Kompaktkameras und den weitaus komplizierteren Spiegelreflexkameras schlagen. Canon und Nikon lassen sich bei unseren Testmodellen auf keine Experimente ein. Die Geräte sind kompromisslos einfach zu bedienen - bieten dafür aber kaum manuelle Einstellungsmöglichkeiten.

Beide Geräte beeindrucken mit ihren technischen Werten: Die Nikon bietet einen 40-fachen Zoom bei 16,1 Megapixeln Auflösung, die Canon liegt mit 20 Megapixeln und 42-fachem Zoom sogar noch darüber. Da solche Daten zwar gern zur Vermarktung herangezogen werden, aber in der Praxis nur begrenzt aussagekräftig sind, haben wir bei einem Spaziergang in den Berliner Zoo geprüft, was hinter den Zahlen steht.

Als Erstes fielen uns die unterschiedlichen Gehäusemaße auf: Beide haben zwar bauartbedingt einen ähnlichen Body, die Nikon Coolpix B500 ist aber eindeutig voluminöser. Für die Hosentasche eignet sich keine von beiden. Das liegt natürlich an den Zoom-Optiken. Mit 114 mm Breite und 78 mm Länge ist die Nikon an beiden Seiten rund 10 mm dicker als die Canon.

Beim Einlegen der Akkus erlebten wir eine erste Überraschung: die Powershot SX 420 IS hat erwartungsgemäß einen proprietären Akku, aber die Coolpix B500 lässt sich mit vier normalen AA-Batterien oder Akkus betreiben. Das ist auf Reisen natürlich ein Vorteil, da diese Batterien nahezu überall erhältlich sind. Auf die Laufzeit hatte dies während unseres Tests keinen negativen Einfluss, im Gegenteil: die Nikon Coolpix hielt wesentlich länger durch als das Konkurrenzmodell. Der Hersteller gibt 600 Auslösungen pro Akkuladung an, bei Canon sind es lediglich 195.

Nach dem Einschalten sind beide Kameras innerhalb einer Sekunde einsatzbereit, die Nikon Coolpix verwirrte uns allerdings zunächst mit der Meldung "Schalten Sie die Kamera aus und wieder ein." Das taten wir mehrfach - mit dem immer gleichen Ergebnis. Des Rätsels Lösung: Sitzt die Objektivabdeckung noch auf der Optik, kann der Zoom nicht ausgefahren werden. Da der Schutzdeckel bei der Canon Powershot nicht mit dem Gehäuse abschließt, wird er bei ihr einfach mit der Optik ausgefahren, hier ist nur ein dunkler Bildschirm die Folge.

Display und Handhabung

Keine der beiden Kameras hat einen Sucher, daher ist das Display umso wichtiger. Hier hat Canon am falschen Ende gespart. Das fest verbaute Panel ist nicht blickwinkelstabil, und mit 230.000 Bildpunkten liegt die Auflösung bei einen Viertel des Konkurrenzmodells. Am Screen der Nikon, der sich nach oben und unten klappen lässt, konnten wir hingegen nichts bemängeln - er ist zudem auch heller. Touch-Bedienung unterstützt keines der Geräte.

Beim Fotografieren konnten wir keine signifikanten Unterschiede feststellen. Beide Kameras sind bestens für alle geeignet, die sich nicht mit der technischen Seite einer Aufnahme befassen wollen. Draufhalten, auslösen - fertig. Eine geringe Verzögerung ist bestenfalls beim Fokussieren zu bemerken. Die integrierte Bildstabilisierung sorgt auch bei starkem Zoom meist für verwacklungsfreie Bilder.

Alternativlos einfach

Einstellungsmöglichkeiten gibt es bei der Canon kaum: Die über das Menü erreichbaren zwei Bildmodi Live und Auto ergaben in unserem Test identische Resultate. Die Nikon Coolpix hat zwar ein Wahlrad auf der Oberseite, aber auch hier waren für uns kaum Unterschiede zwischen den Modi feststellbar. Was beispielsweise den "Vogelnestmodus" auszeichnet, ist uns immer noch unklar. Über eine Funktion zur manuellen Einstellung von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert verfügt keine der Kameras.

Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Bild digital zu verändern. Neben einem Schwarz-Weiß-Effekt können auch andere Farbtöne gewählt und weitere aus Smartphone-Apps bekannte Filter angewendet werden.

Für Tierfotografie wichtig: Die Coolpix kann 8 Bilder pro Sekunde in Serie aufnehmen, die Powershot bringt es nur auf enttäuschende 0,5 Bilder pro Sekunde. Bei schlechten Lichtverhältnissen können beide Kameras nicht mit den teureren Modellen mithalten. Zwar bietet die Nikon einen erweiterten ISO-Bereich von bis zu ISO 6400, aber die Bilder sind dann stark verrauscht. Bei Canon ist ISO 1600 der Maximalwert.

Die Handhabung der Nikon Coolpix B500 gefiel uns eindeutig besser. Die wenigen Funktionen sind auf Tasten und Wahlrad an der Kamera ohne einen Tauchgang ins Menü erreichbar. Das ermöglicht schnelle Reaktionen und Schnappschüsse. Sehr nützlich fanden wir die Taste links am Objektiv. Ein Druck genügt und die Kamera verringert den Zoom kurzzeitig etwas. So kann man sich auch bei voll ausgefahrener Optik noch schnell einen Überblick verschaffen. Die Canon Powershot SX 420 IS hat hingegen ein praktisches Gedächtnis für die letzte verwendete Zoomstufe. Nach dem Start fährt sie das Objektiv entsprechend wieder aus.



Fotoqualität gut, Video teils mangelhaft

Dank eingebautem Wi-Fi müssen wir nicht warten, bis wir unsere Fotos zu Hause gemeinsam betrachten können. Sowohl Canon als auch Nikon bieten Apps, die Vorschaubilder auf das Smartphone übertragen. So lassen sich Schnappschüsse einfach in sozialen Netzwerken oder per Messenger teilen, auch Fernauslösung ist möglich. Die Apps sind übersichtlich gestaltet und für Android und IOS erhältlich.

Am großen Bildschirm sehen die Fotos beider Modelle gut aus. Auch Vergrößerungen sind ohne weiteres möglich. Die um vier Megapixel höhere Auflösung der Canon Powershot 420 SX IS macht sich hier positiv bemerkbar. Da ein RAW-Modus fehlt, sind nachträgliche Korrekturen am Bild nur bedingt möglich. Das dürfte aber für die Zielgruppe dieser Kameras nicht negativ ins Gewicht fallen.

So wie das Smartphone zunehmend die Aufgaben einfacher Kameras übernimmt, ersetzen einfache Digitalkameras weitgehend den Camcorder. Deshalb haben sowohl die Coolpix als auch die Powershot einen Videomodus. Auch hier läuft alles automatisch: Schärfe, Belichtung und Weißabgleich stellen sich mal mehr, mal weniger treffsicher von selbst ein. Gerade der zeitweise pumpende Autofokus fällt bei beiden Modellen negativ auf. Die Nikon nimmt mit Full-HD trotzdem sehr ansehnliche Filme auf, nur beim Zoomen während der Aufzeichnung wird das Bild immer wieder kurz unscharf. Enttäuschend fanden wir hingegen die Videos der Powershot. Sie kann nur mit 720p aufnehmen, das Bild ist matschig und hat starke Kompressionsartefakte. Bei Gegenlicht ziehen sich bunte vertikale Streifen durch die gesamte Szene.

Fazit und Verfügbarkeit

Nach einem Tag Knipsen im Zoo steht fest: Unser Testsieger ist eindeutig die Nikon Coolpix B500. Sie hat ein klappbares und hochauflösendes Display, die wenigen Modi und Einstellungsmöglichkeiten sind per Wahlrad und Tasten gut erreichbar. Die Videoqualität ist wesentlich besser als die der Canon Powershot SX 420 IS. Letztere kann mit einer höheren Fotoauflösung punkten und ist handlicher. Mit dem proprietären Akku können aber nur rund 200 Aufnahmen gemacht werden, bei der Nikon mit ihren AA-Batterien ist erst nach 600 Bildern Schluss.

Für extreme Lichtverhältnisse sind beide Kameras nicht geeignet. In dunklen Umgebungen sollte lieber der Ausklappblitz eingesetzt werden, sonst kommt es zu verrauschten Aufnahmen.

Die Nikon Coolpix B500 ist ab 240 Euro erhältlich, die Canon Powershot SX 420 IS gibt es bereits ab 200 Euro im Fachhandel.  (mwo)


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