Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/datenschutzrecht-unister-nutzte-13-3-millionen-e-mail-adressen-illegal-1609-123076.html    Veröffentlicht: 04.09.2016 10:25    Kurz-URL: https://glm.io/123076

Datenschutz

Unister kaufte 194 Millionen E-Mail-Adressen

Ein mysteriöser Millionenkredit, umstrittene Geschäftsmethoden und offenbar auch noch Datenschutzvergehen. Unister sorgt weiter für Schlagzeilen, der Insolvenzverwalter will die Vorwürfe prüfen.

Die insolvente Firma Unister hat in den vergangenen Jahren offenbar massiv gegen geltendes Datenschutzrecht verstoßen. Wie die Bild am Sonntag in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, beanstandete der interne Datenschutzbeauftragte, dass von den insgesamt 27,8 Millionen gespeicherten E-Mail-Adressen fast 13,3 Millionen illegal genutzt wurden.

Dem Datenschutzbeauftragten zu Folge handelt es sich um "Adressen, die auf­grund fehlender Einwilligung oder fehlendem Kundenstatus gelöscht werden sollten." Der interne Bericht ist auf den April 2015 datiert.

Der derzeit tätige Insolvenzverwalter des Unternehmens, Lucas Flöther, bestätigte der Zeitung die mutmaßlichen Datenschutzvergehen. Eine Dokumentation über eine erfolgte Löschung der strittigen Daten sei jedenfalls nicht ersichtlich, "so dass wir davon ausgehen müssen, dass dies nicht erfolgt ist." Weil er nicht ausschließen könne, "dass diese Adressen oder auch andere Adressen auch aktuell noch unberechtigt verwendet werden, habe ich das Unternehmen mit Nachdruck angewiesen, dass der Versand von sämtlichen Newslettern durch insolvente Unister-Gesellschaften so schnell wie möglich eingestellt wird."

Zustimmung ist notwendig

Sollen gesammelte Adressen für den Versand von Werbung genutzt werden, muss zuvor die explizite Einwilligung der Kunden eingeholt werden. Unister soll die strittigen Daten auf seinen eigenen Portalen ab-in-den-urlaub.de, geld.de oder fluege.de eingesammelt haben. Außerdem wurden offenbar noch Adressen von Datenhändlern zugekauft.

Ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens haben auch in anderen Bereichen schwerwiegende Vorwürfe erhoben. Bei vermeintlich günstigen Flügen würden Kunden auf einmal mit hohen Nachforderungen oder Stornokosten konfrontiert. Eine Mitarbeiterin sagte: "Ich wünsche mir, dass Unister wirklich pleitegeht. Damit das alles endlich ein Ende hat."

Nachtrag vom 5. September 2016, 13:19 Uhr

Mittlerweile hat der sächsische Datenschutzbeauftragte ein Prüfverfahren eingeleitet. Das teilte der Amtsinhaber Andreas Schurig der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Außerdem wurde bekannt, dass das Unternehmen offenbar systematisch Adressen von Händlern gekauft haben soll, über die Jahre mehr als 194 Millionen Adressen.  (hg)


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