Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/liebherr-wenn-der-kuehlschrank-mitdenkt-1609-123066.html    Veröffentlicht: 02.09.2016 17:03    Kurz-URL: https://glm.io/123066

Liebherr

Wenn der Kühlschrank mitdenkt

Liebherr will den Kühlschrank intelligent machen. Das Kühlgerät überwacht das Inventar und füllt den Einkaufszettel automatisch. Wenn für ein Rezept Zutaten fehlen, kommen sie auf die Einkaufsliste.

Liebherr hat sein Konzept für intelligente Kühlgeräte vorgestellt. Das Befüllen des Kühlschranks soll damit vereinfacht werden, indem das Gerät beim Führen der Einkaufsliste hilft. Auch beim Zubereiten von Gerichten kann der Kühlschrank helfen, indem er zeigt, wenn Zutaten im Kühlschrank fehlen. Dafür wird der Kühlschrankinhalt mit Kameras und Objekterkennung überwacht.

Kern des Systems ist eine sogenannte Smart Device Box, die als Erweiterung in bestehende Kühlschränke eingesteckt werden kann, erklärt Liebherr. Alle dieses Jahr erschienenen Kühlgeräte des Herstellers sollen darauf vorbereitet sein und können entsprechend erweitert werden.

In dem Steuerungsmodul läuft ein Mini-PC mit Dual-Core-Prozessor, 1 GByte RAM und 8 GByte Flash-Speicher. Darauf kommt Microsofts Windows 10 Iot Core zum Einsatz, das mit einer Azure-Infrastruktur kommuniziert. In der Cloud werden die relevanten Daten gespeichert, so dass Anwender mit zahlreichen Endgeräten darauf zugreifen können.

Zwei Kameras beobachten den Kühlschrankinhalt

An die Smart Device Box können verschiedene Komponenten angeschlossen werden. Auf der Ifa 2016 zeigt der Hersteller ein System mit zwei Kameras und einem Bluetooth-Lautsprecher samt Mikrofon. Die Kameras sind idealerweise so postiert, dass sie den Inhalt des Kühlschranks sowie den Türbereich abdecken. Beim Schließen der Tür werden Fotos aufgenommen, die in der Cloud bereitstehen.

In der Cloud wird mittels Objekterkennung versucht, alle Gegenstände im Kühlschrank zu erkennen. Wenn also ein Salatkopf im Kühlschrank liegt, wird der in eine Inventarliste aufgenommen. Der Nutzer kann so in einer Listenübersicht sehen, welche Lebensmittel sich im Kühlschrank befinden. Liebherr verspricht hierbei, dass auch Lebensmittel erkannt werden, die teilweise von anderen verdeckt werden.

Ein voller Kühlschrank bringt die Technik an ihre Grenzen

Beim auf der Ifa gezeigten Prototyp befanden sich nur wenige Lebensmittel im Kühlschrank. Damit funktionierte das System gut. Wenn aber jeder Einlegeboden im Kühlschrank bis oben hin gefüllt ist, wird das System an seine Grenzen stoßen. Denn total verdeckte Lebensmittel sind von der Kamera nicht mehr erkennbar. Es wird sich zeigen, ob Liebherr bis zur Marktreife eine Lösung für dieses Problem gefunden hat.

Am Kühlschrank selbst sind keine Steuerungselemente für die intelligenten Funktionen vorhanden. Die Steuerung erfolgt über einen Bluetooth-Lautsprecher, der ein Mikrofon hat, um darüber Anweisungen entgegenzunehmen. Das Ganze läuft über ein Assistenzsystem, das Liebherr Mia nennt, was für Media Intelligence Assistant steht. Liebherr greift dabei auf Microsofts Cortana zurück. Der auf der Ifa gezeigte Bluetooth-Lautsprecher lauscht auf ein Signalwort und nimmt dann Befehle entgegen.

Anbindung an Lieferdienst angedacht

Der Kühlschrankbesitzer kann etwa erfragen, ob noch Milch da ist und diese bei Bedarf auf eine digitale Einkaufsliste setzen. Liebherr sieht hier auch die Möglichkeit, dass das automatisch erfolgen kann, momentan ist es nur manuell möglich. Die Fotos vom Innenraum des Kühlschranks respektive die Inventarliste können aber auch unterwegs beim Einkauf helfen. Der Einkäufer kann auf seinem Smartphone nachschauen, wie viel Butter er noch zu Hause hat.

Liebherr plant auch eine Anbindung an Lieferdienste, so dass Kunden den Einkaufszettel direkt an einen Supermarkt schicken können, der die dann nach Hause liefert. Konkrete Kooperationen wurden aber bisher nicht geschlossen. Liebherr betont aber die Offenheit des Systems und will sich bemühen, diese Möglichkeit mit vielen Partnern anzubieten.

Zutaten aus Rezepten landen auf dem Einkaufszettel

Der Ansatz von Liebherr soll auch beim Zubereiten von Speisen helfen. Eine Rezept-App kann die Zutatenliste an den Kühlschrank melden und dieser fügt dann die fehlenden Zutaten auf der Einkaufsliste hinzu. Hierbei werden im ersten Schritt nur die Zutaten abgedeckt, die im Kühlschrank gelagert werden.

Liebherr hat sich dagegen entschieden, die Intelligenz fest in einen bestimmten Kühlschrank einzubauen und erhofft sich davon, dass mehr Kunden auf diese neue Technik setzen. Der Hersteller erwartet, dass sich das System in den nächsten Jahren weiterentwickelt und andere Sensoren möglich sind. Die Kühlgeräte sollen sich also an die technische Entwicklung anpassen können. Liebherr geht davon aus, dass ein solches Gerät mehrere Jahre genutzt wird und der Kunde nicht bereit sein wird, wegen einer neuen Funktion gleich das gesamte Kühlgerät auszutauschen.

Markteinführung für nächstes Jahr geplant

Liebherr will die Smart Device Box Mitte 2017 auf den Markt bringen. Für ein komplettes System mit Kameras und Lautsprechern sollen um die 200 Euro Kosten anfallen. Bis dahin wird es auch Apps für Android, iOS und Windows geben, um bequem auf die Cloud-Daten zugreifen zu können.  (ip)


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