Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nahbereich-bundesnetzagentur-erlaubt-vectoring-plaene-der-telekom-1609-123030.html    Veröffentlicht: 01.09.2016 17:34    Kurz-URL: https://glm.io/123030

Nahbereich

Bundesnetzagentur erlaubt Vectoring-Pläne der Telekom

Der exklusive Vectoring-Ausbau der Telekom im Nahbereich kann losgehen. Die Bundesnetzagentur erlaubt trotz Kritik der Wettbewerber die Pläne.

Die Bundesnetzagentur hat die Pläne der Deutschen Telekom für ein exklusives Vectoring im Nahbereich von Hauptverteilern endgültig gebilligt. "Nachdem die EU-Kommission Mitte Juli grünes Licht für unsere Entscheidung gegeben hat, und auch die Telekom uns Anfang dieser Woche ihre angekündigte verbindliche Ausbau- und Investitionszusage für den Vectoring-Rollout in den Nahbereichen vorgelegt hat, können wir das Regulierungsverfahren jetzt abschließen. Dies wird entscheidend dazu beigetragen, den flächendeckenden Breitbandausbau voranzubringen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Donnerstag in Bonn.

Mit Hilfe der Vectoring-Technik können auch in herkömmlichen Kupferleitungen Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 100 MBit pro Sekunde erreicht werden. Allerdings nur dann, wenn die Technik auf ein gesamtes Bündel von Kupferleitungen angewandt wird, was die Konkurrenz ausschließt.

VULA statt TAL

Die 342-seitige Entscheidung umfasst laut Homann auch alle sonstigen Bedingungen, zu denen Wettbewerber in den kommenden Jahren den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) der Telekom, der sogenannten letzten Meile, erhalten können. Demnach bleibt die Telekom grundsätzlich dazu verpflichtet, "ihren Konkurrenten den Zugriff auf die entbündelte Teilnehmeranschlussleitung (...) zu gewähren".

Allerdings kann die Telekom den Zugang zur TAL in der unmittelbaren Umgebung ihrer rund 8.000 Hauptverteiler verweigern, falls sie dort ihre Anschlüsse mit der VDSL2-Vectoring-Technik erschließt. Sie muss dann den Wettbewerbern Ersatzprodukte anbieten. Dieses lokale virtuell entbündelte Zugangsprodukt (VULA) muss in seinen Eigenschaften der entbündelten TAL sehr nahe kommen. Die Entscheidung enthält zudem Regeln für eine finanzielle Kompensation der Wettbewerber durch die Telekom, wenn sie infolge des Vectoring-Ausbaus keinen Zugang zur entbündelten TAL mehr erhalten können.

Verbindliche Ausbauzusage abgegeben

Allerdings darf die Telekom nicht in jedem Gebiet den Zugang zu TAL verweigern. Ein Wettbewerber kann laut Bundesnetzagentur auch künftig in einem Nahbereich auf die "letzte Meile" zugreifen, wenn er sich in einem Gebiet bisher in stärkerem Maße bei der DSL-Erschließung von Kabelverzweigern und damit flächendeckender als die Telekom engagiert hat. Dort kann er die Nahbereiche selbst mit VDSL2-Vectoring erschließen, um so sein Versorgungsgebiet zu vervollständigen. Hierfür muss er innerhalb von drei Monaten seinerseits eine verbindliche Ausbauzusage vorlegen.

Die Telekom selbst hatte sich Anfang dieser Woche "verbindlich dazu verpflichtet, bundesweit alle Nahbereiche mit der Vectoring-Technik zu erschließen". Die Bundesnetzagentur geht nach eigenen Angaben davon aus, "dass die Telekom mit Blick auf andernfalls drohende spürbare Sanktionen ihre Investitions- und Ausbauzusage einhalten wird". Dadurch werde ein beschleunigter Ausbau von Anschlüssen mit Bandbreiten von mindestens 50 MBit/s wesentlich gefördert.

Genau das letztgenannte Ziel ist den Wettbewerbern viel zu unambitioniert. Durch den großflächigen Einsatz von Vectoring wird ihrer Meinung nach der Ausbau mit zukunftsfähigeren Glasfaserleitungen verhindert. So hatten Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation), Vatm (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) und Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) nach der EU-Entscheidung von Mitte Juli kritisiert: "Der für die kommende Gigabit-Gesellschaft so wichtige Ausbau mit hochmoderner Glasfaser bis direkt ins Gebäude oder die Wohnung (FTTB/FTTH) wird in den betroffenen Gebieten nun in vielen Fällen unmöglich, da dieser 'echte' Glasfaserausbau ohne den Einbezug der in der Regel dichter besiedelten Nahbereiche meist nicht rentabel realisierbar ist."  (fg)


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