Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/passgedanke-ich-denke-also-erkennt-mich-mein-computer-1609-123011.html    Veröffentlicht: 01.09.2016 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/123011

Passgedanke

Ich denke, also erkennt mich mein Computer

Das Denken wird zum biometrischen Merkmal: Forscher in den USA haben ein biometrisches System entwickelt, das Hirnströme erkennen und als Passwort nutzen kann. Das Lesegerät haben sie in einem Gegenstand versteckt, den die meisten ohnehin dabei haben.

Denk an dein Passwort, und du bist eingeloggt: US-Forscher haben ein neues Verfahren für eine biometrische Authentifizierung entwickelt. Der Nutzer meldet sich durch sein Denken an.

Das System von John Chuang und seinem Team von der Universität von Kalifornien in Berkeley nutzt Hirnstromwellen als biometrisches Merkmal. Arbeitet das Gehirn, erzeugt es ein charakteristisches Muster von Wellen, die mit Elektroenzephalographie-Elektroden (EEG) gemessen werden.

Die Hirnströme werden zum Passwort

Die Idee zu einem Passthought, also Passgedanken, ist schon älter. Ein Passgedanke dürfte schwieriger zu fälschen sein als Fingerabdrücke oder das Gesicht. Allerdings fehlte bisher ein praktikables Lesegerät. Wer möchte schon ein EEG-Headset wie Mindwave von Neurosky mit sich herumtragen, nur um sich an einem Gerät anzumelden?

Immerhin: Chuang und seine Kollegen haben Mindwave getestet und konnten einen Probanden mit einer Genauigkeit von über 99 Prozent identifizieren. Das System funktioniert also sehr gut. Vielleicht, so überlegten sie, lässt sich es sich in ein Gerät integrieren, das viele ohnehin mit sich herumtragen.

Die Elektrode im Ohrhörer wird getestet

Die Forscher bauten also die Elektrode aus dem Headset aus und in einen Ohrhörer ein. Dieses rudimentäre System testeten sie mit einer Gruppe aus zwölf Probanden. Die Forscher ließen sie jeweils zweimal fünf Denkaufgaben erledigen. Der EEG-Ohrhörer erkannte die Person mit einer Treffergenauigkeit zwischen 72 bis 80 Prozent

Die Forscher um Chuang haben das System kürzlich auf der Konferenz Engineering in Medicine and Biology Society vorgestellt. Als Nächstes wollen sie das System zu einem serienreifen Produkt weiterentwickeln. Dazu gehört, die Genauigkeit zu verbessern.

Sport beeinflusst Hirnströme

Das gilt vor allem für Situationen, in denen der Nutzer nicht entspannt ist. So fanden Chuang und sein Sohn heraus, dass Sport einen starken Einfluss auf die Hirnaktivität hat: Nach einer Sportübung kann es eine Minute dauern, bis Hirnstromwellen wieder zu ihrem normalen Muster zurückkehren. Auch Stress, Alkohol, Koffein oder die Stimmung können die elektrischen Signale, die das Gehirn erzeugt, beeinflussen.

Ein serienreifes System muss damit umgehen können. Sollte es robust genug sein, wäre es aber sicher praktisch: Denn damit könnte schon das Nachdenken über ein vergessenes Passwort das Passwort sein.  (wp)


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