Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazons-dash-button-einkaufen-fuer-verplante-1608-122949.html    Veröffentlicht: 31.08.2016 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/122949

Amazons Dash-Button

Einkaufen für Verplante

Amazon bringt den Dash-Button nach Deutschland. Mit einem Druck auf den physischen Knopf kann damit ein zuvor festgelegter Artikel bestellt werden. Damit will das Unternehmen den Einkauf von regelmäßig benötigten Artikeln einfacher machen, der Dash-Button soll das Sparabo ergänzen.

Möglichst bequem einkaufen - das will Amazon mit dem Dash-Button möglich machen, den es nun auch in Deutschland gibt. Er ergänzt das bereits seit längerem verfügbare Sparabo des Anbieters. Erstmals vorgestellt wurde der physische Bestellknopf Dash im Frühjahr 2015, war seitdem aber nur in den USA verfügbar.

Bei der ersten Bestellung mit dem Knopf gibt es eine Gutschrift, so dass die Anschaffung des Zubehörs für den Kunden kostenlos ist - nicht aber für den Markenhersteller, der mit dem betreffenden Knopf verknüpft ist.


Voraussetzung für die Dash-Nutzung ist ein aktives Prime-Abo bei Amazon, das jährlich 49 Euro kostet. Ansonsten kann der Knopf nicht bestellt werden, den es für eine Vielzahl von Markenherstellern gibt. Nach der Lieferung des Knopfes muss dieser mit dem heimischen WLAN verbunden werden und im Amazon-Konto konfiguriert werden. Für die Einrichtung des Dash-Buttons ist ein Android- oder iOS-Gerät erforderlich. Beim Druck auf den Dash-Knopf zeigt eine winzig kleine LED an, dass der Kaufvorgang erfolgreich war. Ein Display hat der Dash-Button nicht.

Eingeschränkte Produktauswahl

Im Amazon-Konto kann der Kunde festlegen, welches Produkt beim Druck auf den Dash-Knopf bestellt wird. Dabei gibt es allerdings nur eine eingeschränkte Auswahl an Produkten. Ein Knopf für Haarpflegemittel eines bestimmten Herstellers kann nur für die Haarpflegeprodukte des Anbieters verwendet werden. Wer sich also einen Knopf für Tiernahrung zulegt, kann darüber keine Druckerpatronen bestellen und umgekehrt.

Ein Amazon-Kunde kann beliebig viele Dash-Buttons verwenden, um darüber Produkte zu bestellen. Nach Amazons Auffassung ist der Dash-Button eine Ergänzung für das bisherige Sparabo. Bei diesem muss der Kunde zuvor festlegen, in welchem Intervall ein bestimmtes Produkt immer wieder ausgeliefert werden soll. Mit Dash sollen außerdem Kunden angesprochen werden, die kein Abo abschließen wollen.

Kein festes Bestellintervall

Ein festes Intervall gibt es für den Dash-Button nicht, hier entscheidet der Kunde spontan, wenn er einen Verbrauchsartikel nachbestellen möchte. Der Knopf ist mit einem wiederverwendbaren Klebestreifen und einem abnehmbaren Haken versehen und soll direkt da angebracht werden, wo die betreffenden Artikel gebraucht werden. Wenn sich beispielsweise der Knopf für Waschmittel in der Nähe der Waschmaschine befindet, kann mit einem Knopfdruck neues Waschmittel bestellt werden, sobald auffällt, dass dieses fast aufgebraucht ist.


Nach Aussage von Amazon passiert es in einem solchen Beispiel vielen Menschen, dass sie sich aufschreiben wollen, Waschmittel nachzukaufen, dies aber vergessen. Für diese Zielgruppe soll der Dash-Button Erledigungen erleichtern.

Der Knopf enthält eine Batterie und soll damit etwa drei Jahre halten. Amazon sieht keinen Batteriewechsel vor: Wenn sie leer ist, soll der Kunde einen neuen Button bestellen. Die Batterielaufzeit richtet sich danach, wie häufig der Knopf gedrückt wird.

Amazon will Fehlbestellungen vermeiden

Eine über den Dash-Button vorgenommene Bestellung soll ohne Schwierigkeiten 30 Minuten danach storniert werden können. Einen längeren Zeitraum will Amazon nicht anbieten, um die Produktauslieferung zügig vornehmen zu können.

Solange ein mit dem Dash-Knopf bestellter Artikel nicht ausgeliefert wurde, kann dieser nicht noch einmal bestellt werden. Wenn also zwei Personen im Haushalt merken, dass das Waschmittel leer ist und beide unabhängig voneinander am gleichen Tag auf den Bestellknopf drücken, wird nur die erste Bestellung ausgeführt. Falls es doch zu ungewollten Bestellungen kommt, verspricht Amazon, dass diese jederzeit zurückgeschickt werden können. Hoffentlich droht dann bei häufigen Rücksendungen keine Kontosperrung durch Amazon.

Nachdem der Dash-Knopf gedrückt wurde, gibt es wie bei anderen Amazon-Bestellungen eine Bestätigungs-E-Mail. Vor Betätigung des Knopfes erfährt der Kunde den aktuellen Preis nicht ohne Weiteres. Er muss dafür vorher gezielt auf der Amazon-Seite nachschauen.

Amazon informiert Kunden nur bei großen Preisschwankungen

Lediglich bei sehr großen Preisunterschieden wird der Kunde per E-Mail darüber informiert, um die Dash-Verknüpfung bei Bedarf auflösen zu können. Falls der Kunde aber länger nicht seine E-Mails beachtet, könnte er das Produkt beim Druck auf den Dash-Knopf zu einem deutlich höheren Preis bestellen als angenommen. Amazon erlaubt es dem Kunden nicht, eine Preisobergrenze für die Dash-Produkte festzulegen. Wenn der Kunde erst nach dem Kauf eine Preiserhöhung bemerkt, muss er auf die Rückgabemöglichkeit des Händlers zurückgreifen.



Amazon sieht keine Rechtsverstöße

Amazons Juristen sind sich sicher, dass eine Bestellung über den Dash-Knopf mit deutschem Gesetz vereinbar sei. Zum Schutz der Verbraucher muss im Onlinehandel der Bestellknopf die Beschriftung "zahlungspflichtig bestellen" tragen. Das ist zwar beim Dash-Button nicht der Fall. Dennoch meint Amazon, dass der Druck auf den Knopf so eindeutig sei, dass es keine juristischen Probleme geben werde. Auf das Bedrucken der Dash-Buttons mit dem Schriftzug "zahlungspflichtig bestellen" hat das Unternehmen verzichtet.

Keine Anbindung an Prime Now

In Teilen Berlins und Münchens ist bereits Amazons Prime Now verfügbar. Mit diesem Dienst werden Bestellungen in zwei Stunden ausgeliefert. Obwohl der Dash-Button vor allem für Verbrauchsartikel gedacht ist, die schnell wieder verfügbar sein sollen, erlaubt Amazon damit keine Prime-Now-Auslieferung - eine Dash-Bestellung wird also erst am nächsten Tag ausgeliefert. Wenn ein Kunde mehrere Dash-Buttons hat und diese innerhalb eines kurzen zeitlichen Abstands drückt, muss das nicht bedeuten, dass die Bestellungen zusammengefasst werden. Wie bei anderen Amazon-Bestellungen hängt es vom Einzelfall ab, ob alle bestellten Artikel in einem oder mehreren Paketen geliefert werden.

Zusammenarbeit mit Geräteherstellern

Parallel zu den Dash-Buttons wird auch der damit in Zusammenhang stehende Dienst Dash Replenishment (DRS) in Deutschland angeboten. Auf der Ifa in Berlin werden etliche Hersteller Geräte mit dieser Funktion zeigen. Bei DRS ist die Dash-Funktion in den Geräten eingebaut. Wenn die Gerätebesitzer es wünschen, können sie so eine Nachbestellautomatik aktivieren.

Sobald entsprechende Verbrauchsmaterialien nicht mehr vorrätig sind, bestellt das Gerät diese selbsttätig nach - im Namen des Kunden. Damit soll der manuelle Einkauf solcher Verbrauchsartikel ganz entfallen. Diese Technik wollen Bauknecht, Bosch, Brother, Grundig, Kyocera, Samsung und Siemens in ihre Produkte integrieren. Die DRS-Schnittstellen sind offen und für die Integration in alle netzwerkfähigen Geräte verfügbar.

Zur Markteinführung in Deutschland gibt es den Dash-Button unter anderem von Ariel, Avery Zweckform, Cesar, Gillette, Oral-B, Persil, Pedigree, Sagrotan, Schwarzkopf, Sheba, Somat, Whiskas und Wilkinson. Amazon verspricht, dass in den kommenden Monaten weitere Markenhersteller dazukommen sollen.

Dash-Button gibt es nur bei Amazon

Amazon verkauft den Dash-Button nur über das Internet. Obwohl es ein Produkt ist, das Markenhersteller sinnvollerweise in der Nähe der betreffenden Produkte anbieten könnten, will Amazon den Dash-Button nicht im stationären Handel verfügbar machen. Jeder einzelne Dash-Button kostet 4,99 Euro; bei der ersten Bestellung darüber gibt es eine Gutschrift von 4,99 Euro, so dass er für die Kunden bei Nutzung kostenlos ist.

Ganz anders sieht es für die Hersteller aus, die in das Amazon-Dash-Programm aufgenommen werden sollen. Nach Informationen des Wall Street Journal zahlen Markenhersteller für jeden verkauften Dash-Button 15 US-Dollar an Amazon. Und bei jedem Verkaufsvorgang erhalte Amazon 15 Prozent Provision. Normalerweise beträgt Amazons Provision 8 bis 15 Prozent. Amazon wollte diese Angaben auf Nachfrage von Golem.de nicht kommentieren.  (ip)


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