Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ceo-fraud-autozulieferer-leoni-um-40-millionen-euro-betrogen-1608-122741.html    Veröffentlicht: 17.08.2016 11:19    Kurz-URL: https://glm.io/122741

CEO-Fraud

Autozulieferer Leoni um 40 Millionen Euro betrogen

Mit dem sogenannten Chef-Trick erbeuten Kriminelle oft Millionenbeträge von Unternehmen. Mit fingierten E-Mails und Zahlungsanweisungen werden illegale Geldtransfers eingeleitet. Jetzt hat es einen großen deutschen Automobilzulieferer getroffen.

Der deutsche Automobilzulieferer Leoni ist um rund 40 Millionen Euro betrogen worden, wie das Unternehmen am Dienstag selbst bekanntgegeben hat. Die Angreifer nutzten dabei offenbar eine als Chef-Trick oder CEO-Fraud bekannt gewordene Masche, um sich Zugriff auf die Zahlungen zu sichern.

Die Kriminellen operierten offenbar mit gefälschten Dokumenten und fingierten Identitäten und nutzten "elektronische Kommunikationswege", um die betrügerischen Zahlungen anzuweisen. Den Begriff Chef-Trick nutzt das Unternehmen nicht selbst, dies sei "eine Interpretation verschiedener Medien, weil in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle so bezeichnet wurden", sagte ein Sprecher.

Gelder ins Ausland transferiert

Die Gelder wurden dem Unternehmen zufolge auf Zielkonten im Ausland transferiert. Der Sprecher konnte mit Verweis auf laufende kriminalpolizeiliche Ermittlungen im Gespräch mit Golem.de keine genaueren Angaben zu vermuteten Tätern, Zielland und zeitlichem Ablauf des Angriffes machen.

Der Vorfall wurde der Mitteilung des Unternehmens zufolge am 12. August 2016 erkannt, daraufhin seien sofort interne Ermittlungen aufgenommen, außerdem sei die Polizei eingeschaltet worden. Derzeit würden außerdem auch Schadenersatz und Versicherungsansprüche geprüft.

Eine Zusammenarbeit mit dem BSI oder einem Cert findet derzeit nicht statt, wie der Sprecher sagte. Dies sei nicht notwendig, weil die IT-Infrastruktur des Unternehmens nicht kompromittiert sei. "Wir haben das durch unsere interne IT-Security-Abteilung untersuchen lassen, es gibt keinerlei Hinweise für einen Einbruch", sagte der Sprecher.

Die Leoni AG ist ein börsennotiertes Unternehmen und muss entsprechende Vorfälle daher öffentlich berichten. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich der Automobilindustrie als Zulieferer tätig und erzielt dort nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der Umsätze. Leoni stellt Kabel- und Bussysteme für die Bordelektronik zur Verfügung.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Leoni einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von etwa 151 Millionen Euro ausgewiesen. Das aktuelle Geschäft laufe "prognosekonform", die Liquidität des Unternehmens sei von dem aktuellen Vorfall "nicht wesentlich beeinträchtigt", heißt es in der Pressemitteilung.  (hg)


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