Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bmw-connected-bei-bmw-faengt-fahren-auf-dem-smartphone-an-1608-122592.html    Veröffentlicht: 09.08.2016 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/122592

BMW Connected

Bei BMW fängt Fahren auf dem Smartphone an

Digitale Dienste sind inzwischen genauso wichtig für den Kauf eines Autos wie die Marke. Mit BMW Connected zeigt BMW, wie Fahrzeugvernetzung aussehen kann.

Zeit, aufzubrechen: Ein kleiner Hinweis auf der Apple Watch mahnt den BMW-Fahrer, dass er sich demnächst zu seinem Auto begeben soll, um pünktlich zu einem Termin zu kommen. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass er noch etwas Zeit hat. Aber seine Route ist blockiert und er muss einen Umweg fahren.

Der Münchner Automobilhersteller BMW stellt ein neues System vor, das BMW-Fahrern dabei helfen soll, die Autofahrten effizient zu organisieren. Dazu prüft BMW Connected die Route und die Verkehrssituation dort und benachrichtigt den Fahrer, wenn es an der Zeit ist, sich ins Auto zu setzen und loszufahren.

BMW verknüpft Kalender und Adressbuch

Die Idee dahinter ist, eine sogenannte Mobilitätsagenda zu schaffen, die einen Fahrer begleitet, auch wenn er noch nicht im Auto sitzt. Dazu gibt der Fahrer BMW Connected Zugriff auf den Standort, den Kalender und das Adressbuch auf seinem Smartphone, und das System plant die Wege.

Zum Beispiel: Der Nutzer hat um 15 Uhr einen Termin bei einem Kunden. Der Termin steht im Kalender, die Adresse im Adressbuch. BMW Connected errechnet - wie das Navigationssystem im Auto - eine Route zum Kunden. Das System fragt auch gleich die aktuelle Verkehrssituation ab und zeigt die aktuell benötigte Zeit in der Liste der an diesem Tag anstehenden Fahrten an. Sie ist farblich gekennzeichnet: grün bedeutet, die Strecke ist frei, gelb, es ist mit Verkehr zu rechnen und rot heißt, dass die Fahrt länger als üblich dauern wird.

Das Smartphone übergibt die Route

Muss der Fahrer aufbrechen, schickt ihm die App rechtzeitig eine Nachricht auf das Smartphone oder die Smartwatch. Er schnappt sich sein Smartphone, steckt es in die Tasche und macht sich auf den Weg zum Auto. Praktisch wird es im Auto: Nach dem Einsteigen teilt das Smartphone dem Auto mit, wohin es geht. Ein Klick auf das entsprechende Icon auf dem Armaturenbrett, und die Route wird vom Smartphone ohne weitere Interaktion auf das Navigationsgerät übernommen.

Sollte sich unterwegs ein Stau gebildet haben, so dass die Fahrt länger dauert, schickt der Fahrer seinem Kunden einfach eine Nachricht. Natürlich nicht vom eigenen Smartphone aus - das bleibt unterwegs in der Tasche. Das übernimmt BMW Connected. Der Fahrer kann vom Lenkrad aus das Verschicken der Nachricht veranlassen. Das System macht den Rest: Es adressiert die Nachricht automatisch und teilt dem Kunden die voraussichtliche Ankunftszeit mit. Am Zielort angekommen, übergibt das System die Adresse an einen Kartendienst wie Google Maps oder Apple Maps, der den Fahrer schließlich vom Parkplatz zur Haustür geleitet.

Der Fahrer kann den Fahrzeugstatus abfragen

Die App bietet daneben auch Statusabfragen und Fernsteuerungsmöglichkeiten. So kann der Fahrer eines Elektroautos etwa den Ladestand des Akkus abfragen. Das ist praktisch, wenn der Akku noch für 25 Kilometer Strom hat, das nächste Ziel in der Mobilitätsagenda aber 30 Kilometer entfernt ist. Wenn der Fahrer das früh genug weiß, kann er sein Auto nochmal an die nächste Ladesäule hängen.

Die App sagt dem Fahrer, ob alle Türen und Fenster des Autos geschlossen sind. Sie bietet die Möglichkeit, die Türen zu entsperren, und der Fahrer kann die Hupe betätigen. Das klingt im ersten Moment etwas merkwürdig - warum sollte ich per Smartphone hupen? -, kann aber praktisch sein. Etwa wenn Papa die Familienkutsche in einem unübersichtlichen Parkhaus abgestellt hat und ein anderes Familienmitglied sie dort suchen darf. Da kann ein akustischer Hinweis das Auffinden schon erleichtern.

Das System integriert auch andere Anwendungen: So kann der Nutzer, wenn er bei Google nach einem Restaurant oder einer Sehenswürdigkeit gesucht hat, diese in die BMW-App übergeben. Die Zielorte werden gespeichert. Wenn der Nutzer solch einen Ort also zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ansteuern will, findet er ihn in der entsprechenden Liste.

Aktualisierungen in wenigen Wochen

BMW Connected sei "eine Art digitaler Freund", sagte Thom Brenner, für den digitalen Lifestyle bei BMW zuständig, in der vergangenen Woche bei einer Präsentation des Systems. Aber wie das in einer Freundschaft so ist: Die Basis ist Vertrauen. Wer einem Freund etwas anvertraut, möchte nicht, dass der das weitertratscht.

BMW lege deshalb Wert auf Datenschutz und Datensicherheit, sagte BMW-Mitarbeiter Florian Reuter im Gespräch mit Golem.de. Die Nutzer müssten von sich aus Daten freigeben, wobei sie etwa den Zugriff auf Kalender oder Standort verweigern könnten. BMW kommuniziere, welche Daten für welchen Dienst erhoben werden. Die Daten würden nicht weitergegeben.

BMW Connected ist ein Cloud-Dienst

Damit BMW Connected Umweltinformationen etwa über den Verkehr miteinbeziehen kann, werden die Daten online in der Open Mobility Cloud verarbeitet. Das System basiert auf Microsofts Cloud-Infrastruktur Azure, die BMW für diese Zwecke angepasst hat. Eine Machine-Learning-Architektur wertet die Daten, die der Fahrer freischaltet, und die Daten aus dem Auto aus.

BMW will den Dienst weiter ausbauen. Es wird regelmäßig Aktualisierungen für BMW Connected geben. Das sollen Verbesserungen vorhandener Funktionen sein - dabei will BMW auch die Rückmeldungen der Nutzer einbeziehen. Es sollen aber auch neue Funktionen hinzukommen. Sie hätten schon eine Menge Ideen gesammelt, sagt Reuter.

Der Nahverkehr könnte integriert werden

Dazu könnte beispielsweise die Integration von öffentlichem Nahverkehr und dem Car-Sharing-Dienst Drive Now gehören: Sind die Straßen wegen einer Großveranstaltung verstopft, könnte BMW Connected dem Fahrer empfehlen, das eigene Auto stehen zu lassen und stattdessen mit Bus oder Bahn sein Ziel zu erreichen. Hat sich der Stau aufgelöst, könnte er auf dem Rückweg ein Mietauto nehmen, das er über die App findet und reserviert.

Die Aktualisierungen sollen in Abständen von etwa sechs Wochen erfolgen. In den USA etwa, wo BMW Connected seit Ende März verfügbar ist, wurden bereits vier Aktualisierungen ausgeliefert. Das ist eine Umstellung für eine Branche, die an Zyklen von mehreren Jahren gewöhnt ist. Das Unternehmen solle, sagte Brenner, "auf Internetspeed beschleunigen".

Digitale Dienste sind ein Kaufgrund

Dienste wie BMW Connected seien wichtig, sagte Dieter May, bei BMW zuständig für digitale Dienste und Geschäftsmodelle, weil sie inzwischen zu einem wichtigen Kriterium beim Autokauf geworden seien. Er berief sich dabei auf eine Studie des Martkforschungsunternehmens McKinsey, nach der 37 Prozent der Fahrer von Autos der Mittelklasse die Marke wechseln würden, wenn die Konkurrenz bessere digitalen Dienste anbieten würde.

Zunächst kann BMW Connected nur auf iOS-Geräten genutzt werden. Eine App für Android ist in Arbeit. BMW will das System zudem auch auf anderen Plattformen bereitstellen. In den USA etwa soll in Kürze Echo hinzukommen, Amazons lauschender Assistent für daheim. Der Nutzer muss dann Eingaben nicht mehr auf einem Bildschirm machen, sondern er fragt einfach Alexa.

Auf dieser Seite des Atlantiks wird BMW Connected ab diesem Monat erhältlich sein: in Deutschland und 17 weiteren europäischen Ländern. Das System soll sich dabei nicht nur in aktuellen Modellen nutzen lassen, sondern auch in Autos bis zum Baujahr 2011.  (wp)


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