Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0102/12255.html    Veröffentlicht: 09.02.2001 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/12255

Spieletest: Stupid Invaders - Blöde Aliens, kluges Adventure

Abenteuer im klassischen Point-&-Click-Stil von Ubi Soft

Namen wie Day of the Tentacle oder Sam & Max zaubern auch heute noch ein Lächeln auf das Gesicht von Adventure-Freunden, schließlich stellten diese von Lucas Arts geschaffenen Meisterwerke absolute Glanzstücke der digitalen Unterhaltung dar. Ubi Soft eifert diesen schon etwas betagten Vorbildern nun mit Stupid Invaders nach - nicht nur die knallbunte Cartoon-Grafik zeigt dabei deutlich, an welchen Vorbildern sich die Entwickler orientiert haben.

Normalerweise gelten Aliens ja gemeinhin als gefährlich und mitunter auch menschenfressend - eine Beschreibung, die auf die knuddeligen Außerirdischen Etno, Candy, Stereo, Gorgious und Bud nicht so recht zutreffen will. Die fünf Freunde, die durch einen Betriebsfehler ihrer fliegenden Untertasse zur Notlandung auf der Erde gezwungen wurden, wissen viel mehr die Unterhaltungsmöglichkeiten der irdischen Freizeitindustrie zu schätzen und sind so mehr mit dem Genuss des Fernsehprogrammes denn mit der Reparatur ihrer Fluggelegenheit beschäftigt.

Screenshot #1
Screenshot #1
Als sie nach fünf Jahren dann doch endlich wieder in der Lage sind, die Erde gen Heimat zu verlassen, kommt ihnen der Alienjäger Bollok in die Quere, der die fünf in überdimensionierte Eiswürfel verwandeln will - eine Vorstellung, die den fünf verständlicherweise recht wenig behagt. Auf der Flucht vor dem Bösewicht übernimmt man als Spieler abwechselnd nun jeweils eines der recht vertrottelten, aber überaus sympathischen bunten Wesen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Der Spielablauf entspricht den bereits angesprochenen klassischen Vorbildern von Lucas Arts: In bewährter Point-&-Click-Manier sammelt man mit der Maus Gegenstände ein, die mit anderen Dingen kombiniert werden oder in bestimmten Situationen angewandt werden wollen. Die Rätsel erinnern in ihrer Abgedrehtheit dabei oft an die verqueren Gedankengänge eines Guybrush Threepwood. Beispielsweise muss man erst einen Trichter auftreiben, diesen einem im Sarg liegenden Zombie in den Mund stecken und danach mit Schwefelsäure füllen, damit besagter Untoter einen Schlüssel aus den Händen gibt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei moderat an, die häufigen Zwischensequenzen in der Spielgrafik lassen Stupid Invaders oft wie einen unterhaltsamen TV-Cartoon wirken. Aber leider offenbart das an sich überzeugende Gameplay den einen oder anderen unschönen Makel. So kann man, ganz im Gegensatz zu den Lucas-Arts-Titeln, das Zeitliche segnen, wenn man etwa eine falsche Tür öffnet. Da man in dieser Situation meist schuldlos ist und keine Autosave-Funktion integriert ist, beginnt man bald in Ego-Shooter-Manier alle fünf Minuten einen Spielstand anzulegen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Genauso unverständlich ist, wieso die häufigen Dialoge, die sich zu allem Überfluss auch nicht abbrechen lassen, kaum etwas zur Lösung der Rätsel beitragen. Und auch bei der Synchronisation der Charaktere wurde ein wenig fahrlässig gehandelt, denn die recht monotonen und trägen Stimmen nehmen einem doch einiges der auf Grund des an sich genialen Spieles vorhandenen Motivation.

Fazit:
Stupid Invaders hätte ein absolutes Highlight werden können, die angesprochenen Mängel verhindern allerdings eine Top-Wertung. Wer Adventures des klassischen Stils mag, wird aber trotzdem, allein schon wegen der leider kaum vorhandenen Alternativen, begeistert sein.  (tw)


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