Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lernroboter-test-besser-technik-lernen-mit-drei-freunden-1608-122527.html    Veröffentlicht: 15.08.2016 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/122527

Lernroboter-Test

Besser Technik lernen mit drei Freunden

Wird die blinkende LED als Programmierübung zu langweilig, lohnt ein Griff zu einem Roboterkit. Wir haben uns drei Modelle für Kinder und Jugendliche angeschaut. Dabei zeigte sich, dass Spielzeug aus Plastik nicht unbedingt schlechter als ein Holz- oder Metallbaukasten sein muss.

Ob Arduino oder Raspberry Pi: Kleine Programme, um LEDs anzusteuern und Sensoren auszuwerten, sind schnell programmiert. Doch ohne ein Ziel leidet schnell die Motivation und nicht jede Bastelinstallation ist gleichzeitig kinderzimmertauglich und mit den Nerven der Eltern kompatibel. Programmierbare Roboter bieten einen praktischen Ausweg, idealerweise taugen sie als lehrreiches Spielzeug ebenso wie als spielerisches Experimentierlabor. Deshalb haben wir uns drei aktuelle Roboter und die dahinterstehenden Konzepte näher angeschaut und wollten wissen, ob sie die doppelte Rolle als Lern- und Spielzeug erfüllen können.

Der BQ Zowi, der Mirobot und der Makeblock mBot Ranger unterscheiden sich zwar optisch deutlich voneinander, ihre Elektronik und ihre Programmierung basieren aber auf der Arduino-Architektur. Damit einher gehen auch quelloffene Programme. Aus Nutzersicht besteht dann allerdings das Risiko, dass sich der Hersteller auf die Arduino-Community verlässt und kein oder nur sehr reduziertes eigenes Lehrmaterial für seinen Roboter bereitstellt. Auch darauf haben wir geachtet. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Hersteller die Roboter auch explizit als Lehrwerkzeug vermarkten.

Ein Roboter zum Liebhaben

Der BQ Zowi wirkt mit seinem türkisfarbenen Kunststoffgehäuse auf den ersten Blick wie ein typischer, ferngesteuerter Spielzeugroboter. Ein Ultraschallsensor fungiert gleichzeitig als Augenpaar - die Niedlichkeitsausstrahlung verfehlt ihren Zweck in der Redaktion nicht: Die Kollegen jeglichen Alters widmen ihm sofort ihre Aufmerksamkeit.

Per Knopfdruck schalten wir ihn ein. Sein Mund leuchtet auf, eine Matrix mit 64 LEDs. Über zwei weitere Knöpfe können wir eines von drei vorinstallierten Programmen starten. Mit dem Tanzprogramm zeigt der Zowi die Beweglichkeit seiner Beine. Beim Hindernis-Ausweichen läuft er herum und versucht, mit seinem Ultraschallsensor Hindernisse zu erkennen und ändert entsprechend seinen Kurs. Beim dritten Programm reagiert der Roboter über ein Mikrofon auf Geräusche und tanzt kurz bei Klatschgeräuschen.


Schon beim einfachen Herumtanzen auf dem Tisch zeigt sich, dass der Zowi robust ist und kräftige Servos besitzt. Das unterscheidet ihn durchaus von seinen Vorbildern: Das Design des zweibeinigen, laufenden Roboters mit vier Servos als Antrieb wurde in den vergangenen zwei Jahren in der 3D-Drucker-Community populär. Seine Kameraden zum Selbstdrucken und Bauen sind aber kleiner und schwächer ausgelegt.

Spielerisch Robotik lernen

Als Nächstes installieren wir die Zowi-App auf unserem Smartphone, derzeit gibt es sie nur für Android. Die Verbindung mit dem Roboter erfolgt ohne Schwierigkeiten per Bluetooth. Über die App können wir den Roboter klassisch fernsteuern und Spiele mit ihm spielen. Mit der Fernsteuerung können wir Zowi nicht nur hin und her scheuchen, sondern auch vorprogrammierte Bewegungsabläufe wie Mundausdrücke aufrufen - doch diese gilt es zuerst freizuschalten.

An dieser Stelle kommt der pädagogische Ansatz ins Spiel. Zum Freischalten müssen wir verschiedene, frei wählbare Kurse durchlaufen. Sie sind in der App aufgelistet, der eigentliche Wissensinhalt wird aber über eine verlinkte Webseite angezeigt. Darin werden mit Texten, Bildern und gelegentlichen Videos die grundsätzlichen Eigenschaften eines Roboters, seiner Elektronik und der Programmierung erläutert. Zurück in der App müssen wir dann Fragen zum jeweiligen Kursinhalt beantworten. Waren die Antworten richtig, erhalten wir zusätzliche Steuerungsoptionen.

Die App wie auch die Kurstexte sind auf Deutsch, allerdings hat die Lokalisierung nicht überall korrekt geklappt. Die Mehrzahlbildung in der App ist manchmal merkwürdig, und in den Kurstexten stehen teilweise spanische Originalabschnitte zwischen den deutschen Absätzen.

Schließlich gibt es in der App noch einen einfachen Programmiermodus. Darüber können Bewegungsabläufe in eine Liste eingefügt und abgespielt werden. Nachdem wir uns so mehrere Stunden mit dem Zowi beschäftigt haben, heult er allerdings erst einmal auf und die App meldet uns einen niedrigen Akkustand. Über einen Mikro-USB-Anschluss laden wir den 4.040-mAh-Akku wieder auf.

Aufschrauben erwünscht

Die Zwangspause nutzen wir für einen tieferen Blick in die Verpackung. Darin befindet sich noch eine kleine Box. Sie enthält zu unserer Überraschung nicht nur die Anleitung und Aufkleber zur Verzierung des Roboters, sondern auch Werkzeug und eine Anleitung zum Zerlegen des Zowi. Mit Hilfe des beiliegenden Schraubendrehers kann der Zowi vollständig zerlegt und wieder zusammengesetzt werden. So kann der Roboter auch erweitert werden.

Das Standardgehäuse bietet für weitere Bauelemente allerdings keinen Platz. Doch alle Teile stehen unter einer Open-Source-Lizenz und anpassbare CAD-Dateien stehen zum Download zur Verfügung. So können eigene Gehäuseteile per 3D-Drucker hergestellt werden.

Auch die einzelne Elektronikplatine als Herz des Roboters erlaubt eigene Ergänzungen oder Umbauten per Steckverbindung. Technisch basiert sie auf einem Arduino Uno mit zusätzlicher Akkuladeschaltung. Auf der Platine sind die digitalen GPIO-Pins aber zum Teil schon durch die serielle Verbindung zum Bluetooth-Modul, den Tastern und den Buzzer belegt. Die übrigen Pins, inklusive der Servoansteuerung, sind lediglich gesteckt, diese Pins können zu eigenen Zwecken verwendet werden. Auch die analogen Eingänge des Arduino A1-A5 sind als Pins verfügbar.

Die Programmierung kommt uns spanisch vor

Auf die Programmierbibliotheken sind wir gestoßen, als wir uns die Online-IDE des Herstellers für den Zowi anschauten. Damit kann der Mikrocontroller des Roboters programmiert werden, entweder per Code-Eingabe oder grafischem Drag'n'Drop-Editor. Zum Einsatz kommt dabei der Arduino-Sprachdialekt. Die beiden Eingabemethoden sind synchronisiert und lassen sich parallel benutzen, das können die wenigsten grafischen Arduino-Editoren.

Allerdings ist die Nutzung mit Hindernissen verbunden. Der Editor läuft nur unter Chrome und erfordert ein 80 MByte großes Plugin - das stellt nicht nur die Verbindung zum per USB angeschlossenen Zowi her, sondern enthält auch die notwendigen Kompilerwerkzeuge.

Merkwürdigerweise begrüßt uns die Editor-Webseite erst einmal auf Spanisch, erst nachdem wir uns registriert haben, können wir die Sprache auf Deutsch ändern. Die Übersetzung der IDE ist brauchbar, hält aber einen Schmunzler bereit: Wer mit Objekten und Klassen operieren will, findet sie im Menüpunkt "Unterrichtseinheiten".

Der Editor bindet die Bibliotheken für den Zowi automatisch ein. Sie kapseln viele Funktionen zum Umgang mit dem Zowi. Abseits der sprechenden Namen der Funktionen im grafischen Editor fehlt es aber an Dokumentation. Das gilt leider auch für die Nutzung der Bluetooth-Verbindung. Erfahrene Nutzer können sich durch den Quellcode der quelloffenen Bibliotheken arbeiten, Anfänger dürften eher frustriert werden.

Der Roboter für den Maschinenbauer

Der Gegenentwurf zum niedlichen Zowi ist der eher martialisch wirkende mBot Ranger von Makeblock. Mit dem Baukasten kann nicht nur ein Modell mit Kettenantrieb gebaut werden, sondern auch ein aufrecht stehendes, zweirädriges Modell oder der Roboterklassiker mit zwei Antriebsrädern und einem Stützrad.

Der Begriff Baukasten ist hier richtig gewählt, das Chassis besteht aus stabilen Aluminiumelementen, die beliebig verschraubt werden können. Leider sind nur elf Alubauelemente enthalten, sie sind aber kombinierbar mit den Bauelementen von anderen Baukästen des Herstellers und können auch einzeln nachgekauft werden. Es lohnt aber auch ein Blick in die bestehende Spielkiste oder den lokalen Spielzeughandel: Die Lochdurchmesser der Bauelemente sind weitgehend kompatibel mit den Bauteilen in den Metallbaukästen zum Beispiel von Meccano und Eitech, leider gilt das nicht für die Lochabstände.

Bauen wie in der guten alten Zeit

Wir bauen zuerst das Kettenmodell. Eine farbige, bebilderte Aufbauanleitung wie auch beiliegende Schraubenschlüssel und Schraubendreher helfen dabei gut. Der Bau erinnert uns tatsächlich an frühere Zeiten mit dem Metallbaukasten - und wie mühselig eigentlich das Geschraube war. Nichtsdestotrotz dauert der Zusammenbau nur gut 15 bis 20 Minuten. Die Konstruktion aus verwindungssteifen Metallteilen und Schraubverbindungen ist äußerst robust. Die beiden anderen Modelle erfordern eine ähnliche Baudauer.

Angst um verloren gegangene Schrauben muss niemand haben, gleich welches Modell gebaut wird, es bleiben immer einige übrig. Sollten trotzdem neue notwendig sein, reicht ein Besuch im Baumarkt, es handelt sich um klassische M4-Schrauben. Merkwürdig ist allerdings, dass der Hersteller vier verschiedene Längen (8 mm, 10 mm, 14 mm und 25 mm) verwendet, aus unserer Sicht hätte die Kombination aus 10 mm oder 12 mm und 25 mm vollkommen ausgereicht.

Sensoren und Aktoren in Hülle und Fülle

Die Steuerungselektronik befindet sich in einem ebenfalls verschraubbaren und recht großen Plastikgehäuse. Die Technik basiert auf dem Arduino Mega, zusätzlich befinden sich auf der Platine ein Mikrofon, ein Buzzer, zwei Lichtsensoren, ein Gyroskop, ein Temperaturmesser und ein Ring von mehrfarbigen LEDs, die Fernsteuerung erfolgt per Bluetooth-Modul. Die dem Kasten beiliegenden Sensoren für die Entfernungsmessung per Ultraschall und zur Linienverfolgung werden über RJ25-Stecker verbunden. Die beiden Getriebemotoren mit optischen Encodern werden über eher fummelige, kleine Stecker angeschlossen.

Die Stromversorgung erfolgt über sechs AA-Batterien. Leider ist der Batteriehalter in allen drei Modellen kaum von außen zugänglich, ein Batterietausch erfordert Schraubarbeit. Allerdings halten die Batterien recht lange durch, wie wir später feststellen.

Schließlich schalten wir unser Kettenfahrzeug ein, dazu dient ein Schalter auf der Steuerplatine. Um es zu steuern, installieren wir die Makeblock-App auf unserem Smartphone, Android und iOS werden unterstützt. Die Verbindung des Roboters per Bluetooth mit dem Smartphone klappt sofort.

Anpassbare Steuerung hilft beim Verstehen

Die App erlaubt lediglich die Fernsteuerung des Roboters. Es gibt allerdings keine vorgegebene Bedienoberfläche, sondern wir können als "Projekt" einen eigenen Steuerungsbildschirm aus Widgets für die Steuerung und die Sensoren festlegen. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Spielerei. Mit der Zeit ziehen wir aber Nutzen daraus: Wir verfolgen zielgerichtet Sensorwerte und lösen Aktoren aus - ohne dabei von einer überfrachteten Oberfläche abgelenkt zu werden.

Unabhängig davon stehen auch vordefinierte Programme zur Hindernisvermeidung und zur Linienverfolgung bereit. Für Letzteres liegt auch ein A3 großes Plakat mit einem einfachen Kurs bei. In einer App-Version für Tablets namens MakeblockHD steht zusätzlich auch eine IDE zur Drag'n'Drop-Programmierung zur Verfügung.

Forscher sollten lieber drinbleiben

Beim Herumfahren merken wir, dass der Ranger bulliger wirkt, als er tatsächlich ist. Leider fehlt es den Motoren an Drehmoment, der Roboter scheitert trotz der Ketten schon beim Übersteigen kleinerer Hindernisse. Positiv ist allerdings, dass die Elektronik die Motoren bei Überlastung abschaltet, das spart Batteriekapazität und erhöht die Nutzungsdauer.

Auch Outdoor-Experimente sind trotz der Ketten keine gute Idee, die Kabel sind weitgehend ungeschützt und der Elektronik fehlt der Spritzwasserschutz. Ein trockener, gut gepflegter Rasen im Vorgarten mag noch gutgehen, Schlamm und Matsch sind hingegen kein geeignetes Experimentierfeld.

Die beiden anderen Modelle des Baukastens sind auch optisch eindeutig Indoor-Modelle. Das Nervous-Bird-Modell balanciert auf zwei Rädern und ist vor allem für jene interessant, die sich für die Technik hinter Segways und Hoverboards interessieren. Das Dashing-Raptor-Modell unterscheidet sich nicht sehr vom Ranger, bewegt sich aber auf Rädern fort und kann deshalb höhere Geschwindigkeiten erreichen.

Code eingeben oder zusammenklicken

Nachdem wir vom reinen Herumfahren genug haben, soll es ans Programmieren gehen. Dazu müssen wir unter Windows und OS X zuerst einen Treiber installieren. Makeblock bietet eine eigene IDE zur Drag'n'Drop-Programmierung basierend auf Scratch. Alternativ kann auch die Arduino-IDE verwendet werden. Die notwendigen Programmierbibliotheken müssen wir allerdings von Hand installieren.

An einer vernünftigen Dokumentation oder gar Lehrmaterialien zur Programmierung fehlt es aber auch hier. Die englischsprachige Anleitung vermittelt Grundlagen zur Funktionsweise der Sensoren, die Webseite liefert ein Beispiel zur Ansteuerung der Motoren. Außerdem soll ein Lehrheft beim Selbststudium helfen, das hat bisher aber nur zwei Kapitel.

Im Gegensatz zu den anderen hier vorgestellten Robotern bietet Makeblock umfangreiche Erweiterungsmöglichkeiten. Aber auch ohne weiteres Bau- und Elektronikmaterial bietet die Steuerungsplatine auf Basis des Arduino Mega genug Experimentieroptionen. Nachteilig ist allerdings die Verwendung von RJ25-Steckern statt einfacher Pins, um elektronische Bauelemente anzustecken.

Der Roboter für Kreative

Schon optisch unterscheidet sich der Mirobot mit seinem Holzchassis deutlich vom Zowi und dem mBot Ranger. Und er kann mit einem Stift auf dem Boden herummalen.

Seine Malfähigkeiten sind aber nicht der einzige Grund, warum wir ihn in diesen Test miteinbezogen haben. Der Mirobot nimmt eine prominente Position in Microsofts Bildungsprojekten für Kinder in Deutschland ein und auch Google verwendete ihn bei der Vorstellung seines Bloks-Projekts.

Stecken statt schrauben

Der Mirobot wird als Bausatz geliefert. Eine kleine, englischsprachige Aufbauanleitung mit Fotos liegt bei. Alle Teile werden nur zusammengesteckt, Werkzeug ist nicht notwendig, aber einiges Geschick.

Obwohl wir uns am Anfang fragen, wie die Konstruktion überhaupt stabil halten kann, werden wir mit jedem weiteren Bauteil eines Besseren belehrt. Trotzdem ist der fertige Roboter nur bedingt widerstandsfähig und wirkt stets ein wenig wacklig, als reines Spielzeug taugt er eher weniger. Trotz des etwas klapprigen Chassis sind die Fahreigenschaften, insbesondere der Geradeauslauf, untadelig.

Die Elektronik wird nicht versteckt. Auf einer übersichtlichen Leiterplatte muss beim Bau das beiliegende Arduino-Pro-Modul gesteckt werden, ein ESP8622-Modul, ein Buzzer und Einschalter sind bereits verlötet. Die Motoren, der Linienverfolgungssensor, ein Servo und zwei Mikroschalter sowie der Batteriehalter werden über Stecker verbunden.

Mit der notwendigen Fingerfertigkeit haben wir den Mirobot in weniger als 15 Minuten zusammengebaut. Für einen ersten Test verzichten wir auf den Einsatz eines Stifts. Wir schieben den Einschalter auf On. Über das ESP8622-Modul fungiert der Roboter als Access-Point eines eigenen WLAN-Netzes.

Abwechslungsreich programmieren

Wir verbinden unseren Computer mit diesem Netz und können eine Webseite aufrufen. Darauf befindet sich eine minimalistische Programmieroberfläche, um per Drag'n'Drop im Browser kleine Programme zu erstellen. Zuerst wenden wir uns jedoch den WLAN-Einstellungen in der Oberfläche zu. Darüber konfigurieren wir den Zugriff des Roboters auf unser heimisches WLAN. Nachdem das erfolgreich war, trennen wir den Computer vom Mirobot-WLAN und klinken uns ebenfalls wieder ins heimische Netzwerk ein - in dem sich jetzt auch der Mirobot befindet.

So können wir die verschiedenen Online-IDEs und Steuerungsmöglichkeiten nutzen, die auf der Mirobot-Webseite angeboten werden. Darunter befinden sich IDEs für Python und Javascript, aber auch eine direkte Steuerung und ein simples Malwerkzeug, dessen Zeichnung der Mirobot nachmacht.

Stifteinsatz benötigt Fingerfertigkeit

Zum Malen müssen wir aber erst einmal den Stift montieren. Er wird in eine Hebevorrichtung eingespannt, damit er auf Befehl auf- und abgesenkt werden kann. Hier muss die Höhe des Stiftes stimmen. Außerdem muss er sich genau in der Mitte des Chassis befinden, sonst gibt es einen Versatz beim Malen, der insbesondere bei Kurvenfahrten auffällig ist. Doch wie den Stift genau positionieren? Zuerst probieren wir es per Augenmaß, was nur unbefriedigend klappt.

Doch wir entdecken die etwas versteckte Dokumentationssektion auf der Mirobot-Webseite. Dort geht ein Beitrag darauf ein, wie der Stift mit Hilfe der beiliegenden Positionierungslehre justiert wird - und geraten in Panik. Denn das Teil haben wir beim Zusammenbau übersehen und die gedruckte Anleitung verlor darüber kein Wort. Doch zum Glück hatten wir die Holzreste noch nicht weggeworfen, und so haben wir es wiedergefunden. Trotzdem ist die Feinjustierung fummelig und wir benötigten circa 15 Minuten. Einen Pluspunkt gibt es aber für den integrierten Halter, um die Positionierungslehre am Roboter selbst zu befestigen.

Nachdem diese Hürde überwunden ist, malen wir unkompliziert herum. Natürlich sollte unter dem Roboter besser ein A3 großes Blatt Papier liegen, bevor der Tisch oder Fußboden ein Opfer der Kreativität wird. Uns erinnert das sehr an unsere alten Programmieranfänge mit Logo und Turtle-Grafik - der Mirobot macht uns aber deutlich mehr Spaß.

Ein tieferer Blick in die Dokumentation zeigt uns, dass zwar viele Aspekte des Roboters beschrieben und zuweilen auch Denkaufgaben vorgegeben werden, aber ein roter Faden und eine echte Einführung in die Programmierung fehlen.

Alternative Nutzung funktioniert nur eingeschränkt

Wem das reine Herummalen zu langweilig wird, kann das gesockelte Arduino-Pro-Modul auch per Arduino IDE komplett neu programmieren. Zum Flashen ist allerdings ein USB-zu-seriell-Adapter notwendig. Leider sind auch die Sensoren und Aktoren mit Ausnahme des Servos und der Motoren fest auf der Basisplatine verlötet. Weitere Sensoren auf dem Roboter zu verbauen, ist so kaum möglich. Wer mit dem Arduino-Modul eigenständige Experimente durchführen will, muss zwangsläufig Zusatzeinkäufe im Elektronikhandel tätigen.

Positiv demgegenüber steht allerdings, dass die Arduino-Bibliothek für den Mirobot komfortabel über den Bibliotheksverwalter der Arduino-IDE installiert werden kann. Und die Fernsteuerungskommandos sind ordentlich dokumentiert, im Gegensatz zu den beiden anderen Modellen. Das dürfte der Hauptgrund sein, weshalb auch Microsoft und Google den Mirobot in ihren Projekten nutzen.

Preise und Fazit

Der Zowi von BQ kostet um die 120 bis 130 Euro. Der Makeblock mBot Ranger liegt bei circa 190 Euro. Beide sind in Deutschland bei Allnet erhältlich, in ihrem Makerstore in Berlin können sie auch ausprobiert werden. Der Mirobot ist direkt beim Hersteller oder auch bei Amazon zum Preis von circa 60 Pfund beziehungsweise um die 80 Euro erhältlich.

Fazit

Open-Source-Spielzeug, das Spaß macht: Das geht! Was uns aber besonders freut, ist, dass alle drei Roboter tatsächlich nachhaltige Spielzeuge sind - wenn der ferngesteuerte Roboter zu langweilig wird, ist die Elektronik weitgehend herstellerunabhängig weiter programmier- und nutzbar.

Begeistert sind wir auch, dass keiner der Hersteller das Open-Source-/Hardware-Label als Ausrede für Designfehler oder schlecht funktionierende Software benutzt und auf Zuarbeit von der Community hofft. Insbesondere der Zowi legt die Messlatte für elektronisches Spielzeug recht hoch. Nicht nur, weil er Out-of-the-Box bereits zahlreiche unterhaltsame Funktionen besitzt und trotzdem vom Nutzer selbst frei programmiert werden kann. Sondern vor allem, weil er sich komplett zerlegen lässt und zum Basteln einlädt, obwohl es sich nicht um ein Baukastensystem handelt. Hier können sich die großen Spielzeugmarken ein Vorbild nehmen. Ein vermeintlicher Plastikbomber muss nicht zwangsläufig ein Wegwerfprodukt sein.

Alle drei Hersteller müssen aber noch beim Lehrmaterial nachbessern. Leider bietet nur der Zowi auch Erklärungen und Anleitungen in deutscher Sprache an. Doch auch bei den jeweils englischsprachigen Materialien fehlt es an sinnvoll aufgebauten Inhalten zum Selbststudium, wenn der Nutzer sie überhaupt auf der jeweiligen Webseite findet. Insbesondere beim Mirobot und beim Zowi, die bereits für Kinder im Grundschulalter attraktiv sind, ist eine Einführung und Betreuung durch die Eltern oder eine Lehrkraft sinnvoll. Jene sollten sich im Idealfall bereits vorher mit den Robotern beschäftigt haben und selbst die Grundkonzepte der Programmierung verstehen. Beim mBot Ranger ist der Mangel noch eher verzeihlich, richtet er sich doch vorrangig an interessierte Jugendliche, welche den nächsten Lernschritt gehen wollen.

Da die Hardware und Software bereits recht ausgereift sind, hoffen wir, dass die Anstrengungen der Hersteller nun mehr bei den Lehrmaterialien liegen.  (am)


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